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Assassin’s Creed: Unity – Test / Review

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Veröffentlicht 9. April 2015 | 14:59 Uhr von Alexander Winkel

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Die populäre Assassin’s Creed Reihe kehrt mit Unity auf die neue Konsolengeneration zurück und nutzt die Hardwarepower aus, um die mit Abstand dichteste Atmosphäre seit Anbeginn der Serie auf den Bildschirm zu zaubern. Inmitten der französischen Revolution erlebt man mit Arno Dorian den Wahnsinn, der seinerzeit in den Straßen von Paris herrschte. Unity kämpfe von Beginn an aber auch mit Problemen, die zum Teil bis heute nicht mit Patches behoben sind.

Die Käfer, und damit sind nicht die ekelerregenden Schaben in den dreckigen Gassen und in den Hinterhöfen der französischen Hauptstadt gemeint, sind bisweilen offensichtlicher Natur, wenn das Bild und der Sound teilweise sogar für Sekunden aus unerfindlichen Gründen einfriert und damit der ansonsten grandiose Präsentation so zusagen einen Dolch in den Rücken stößt. Dies ist selten, kommt aber vor! Was Ubisoft ansonsten mit Assassin’s Creed: Unity auf den Bildschirm zaubert, ist schlichtweg als atemberaubend zu bezeichnen. Wenn man in den Fußstapfen des rebellischen, etwas vorlauten Arno durch die Straßen oder über die Dächer von Paris wandert, erfasst man die schiere Größe der Metropole, welche wie selten zuvor belebt ist. Hier ein Strauchdieb, welcher einer Dame die Tasche entwendet, dort ein Vagabund, der seine Finger auch gerne unter die Wäsche steckt und überall die allgegenwärtig herrschende Revolution der Bürger. Diese rotten sich zu Massen zusammen, um gegen den Adel zu protestieren und gelegentlich auch tatkräftig für Enthauptungen zu sorgen.

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Angelehnt an geschichtlichen Tatsachen (wenn auch nicht immer getreu und korrekt der Geschichtsbücher nach erzählt) konstruierten die Schreiber eine unglaublich dichte Story um Arno und dem Kampf der Assassinen und Templer, aber auch den Bürgern, die im Kampf um Freiheit durch die Straßen von Paris ziehen. Optisch und akustisch ist Assassin’s Creed: Unity ein Meisterwerk geworden, auch wenn bei genauer Betrachtung nur wenige Schneider die Statisten mit Hemd und Hose versorgten und die jeweiligen Sprüche und Animationen ihre Grenzen haben. Achtet man nicht explizit auf derartig filigrane Details, verliert man sich in der optischen Pracht. Tag und Nacht liefern epische Panoramen, wenn unter anderem orange-gelbes Licht die kunstvoll verzierten Fassaden der Wohnstätten oder gar der Cathédrale Notre Dame de Paris einfärben oder die tagsüber von Menschen verstopften Straßenzüge sich zur dunklen Stunde doch etwas leeren. Als Spieler fühlt man sich durchaus hineingezogen in das Paris des 18. Jahrhunderts.

Aber nicht nur die grafische Pracht, die dank der neuen Konsolengeneration genügend Kraft für Massenaufläufe besitzt und für eine nahezu realen Verfilmung sorgt, hüllt uns mit seinem Charme ein. Auch die Geschehnisse rund um Arno und Paris werden sehr glaubhaft erzählt. Doch nicht nur die auf zwölf Kapitel ausgelegte Haupthandlung wurde einerseits gut vertont, anderseits gut geskriptet, auch sämtliche Nebenhandlungen fallen keinesfalls belanglos aus. Die teils skurrilen Aufträge fügen sich nahtlos in die französische Revolution mit ein und steigern deren Authentizität. Arno liefert in den zahlreichen, abseits der Haupthandlung vorhandenen Geschichten, seinem Orden alle Ehre, er muss auch so manchen Mordfall aufdecken, kann sich am Aufbau von Cafés und Theater beteiligen und gar ganzen Vorstellungen auf der Bühne beiwohnen. Dabei schlendert man durch die Gassen, horcht in die zahlreichen Konversationen, die – sofern es nicht die Story oder den weiteren Fortgang der Aufgabe dienlich ist – komplett in Französisch gehalten sind. Einige Kratzer widerfährt diesem Bild dennoch, wenn Bürger „Hilfe ein Dieb“ ausrufen, inmitten der französischen Stadt im besten Deutsch.

