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Microsoft – Kolumne: Warum der Rückzieher nicht nur Gutes bringt

Veröffentlicht 21. Juni 2013 | 17:45 Uhr von Nicolas




Xbox One Konsole

Wie wir bereits berichtet haben, hat Microsoft jegliche Restriktionen der Xbox One aufgehoben. Kein Internet-Login alle 24 Stunden, Keine Gebrauchtspiel-Sperre und keinen Region-Lock. Der Rückzieher betrachtet von Nicolas Nater.

Das Internet jubelt: Die Restriktionen der Xbox One wurden gelockert oder sogar ganz aufgehoben. Don Mattrick, der Präsident des Interactive Entertainment Business bei Microsoft, hat einen Artikel veröffentlicht, in welchem er sagt, dass man bei Microsoft auf das Feedback der Spieler gehört habe und die kritisierten Punkte aufheben werde. Die Vocal Minority, also die laute Minderheit, hat den Software-Riesen in die Knie gezwungen und eine Veränderung bewirkt.

Imageschaden bereits erlitten
Obwohl Microsoft mit diesem Unterfangen vielen Spielern und potenziellen Käufern entgegenkommt, ist das Image noch lange nicht bereinigt. Der Schaden ist bereits angerichtet und die Sympathien vieler liegen nun bei Sony. Das Problem war ganz klar das Marketing. Hätte Microsoft klar kommuniziert, was sie vorhaben und nicht nur um den heißen Brei herumgeredet, wäre wohl alles anders gekommen. Die ganzen negativen Features, wie zum Beispiel die Blockierung von gebrauchten Spielen oder der Zwang, sich einmal täglich ins Internet einzuloggen, wären nicht so stark hervorgehoben worden. Geschickter wäre es gewesen, wenn man die positiven Aspekte wie den Cloud-Service, das Family-Sharing und das Spielen ohne Disc beworben hätte. Die letzten paar Sätze stehen alle im Konjunktiv, da es Microsoft einerseits nicht so gemacht hat und es andererseits nur Theorien sind – und es immer bleiben werden. Sony kommunizierte viel cleverer. Die komplette Präsentation der E3 war auf Microsoft abgestimmt. Im ganzen Applaus des Publikums ging zum Beispiel völlig unter, dass man auf der PS4 nur online spielen kann, wenn man PlayStation Plus besitzt, also kongruent mit Xbox Live Gold. Im Vordergrund stand aber der Used-Games-Support und das Fehlen eines Onlinezwangs.

Negativität bleibt
Selbst nach der erwähnten Ankündigung bleiben viele der Xbox One gegenüber negativ eingestellt. Der Preis sei zu hoch, Kinect beobachte einen und sowieso sei Sony viel kundenfreundlicher. Um es aus dem Weg zu räumen: Wer glaubt, dass Sony nur aus Nächstenliebe handelt, hat sich geschnitten. Auch Sony ist nur hinter dem Geld her, kommunizierte es einfach auf eine weniger arrogante und schlicht bessere Weise. In diversen Kommentaren auf Newswebseiten, Facebook oder Twitter liest man, dass Microsoft jetzt nur noch den Preis senken und den Kinect-Zwang abschaffen müsse, dann sei das Produkt wieder marktfähig. Marktfähigkeit bedeutet aber nicht, dass man dem Konsumenten zwei praktisch identische Produkte liefert, in diesem Fall die PS4 und die Xbox One. Und nach dem bekanntgegebenen Rückzug der Restriktionen sind die beiden Konsolen aber praktisch identisch. Das heißt, die Gamer werden im Winter zwei Geräte erhalten, die sich von den aktuellen fast nur technisch unterscheiden. Dazu kommt die Social-Media-Integration, der vermehrte Tablet-Support und einige weitere nette Features. Wer sich bei den neuen Konsolen neben besserer Hardware auch sonstige Innovation gewünscht hat, schaut hier in die Röhre.

 

Innovative Features gecancelt

Die Xbox One bot nicht nur Negatives, die meisten haben aber leider nur das Negative der Konsole gesehen. Die Idee, dass man Disc-basierte Games ohne diese spielen kann, wäre ein großer Vorteil gewesen. Das Zugreifen auf die eigene Spielebibliothek auf jeder beliebigen Xbox One-Konsole schien ebenfalls praktisch. Das Family-Sharing, also die Freigabe der gesamten Spielebibliothek an bis zu zehn verschiedene Personen, scheint ebenfalls wegzufallen. Alle diese Features hätten das Konsolengaming verändern können und beiden Parteien – den Entwicklern und den Konsumenten – Vorteile gebracht. Aber noch bevor das Produkt überhaupt auf den Markt kommt, werden diese Features als völlig übersehen. Man konzentriert sich nur auf das “Negative”, obwohl man noch nicht genau weiss, wie es effektiv funktionieren wird.

