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Beyond Eyes – Xbox One Test / Review

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Veröffentlicht 24. August 2015 | 16:36 Uhr von Alexander Winkel

Beyond-Eyes

In Beyond Eyes erzählt uns Entwicklerin Sherida Halatoe eine ungewöhnlich präsentierte Geschichte der kleinen Rae, die nach einem Unfall das Augenlicht verliert. Als regelrecht famos muss das Art-Design und die Akustik bezeichnet werden. So ungewöhnlich das Abenteuer aber auch ist, es stellt ein einmaliges Erlebnis ohne spielerischen Wert dar. Ein Spaziergang, der aber durchaus einen ungewöhnlichen Einblick liefert.

Rae, ein kleines Mädchen von vielleicht 7-10 Jahren, erblindet bei einem Unfall. Täglich verbringt sie nun die freie Zeit einsam im heimischen Garten, wohl grübelnd, was ihre ehemaligen Freunde so machen. Eines Tages streunert ein Stubentiger vorbei, maunzt liebevoll und lässt sich genüsslich von Rae kraulen. Das merkt sich der kleine Kater und kommt alsdann täglich Rae besuchen. Das Mädchen findet ihre Lebensfreude wieder und kann es kaum erwarten, bis Nani – so hat sie den Vierbeiner getauft – seinen nächsten Besuch macht. Eines Tages kommt Nani aber nicht in den Garten und lässt auch sonst nichts von sich hören. Rae vermisst ihren einzigen Freund und macht sich, trotz ihres Handicap, auf, Nani zu suchen.

Aus der Sicht einer Blinden

Als Spieler erlebt man die abenteuerliche Reise aus der Sicht des blinden Mädchen. Alles basiert auf Erinnerungen, die sich aufgrund wahrgenommener Geräusche und anderen Sinnesempfindungen vor ihrem inneren Auge verdeutlichen. Die große weite Welt ist grundsätzlich in einem einheitlichen Weiß verschleiert. Nur die unmittelbare Umgebung offenbart sich in kunterbunten und mit viel Liebe zum Detail gemalten Aquarellen. Ein galanter Zeichenstil, der aus dem kleinen heimischen Garten ein famoses Kunstwerk macht. Rae erinnert sich an all die Dinge, die sie umgeben. Sträucher, Blumen, Vögel, Brunnen – all dass manifestiert sich geradezu in unserem Bild.

Die Sicht ist durch die Blindheit stark eingeschränkt, wobei sich Rae alle Wege und Dinge merkt, an die sie vorbei kommt und es dem Spieler somit etwas einfacher macht. Immer wieder zwitschern die Vögel in der Ferne, oder man hört das Gackern von Hühner und vor dem inneren Auge des Mädchens erscheinen kurzzeitig die Tiere, wie sie sie noch in Erinnerung hat. Interessant ist dabei, dass sämtliche räumlichen Gegebenheiten zu diesem Zeitpunkt ausgeschaltet sind. Durch die deutlich bessere Wahrnehmung von Geräuschen und Gerüchen erscheinen derartige Dinge noch bevor sich der tatsächliche Weg offenbart. Oftmals läuft man mit Rae dann doch auf einen Zaun oder eine Hauswand zu, die sich erst in unmittelbarer Umgebung manifestiert und die vorherigen Weltvorstellung wieder übertünchen.

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Nani, wo bist du?

Da Rae im Garten nicht fündig wird, wagt sie sich tatsächlich aus den Gartentor hinaus in die weitere Welt, eigentlich voller Gefahren für ein blindes junges Mädchen. Bruchstückhafte Erinnerungen helfen ihr, sich in der unwegsamen Umgebung zurecht zu finden und vor Gefahren zurück zu schrecken. Hunde mag Rae zum Beispiel gar nicht. Sie macht einen großen Bogen um dies kläffenden Biester. Manchmal spielt ihre Vorstellung ihr aber auch einen Streich. Ein wohlklingendes Plätschern stellt für sie zum Beispiel ein wundervoller Brunnen dar. Nähert man sich der Quelle des Geräusches, offenbart sich stattdessen ein Abwasserkanal, der vorherige Zeichnungen ausradiert. So spielt uns die Sicht immer und immer wieder Streiche und macht aus der Suche nach Nani ein audiovisuell gesehen wundervolles Abenteuer.