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Einer der großen Änderungen bezieht sich auch auf die Onlinemöglichkeiten. Fern des von früher her bekannten Katz und Maus Spieles, die alten Modi wurden abgeschafft, sorgen etwa zwei Dutzend Aufträge für kooperatives Vorgehen im Kampf gegen die mächtigen Templer. Bis zu vier Assassinen finden sich ein, um die auch im Onlinemodus wirklich gut erzählten Geschichten zu durchstreifen. Bei Bedarf kann der Kreis der Meuchelmörder auf die eigene Freundesliste begrenzt werden, so dass taktisches und strategisches Vorgehen mittels Kommunikation durch einen Chat durchaus im Vordergrund steht. Eher zufällige Konstellationen mit Freunden zu Spielern, führen meist dazu, dass jeder möglichst schnell dem Zielpunkt entgegen eilt und den Auftrag mit brachialer Kampfeslust zu erfüllen ersucht.

Nach relativ kurzer Spielzeit verliert man sich aber bereits ein wenig in der riesigen Metropole aus Assassin’s Creed: Unity. Denn nur einige wenige Aussichtspunkte später ist die kleine Minikarte bereits prall gefüllt mit Aufträgen, Sammlerobjekten und möglichen Händlern. Erschlagen durch die schiere Masse an Spielmöglichkeiten fühlt man sich durchaus überfordert und weiß gar nicht, wo man anfangen soll.  Auch sorgen manche Lücken im Missionsdesign oder gar Fehler, wenn man Tagesdieben hinterher rennt, diese aber aufgrund fehlender Einblendung der Tasten nicht zur Strecke bringen kann, für etwas Unmut. Ein weiterer Kritikpunkt, welcher auch die Glaubwürdigkeit der ansonsten tadellosen Präsentation schwächt, ist die künstliche Intelligenz der Miliz und Soldaten. Da wirft man ihnen ihren Kameraden vom Hausdach aus vor die Füße und diese rümpfen nur die Nase ob ihrer Faulheit, den Täter ausfindig zu machen. Generell wird Arno recht schnell entdeckt, die Verfolgungsjagd ist aber oftmals recht unspektakulär. Sobald man sich auf die Dächer der Stadt flüchtet, geben die Wachen recht schnell auf und kehren frohen Mutes in ihren Alltag zurück. Auch rennen sie gerne in den Hinterhalt und wundern sich nicht einmal darüber, dass die Gasse bereits mit Leichenbergen ihrer tapferen Kameraden gepflastert ist.

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Bei der Flucht durch die belebten Straßen kommt das allseits bekannte Parcours-System zum Einsatz. Arnos Kletterkünste führen ihn mit imposanten Animationen auf die Dächer von Paris und neuerdings auch unterstützt durch das Spiel zurück in die belebten Straßen. Per Knopfdruck sucht er sich einen mehr oder weniger optimalen Weg vom Vordach zu Pfosten und Balkon über Kutschen auf die mit Pflastersteine durchzogenen Gassen. Somit ist der Auf- und Abstieg selbst in luftigste Höhe kaum eine Herausforderung mehr. Das völlig autonome System ist zugleich Segen als auch Fluch. Es erleichtert vor allem Quereinsteigern den Spielfluss, sorgt aber häufig für frustrierende Momente. Arno klettert nicht selten unbekümmert auf irgendwelche Kisten, Schornsteine oder an Hausmauern entlang, nur weil ein gewisser Punkt bei der Flucht überschritten ist. Nicht selten landet man plötzlich in einer wilden Kletterpartie, obwohl man eigentlich nur durch die Gassen und seitlichen Straßen flüchten wollte. Manchmal springt Arno auch einfach von den Dächern und landet wohlbehalten im Heuhaufen, nur selten ist diese Aktion tatsächlich gewollt. Es gibt aber auch Momente, da verfängt sich der Held der Geschichte in den verwinkelten Konstruktionen der Bauten und es gibt kein vorankommen. Nur mühevoll findet sich aus dieser ausweglosen Lage zu kommen dann ein Weg.

