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Battle Chasers: Nightwar – Test / Review

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Veröffentlicht 12. November 2017 | 17:10 Uhr von Alexander Winkel

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THQ Nordic hat vor kurzem mit dem eher unscheinbaren Battle Chasers: Nightwar eine richtige Perle auf den Markt gebracht (Retail als auch Download), welche ich jedem RPG-Fan alter Schule nur wärmstens empfehlen kann. Dieses Kleinod sieht fantastisch aus, liefert ein klassisches auf Runden basierendes Kampfsystem und sorgt mit reichlich spielerischen Möglichkeiten für ein unglaublich unterhaltsames Abenteuer. Das alles gibt es für einen sehr schmalen Preis und versorgt euch für viele Stunden mit Spielspaß. Da könnt ihr so manchen AAA-Titel getrost im Regal stehen lassen!

Auf dem ersten Blick wirkt die Hintergrundgeschichte alles andere als spannend. Eine illustre Truppe an grundverschiedenen Charakteren wird auf ihrer Reise mit dem Luftschiff von mächtigen Piraten angegriffen und ist gegenüber der Übermacht der Feinde völlig unterlegen. So kommt es, wie es kommen muss. Einige der Helden gehen über Bord, andere gehen anderweitig verloren. Einige werden durch den alten Zauberer Knolan mittels Portal noch sicher auf Grund und Boden gebracht, jedoch findet sich nach der brachialen Bruchlandung ihres Luftschiffes jeder woanders. Die junge und spitzbübische Gully erlebt den Schrecken ganz allein und macht sich sofort auf die Suche. Es dauert nicht lange, bis sich wieder eine Truppe aus drei Charakteren zusammen findet und natürlich sofort entscheidet, dass die vermutlich von den Piraten entführten Kumpanen ebenfalls gesucht werden müssen.

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Die aufwendigen, fast gar einem wundervollen Anime entsprungenen Szenen zaubern gekonnt das auf den Bildschirm, was unter der Feder von Joe Madureira ursprünglich den Weg in Comic-Bücher gefunden hat. Denn Battle Chasers: Nightwar basiert auf der gleichnamigen Comic-Serie. Joe Madureira ist vielen Spielern vor allem durch die grandiose Inszenierung der Abenteuer der Apokalyptischen Reitern in Virgils Darksiders bekannt. Ähnlich herrlichen Welten finden auch in Battle Chasers Einzug, eine teils recht düstere Mischung aus Steampunk und Fantasy führt ebenso die Handschrift des Künstlers und verzaubern vom ersten Schritt an. Detailverliebt Wälder, Höhlen und Ruinen in einer Mischung aus Comic und Wachmalstil sorgen mit vielen Effekten und viel Liebe zum Detail für eine atemberaubende Atmosphäre, die zusätzlich noch gekonnt durch den harmonischen Soundtrack unterstützt wird.

Relativ schnell verliert die typische, vielleicht auch anfänglich gar kitschige Geschichte ihren nervigen Touch und mausert sich dank gelungener Charakterdarstellung zu einem faszinierenden Geflecht mit vielen Höhen und Tiefen und manch überraschender Wende, vor allem im späteren Verlauf. Die fünf Helden und weitere Gefährten tragen jedoch ihren Teil zur Story bei, dank ihren grundverschiedenen Hintergrundgeschichten und Beziehungen in der Gruppe. Der kolossale Calibretto zum Beispiel mag wie ein furchtloser Grobian aussehen, zeigt sich aber erstaunlich einfühlsam und listig und sorgt mit seinen heilenden Pranken für ein gesundes Team. Der eher mürrische und immer für einen bösen Spruch zu habende Knolan dagegen ist ein Zauberer, der mit allen Wassern gewaschen ist. Er kann seine Gegner mit allen möglichen Elementen eindecken und gehört genauso in die Truppe wie jeder andere Charakter. Eher untypisch jedoch die Tatsache, dass die einzelnen Klassen zwischen den Helden verschwimmen und auch ein Krieger durchaus geschickt mit Tränken und heilender Magie umgehen kann.

