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The Banner Saga – Test / Review

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Veröffentlicht 12. Februar 2016 | 14:27 Uhr von Niko Kaack

Letzte Änderung 12. Mai 2016

Banner-Saga-Artwork

Schon seit Januar 2014 können Spieler am PC in The Banner Saga eine an die nordische Mythologie erinnernde Fantasy-Welt erkunden. Ziemlich genau 2 Jahre später besteht diese Möglichkeit nun auch für Spieler an den Konsolen. Grund genug, sich die Versionen für Playstation 4 und Xbox One einmal genauer anzusehen.

Chaotische Zustände in einer gottlosen Welt 

In der Welt von The Banner Saga hat es einen großen Krieg gegeben. Die Menschen und die gehörnten Riesen namens Varl sind ein Zweckbündnis eingegangen, um die Wüter weit in den Norden zurückdrängen zu können. Doch nun sind die Götter tot, und eines Tages bleibt auch noch die Sonne still am Himmel stehen.

Diese Information erhalten wir durch Texteinblendungen ganz zu Anfang des Spiels sowie eine Stimme aus dem Off während einer kurzen animierten Sequenz. Bis auf wenige Ausnahmen wie diese gibt es keine Vertonung, den weitaus grössten Teil der Geschichte lesen wir. Sämtliche Ereignisse werden uns schlicht als Tatsachen eingeblendet, was uns mehr als einmal an das Ziehen einer Ereigniskarte in einem Brettspiel erinnert. Manchmal können wir auf diese Ereignisse auf unterschiedliche Weisen reagieren, in anderen Fällen müssen wir das Geschehen einfach hinnehmen.

Sehr frei sind wir hingegen in der Interaktion mit anderen Charakteren. Je nachdem, welche Fragen wir stellen, mit welchem Charakter wir überhaupt sprechen möchten und wie wir uns sowohl bei ganz einfachen als auch bei ziemlich schwierigen Problemen entscheiden, ergeben sich schier unendliche Verläufe der Geschichte. Der größten Teil hiervon geschieht allerdings bei uns selbst, durch fehlende Mimik, Gestik und Betonung seitens der Charaktere entscheiden wir selbst, ob eine Aussage ernst oder ironisch gemeint ist, ob jemand sympatisch oder arrogant wirkt. Manchmal wurden wir auch von den Konsequenzen unserer Entscheidungen überrascht. Besonders ärgerlich ist es, wenn wir durch eine nicht ausreichend überlegte Antwort plötzlich und unwiederbringlich einen unserer Helden verlieren, den wir vorher mühsam und kostspielig aufgewertet hatten.

Im Großen und Ganzen läuft es darauf hinaus, dass die Wüter aus dem Norden zurückkehren und wir mit Menschen und Varl gegen diese Übermacht ankämpfen. Zum einen dient die Story als Verbindung der rundenbasierten Schlachten, die wir im ganzen Land verteilt zu führen haben, zum anderen kann man sich – wenn man sich darauf einlässt – wie in einem tollen Buch ganz in den Wirren und Wendungen versinken – und diese auch noch beeinflussen.

Dabei erleben wir das Geschehen aus verschiedenen Blickwinkeln. Die Karawanen der Steuereintreibenden Varl haben Vorräte im Überfluss und so können wir uns in diesen Spielpassagen ganz auf das Kämpfen und Aufwerten unserer Helden konzentrieren. Ganz anders ist es bei den flüchtenden Menschen, die Hals über Kopf ihre Heimat verlassen müssen, um den Wütern zu entkommen. Hier müssen wir uns darum kümmern, immer genug Vorräte auf Lager zu haben, da eine Unterversorgung erst zu Verschlechterung der Moral führt, was uns im Kampf durch einen Mangel an Willenskraft behindert, und später sogar den Verlust von Gefolgsleuten durch den Hungertod bedeutet. Kaufen können wir Vorräte in den vielen Städten und Dörfern, die wir im Verlauf der Geschichte besuchen. Als Währung dienen Ansehenspunkte, die wir aber auch noch für diverse andere Dinge benötigen – Näheres hierzu später.

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In anstrengenden Kämpfen müssen wir uns Erfolge hart erarbeiten 

Unsere Geschichte beginnt, als wir mit einer Karawane der Varl in einer Stadt der Menschen ankommen und hier lediglich die Steuern kassieren wollen. Doch der Stadthalter wird angegriffen, und so finden wir uns direkt in unserem ersten Kampf wieder, der uns als Tutorial dient, um alle Möglichkeiten der rundenbasierten Schlachten kennen zulernen.

