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Logan: The Wolverine – Kinofilm Test / Review

Veröffentlicht 4. März 2017 | 17:32 Uhr von Sven Huber




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Im Jahr 2000 kam der erste X-Men-Film in die Kinos. Damals ein Risiko, glaubte doch keiner so recht an den Erfolg von Comic-Movies. Die Zweifler wurden eines Besseren belehrt, heute gehören jährliche Comic_movies zum Kinoprogramm wie das jährliche Fifa-Update für Zocker. Hugh Jackman stand dabei neunmal als Wolverine vor der Kamera. Nun endet dieses Ära.

Schon vor längerer Zeit gab Jackman bekannt dass Logan – The Wolverine sein letzter Auftritt als krallenbewehrter Superheld sein wird. Drei Soloabenteuer gönnte man dem beliebten Mutanten. Teil 1, X-Men Origins: Wolverines, enttäuschte dabei die meisten Fans. Beim zweiten Versuch, Wolverine – Weg des Kriegers, übernahm erstmals James Mangold die Regie und lenkte die Franchise in eine Richtung, die wesentlich besser bei Fans ankam. Hardcore-Fans kritisierten jedoch immer noch, dass der Film zwar eine härtere Gangart anschlug, jedoch nicht kompromisslos genug.

Nun stand Jackman also ein letztes Mal als Logan vor der Kamera. Im Vorfeld gab er folgendes Statement ab: „Beende Logan mit einem Knall. Verlasse diesen Charakter auf dem höchsten Niveau, das du abliefern kannst. Gehe, wenn es am besten ist.“ Um das sicherzustellen, fungierte er als Produzent und war auch am Drehbuch beteiligt. Wie schon Ryan Reynolds bei Deadpool, nahm Jackman auch Einbußen bei seiner Gage in Kauf, um an Ende den Film liefern zu können den Fans erwarteten. Am Ende stand dann ein R-Rating, was in den USA als Kassengift gilt. Bei uns entspricht dies einer Freigabe nur für Erwachsene. Damit ist Logan der zweite Marvel-Film, nach Deadpool, der sich bewusst an ein älteres Publikum richtet, auch auf die Gefahr hin kommerziell ein Risiko einzugehen.

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Soviel sei an dieser Stelle schon verraten, wie schon bei Deadpool, hat sich die Mühe gelohnt. Mangolds Film zeigt uns einen gebrochenen, aller Illusion beraubten Logan. Einen Helden, der seinen letzten Kampf gekämpft hat – und verlor. Er zeigt uns eine dreckige Welt, eine Zukunft in der kein Platz mehr ist für Helden in Strumpfhosen und schon gar nicht für Mutanten. Dass spiegelt sich dann auch in den Protagonisten, allen voran Wolverine selbst, wider. Er trinkt, er humpelt, kränkelt und wirkt vom ersten Moment alt und verbraucht. Das was ihn einst stark machte, seine Fähigkeit zur Selbstheilung, ist nahezu erloschen. Als Fan des X-Men leidet man förmlich mit, den einst strahlenden Held so zu sehen, wünscht sich ein anderes Schicksal für ihn, eine bessere Welt und Frieden. Auf dem Gelände einer alten Fabrik versteckt Logan seinen Freund und Mentor Charles Xavier. Der einst mächtigste Telepath der Welt ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Er leidet an Alzheimer und kann seine Kräfte nur noch mit starken Medikamenten kontrollieren. An seiner Seite ein stark aufspielender Stephen Merchant als Caliban.

Die ganze Welt schreit Tod. Egal ob Prof. X, Logan oder Caliban, niemand hat mehr Hoffnung. Kein Funke der einst strahlenden X-Men glimmt noch im Herz der Helden. Ein starker Kontrast zu den sonst so bunten und „lebensfrohen“ X-Men-Filmen. Mangold zeigt jedoch deutlich: Das Ende ist nah, die X-Men sind tot.

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Schuld daran trägt unter anderen der Kopfgeldjäger Donald Pierce, gespielt von Boyd Holbrook. Als Mitglied der Reaver, einer biomechanisch verstärkten Eliteeinheit, war er maßgeblich für den Mutantengenozid verantwortlich. Nun ist er auf der Jagd nach einem entflohenen Experiment namens X-23 alias Laura. Diese ist ein Klon von Logan und wird gespielt von der bislang unbekannten Dafnee Keen. Ab dem Moment des Zusammentreffens zwischen Logan und Laura wird aus dem Film eine Art Roadmovie dass an The Road oder Book of Eli erinnert.

