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Assassin’s Creed: Rogue – Test / Review

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Veröffentlicht 21. März 2015 | 14:10 Uhr von Marc Wunder

Assassins-Creed-Rogue-Screenshot

Im Schatten des großen Next-Gen-Bruders Assassin’s Creed Unity erschienen, hat Assassin’s Creed Rogue die undankbare Aufgabe bekommen, die Franchise auf der dahinscheidenden Konsolengeneration gebührend zu Grabe zu tragen. Wird dieses Vorhaben gelingen, oder haben wir hier nur ein Assassin’s Creed Black Flag 1.5 vor uns?

Erzähl mir etwas

Zeitlich ist Assassin’s Creed Rogue zwischen Assassin’s Creed Black Flag und Assassin’s Creed 3 angesiedelt. Man spielt Mitte des 18.Jahrhunderts den Assassinen Shay Patrick Cormac, der ein Teil der Bruderschaft um Achilles ist. Im Zuge einer seiner Missionen wird er in ein tragisches Ereignis verwickelt, welches ihn an den Absichten und dem Kredo der Assassinen zweifeln lässt. Von den Assassinen verstoßen und fast getötet, wendet er sich der einzigen Gruppierung zu, durch die eine baldige, durch Assassinen ausgelöste Katastrophe verhindert werden kann – den Templern.
Ubisoft hat es geschafft, dass Assassin’s Creed Rogue sich wieder auf die Ursprünge der Serie besinnt, die mit den letzten ACs leider immer mehr den persönlichen Rachefehden der Protagonisten weichen musste: Den Konflikt zwischen Templern und Assassinen. Angenehm sticht hier vor allem die Darstellung der Fraktionen heraus. Es gibt kein schwarz und weiß. Sowohl die Bruderschaft der Assassinen, wie auch die Templer haben ihre eigenen Motive und Ziele. Shay selbst handelt nicht zum Selbstzweck oder aus Rache, wie es etwa Connor oder Arno taten, sondern verfolgt mit seinem Handeln ein höheres Ziel – die Rettung der Menschheit.

Wie es in der Reihe üblich ist, trifft man wieder auf viele historische Persönlichkeiten, wie Benjamin Franklin, Captain James Cook oder George Washington. Auch werden viele zeitgenössische Ereignisse, wie der Siebenjährige Krieg oder das Erdbeben von Lissabon thematisiert. Für Fans besonders interessant: es werden viele Fragen geklärt, was aus Charakteren früherer Serienteile passiert ist. Warum humpelt Achilles in Assassin’s Creed 3 und wo ist seine Bruderschaft? Was ist aus Adewale geworden? Einen besonderen Aha-Moment bietet der letzte spielbare Abschnitt von Assassin’s Creed Rogue. Man befindet sich an einem ganz bestimmten Ort und bringt die Ereignisse rund um Arno erst wirklich ins Rollen. So wird ein nahtloser Übergang zu Assassin’s Creed Unity geschaffen. Äußerst spannend!

Natürlich gibt es auch abseits der zentralen Shay-Story wieder eine Nebenhandlung rund um Abstergo und den Animus. Man befindet sich als neuer Mitarbeiter, ähnlich wie in Black Flag, in einer Niederlassung von Abstergo Entertainment und durchforstet Erinnerungen. Anhand etlicher Audioschnipsel und Videodateien erfährt man, was nach dem Tod von Desmond Miles geschah und was aus den restlichen Assassinen geworden ist. Auch wird ein ominöses Templereinsatzkommando – das Sigma Team – eingeführt. Eventuell erhält dieses in folgenden Teilen noch größere Bedeutung.

assassins-creed-rogue-screenshot-01

 

Zeig mir die Welt

Assassin’s Creed Rogue verlässt die tropischen Gefilde des Vorgängers und verschlägt den Spieler diesmal in die Nordatlantikregionen Nordamerikas. Prinzipiell gibt es diesmal drei Maps zu erkunden. Zum einen wären das die kühlen, unruhigen Gewässer Nordamerikas. Dann das so genannte River Valley, welches ein ausgedehntes Gebiet verschiedener Flüsse und Seen ist. Beide Maps können mit dem Schiff – der Morrigan- befahren werden und bieten dutzende Orte, die man entdecken und erkunden kann. Desweiteren ist New York ein zentraler Handlungsort. Dieser wurde weitestgehend aus AC3 übernommen und hier und da erweitert und ergänzt.