Bis zu sechs Kämpfer können wir aufstellen, wobei es schon bei der Auswahl nicht an Sorgfalt fehlen sollte. Mit der Zeit stehen uns immer mehr verschiedenen Kämpferklassen zur Verfügung, bis wir schließlich auf Bogenschützen, Schildbrecher, Speerkämpfer, Krieger und Magier zurückgreifen können. Jede dieser Klassen bildet später auch noch Spezialisten aus, beispielsweise gibt es unter den Bogenschützen dann Meisterschützen, Jäger, Belagerungsschützen oder Himmelskrieger. Ein guter Mix aus Nah-und Fernkämpfern erhöht die Chancen auf einen siegreichen Ausgang einer Schlacht ungemein. Die unterschiedlichen Klassen mit ihren variantenreichen Spezialfähigkeiten verursachen auch verschiedene Schäden an den Gegnern. Jeder Kämpfer, egal ob Freund oder Feind, verfügt über zwei Charakterwerte: Rüstung und Kraft. Erwartungsgemäß blockt die Rüstung feindlich Angriffe, doch beim Kraftwert gibt es eine Besonderheit. Denn dieser gibt  nicht nur die eigene Lebensenergie an, gleichzeitig bestimmt er auch die Stärke des am Gegner verursachten Schadens. Demzufolge wird also mit sinkender Lebensenergie auch weniger Schaden ausgeteilt. Sinkt der Kraftwert auf Null, so ist dieser Krieger in der Schlacht gefallen. Je nach eingestelltem Schwierigkeitsgrad dauert es unterschiedlich lange, bis ein gefallener Held wieder an einem Kampf teilnehmen kann. Eine Schlacht ist gewonnen, wenn die gegnerische Fraktion keinen lebenden Krieger mehr auf dem Schlachtfeld hat.

Die Kämpfe erleben wir, indem wir aus der isometrischen Perspektive auf das Schlachtfeld blicken, welches aus gleichgroßen Quadraten besteht. Kleinere Kämpfer, z.B. Menschen, belegen jeweils eines dieser Quadrate, während die größeren Varl vier Felder für sich beanspruchen. Eigene Kämpfer sind blau markiert, Feinde stehen auf rotem Untergrund. Jeder Zug in einem Kampf besteht aus zwei Phasen: In der ersten bewegen wir den aktiven Kämpfer, der dann direkt im Anschluss in der zweiten Phase einen Angriff ausführen kann. Die Reichweite der Bewegung hängt von der Klasse ab und ist gut sichtbar durch blaue Einfärbung der Bodenfelder gekennzeichnet. Durch Einsatz von Willensstärke kann die Bewegungsreichweite vergrößert werden, hier zeigen uns gelbe Felder an, wie weit wir den Helden sich bewegen können. Hierbei sollten wir die roten Felder der Feinde im Auge behalten, denn durch deren Pulsieren erkennen wir, wer sich in Angriffsreichweite befindet. Haben wir unseren Angreifer in eine gute Position manövriert, steht die Entscheidung an, wie wir dem ausgewählten Gegner Schaden zufügen möchten. Entweder attackiert man direkt die Stärke, was aber bei hohem Rüstungswert oft wenig effektiv ist. In dem Fall ist es ratsam die zweite Möglichkeit zu wählen und zuerst die Rüstung zu schwächen, damit der nächste Kämpfer unseres Teams die Chance auf einen höheren Stärkeschaden bekommt. Vor dem Ausführen des Angriffs wird uns angezeigt, wie hoch Rüstungs- und Stärkewert unseres Opfers sind und ebenso wie viel Schaden wir ihm zufügen werden. Diesen Schaden können wir wiederum durch Einsatz von Willenskraft erhöhen. Als drittes steht uns noch offen, die charakterspezifische Spezialfähigkeit einzusetzen. Diese erfordert in jedem Fall Willenskraft und reicht von erhöhtem Schaden über Zurückstoßen von Gegnern bis zu Flächen- oder Gruppenschaden. Bei letztgenannten gilt es aber besonders vorsichtig zu sein, da hier teilweise auch freundlich gesinnte Einheiten in Mitleidenschaft gezogen werden.

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Während des Kampfes können wir näher an das Geschehen heranzoomen sowie uns nach links, rechts, oben und unten auf dem Schlachtfeld bewegen. Leider ist es nicht möglich, den Kamerawinkel zu drehen, um aus einer anderen Richtung auf die Kämpfenden zu sehen. Dies macht das Ganze zuweilen recht unübersichtlich, vor allem dann, wenn mehrere Helden und / oder Feinde hintereinander in einer Reihe stehen. Auch die Gefallenen, die bis zum Ende einer Schlacht leblos an Ort und Stelle liegen bleiben, versperren uns oft die Sicht auf die Bodenfelder. Man muss schon wirklich aufpassen und lieber zweimal ganz genau schauen, ansonsten passiert es leicht, dass man nicht den Gegner angreift, auf den man es abgesehen hat. Und schon auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad kann solch ein Faux Pas über den Ausgang der Schlacht entscheiden. Offen gestanden passierte uns dieses Missgeschick mehr als einmal.

