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Baja: Edge of Control HD – Test / Review

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Veröffentlicht 12. September 2017 | 16:01 Uhr von Luca

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Jährlich findet auf der mexikanischen Halbinsel Baja eines der längsten und härtesten Offroad-Langstreckenrennen der Welt statt: die Baja 1000. Nachdem 2008 Baja: Edge of Control erschienen ist, ist mit Baja: Edge of Control HD nun eine überarbeitete Neuauflage mit verbesserter Grafik erhältlich. Baja: Edge of Control HD bietet Offroad-Action mit rund 160 Fahrzeugen, über 100 Strecken und 1600 Quadratkilometer Spielwelt in trockenen und staubigen Landschaften.

In Baja: Edge of Control HD stehen abseits der Baja-Karriere insgesamt sechs verschiedene Spielmodi zur Verfügung: Klassische Streckenrennen auf Rundkursen, Rallyes, Hillclimb mit bis zu 80% Steigung und Open Class-Rennen. Zudem gibt es einen Free-Ride-Modus, in dem die Spielwelt frei erkundet werden kann. Schließlich gibt es noch die namensgebenden Baja-Rennen, welche je nach Länge eine bis vier Stunden dauern und durch mehrere der insgesamt neun Gebiete führen. Wie auch die Version aus dem Jahre 2008 enthält Baja: Edge of Control HD einen Online-Multiplayermodus, sowie einen Splitscreenmodus für bis zu vier Spieler. Zu jedem Spielmodus ist eine kurze Videoanleitung verfügbar. Beim Start eines Rennens können wir auswählen, ob das Schadensmodell nur kosmetisch sein soll oder auch tatsächlich das Fahrverhalten beeinflusst. Zudem kann die Anzahl Runden eingestellt werden, sowie die Schwierigkeit der Gegner auf einer Skala von 70 bis 120%. Dabei fällt auf, dass die Gegner selbst in der einfachsten Einstellung relativ stark sind. Außerdem fahren sie wie auf Schienen und sind dadurch kaum aus der Bahn zu bringen. Oft schneiden die KI-Gegner die Kurven. Beim Schneiden von Kurven laufen wir Gefahr, wieder vor die Kurve zurückversetzt zu werden, das Spiel ist aber sehr tolerant – wo die Gegner schneiden, dürfen wir das auch. Zuletzt kann die Fahrzeugphysik eingestellt werden. Hier gibt es die Optionen Arcade und Simulation. In der Arcadesteuerung sind die Fahrzeuge generell einfacher zu lenken, was vor allem auf den Offroad-Strecken auffällt. In der Simulationssteuerung ist es schwieriger, die Fahrzeuge unter Kontrolle zu halten, die Steuerung fühlt sich schwerfälliger an. Beim Beschleunigen aus den Kurven muss vermehrt auf Gegensteuern und die richtige Dosierung des Gaspedals geachtet werden. In Kurven hilft uns die Handbremse, beim Beschleunigen die Kupplung, welche die Drehzahl hochlaufen lässt und uns darauf einen Schub gibt. Beide Steuerungen fühlen sich insgesamt etwas schwammig an, insbesondere in der Cockpitansicht. Man gewöhnt sich jedoch schnell daran, sodass der Spielspaß dadurch nicht beeinträchtigt wird.

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Die meisten dieser Spielmodi können auch in der Baja-Karriere gefahren werden. Beim Start der Karriere wählen wir zwischen den Schwierigkeiten „Schwierig“ und „Einfach“. Unsere Wahl beeinflusst die Gegnerschwierigkeit und die Fahrphysik. In der Karriere können wir in Ligen oder an anderen Events wie Rallyes oder Hillclimbs teilnehmen. Zu Beginn müssen wir uns einen Wagen kaufen. Die rund 160 Sandboliden im Spiel sind in acht Klassen plus eine Bonusklasse aufgeteilt, etwa die Open-Wheel-Klasse oder die Trophy Trucks. Anfangs reicht das Geld nur für den berühmten Baja Bug, welcher in mehreren Ausführungen verfügbar ist. Die verschiedenen Modelle innerhalb einer Klasse unterschieden sich offenbar nur kosmetisch, denn sie weisen im Kaufmenü identische Attribute auf. Zwischen den Fahrzeugklassen ist jedoch ein klarer Unterschied im Handling spürbar. Indem wir Rennen fahren und Ligen gewinnen, erhalten wir Geld und Erfahrungspunkte. Haben wir genügend Erfahrungspunkte gesammelt, schalten wir eine höhere Fahrzeugklasse frei. Jedoch müssen wir für den Eintritt in eine höhere Liga auch das nötige Kleingeld für ein Fahrzeug der jeweiligen Klasse haben. Dies ist am Anfang kein Problem, jedoch kosten die besten Wagen über 600.000 Credits. Zum Vergleich: der Baja Bug hat um die 25.000 gekostet. Aushilfe bietet uns das abhängige Sponsoring, welches so heißt, weil der Betrag, den wir von unserem Sponsor erhalten, davon abhängt, wie viel von der Werbung am Ende des Rennens noch auf unserem Wagen sichtbar ist. Sponsorenanfragen erhalten wir automatisch. Die Sponsoren unterscheiden sich nur im Maximalbetrag, den wir erhalten und haben keine anderen Vor- oder Nachteile. Finden wir einen besseren Sponsor, können wir den alten sofort ersetzen. Hin und wieder laden uns Sponsoren zu sogenannten Einladungsrennen ein, welche zu bestimmten Zeitpunkten (etwa dem April 2018 In-Game) stattfinden.