Grafisch gibt sich Assassin’s Creed Rogue keine Blöße und quetscht noch einmal alles aus der alten Konsolengeneration heraus. Die Farbabmischung ist konsequenterweise dunkler und düsterer gehalten. Man befindet sich ja schließlich nicht mehr in der Karibik. Dafür wird das Setting im Nordatlantik aber durch schöne Schnee- und Eisschauplätze ergänzt. Optisch braucht sich Rogue also nicht zu verstecken. Und wer in eisiger, stürmischer See mit seinem Schiff der Morgendämmerung entgegen segelt, oder im dichten Schneetreiben die Polarlichter begutachtet, der wähnt sich schon fast in einem PS4-Spiel. Natürlich fallen dann spätestens im Detail merkliche Unterschiede entgegen einem Unity auf. Die Umgebung sind weitaus weniger detailliert, die Charaktermodelle sind nicht ganz so schön und die Texturqualität ist auch deutlich schlechter. Gerade in einigen bestimmten Abschnitten, kann man die Grafikqualität eins zu eins mit Unity vergleichen und muss dort kräftige Abstriche verzeichnen. Auch trüben auch immer wieder leichtes Tearing oder spät nachladende Texturen das Gesamtbild. Nichts desto trotz kann sich Assassin’s Creed Rogue optisch sehen lassen.

assassins-creed-rogue-screenshot-02

 

Spiel mit mir

Kennt man die Vorgänger, wird man sich auch in Assassin’s Creed Rogue sehr schnell zurecht finden. Shay erklimmt behände jede Wand, stürzt sich todesmutig in Heuhaufen und meuchelt mit Schwertern und versteckten Klingen ganze Heerscharen von Gegnern nieder. Leider bleiben mit dem unveränderten Bewegungsrepertoire auch die alten Probleme. Oft bleibt man an Kanten hängen oder klettert irgendwo rauf, wo man gar nicht hin wollte. Auch die Gegnertypen sind weitestgehend gleich geblieben. Neu hinzu gekommen sind Assassinen, die einem in Heuhaufen und auf Dächern auflauern. Diese sind durch ein leises Flüstern und einen Indikator in der Adlersicht erkennbar. Als neue Waffen werden das Luftgewehr und der Granatwerfer eingeführt. Mit dem Gewehr verschießt man die bekannten Schlaf- und Berserkerpfeile, zusätzlich kann es auch Knallkörper verschießen, mit denen man Gegner ablenkt oder Fässer explodieren lässt. Der Granatwerfer kann mit Schlaf- Berserker- und Sprenggranaten ausgerüstet werden. Löblich ist der weitestgehende Wegfall von Belauschungs- und Verfolgungsmissionen. Anscheinend hat Ubisoft wirklich auf die Kritik der Spieler gehört.
Das Upgraden des Equipments geschieht wie schon im Vorgänger durch Jagen von Land- und Meerestieren. Allerdings kann das Crafting leicht außer Kraft gesetzt werden, da man alle Tierkomponenten auch in Shops kaufen kann. Das ist nicht wirklich durchdacht. Neue Waffen und Monturen können in Geschäften gekauft, oder durch spezielle Sammelaufgaben erhalten werden. Ebenso kann die Morrigan wieder durch geplündertes Metall, Holz und Stoffe, aufgerüstet werden. Insgesamt wurden die Seeschlachten im Detail verbessert. Es gibt nun einen speziellen Rammangriff mit dem Rammsporn und die normalen, kleinen Seitenkanonen wurden durch eine Art Maschinenkanone ersetzt. Außerdem kann man nun Eisberge beschießen, um nahen Schiffen hohen Schaden zuzufügen und Flutwellen auszulösen.

