insidegames

Carrie – Blu-ray Test / Review

Veröffentlicht 6. Juni 2014 | 18:35 Uhr von Sandra




Carrie hat sage und schreibe bereits 40 Jahre auf ihrem telekinetischen Buckel. Des Satans jüngste Tochter, Untertitel der im Deutschen Sprachraum veröffentlichten Version, stammt aus der Feder von Stephen King, zudem sein erstes veröffentlichtes Werk und erschien 1974 in den USA bzw. drei Jahre später, 1977 u.a. in Deutschland. Seither wurde Carrie: Des Satans jüngste Tochter immer wieder aufgelegt und erfreut sich, trotz etwas fortgeschrittenem Alter, größter Beliebtheit. Wenig verwunderlich auch, dass Carrie verfilmt wurde, erstmals 1976 mit Sissey Spacek in der Hauptrolle Carrie und als Regisseur kein geringerer als Brian De Palma. Der Streifen zählt zweifelsfrei zu den „richtig Guten“ in der Riege der King-Verfilmungen. Streitbar waren dagegen weitere Um- bzw. auch Fortsetzungen. Den Anfang machte 1999 Carrie 2: Die Rache gefolgt 2002 von Carrie als Fernsehfilm. Der letzte Versuch Carrie und ihre Fähigkeiten telegen zu vermarkten war die Adaption von Regisseurin Kimberly Peirce, welche Dezember 2013 in die deutschen Kinos kam und seit einiger Zeit als Blu-ray käuflich erworben werden kann. Ob sich das lohnt? Dieser Frage werden wir auf den Grund gehen!

Achad, Shtaim, Shalosh

1976 mimten Sissey Spacek und Piper Laurie das Mutter-Tochter-Gespann, in dessen Konfliktzentrum religiöser Wahn auf pubertierende Entwicklung und letztlich auch ein Stück weit auf Sex trifft, kombiniert mit der wissenschaftlich nicht bewiesenen Theorie der Telekinese, Kontrolle/Steuerung von Dingen per Gedankenkraft, Uri Geller lässt an der Stelle grüßen. 2013 müssen sich Chloë Grace Moretz als Carrie White und Julianne Moore als Mutter, Margarete White, mit eben diesem Thema erneut auseinander setzen.

Gut gefällt, dass sich die 2013-er Version – anders als bei der TV-Adaption, die 2002 für das US-Fernsehen produziert wurde – wieder mehr an Kings Buchvorlage orientiert wurde. Dass sich eine Fortsetzung wiederum ganz andere Wege geht, liegt offensichtlich auf der Hand. Ergo muss sich Carrie 2013 den Vergleich und die Gegenüberstellung mit Carrie 1976 gefallen lassen.

Carrie-2013-Screenshot-02

Stopf es zu!

Wenn aus einem Mädchen eine Frau wird, ist das biologisch was völlig Normales und kein Grund sich aufzuregen. In der Welt von Carrie und ihrer Mutter allerdings ist das ein Weltuntergangszenario. Es gleicht dem Erscheinen des Leibhaftigen, denn Margaret ist eine zu tiefst religiöse Frau. Eigentlich eher schon fanatisch, denn ihre Tochter ist das Ergebnis einer Süde, die die Mutter in jungen Jahren begangen hat. Margaret wollte ihre Tochter erst töten – entschied sich jedoch anders.

Carrie ist 16 und geht zur Highschool. Alles andere als eine leichte Aufgabe für das verschüchterte und unterdrückte Mädchen. Mobbing steht in der Schule auf der Tagesordnung und ausgerechnet nach dem Schulsport bemerkt Carrie, dass sie zum ersten Mal ihre Regel bekommt. Grund genug für die Klassenkameradinnen sich wie Hyänen über Carrie her zu machen. Nicht ohne Folgen, denn die Rädelsführerin Chris, Portia Doubleday, bekommt die Quittung: Sie wird vom anstehenden Schulball ausgeschlossen.

