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Alice: Madness Returns – Der Test

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Veröffentlicht 14. Juni 2011 | 6:59 Uhr von Fabrice

Letzte Änderung 29. Februar 2012

alicetitel

Das Kinderbuch Alice im Wunderland von Lewis Carroll erschien vor fast 150 Jahren. Dennoch ist die Geschichte um Titelheldin Alice immer wieder ein aktuelles Thema. Erst im letzten Jahr erfuhr die Geschichte wieder einen Aufschwung durch die Realverfilmung von Tim Burton. Etwas älter ist die virtuelle Videospielfortsetzung der Originalgeschichte namens American McGee’s Alice. In dieser Geschichte sind die Eltern von Alice bei einem Hausbrand ums Leben gekommen, was massiven Einfluss auf ihre Zukunft hatte.

Alice: Madness Returns setzt die Geschichte der Vollwaisen Alice fort und schickt sie erneut in ein bizarres und feindseliges Wunderland. Der ursprüngliche Designer des Erstlings, American McGee, arbeitete unter Electronic Arts zusammen mit seinem Entwicklerstudio Spicy Horse massgeblich an der Entwicklung der Fortsetzung. Alice: Madness Returns ist der erste grosse Titel von Spicy Horse. Ausserdem sind die Erwartungen durch den ausgezeichneten Vorgänger nicht gerade klein. Somit bleibt nur noch die Frage wie das Spiel denn geworden ist. Nun… Willkommen im Wunderland!

Die Vergangenheit holt mich wieder ein…

In dieser Geschichte rund um Alice sind ihre Eltern bei einem Brand ums Leben gekommen. Alice konnte das nie wirklich verkraften und entfernte sich immer mehr von der Realität. Diese Umstände führten zu ihren erneuten Abenteuern im Wunderland. Dieser eigentlich fröhliche Ort hatte sich aber wie Alice selbst stark verändert. Alice erwartete eine bizarre Reise durch ein feindseliges und gewalttätiges Wunderland. Nur wenn sie das Reich ihrer Fantasie retten konnte, konnte sie auch ihren eigenen Verstand vor dem endgültigen Wahnsinn bewahren, was sie schlussendlich auch schaffen konnte.

In Alice: Madness Returns übernimmt man als Spieler erneut die Kontrolle über Alice. Inzwischen lebt sie im viktorianischen London unter der Aufsicht eines Psychiaters. Trotz einiger vielversprechender Erfolge scheint Alice von ihrer Vergangenheit eingeholt zu werden. Merkwürdige Erinnerungen aus ihrer Vergangenheit plagen sie, möglicherweise ist sie am Tod ihrer Eltern doch nicht so unschuldig wie sie eigentlich dachte. Ihr geistiger Zustand verschlechtert sich so sehr das von blutigen Halluzinationen und bösen Visionen heimgesucht wird. Völlig verstört sucht sie Zuflucht in der Festung ihrer Gedanken, ihrem Wunderland. Ihr schon wieder ausbrechender Wahnsinn hat jedoch erneute Auswirkungen auf das Wunderland. Erneut muss sie das Wunderland und ihre Bewohner vor einer bösen Macht retten. Denn nur so hat sie eine Chance sich selbst und ihren Verstand zu retten. Es ist auch die einzige Möglichkeit die Wahrheit über ihre Vergangenheit herauszufinden.

Die Geschichte, der allgemeine Stil und die Atmosphäre sind, abgesehen vom Vorgänger vielleicht, wirklich einzigartig und ein Lichtblick in der doch sehr generischen Welt der Videospiele von heute. Madness Returns nimmt all diese Elemente, stellt sie auf den Kopf und führt sie Ad Absurdum. Alice trifft auf ihrem schrägen Abenteuer auf viele bekannte Figuren aus der Originalgeschichte. Durch die Veränderungen im Wunderland sind diese jedoch nicht mehr so wie sie ursprünglich waren. Vom Verrückten Hutmacher ist z.B. nicht mehr als ein Torso und ein Kopf übrig. Um seine Hilfe zu erlangen muss Alice zuerst seine Arme und Beine wiederfinden. Doch man trifft auch auf andere bekannte Figuren wie die Grinsekatze die als persönlicher Helfer dient oder den Zimmermann dem man bei einem Theaterstück helfen muss. Und obwohl sich die Geschichte nur relativ langsam im Verlauf der sechs umfangreichen Kapitel entwickelt, motiviert sie einen zum ständigen Weiterspielen durch einfallsreiche und schön gestaltete Comicsequenzen und Zwischensequenzen in Spielgrafik. Und dank dem aussergewöhnlichen Stil lädt einen das Wunderland sowieso immer wieder zum erkunden, staunen und ekeln.