An den Nebenbeschäftigungen hat sich wenig getan. Es gibt wie in Black Flag wieder Schatzkarten, Eingeborenensäulen, Harpunierziele, Forts, Lagerhäuser und viele kleinere Sammelaufgaben. Neu sind die Banditenverstecke, in denen man bestimmte Voraussetzungen erfüllen muss, um selbige Einzunehmen. Außerdem kann man nun Brieftauben der Assassinen abfangen und dann Jagd auf diese machen. Gestrichen wurden die Tauchsequenzen, was allerdings aufgrund des kalten Wassers (in dem man auch erfrieren kann) logisch ist. Ist man per Schiff unterwegs, trifft man immer wieder auf Zufallsereignisse. Mal muss man einen Konvoi ausrauben, Kriegsgefangene befreien, verbündete Schiffe beschützen oder unter Zeitdruck brennende Schiffe plündern. Nach Gefechten geenterte Schiffe lassen sich wieder der eigenen Flotte hinzufügen, um sie in einem Seekampagnen-Minispiel auf Missionen zu schicken. Diesmal kann man durch Rammattacken von Assassinenschiffen sogar selbst geentert werden. Außerdem ist es diesmal nicht nur möglich, legendäre Schiffe zu bekämpfen, sondern man kann sogar an legendären Seeschlachten des Siebenjährigen Krieges teilnehmen.
Was besonders auffällt ist, dass die Kampagne diesmal gestrafft und stark entschlackt wurde. Man hat nicht mehr das Gefühl, ständig für die Story eigentlich unwichtige Missionen als Lückenfüller spielen zu müssen. Bei Rogue bringen alle Missionen die Story voran und sind dabei auch wesentlich spannender und abwechslungsreicher inszeniert als es bei Black Flag oder AC3 noch der Fall war.

Bei Sounddesign und Synchronisation bleibt Ubisoft seinem hohen Niveau treu. Die deutschen Sprecher machen ihre Sache sehr gut, die Soundeffekte sind stimmig und der orchestrale Soundtrack gewohnt fantastisch. Auf einen Mehrspielermodus verzichtet Ubisoft bei Rogue übrigens vollständig.

assassins-creed-rogue-screenshot-03

 

Unser Fazit

88 %

Anders als das stark weiter entwickelte Assassin’s Creed Unity bleibt Ubisoft bei Assassin’s Creed Rogue der bewährten Formel treu. Man nehme eine große Spielwelt, packe eine interessante Story mit vielen Verschwörungstheorien vor historischen Hintergründen hinein und garniere das Ganze mit dutzenden von Nebenbeschäftigungen. Leider krankt gerade die Steuerung an den altbekannten Problemen und das Kampf- und Kontersystem ist wie gehabt zu mächtig, so dass das Spiel insgesamt zu leicht ausfällt. Das neue System in Unity ist da schon wesentlich weiter. Doch gerade die Story ist es, die aus Assassin’s Creed Rogue ein deutliche besseres AC4 macht, als es Black Flag war. Shay Cormac ist ein interessanter Charakter, der aus glaubhaften Motiven die Seiten wechselt und das höhere Wohl über persönliche Rachegelüste stellt. Für Fans der Serie ist Assassin’s Creed Rogue auf jeden Fall einen Blick wert, da es den über allem stehenden Konflikt aus einem anderen Blickwinkel beleuchtet und massig Fanservice durch viele Hintergrundinformationen bietet. Dies alles, zusammen mit dem großen Abwechslungsreichtum, lässt Assassin’s Creed Rogue sogar gegen den großen Bruder Unity bestehen – wenn es nicht sogar das leicht bessere Assassins Creed ist.

Pro

  • + Interessante, wendungsreiche Story
  • + Große, abwechslungsreiche Spielwelt
  • + Motivierende Kampagne
  • + Sounddesign gewohnt spitze
  • + Massig Fanservice
  • + Viele Detailverbesserungen

Kontra

  • - Spielprinzip zeigt Verschleißerscheinungen
  • - Sammelaufgaben nehmen Überhand
  • - Sehr wenig Innovationen und neue Spieleinhalte
  • - Crafting durch Geschäfte obsolet
  • - Steuerung krankt an den selben Fehlern, wie schon bei den Vorgängern
  • - Kein Multiplayer

Unsere Bewertung

Grafik
 
85 %
Sound
 
92 %
Steuerung
 
70 %
Gameplay
 
87 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
90 %

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