Der Vorfall in der Umkleidekabine hat aber auch für Carrie zunächst noch ungeahnte Folgen. Emotional in höchstem Maße gestresst stellt die Außenseiterin für sich fest, dass es mehr als nur ihren Look gibt, der sie von den anderen Mädchen unterscheidet. Die Telekinese macht sich deutlich bemerkbar, wächst, rumort, will sich Bahn brechen.

Gleichwohl Sue Snell, gespielt von Gabriella Wilde, nicht überreißt, was mit Carrie passiert, so wird sie doch von ihrem schlechten Gewissen geplagt. Sue entschuldigt sich, überzeugend reuig, bei Carrie. Mehr noch, sie überredet ihren Freund Tommy Ross, Ansel Elgort, statt mit ihr mit Carrie auf den Bald zu gehen. Sozusagen als Wiedergutmachung.

Wir nennen das eine klassische Situation von „gute Idee, schlechte Idee“. Während Margaret versucht Carrie weiter mittels religiöser Beeinflussung in Schach zu halten, schmiedet Chris einen perfiden Plan, Carrie auf dem Ball den sprichwörtlich letzten Denkzettels ihres Lebens zu verpassen. Und am Ende kommt es, wie es kommen muss: Carrie entfesselt ihre Kräfte und bestraft alle, die sich ihr gegenüber widerwärtig verhalten haben, Mutter Margaret inklusive …

Carrie-2013-Screenshot-04

Was ist schon normal?

Andersartigkeit ist für viele Menschen ein Problem, das beweist auch Carrie eindeutig. Wie bereits in der 1976-er Verfilmung ist auch Regisseurin Kimberly Peirce gelungen genau diesen Aspekt in den Fokus zu rücken. Dabei schleicht sich das Grauen, das Widerwärtige, der Fanatismus nur Schritt für Schritt in den Vordergrund. Carrie ist eben anders und die Mitschüler haben, wie leider häufig, ein Problem damit. Hinzu kommt, dass Carrie daheim leidet und niemand da ist, dem sie sich anvertrauen kann. Stattdessen permanentes Beten, Kirchengesänge und sogar Selbstkasteiung bestimmen – neben der Schule – den Tagesablauf von Carrie. Bis zu dem Tag, da Tommy sie fragt, ob sie mit auf den Schulball gehen will.

Was tut ein Mädchen, das bis dato nicht wahr genommen wurde und tief im Inneren den Wunsch hat nur einmal aus sich raus zu können? Einmal sie selbst sein, einmal Spaß haben und leben, einmal nur lieben und geliebt werden … sie sagt einfach ja.

Kinder bzw. Jugendliche sind bisweilen grausam und auch wenn Carrie hier und da scheinbar Akzeptanz erfährt, es bleibt eine oberflächliche Geschichte mit tragischem Ende. Daran ändert unterm Strich auch die Tatsache nichts, dass Carrie über die ausgewöhnliche Fähigkeit Telekinese verfügt. Carrie 2013 ist ein Stück weit auch eine Art mahnender Zeigefinger für mehr Toleranz anderen gegenüber. Gelungen dabei die Art und Weise, wie der Stoff transportiert wird, nämlich gut erzählt und ordentlich mit Schock-Effekten garniert.

Carrie-2013-Screenshot-03

Carrie 2013 vs. Carrie 1976

Peirce bleibt der Buch- als auch der Filmvorlage recht treu. Hier und da gibt es Abweichungen, die getrost unter künstlerische Freiheit verbucht werden können. Meistens, und das gilt zumindest für alle, die Brian De Palams Umsetzung kennen, orientiert sich die 2013-er Fassung genau daran. Einzig beim Ende hat sie es sich nicht nehmen lassen dieses etwas anders in Szene zu setzen.

Schauspielerisch machen die Akteure ihre Sache sehr gut, wobei es wahrlich schwer ist neben vor allem einer seinerzeit grandios agierenden Sissy Spacek zu bestehen. Chloë Grace Moretz fehlt am Ende das besondere Etwas, um wirklich zu 100% zu überzeugen. Carrie ist eine Rolle, in der man einen überdrehten Geist, Wahnsinn, Genie und den Wunsch nach dem einfachen geliebt werden in einer einzigen Sekunde zeigen muss. Aber genau das gelingt Moretz  nicht. Anders dagegen Julianne Moore als religiös-fanatische Mutter – einfach perfekt und genauso fantastisch wie in den 70-er Piper Laurie.