Gekämpft wird abwechselnd, und zwar in der vor der Schlacht festgelegten Reihenfolge der Helden. Das Besiegen einzelner Gegner beschert uns Ansehenspunkte, ebenso das Gewinnen einer kompletten Schlacht. Diese Ansehenspunkte sind vielseitig einsetzbar, unter anderem ermöglichen sie uns das Befördern unserer Kämpfer. Allerdings nicht einfach so, sondern die Helden müssen sich die Möglichkeit auf Beförderung selbst auf dem Schlachtfeld verdienen, nur wer genügend Gegner besiegt hat, darf einen Rang aufsteigen. Die maximale Stufe liegt bei 5, und mit jedem Aufstieg erhalten wir zwei Punkte zur freien Aufwertung der Charakterattribute. Neben den bereits erwähnten Werten Rüstung, Stärke und Willenskraft gibt es noch zwei weitere: Anstrengung bestimmt, wie viel Willenskraft ein Held pro Runde maximal einsetzen kann und Zerstörung erhöht den direkt zugefügten Rüstungsschaden. Mit der Beförderung auf Level 3 und 5 steigt automatisch die Spezialfähigkeit mit an, wodurch z.B. Der Spezialschaden, die Reichweite oder die Anzahl getroffener Gegner erhöht wird.

Eine weitere Option zur Aufwertung der Charaktere bietet das Ausrüsten von Gegenständen wie Ringen oder Amuletten. Diese erhält man z.B. Im Laufe der Geschichte als Belohnung oder kauft sie durch den Einsatz von Ansehnspunkten. Diese Gegenstände haben einen eigene Stufe und können nur von Helden entsprechenden Levels getragen werden.

Damit wir mit neu hinzugewonnenen Kämpfern nicht gleich in einen Kampf auf Leben und Tod ziehen müssen, können wir deren Fähigkeiten in Trainingsarenen erst einmal ausgiebig testen. Hier haben wir auch die Möglichkeit, das Zusammenspiel unsere Helden auf die Probe zu stellen und die Effektivität verschiedener Taktiken und Strategien auszuloten.

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Technische Unzulänglichkeiten

Die hangezeichneten Hintergründe und Charaktere machten auf uns nicht den Eindruck, dass großartige grafische Berechnungen notwendig wären. Außerdem gibt es nur sehr spärlich eingesetzte Animationen, wie kleine flackernde Lagerfeuer, wehende Hemdsärmel oder hier und da ein Augenrollen. Dennoch gibt es häufig Ruckler und auch die Ladepausen fühlen sich unheimlich lang auf der Xbox One an. Von diesen gibt es auch noch recht viele, vor und nach jedem Kampf sowie beim Wechseln zwischen Orten innerhalb eines Lagers oder einer Stadt schauen wir jedesmal eine kleine Weile lang auf einen schwarzen Bildschirm.

Ein weiteres Problem besteht in der Darstellung der Schrift. Entweder werden Worte einfach abgeschnitten oder die Schriftgröße extrem reduziert. Vor allem bei der Beschreibung der Spezialfähigkeiten unserer Helden im Charakterbildschirm variiert die Schriftgröße teils erheblich. Dies geht soweit, dass manche Beschreibungen nur dann zu entziffern sind, wenn man sehr nah an den Fernseher heranrückt. Auch Übersetzungs- und Grammatikfehler sind uns mehrfach aufgefallen.

Wie eingangs bereits erwähnt gibt es keine Vertonung der Dialoge. Das gesamte Spiel und vor allem die Schlachten sind untermalt von Orchestersoundtrack, was teilweise sehr atmosphärisch und passend wirkt, uns mitunter aber auch massiv störte, wenn wir versuchten, eine passende Taktik für den kommenden Kampf auszutüfteln.

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Unser Fazit

65 %

The Banner Saga ist ganz sicher kein Spiel für die breite Masse. Viel eher spricht es Rollenspiel- und Taktik-Enthusiasten an, die sich nicht passiv von einem Spiel unterhalten lassen wollen. Hier ist in den Kämpfen die volle Konzentration des Spielers gefragt, für die Story braucht es die Bereitschaft, durch die eigene Phantasie die recht trockene Präsentation mit Leben zu füllen. Hilfreich hierbei ist es, wenn der außergewöhnliche Grafikstil den Geschmack des Spielers trifft. Dem Schreiber dieser Zeilen ist dies ein wenig zu speziell, ich mag es lieber, von einem Spiel geleitet zu werden und auch mal einen Fehler machen zu dürfen, ohne gleich massiv dafür bestraft zu werden. Wer aber in einem Spiel eine Herausforderung sucht, gern an komplizierten Strategien feilt und ein hohes Maß an Frustresistenz mitbringt, der wird mit diesem Spiel eine Menge Spaß haben.

Pro

  • + sehr variabler Verlauf der Geschichte
  • + viele Möglichkeiten für Taktiken im Kampf

Kontra

  • - unspektakuläre Inszenierung
  • - lange Ladezeiten und Ruckler (Xbox One)
  • - Kämpfe teils sehr unübersichtlich
  • - nervende Musik während der Kämpfe

Unsere Bewertung

Grafik
 
72 %
Sound
 
60 %
Steuerung
 
62 %
Gameplay
 
68 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
63 %

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