Springen, Metzeln, Rätsel lösen

Der inoffizielle vierte Teil der Alice-Saga präsentiert sich als klassisches Action-Adventure mit zahlreichen Plattformer-Anleihen. Aus der 3rd-Person Perspektive steuert man die zynische Alice die dank hilfreichen Fähigkeiten und Gegenständen anspruchsvolle Kämpfe und Geschicklichkeitspassagen meistern kann. Dank ihrem luftigen Röckchen kann sie nach den normalen Sprüngen in der Luft weiterschweben, was ein essentielles Element in den Sprungpassagen darstellt. Federnde Pilze die einen in die Höhe katapultieren, Dampfsäulen die einem zusätzlichen Auftrieb verschaffen und unsichtbare Plattformen die man nur kurzfristig sichtbar machen kann sorgen für Geschicklichkeitseinlagen die sowohl sehr unterhaltsam als auch fordernd sind. Bei diesen Passagen kann man ausserdem nicht wirklich sterben. Stürzt man ab, wird man direkt an den Anfang der Sequenz zurückgesetzt, wodurch selbst knifflige Passagen frustfrei überstanden werden können. Obwohl die Kamera manchmal ein wenig störrisch daher kommt, sind die Jump & Run Abschnitte das spielerische Highlight von Alice: Madness Returns was auch auf die saubere und genaue Steuerung zurückzuführen ist.

Der zweite grosse Gameplay Anteil sind die Kämpfe, bei welchen sich das Spiel an Action-Adventures der alten Schule orientiert. In den Kämpfen nutzt man hauptsächlich drei sehr unterschiedliche Instrumente des Todes: die Vorpal-Klinge, das Steckenpferd und die Pfeffermühle. Das Messer ist ideal für schnelle und verheerende Angriffe gegen einzelne Gegner. Gegen gut gepanzerte Gegner ist das Steckenpferd mit seinen langsamen aber heftigen Attacken am effektivsten. Die Pfeffermühle erinnert an eine Mini-Gun und dient somit als Fernkampfwaffe. Dadurch ist die Pfeffermühle ideal im Kampf gegen fliegende und weit entfernte Gegner. Leider kann man keine verschiedenen Angriffe mit den Nahkampfwaffen ausführen. Man kann nur auf den Knöpfen herum hämmern ohne an das Timing oder eine Kombination zu denken, die Angriffe sind sowohl immer gleich. Schade, denn gerade die Gegner sind interessant ausgefallen. So gibt es GeschIrre, grüne Kobolde die mit Geschirren ausgerüstet sind oder Kanonen-Krebse, die eine Kanone statt einem Arm haben. Jeder Gegnertyp muss dabei mit einer eigenen Taktik angegangen werden um sie möglichst gefahrenlos zu erledigen. So sind die Krebse an der Oberseite gut gepanzert während sie an der Unterseite sehr empfindlich sind. So muss man einen Weg finden um den ungeschützten Bereich freizulegen. Bei anderen Gegnern muss man mit einem Regenschirm feindliche Geschosse zurück schleudern oder im richtigen Moment ein Ausweichmanöver starten. Leider fällt das Kampfsystem durch die fehlenden Angriffsmöglichkeiten ziemlich repetitiv aus. Zwar sind die Kämpfe nicht unbedingt einfach, das liegt aber nicht an herausfordernden Gegnern, sondern an der Tatsache dass man relativ früh im Spiel schon unzählig viele Gegner an den Kopf geworfen bekommt. Besiegte Gegner und zerstörbare Objekte in der Umgebung versorgen Alice ausserdem mit Zähnen. Diese dienen als Währung um sich Upgrades für die verschiedenen Waffen zuzulegen. Leider werden die Waffen durch Upgrades nur stärker und die Angriffe sind immer noch dieselben. Auch hier zeigt sich das verschenkte Potential was das Kampfsystem angeht.

Neben kämpfen und springen muss man als Alice auch immer wieder kleinere Rätsel lösen. Diese sind jedoch relativ simpel ausgefallen, lockern das Spielgeschehen aber ein wenig auf. Meist beschränken sie sich auf einfache Schalterrätsel. Mal muss man einen Schalter drücken und in einem kurzen Zeitraum eine Sprungpassage meistern oder mit dem richtigen Schalter flüssiges Metall abkühlen um so einen Weg zu erschaffen. Wie in der Vorlage kann sich Alice auf Tastendruck schrumpfen. Dadurch kann man durch kleine Spalten schlüpfen, ausserdem sind unsichtbare Plattformen nur in diesem Modus sichtbar. Aber man kann hier nicht springen, weshalb schnelle Wechsel und genaue Sprünge nötig sind. Neben den Rätseln sorgen kleinere Mini-Spiele für ein kurzweiliges Spielvergnügen. So rutscht man regelmässig auf dem Hosenboden von Alice rasante Rutschbahnen hinunter, wobei man aufpassen muss nicht über die Strecke hinauszuflitzen. In einem anderen Mini-Spiel steuert man ein Schiff und muss sich fiese, mechanische Haie und Seeminen vom Hals halten indem man seine Kanonen und Bomben nutzt, während das Spiel in diesem Moment an ein vertikal ausgelegtes Shoot’em Up erinnert. Das abwechslungsreiche Gameplay sorgt für ein kurzweiliges Spielvergnügen, auch wenn gewisse leider doch ziemlich Gameplayelemente unausgereift ausgefallen sind. Sammelnaturen werden ebenfalls ihre Freude haben, denn in diesem Spiel gibt es etliche sammelbare Gegenstände wie Erinnerungen oder Flaschen zu finden.

