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AereA – Test / Review

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Veröffentlicht 18. September 2017 | 18:13 Uhr von Alexander Winkel

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Mit AereA verbindet Sodesco das klassische Action-Rollenspiel mit eingängiger Musik. Alles dreht sich um vier Studenten einer renommierten Musik-Akademie, deren speziellen Fähigkeiten und so genannter Ur-Instrumenten. Unweigerlich wird man an Eternal Sonata erinnert, wo ebenso die Musik eine äußerst tragende Rolle spielte. Erwartet uns ein ungewöhnliches und dennoch außergewöhnliches Abenteuer, das begeistern kann?

Trotz eines zerbrochenen Kontinents, dessen Teile voneinander weg gedriftet und daher nur mit Luftschiffen zu erreichen sind, gibt sich Aezir recht idyllische mit kräftig grünen Wäldern, riesigen Tempelanlagen, unergründliche Wüsten und verschneiten Bergen. Dreh und Angelpunkt von AereA ist die Musik-Akademie von Aezir, einer musikalischen Fakultät in der jedoch nicht nur das Lesen von Noten und das Spielen der Instrumente gelehrt wird, denn die Schüler verstehen sich auch gut zu verteidigen. Der augenscheinliche Frieden ist jedoch äußerst trügerisch, dies erkennt auch Großmeister Guido recht schnell und schickt seine Schützlinge aus, diverse Untersuchungen vorzunehmen und mehr über einige beunruhigende Ereignisse in Erfahrung zu bringen.

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Im Laufe der musikalisch angehauchten Geschichte bekommt man immer mehr über die Vergangenheit des Landes und der Akademie heraus und lernt, dass Harmonien und wohlklingende Melodien geradezu wie ein Zauber wirken. So konnte einst der Frieden gewahrt werden und doch droht nun Gefahr, da die mystische Kraft, die in der wohlklingenden Musik schlummert, nicht nur positives bewirken kann. Falsch angewendet, sorgt die Macht für viel Ärger. Neben unheimlichen Begegnungen in allen Teilen der Welt liefert das Verschwinden der Ur-Instrumente reichlich Zündstoff für Diskussionen mit dem Meister und so kommt es, dass wir ausziehen, um die Welt zu retten.

Reichlich viel drum herum geredet, jedoch gibt sich AereA wirklich Mühe, die musikalische Komponente gekonnt in die Geschichte zu flechten. Etwas, was anderweitig leider weniger gelingt. Bis zu vier Spieler können gleichzeitig im Couch-Koop ausziehen, um diversen Monstern das Fürchten zu lehren. Mir Freunden kommt auch der größte Spaß auf und so wählt jeder seinen Favoriten. Jacques, Wolff, Jules und Claude sind in aller erster Line Musiker und spielen Cello, Harfe oder Trompete. Doch die Instrumente, die sich auf dem zweiten Blick als Waffe gegen das Getier und mächtige Bosse offenbaren, sorgen für ganz typische Archetypen des Rollenspiels und liefern uns den klassischen Nahkämpfer, der auch einiges wegstecken kann als auch Magier oder Fernkämpfer, die eher aus dem Hintergrund agieren. Letztendlich fühlt sich AereA gar nicht mehr so anders an wie ein typische Action-Rollenspiel. Schade, denn die musikalische Komponente hätte man sicherlich auch in die Kämpfen irgendwie einarbeiten können, mit taktgebundenen Combos oder ähnlichem.

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Die zahlreichen Areale werden per Luftschiff erreicht, wobei der zusätzliche Ladebildschirm dafür reichlich unnötig erscheint. Wald, Wüste oder Tempelruine fallen optisch durchaus schick aus, aber gleichen zunächst einem wirren Irrgarten, in dem es zahlreiche Tore, einige Schalter und zusätzliche Kistenrätsel gibt. Spielerisch ist AereA jedoch auf einem ziemlich niedrigen Niveau angesiedelt, ohne wirklich zu fordern oder das Köpfchen zum Rauchen zu bringen. Kisten müssen meist nur einige Meter geschoben werden und dank der Farbgebung ist eh klar, wohin diese gestellt werden. Immerhin zeigten die Geschichtsschreiber ihre Kreativität in den Hauptmissionen, wo Personen gesucht, Heilmittel gefunden und musikalische Elemente aktiviert werden müssen. Parallel gibt es kleine Ausschnitte, die den Spieler erahnen lassen, was an der bösen Front s los ist. Die zusätzlichen Aufgaben gleichen jedoch typischer Quests: Tötet x Gegner oder findet eine gewisse Anzahl an Objekte – wirklich einfallsreich sind Huberts Gefälligkeiten jedoch nicht.