Zeit zum Durchatmen bleibt dem Zuschauer dabei wenig. Mangold jagt durch einen Parforceritt durch die USA. Dabei fließt Blut, reichlich Blut. Logan gehört, zusammen mit Deadpool, zu den härtesten Comic-Movies. Dabei wirkt er stellenweise sogar noch brutaler, da seine Gewalt nicht so comichaft dargestellt wie bei Merc with a Mouth. Logan ist hart, brutal und gnadenlos. Wo die Adamantiumklauen aufblitzen, sterben Menschen, werden Körper verstümmelt und es spritzt Blut. Ganz klar, Logan ist kein Kinderfilm und richtet sich an ein erwachsenes Publikum.

Im Vorfeld wurde Logan oft als Verfilmung des Comics „Old Man Logan“ bezeichnet. Dass trifft nur im weitesten Sinn zu. Im Prinzip bediente Mangold sich nur des grundlegenden Tenors der Comicvorlage: Endlichkeit und Zerfall, Aspekte die man bisher mit vielem aber nicht mit Wolverine in Verbindung gebracht hat. Wolverine erinnert dabei an tragische Figuren der Sagenwelt wie Prometheus. Einst gefeierter Held ist er nun bestimmt zu leiden. Erlösung in Form des Todes scheint ihm verwehrt.

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Logan ist, wie gesagt, kein Effektfilm. Logan lebt von der Chemie seiner Charaktere. Das Zusammenspiel von Wolverine, Xavier und X-23 steht im Mittelpunkt und der Zuschauer gewinnt dabei den Eindruck, die Darsteller versuchten sich dabei gegenseitig zu übertrumpfen. Alle spielen auf in dem Wissen, dass es, zumindest für zwei von ihnen, das letzte Mal sein wird. Besonders hervorheben muss man dabei die junge Dafne Keen. Trotz ihrer gerade mal elf Jahre schafft sie es eine Präsenz auf der Leinwand darzustellen, die einfach nur beeindruckend ist. Bedenkt man, dass sie dabei an der Seite gestandener Charakterdarsteller vom Schlage eines Patricks Stewarts steht, wirkt diese Leistung noch beeindruckender. Dabei liegt es gar nicht unbedingt an den Dialogen, X-23 schweigt die ersten ¾ des Films sogar komplett. Trotzdem schafft sie es ihrem Charakter eine emotionale Tiefe und Zerbrechlichkeit zu geben, die ihresgleichen sucht. Dieser Eindruck wird durch den Kontrast zum extremen Gewaltgrad noch deutlicher und beeindruckender.

Zum Finale fährt Logan dann noch einmal ganz große Geschütze auf. Fans werden hier teilweise exakt gespiegelte Dialoge aus den alten X-Men-Filmen wiedererkennen, gewissermaßen schließt Mangold so den Kreis. Das furiose Finale entschädigt dann auch mehr als großzügig für qualitativ eher schwachen Vorgänger. Mangold und Jackman liefern hier ein Niveau ab, von dem Fans schon seit dem ersten X-Men träumen. Wie auch schon Ryan Reynolds liefert Jackman einen Film ab, der ohne ihn so nie entstanden wäre. Ein Abschied, der würdiger nicht sein könnte.

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Fazit

Wow. Ich ging ohne große Erwartungen ins Kino und ging mit einem Tränchen im Augenwinkel. Was Mangold und Jackman auf die Beine gestellt haben, ist ein würdiges Ende für Wolverine. Ein Film, der bei mir als Zuschauer ein flaues Gefühl im Magen hinterlässt. Schon zu Beginn wird klar, es wird hier keine echtes Happy End geben. Die Charaktere, allen voran Prof. X und Wolverine, sind keine Helden mehr, sondern gebrochene Menschen. Schuld, Sühne, Vergebung sind die vorherrschenden Motive des Films. Der Cast spielt sich hier wirklich die Seele aus dem Leib, allen voran die junge Dafne Keen. Ich habe noch nie eine Kinderdarstellerin so intensiv spielen sehen, dabei wechselt sie nahtlos vom zerbrechlichen, traumatisierten Kind (Kaspar Hauser lässt grüßen) zum brüllenden, um sich schlagenden Tier. Selbst die Körpersprache übernimmt Keen hier beinah 1:1 vom großen Wolverine. Insgesamt ein beeindruckendes Werk, das sich angenehm von den üblichen Comicverfilmungen abhebt und zeigt, das Comics mehr als bunte Bilder sind. Unbedingt anschauen.

 

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Kategorien: Filme Test
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Gamer aus Leidenschaft. Seine ersten Worte waren angeblich nicht "Mama" und "Papa" sondern "LOAD"Name",8,1". Wenn er nicht zockt oder hauptberuflich Atome spaltet, schreibt er, schaut Filme/Serien oder bastelt an youtube-Videos für seinen Channel...was ein Vollblut-Nerd eben so im Kellerloch macht ;)

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