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Letztendlich auch sicherlich zum Vorteil für den Spieler, da im späteren Verlauf immer mehr Helden die Reigen füllen, jedoch nur drei immer aktiv in die weite Welt auszieht. Das vorrangige Ziel, alle Mitglieder der Truppe zu finden und die Reise fortzusetzen, rückt durch die Ereignisse in dem fremden Land immer mehr in den Hintergrund. Nicht nur gierige Piraten und Banditen sorgen rund um das Dorf mit einer alten Schmiede, Gasthaus, Kräutersammlerin und weiteren illustreren Einwohnern für Angst und Schrecken, auch diverse Kreaturen und Gestalten aus der Hölle machen die zahlreichen Wege in der Welt unsicher. Eine böse Macht hat hier die Finger im Spiel und die anfänglichen Piraten spielen dabei eher nur die zweite Geige. Wie gesagt, die Story mag anfänglich altbacken wirken und manch Charakter quietschig wie die typischen Japan-RPG-Helden, jedoch entwickelt sich Battle Chasers: Nightwar zunehmen in eine äußerst positive und angenehme Richtung und alsbald freundet man sich mit jedem noch so skurrilen Charakter an.

Während die Oberwelt noch wie ein Brettspiel daher kommt, liegt das Augenmerk dieses Kleinods in den diversen Höhlen und Ruinen – vornehmlich auch Dungeons. Die Ansicht bleibt aus der Vogelperspektive, jedoch mit wesentlich mehr Details und feindliche Schergen, die sich frei bewegen und patrouillieren. Die Helden können hier noch einige wenige Aktivitäten ausführen, zum Beispiel heilen oder Angriffe durchführen, um sich Vorteile zu verschaffen. Vorteile für die bevorstehenden Auseinandersetzungen. Wie in einem klassischen Final Fantasy Rollenspiel stehen sich die Helden und Feinde in einer Arena gegenüber und führen Runde für Runde einen Schlagabtausch durch. Hektik kommt keine auf, ihr könnt all eure Angriffe, Zauber und mächtige Beschwörungen wohl überlegen und euch eine Strategie zurecht legen. Nach getaner Eingabe kommt der nächste Kämpfer dran, was mittels einer Liste an Portraits erkennbar ist. Die Schwierigkeit liegt darin, dass mächtige Aktionen eine gewisse Vorbereitung brauchen und die Helden in dieser Zeit nichts anderes mehr tun können, also kurzzeitig aus dem Kampfgeschehen treten und damit die Reihenfolge verändern.

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Wie bereits bei der Story entwickelt sich das Kampfsystem im Laufe des Abenteuers und wird immer umfangreicher. Mit gewonnener Erfahrung erlernen die Helden neue Tricks und Kniffs und können wesentlich effektiver gegen die teils mächtigen Kreaturen und richtig üblen Bosse vorgehen. Immer wichtiger werden letztendlich auch die positiven wie auch negativen Statuseffekte und der Blick generell auf die Verfassung der Truppe. Denn erlittene Schäden tragen die Helden mit in den nächsten Kampf und manchmal müsst ihr auch frühzeitig einen mächtigen Heilzauber auf den Lippen haben, um einen Kameraden vor dem Tod zu bewahren. Darüber hinaus sorgt eine gute Mischung aus einfachen Attacken und mächtigen Angriffen für ein ausgeklügeltes System. Ihr könnt sogar spezielle Machtpunkte im Kampf generieren, um mächtige Angriffe ohne Verbrauch von Mana loszulassen!

Die eigentliche Charakterentwicklung fällt eher simpel aus. Neue Fähigkeiten lernen sie durch den Levelaufstieg und werden dadurch auch automatisch stärker und effektiver. Irgendwann greifen euch die niedrigen Kreaturen gleich gar nicht mehr an, weil sie sich ihrer Niederlage bewusst sind. Zwei zusätzliche Fähigkeitsbäume bieten eine persönliche Individualisierung und sorgen für zusätzliche Effekte wie kritische Schäden. Wesentlich ideenreicher ist die Enzyklopädie über alle Feinde in der Welt von Battle Chasers: Nightwar. Hier findet ihr nicht nur wichtiges Wissen, umso öfters ihr einer Kreatur begegnest, umso mehr lernen die Helden über deren Schwäche hinzu. Zudem sorgen zahlreiche nette Herausforderungen in diesem Buch für weitere unterhaltsame Kampfrunden. Das Erfüllen dieser, wie zum Beispiel eine bestimmte Anzahl an Elementaren töten, sorgt für weitere Boni und Charakterfähigkeiten. Ein wirklich gelungenes System, dass Geschichte schreibt und ungemein motivierend wirkt, um beständig im Clinch mit den Feinden zu stehen.