Little Tech-Corner

In Sachen Bild und Ton gibt es nicht viel zu meckern. Einzig die verwendete CGI-Tricktechnik zum Ende des Films hin ist weniger ansehnlich und kann im direkten Vergleich mit dem Movie-Original von 1976 oder auch der Buchvorlage nicht mithalten. Über die Dialoge können wir ebenfalls nicht meckern, die gleichermaßen in O-Ton Englisch sowie guter deutscher Synchronisation vorhanden sind. Insbesondere haben uns auch die akustischen Untermalungen, welche die Telekinese-Szenen begleitet haben, sehr gut gefallen. Last not least sei auch die Hauptfilm ergänzende Ausstattung der Blu-ray erwähnt, die zweifelsfrei in Ordnung geht, sich auf ca. 40 Minuten beläuft und Folgende Inhalte bietet:

  • Audiokommentar von Regisseurin Kimberly Peirce;
  • Entfallene und alternative Szenen;
  • Alternatives Ende;
  • Stuntaufnahmen zu „Tina steht in Flammen“-Szene;
  • Die Entstehung des Films;
  • Die Macht der Telekinese;
  • Virales Video „Telekinese im Café“;
  • Original Kinotrailer.
  • Allgemeine Carrie Blu-ray Daten:
  • Lauflänge ca. 100 Minuten
  • Bild: 16:9 (2.35.1 Letterbox)
  • Ton: Englisch 5.1. DTS HD Master Audio; Deutsch, Franösisch 5.1 DTS, Türkisch 5.1 DTS und andere
  • Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Türkisch u.a.

Carrie-2013-Screenshot-01

Fazit

Brian De Palma hat mit Carrie 1976 einen echten Klassiker geschaffen, der auch heute noch das Zeug dazu hat vor allem neuzeitliche Filme des Horror-Genres im wahrsten Sinn des Wortes gepflegt an die Wand zu spielen. Eine Neuauflage fürs Kino auf Basis des sehr guten Buches als auch des super gelungenen Films von damals ist eine Herausforderung. Dieser hat sich Kimberly Peirce auf jeden Fall gestellt und ihre Sache gut gemacht. Lob gebührt auch den Darstellern, allen voran Julianne Moore als durch geknallte Gottesanbeterin. Dass die moderne Carrie nicht ganz bestehen kann, kein Wunder, bei der von Sissey Spacek hoch gelegten Latte, ist verzeihlich, denn die Darbietung von Moretz geht definitiv in Ordnung. Den Vorteil haben all jene auf der Seite, welche das Original nicht kennen und somit Carrie in der 2013-er Verfilmung einfach nur genießen können. Wer jedoch die Brian De Palma Umsetzung kennt und ggf. auch das Buch von Stephen King gelesen hat, hat bereits zu viele Bilder zum Thema im Kopf, die unweigerlich dazu führen, dass man den 2013-er Carrie zwar anschauen kann, der am Ende aber nicht hängen bleiben wird. 7/10


- ANZEIGE -


Kategorien: Filme Test
Tags:

Weitere News und Spiele zum Thema

Leben, lieben, lachen – spielen! Die Pixel und ich sind seit Anfang der 80er Jahre beste Freunde. Mit einem Schneider CPC fing alles an – der Rest ist Geschichte ^-^ Ich mag sie - fast - alle: J-RPGs, Shooter, Action, Adventure, Puzzle… Bei der Achievement/Trophy-Jagd helfe ich euch gerne, selbst sind sie mir nicht so wichtig ;-) Außerdem liebe ich Katzen, mag Action- & Horror-Filme, bin ein Netflix- /US-Serien-Addict und Musik (Metal, 80er, Dance, Oldies, etc.) ist das Nonplusultra (für mich ;-))!

Kommentare

Hinterlasse eine Antwort

Erfolge Trophy Leitfaden Keyword-Wolke:


  • Carrie - Des Satans jüngste Tochter blu-ray review

  • M47


- ANZEIGE -


*