Beim Fahren von Rennen fällt auf, dass unser Fahrzeug sehr schnell Schaden erleidet, insbesondere die Reifen, was sich dramatisch auf das Fahrverhalten auswirkt. Wir haben zwar jeweils einen Ersatzreifen dabei, welchen wir nach dem Anhalten per Tastendruck sofort verwenden können, für andere Schäden, etwa sinkenden Öldruck, müssen wir bei Rundrennen die Reparatur-Stationen aufsuchen. Bei Langstreckenrennen können wir per Knopfdruck einen Reparaturhelikopter anfordern, welcher uns, falls er nicht gerade anderweitig unterwegs ist, an bestimmten Punkten am Straßenrand trifft. Das mit dem Schadensmodell ist hier noch so eine Sache: dabei gibt es offenbar die Stufen Teil intakt, Teil schlabbert komisch herum, Teil weg. Zudem sind die Reifenschäden willkürlich: nach einem Aufprall mit der linken Front in ein Brückengeländer war plötzlich der rechte Hinterreifen futsch.

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Wir können verschiedene Teile an unserem Fahrzeug verbessern. So sollten erst einmal bessere Reifen gekauft werden. Wer sein Fahrzeug ganz ausbauen will, muss dabei aufgrund der vielen verfügbaren Teile tief in die Tasche greifen. Außerdem haben wir umfangreiche Tuning-Optionen, nämlich für Federn, Stoßdämpfer, Bremsen, Schaltung und Getriebe. Das Tuning von Federn und Stoßdämpfern wirkt sich eher weniger auf das Fahrverhalten aus, dabei umso mehr darauf, wie schnell unser Fahrzeug Schaden erleidet. Eine falsch eingestellte Federung hat etwa zur Folge, dass unser Auto nach einem Sprung auf dem Boden aufsetzt und der Motor so Schaden erleidet. Einige Tuningoptionen, etwa die Getriebeübersetzung, sind erst nach einem Upgrade von bestimmten Fahrzeugteilen verfügbar. Die Auswirkungen der vielen Optionen werden zwar erklärt, eine gewisse Überforderung bleibt trotzdem. Einige Texte sind in der deutschen Version zu lang und können nicht vollständig gelesen werden. Das getunte Auto kann auf einer Teststrecke ausprobiert werden.

Beim Spielen der Karriere werden neue Fahrzeuge und Landschaften freigeschaltet. Die Spieldauer der Karriere variiert, je nach Spielstil extrem – wer so schnell wie möglich in der obersten Fahrzeugklasse mitfahren will, wird diese mit weniger als zwanzig Stunden Spielzeit sicherlich erreicht haben. Wer jedoch gerne sein aktuelles Fahrzeug verbessern und tunen will und in jeder Liga mitfährt, wird ein Vielfaches davon beschäftigt sein.

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Die Schwäche des Spiels ist die Steuerung, was bereits beim Start auffällt. Im Launchbildschirm sehen wir ein Xbox-Gamepad, dessen Knöpfe mit ihrem Tastatur-Pendant beschriftet sind. Wer mit Tastatur spielen will, sollte diese Pendants auswendig lernen, denn im Spielmenü sind die Funktionen weiterhin mit den Gamepad-Knöpfen beschriftet, was weiterhin kein Problem darstellen würde, wäre die Tastatursteuerung nicht vollkommen unintuitiv. Die Wagen lassen sich mit der Tastatur sehr gut lenken. Problematisch wird es mit manueller Gangschaltung. Obwohl es zehn mögliche Belegungen gibt, funktioniert das Runterschalten nicht. Wenn das Runterschalten funktioniert, kann nicht mehr gebremst oder beschleunigt werden, weil diese Optionen auf den RS beim Controller gelegt werden, dieser aber per Tastatur nicht emuliert wird. Probleme gibt es auch beim Lenkrad. Je nach Modell ist hier außerhalb des Spiels umständliches Tweaking nötig, die Lenkung hat eine große Deadzone.

Für Controllerspieler ist die Benutzeroberfläche sehr übersichtlich. Aus zehn Presets kann eine passende Gamepadbelegung ausgewählt werden. Die Lenkempfindlichkeit lässt sich nirgends einstellen, ist aber standardmäßig in Ordnung. Des Weiteren lassen sich in den Optionen der Gamma-Wert, sowie die Lautstärke von Effekten, Musik etc. einstellen. Es gibt außerdem einen Reiter für Cheatcodes sowie Statistiken. Für den Splitscreenmodus kann jeder der vier Spieler selbst entscheiden, ob er mit manueller oder automatischer Gangschaltung fahren will.