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Ein weiterer großer Aspekt ist das Crafting-System. Neue Ausrüstung findet sich auch im Dorf beim Schmied und Händler, jedoch ist es lukrativ, selber zum Hammer und zur Phiole zu greifen und mit den zahlreichen Kräutern und Erzen kreativ zu werden. Immer mehr Rezepte und Bauanleitungen sorgen für ein umfangreiches Repertoire und zusätzliche Verzauberungen helfen, gewisse Attribute der Helden zu verbessern. Wirklich interessant ist die Tatsache, dass nicht immer alle Materialen benötigt werden. Ihr könnt auch mit weniger euer Glück versuchen. Gelingt die Herstellung sogar, bekommen die Waren gar besondere Effekte und Vorteile zusätzlich zugesprochen. Ansporn, auch mal zu experimentieren. bei Fehlversuchen sind die Materialen jedoch leider verloren.

Es lohnt sich also, jede Kiste abzuklappern, jede Pflanze einzusammeln und reichlich Gegner ins Jenseits zu schicken, um Unmengen an Loot zu kassieren. Ein Argument, welches euch auch immer wieder in bereits abgeschlossene Dungeons ziehen wird. Diese könnt ihr mitunter auf normal und schwer erledigen, danach schaltet sich noch „episch“ frei. Umso anspruchsvoller der Kampf, umso besser der Krimskrams von Rüstungen, über Ringe und Amulette bis hin zu zahlreichen Materialen, der eingesammelt wird. Neben der Tatsache, dass Dungeons quasi zufallsgeneriert sind, ein weiterer Garant, um sich länger als gewöhnlich mit Battle Chasers: Nightwar zu beschäftigen, als gewöhnlich. So steigert sich die Spielzeit von 30 Stunden für ausgiebige Abenteurer zusätzlich, neben den „New Game Plus“ zum Abschluss der Geschichte.

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Getestete Version: Xbox One

Unser Fazit

87 %

Ich bin völlig eingenommen von der charmanten Art von Battle Chasers: Nightwar. Das stimmige Artdesign, die witzigen Helden mit charmanten und guten deutschen Synchronsprechern, ein intensives, wenn auch klassisches Kampfsystem, und die kreativen Ideen haben mich nahezu in jeder Hinsicht überzeugt. Für schmales Geld bekommt jeder Fan von Runden-Rollenspiele ein wirklich tolles Abenteuer mit zeitgemäßer Technik und doch altbekanntem Gameplay geboten. Es sind viele Kleinigkeiten, die dieses Spiel zusätzlich zu etwas Besonderem machen wie ein gelungenes Crafting-System, die Herausforderungen der Enzyklopädie oder auch die Tatsache, dass sich die Helden nicht wirklich in eine Klassenschublade stecken lassen. Letztendlich fasziniert das Gesamtpaket mit einer zum Ende hin gelungenen Geschichte und unglaublich guter Atmosphäre. Wer keine Abneigung gegen klassische Runden-RPGs alter Final Fantasy Spiele hat, sollte definitiv zugreifen!

Pro

  • + Wundervolle Inszenierung der Spielwelt auch dank der Unterstützung von Joe Madureira.
  • + Die Story wird im Verlaufe des Abenteuers immer besser und wird dank hervorragender deutscher Synchronsprecher superb umgesetzt.
  • + Klassisches und doch sehr intensives Kampfsystem, mit viel Tiefgang, umso weiter man voranschreitet.
  • + Semi-zufallsgenerierte Dungeons, die mehrfach besucht werden können.
  • + Erledigen von Gegner sorgt dank intelligenter Herausforderungen für zusätzliche Charakterboni und fördert somit die Gier nach weiteren Kämpfen.
  • + Umfangreiches und intelligentes Crafting-System, bei dem man nicht immer alle Materialen haben muss.
  • + Wundervoller Soundtrack untermalt das ohnehin atemberaubend schön inszenierte Abenteuer.

Kontra

  • - Der Einstieg wirkt noch ein wenig kitschig und unspektakulär, da man eine typische Story erwartet.
  • - Für Neulinge ist das Kampfsystem trotz all seiner Einschränkungen doch etwas schwer zu meistern.
  • - Anfänglich sorgten einige technische Probleme noch für Ärger. Mittlerweile scheint man dies mittlerweile dank Patches im Griff zu haben.

Unsere Bewertung

Grafik
 
85 %
Sound
 
85 %
Steuerung
 
90 %
Gameplay
 
85 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
85 %

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Aufgewachsen mit der ersten Nintendo-Konsole, fühlt sich Alexander Winkel eigentlich auf allen Plattformen heimisch. Trotz seiner offensichtlichen Hingabe zur Xbox – die vielen Gamerscore Punkte erspielen sich nicht von selbst – lässt er seine Schreibwut an allen Videospielen aus, unabhängig vom System.

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