Wichtiger Hinweis: Die Wertung und der Test basiert auf Assassin’s Creed Unity nach zahlreichen Patches, welche Ubisoft im Laufe der letzten Monate nachgereicht hat und wodurch das Spielerlebnis deutlich verbessert wurde.

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Unser Fazit

85 %

Nach nun einigen Patches und Fehlerbehebungen an mehreren Fronten ist Arnos Ausflug in die Französische Revolution ein durchaus gelungenes Abenteuer. Selten zuvor bot ein Assassin's Creed eine derart dichte Atmosphäre. Belebte Pariser Straßenzüge in denen sich die Leute angeregt unterhalten, aber auch immer wieder beraubt werden. Aber auch Bürger, die sich zusammenrotten und sich lautstark gegen die Unterdrücker auflehnen bis die Köpfe rollen. Ein Alltag, der glaubhaft in die Geschichte um Arno eingewoben und durch zahlreiche Nebenhandlungen zum Leben erweckt wurde. Spielerisch ist Assassin's Creed: Unity ebenfalls gelungen, wenn auch mit typischen Macken in der KI und leider auch immer wieder Problemen in der Steuerung, vor allem was die agilen Klettereinlagen betrifft. Diese wurden zwar (oder leider) was den Abstieg aus luftiger Höhe betrifft deutlich vereinfacht, sorgen aber auch immer wieder dafür, dass der Protagonist ungewollt irgendwo herum klettert. Sieht man von einigen nach wie vor vorhandenen Grafik- und Soundproblemen mal ab, kann man letztendlich Assassin's Creed: Unity aber durchaus genießen und wird mit zahlreichen Nebenhandlungen und einer 20 Stündigen Haupthandlung auch ordentlich unterhalten.

Pro

  • + Optisch wie auch akustisch grandios umgesetzt, so dass eine unglaublich dichte Atmosphäre zur französischen Revolution entsteht.
  • + Die Story wird mitsamt den Synchronsprechern nahezu kinoreif präsentiert. Das gilt bisweilen auch für Nebenhandlungen
  • + Eine umfangreiche, detailreiche und abenteuerliche Spielwelt mit reichlich Nebenaufträgen, die sich nahtlos in das Ambiente einfügen.
  • + Charismatischer Held, der zwar durchaus etwas arrogant, aber sympathisch daher kommt und vor Tatendrang strotzt.

Kontra

    - Nicht selten bricht die Framerate ein, was bisweilen sogar zu einigen Sekunden an Aussetzern in Bild und Ton führen kann. Gelegentliche Ruckeleinlagen sind immer wieder vorhanden.
  • - Die KI scheint intelligenter zu sein, aber sorgt nach wie vor für atmosphärische Brüche, wenn diese recht unbekümmert an ihren toten Kameraden vorbei rennen und Arno auch gerne schnell aus den Augen verlieren.
  • - Die deutlich vereinfachte Kletterautomatik macht es einem einerseits viel zu leicht, auf Häuser und Kathedralen und wieder herunter zu klettern …
  • - … und sorgt recht häufig für ungewollte Pfade und Kletterpartien.
  • - Innerhalb des Spieles wird mit Micropayment geworben. Immerhin kann man auch alles ohne zusätzliche Ausgaben erreichen!

Unsere Bewertung

Grafik
 
88 %
Sound
 
88 %
Steuerung
 
80 %
Gameplay
 
85 %
Multiplayer
 
80 %
Spielspaß
 
86 %

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Aufgewachsen mit der ersten Nintendo-Konsole, fühlt sich Alexander Winkel eigentlich auf allen Plattformen heimisch. Trotz seiner offensichtlichen Hingabe zur Xbox – die vielen Gamerscore Punkte erspielen sich nicht von selbst – lässt er seine Schreibwut an allen Videospielen aus, unabhängig vom System.

Kommentare

  • Michael sagt:

    Auch dieses Review liest sich super und ist cool geschrieben xD Ich hab das Spiel ja auch zweimal gespielt einmal vor den Patches und danach mit den Patches ^^

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