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Die Rennen werden von einer vorwiegend aus Metalcore oder Alternative Rock bestehenden Tracklist begleitet. Die Sounds der verschiedenen Fahrzeuge unterscheiden sich voneinander, auch innerhalb einer Fahrzeugklasse. Wie auch das Quietschen der Reifen sind sie zwar nicht schlecht, aber auch nichts Besonderes. Anderweitiges auditives Feedback wurde mangelhaft umgesetzt.

Die Grafik ist insgesamt authentisch. Die staubigen Straßen sehen schön scharf aus, im Gegensatz zum Asphalt. Insbesondere überzeugen die große Sichtweite und Staubeffekte, welche uns die Sicht auf die Strecke erschweren. Auch der Himmel lässt sich zeigen. Getrübt wird das Gesamtbild jedoch von Mängeln wie dem Flimmern und Flackern der teilweise plötzlich auftauchenden Vegetation sowie der unzureichenden Kantenglättung, welche sich selbst beim eigenen Wagen bemerkbar macht. Immerhin sehen die Rennwagen im Gegensatz zu den auf den Straßen herumfahrenden Vehikeln des normalen Verkehrs einigermaßen detailliert aus. Die verschiedenen großflächigen Spielwelten wurden schön umgesetzt. Die über 100 Strecken unterscheiden sich sichtlich voneinander, jedoch fühlen sich die engen Rundstrecken der Streckenrennen alle sehr ähnlich an. Dagegen bieten Rallyes und die Baja abwechslungsreiche und dynamische Streckenführungen. Beim Erkunden im Free-Ride-Modus finden wir versteckte Strecken sowie unterschiedliche Strukturen in der Landschaft, etwa Seen, eine Solaranlage, Bauernhöfe oder eine befahrene Eisenbahnstrecke. Hin und wieder queren Häschen, Vögel oder Wildschweine unseren Weg. Trotzdem ist die Welt sehr leer, so befindet sich keine Menschenseele in der schon fast verlassen anmutenden Innenstadt Cabo oder am Streckenrand.

Das Spiel kann mit einer stabilen, hohen Bildrate gespielt werden. Leider stürzt das Spiel – komischerweise meist beim Start einer Rallye-Etappe – zwischendurch ab. Was ärgerlich ist, zumal bei einer Rallye die bereits gefahrenen Etappen nicht gespeichert werden.

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Getestete Version: PC/Steam

Unser Fazit

70 %

Trotz vielen kleinen Mängeln, vor allem bei Gameplay und Steuerung, ist Baja: Edge of Control HD ein relativ spaßiges Offroad-Rennspiel, wobei vor allem die großen Karten mit authentischer Präsentation und die dynamischen Streckenführungen überzeugen. Fans von Offroadrennen und Spieler der 2008-Version werden mit Baja: Edge of Control HD sicherlich eine Weile beschäftigt sein, auch für Gelegenheitsrennspieler könnte Baja ab und zu einen Besuch wert sein. Aber eben nur ab und zu. Auch wenn es sich bei Baja: Edge of Control HD um eine Neuauflage handelt ist das Spiel technisch längst nicht mehr auf dem aktuellen Stand.

Pro

  • + spaßige Offroad-Action
  • + große und unterschiedliche Landschaften kommen gut zur Geltung
  • + Dynamische Langstreckenrennen
  • + Viele Fahrzeuge und umfangreiche Verbesserungs- und Tuningoptionen
  • + Viele Strecken
  • + Flüssige Performance
  • + Schöne Staubeffekte
  • + Grafik und Präsentation insgesamt authentisch
  • + Nach Kontrollverlust schnelles Zurückversetzen auf Straße möglich

Kontra

  • - Leere und leblose Spielwelten
  • - Rundkurse fühlen sich oft gleich an
  • - Schwammige, unresponsive Steuerung
  • - Technisch veraltet
  • - Flackern und Flimmern
  • - Undetailliertes und teils willkürliches Schadensmodell
  • - Crashes (sollten aber leicht zu beheben sein)
  • - Ohne Gamepad schwierige Navigation im Spielmenü
  • - Gegner fahren auf Schienen
  • - Sponsoringsystem sehr oberflächlich
  • - Abgesehen vom Motorgeräusch schlecht umgesetzte Sounds von Straße, Untergrund, Federn, Kollisionen, etc.
  • - Fahrzeuge innerhalb einer Klasse unterscheiden sich offenbar nur kosmetisch
  • - Keine frei konfigurierbare Steuerung

Unsere Bewertung

Grafik
 
72 %
Sound
 
65 %
Steuerung
 
69 %
Gameplay
 
61 %
Multiplayer
 
folgt %
Spielspaß
 
81 %

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