Digital wird kommen
Ob es die Gamergemeinde will oder nicht, wir befinden uns im digitalen Zeitalter und davon werden auch die Konsolen nicht verschont bleiben. In nicht allzu ferner Zukunft werden Games mehrheitlich online gekauft. Die Film-, die Musik-, ja sogar die Bücherindustrie hat dies bereits erlebt, also ist es bei den Games nur noch eine Frage der Zeit. Dass Bibliotheken oder Videotheken langsam aber sicher aussterben, erregte damals auch kaum Aufmerksamkeit. Diese Veränderung ist keineswegs negativ. Spielehüllen, -discs und -anleitungen sind teuer in der Herstellung, was bedeuten kann, das die Games an sich bereits günstiger werden. Man sieht es am Beispiel von Steam. Früher noch verhasst, sind sie heute die Könige auf dem PC. Kaum noch jemand läuft in einen Laden und kauft sich ein PC-Spiel auf einer Disc. Steam brauchte Zeit, sich zu etablieren, aber sie haben es geschafft. So muss nun auch Microsoft handeln. Den Spieler langsam aber bestimmt auf die Digitalität vorbereiten und Schritt für Schritt begleiten. Die Redmonder waren etwas zu voreilig und wollten dem Spieler gleich alles miteinander geben, das war ein klarer Fehler. Einen Anfang kann Microsoft nun machen, indem sie Day-One-Releases im digitalen Bereich günstiger anbieten, sodass die Gamer vermehrt auf diese zugreifen.

 

Dieser Kommentar spiegelt die Meinung und Ansicht der schreibenden Redakteurs wider, und nicht die Haltung der Redaktion.


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Kommentare

  • Falk sagt:

    Sony und besseres Marketing? Ich habe mir alle Konferenzen angesehen und wenn man beide mit einander vergleicht erkennt man da bei Microsoft ehre die Fachmännische Art wobei Sony eher unbeholfen auf der Bühne steht und versucht die Konferenz voll zu bekommen. Meine persönliche Meinung Sony PS4 ist eher eine Gelegenheitskonsole die man den kleinen hin stellt damit die was zum Spielen haben wobei Microsoft eher versucht alle Altersgruppen an zu sprechen, das das nicht jedem zu sagt ist da doch klar.

  • Marco sagt:

    Digital ist die Zukunft?
    Alles schön und Recht, aber es soll nach Hörensagen immer noch Menschen geben, die keinen Internetzugang haben, oder nur einen sehr langsamen. Oder frisch umgezogen sind und daruf warten, oder oder oder…
    Es ist für die meisten Spieler die ich kenne schon nervig genug, Gigabytegroße Patche laden zu müssen. Wenn ich neu installiere weil die Platte crasht oder sonstiges, kann ich wenigstens die Spieldaten von DVD installieren.

    Und nein, ich habe keine schlechte Internetverbindung, ich habe 100Mbit down, aber ich lebe trotzdem nicht in dem glauben wir hätten jederzeit und überall “Hyperspeed-Internetzugänge” zur Verfügung.

  • Nicolas sagt:

    @Falk: Sehe ich etwas anders. Die Sony-Konferenz war ziemlich auf Microsoft abgestimmt. Man hat genau das beantwortet, was die Gamer hören wollten und es genauso beantwortet, wie sie es hören wollten. Microsoft tat dies nicht. Ausserdem ist der Shitstorm, den Microsoft über sich ergehen lassen musste, keineswegs gut und mit ihrer etwas arroganten Art haben sie auch kein wirklich gutes Bild hinterlassen.

    @Marco: Da hast du natürlich Recht. Aber jetzt mal im Ernst, wer kann es sich in unserer Zeit noch leisten, kein Internet zu besitzen? Mittlerweile läuft ja praktisch alles übers Internet. Zudem orientieren sich sowohl Sony als auch Microsoft sehr am US-Markt und nicht am europäischen. Der US-Markt ist nunmal der grösste und es wird alles oder zumindest das meiste darauf abgestimmt. Man hat es ja bei den TV-Angeboten der Xbox One gesehen. In der Schweiz haben wir ja noch nicht einmal YouTube als App auf der Xbox 360. Aber die Amis haben dies eben alles und sie werden als Massstab genommen. Ausserdem finde ich, man sollte in die Zukunft investieren, sonst kommt sie nie. Wie man das macht oder wie man das gut macht, kann ich auch nicht sagen.

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