Dunkel, stylisch und nicht ganz so aktuell

Wie eingangs schon erwähnt ist der Stil von Madness Returns wirklich gelungen. Man ist nicht nur im Wunderland unterwegs, sondern besucht auch in der Realität das viktorianische London und begibt sich in eine Taverne oder andere Gebäude. Hier gibt sich das Spiel düster, dreckig und trist. Das Wunderland gibt sich hingegen von einer ganz anderen Seite. Man wandert durch farbenfrohe Wälder, technisch anmutende und halb verrostete Fabrikanlagen oder eine Unterwasserwelt voller Fischleute, Plankton und anderen Unterwasserkreaturen. Hier ist das Spiel wirklich abwechslungsreich und verblüfft einen mit immer neuen Absurditäten und Augenschmäusen. Auch Alice selbst ist toll gestaltet. So ändert sich ihr Outfit je nach Umgebung und passt sich dem aktuellen Gebiet an. Auch ihre Bewegungen und ihr langes, wehendes Haar sind sehr gelungen. Sonst ist die Grafik aber nur solide und nicht wirklich beeindruckend. Oft werden die Texturen von Nebenfiguren in Zwischensequenzen zu spät nachgeladen, wodurch diese nur wie matschige, sprechende Haufen aussehen. Es kommt ausserdem immer wieder vor das kurze Ruckler das Spielgeschehen trüben. Die Umgebungen selbst sind auch nicht immer das Gelbe vom Ei, denn auch sie wirken oft nicht allzu detailliert. Der virtuelle Kameramann ist ebenfalls nicht immer der Schnellste, weshalb man gerade in den Kämpfen nicht immer die volle Übersicht hat. Teilweise betritt man abgeschlossene Räume in denen eine feste Kameraansicht herrscht. Hier kommt es vor das die Steuerung wie aus dem Nichts nach einem anderen Schema funktioniert. Hält man also den linken Analogstick in dieselbe Richtung gedrückt wie wenn man den Raum betritt, rennt man nur in eine Wand und muss einige Sekunden warten bis das Spiel den Raumwechseln auch bemerkt.

Positiv zu erwähnen ist die komplette Eindeutschung des Spiels. Neben einer sehr gelungenen deutschen Sprachausgabe wurden sämtliche Texte im Spiel ins Deutsche übersetzt. Alle Plakate, Schilder und Einblendungen sind auf Deutsch, was wirklich gut herüberkommt und ein spezielles Lob verdient. Die Hintergrundmusik ist ebenfalls gut gelungen und passt zu den unterschiedlichen Umgebungen die man im Spiel besucht. Es scheint ausserdem das Alice: Madness Returns eines der ersten Projekte unter EA ist das auf physikalische Spielanleitungen verzichtet. So findet man im Hauptmenü jedoch eine virtuelle und ausführliche Spielanleitung.

Unser Fazit

76 %

Alice: Madness Returns hat mehrere positive als auch mehrere negative Seiten. Die Jump & Run Passagen sind anspruchsvoll und spassig. Der Stil des Spiels ist unverwechselbar und schafft es einen sofort in den Bann zu ziehen. Dem gegenüber stehen das unausgereifte Kampfsystem und die eher durchschnittliche technische Umsetzung. Wer den Vorgänger mag, auf eher dunkle Spiele steht oder endlich wieder ein ordentliches Jump & Run spielen will, macht mit diesem Titel nichts falsch. Wer jedoch eher auf Hack & Slays steht wird mit Alice nicht glücklich. Wer sich das Spiel neu kauft, findet einen Downloadcode für das Originalspiel in seinem Spiel. Ein erneutes Lob verdient jedoch die grandiose deutsche Übersetzung die sich durch das ganze Spiel zieht, so viel Aufwand ist eine tolle Überraschung für deutsche Spieler. Hut ab!

Pro

  • Tolles Jump&Run Gameplay
  • Einzigartiger Artstil
  • Abwechslungsreiche Levels
  • Spannend und mitreissende Geschichte
  • Amüsante Mini-Spiele
  • Angenehmer Umfang ohne merklichen Längen
  • Komplette deutsche Übersetzung des Spiels
  • Faire Kontrollpunkte für frustfreies Spielen

Kontra

  • Unausgereiftes Kampfsystem
  • Kameraprobleme
  • Langweiliges Upgradesystem
  • Verzögerte Reaktion der Steuerung
  • Zu langsam ladende Texturen
  • Bei Gegner zählt Masse statt Klasse

Unsere Bewertung

Grafik
 
60 %
Sound
 
80 %
Steuerung
 
70 %
Gameplay
 
70 %
Multiplayer
 
0 %
Spielspaß
 
55 %

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Kommentare

  • azel sagt:

    Habe das Spiel durch und ist von der Gestaltung der Lever echt gelungen.

    aber ein grosses minus sind die scheinbar unendlich langen level bei denen immer wieder die selben elemente vorkommen.

    etwas mehr story währe auch noch nett gewesen aber naja. gebe dem Spiel 6.5 von 10 punkten.

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