Genretypisch gewinnen die Musikstudenten an Erfahrung und vergebene Attributpunkte verbessern diverse Charakterwerte, um auch die späteren Monster besiegen zu können. Mit der Zeit können Jacques, Wolff, Jules und Claude auch auf weitere Fähigkeiten zurückgreifen. Damit lassen sich mächtige Attacken blocken und deutlich effektivere Angriffe starten, jedoch nur wenn diese aufgeladen sind, um permanente Nutzung zu unterbinden. Dies sind Skills, die spätestens in den häufig aufkommenden Boss-Kämpfen wirklich effektiv wirken. Allzu aufwendig ist die Charakterentwicklung jedoch nicht und die meisten Gegner könnt ihr zudem bereits mit den Standardwaffen ins Nirvana schicken.

AereA ist kein wirklich anspruchsvolles RPG und zielt eindeutig auf ein jüngeres Publikum, was wiederum dafür sorgt, dass bereits zu Beginn die Motivation leider flach ausfällt und sich manch einer eher durch das Abenteuer schleppt, anstatt frohen Mutes die Welt zu erkunden. Ärgerlich dabei auch das eine oder andere technische Problem. Die Zielerfassung vor allem bei Fernkämpfern ist sehr mangelhaft. Ein Feind muss quasi direkt vor dem Lauf der Waffe stehen, ansonsten gehen die Salven gerne mal vorbei. Auch Kisten und Tonkrüge lassen sich nur erschwert zerschmettern, auch wenn es manches mal eine automatische Erfassung des Ziels zu geben scheint. Außerdem wird von teilweise unterschiedlichen Bugs berichtet, die den Spielfluss mehr oder weniger beeinträchtigen oder Weiterkommen verhindern können, die jedoch nur selten auftreten. Letztendlich dennoch sehr schade, denn die Präsentation ist äußerst liebevoll gehalten und mit zahlreichen Details garniert. Untermauert wird das Abenteuer mit einem epischen, immer wieder gar imposanten Soundtrack, einigen Chorälen sowie herrlichen Effekten wie Wasserrauschen und Vogelgezwitscher.

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Getestete Version: Xbox One

Unser Fazit

65 %

AereA macht es mir nicht einfach, denn ich würde es wirklich gerne loben wollen. Dies mag an der interessanten Thematik liegen, es könne aber auch an der gelungenen Optik und den charmanten Charakteren liegen. Doch so gerne ich AereA ins Herz schließen möchte und teilweise mit Spaß und Unterhaltung durch die Prärie geheizt bin, komme ich nicht umhin, den eher zermürbenden Spielverlauf zu erkennen. Bereits im Prolog zeigten sich erste Abnutzungserscheinungen und umso weiter man kommt, umso mehr fällt die nur seichte Integration der RPG-Komponente auf. Es mangelt an Tiefgang, wirklich epischen Kämpfen und Abwechslung und dennoch hielt mich der Titel länger bei Laune als erwartet. Letztendlich wurde aber sehr viel Potenzial verschenkt. AereA hätte durchaus mehr sein können, als ein netter, aber teurer Snack für zwischendurch.

Pro

  • + 4 unterschiedlichen Charaktere, die sich durchaus auch ein wenig unterschiedlich spielen.
  • + Netter Couch-Koop Modus für bis zu vier Spieler (leider keine Onlinefunktion)
  • + Hübsche Präsentation inklusive einem pompösen Soundtrack.
  • + Interessante Geschichte und auch durchaus gelungen in die Ambiente des Abenteuers integriert.
  • + Auch für jüngere Spieler geeignet.

Kontra

  • - Ein äußerst simples RPG mit nur seichter Charakterentwicklung.
  • - Die musikalische Komponente dient hauptsächlich der Story und Optik, wurde jedoch nicht für das Gameplay ausgenutzt.
  • - Koop-Modus leider nur offline möglich.
  • - Bereits nach wenigen Missionen wirkt der Spielverlauf leicht zermürbend und manch einer wird sich langweilen.
  • - Kämpfe sind meist nicht sonderlich spannend, da die Charaktere oft gut genug sind. Die Skills benötigt man nur selten.
  • - Leider trüben viele unter Bugs (nicht jeder hat dieselben Erlebnisse) den Spielverlauf.

Unsere Bewertung

Grafik
 
70 %
Sound
 
80 %
Steuerung
 
70 %
Gameplay
 
60 %
Multiplayer
 
68 %
Spielspaß
 
65 %

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Aufgewachsen mit der ersten Nintendo-Konsole, fühlt sich Alexander Winkel eigentlich auf allen Plattformen heimisch. Trotz seiner offensichtlichen Hingabe zur Xbox – die vielen Gamerscore Punkte erspielen sich nicht von selbst – lässt er seine Schreibwut an allen Videospielen aus, unabhängig vom System.

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