Die stark eingeschränkte Sicht hat aber auch spielerisch so ihren Nachteil. Solange Rae nicht fast direkt vor einem Zahn oder Büschen steht, ist der Weg noch unbekannt und logischerweise in alle Richtungen möglich. So läuft man immer wieder in Sackgassen oder Hindernisse hinein und muss daher einige Schritte zurück gegen. Als weiterer Nachteil bzw. recht unangenehm ist die gemächliche Art des Mädchens zu bezeichnen. Aufgrund ihres Leidens und einer gewissen, sicherlich auch nachvollziehbaren Angst vor dem Unbekannten, setzt sie nur ganz vorsichtig einen Schritt vor den nächsten. Dadurch kommt man nur sehr, sehr gemächlich voran, was aber auch Vorteile hat, denn so dauert die Suche nach Nani immerhin noch 2-3 Stunden.

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Kunstgriff zum erleben

Man muss Beyond Eyes als ein Experiment betrachten, in dem der Spieler in die Haut einer blinden Person versetzt wird. Durch die Optik und Umgebungsgeräusche wird durchaus glaubhaft vermittelt, wie sich Rae tatsächlich fühlen muss. Diskussionswürdig ist natürlich, ob ein kleines und dazu blindes Mädchen tatsächlich eine derartige Reise auf sich nehmen würde und selbst Gefahren wie eine Straße einzig aufgrund des Fernbleibens des Vierbeiners in Kauf nimmt.

Mehr als ein experimentelles Kunstwerk ist Beyond Eyes aber nicht, denn spielerisch wird außer der Erkundung der ungewöhnlichen dargestellten Welt nur kaum etwas geboten. Es wird mal ein Ball zurück geholt, den jemand über den Zaun geworfen und verloren hat. Mit ein wenig Brotkrumen verjagt Rae auch mal Möwen, die ihr laut schnatternd den Weg versperren. Die Welt interaktiv zu erleben wie es zum Beispiel in Brothers A Tale of Two Sons der Fall ist, wo die Gebrüder mit den Bewohnern albern oder einfach den Ausblick und die Natur genießen, fehlen. Dadurch bleibt der Charakter irgendwie blass, da man nicht mehr über Rae und ihre Empfindungen in Erfahrung bringt. Ansonsten wandert man im wahrsten Sinne des Wortes blind durch die Gegend und erhofft sich Erinnerungen aufzudecken. Denn immer wieder glaubt Rae ihre geliebte Katze Nani gehört zu haben oder stellt sich vor, dass sie sich hier gerne aufgehalten hat – Hinweise, die uns durch das Abenteuer leiten und den Weg offenbaren.

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Unser Fazit

67 %

Am besten bezeichnet man Beyond Eyes als ein kreatives Experiment, dass uns in ein vor allem optisch wundervolles Abenteuer entführt. Allein die Art und Weise, wie das Umfeld für den Spieler nur nach und nach offenbart wird, ist famos auf das kleine Mädchen abgestimmt. Sie baut die Welt aus ihren Erinnerungen nach und mag sich dabei manches mal auch täuschen. Der Ausflug ist ein recht gemächliches Abenteuer, ohne jegliche Gefahren und mit nur ganz wenig Interaktionsmöglichkeiten. Rae zeigt ihre Angst, wirklich viel ausprobieren lässt uns Beyond Eyes aber letztendlich nicht. Es gibt nur wenige Dinge, die es zu erledigen gilt. Das Spiel sollte daher weniger als solches empfunden, sondern unter dem Begriff „interessanter Erfahrung“ eingestuft werden. Aus dieser Sicht heraus ist Beyond Eyes ein wirklich kreatives Werk geworden, das man mal erlebt haben darf.

Pro

  • + Wundervolles und kunstfertiges Art-Design in mit viel Liebe zum Detail gezeichneten Aquarellen.
  • + Mit dem Kunstgriff, die Welt im weißen Nebel zu verschleiern, wird die Sicht der blinden Rae sehr schön verdeutlicht.
  • + Umgebungsgeräusche spielen eine große Rolle. Die Vorstellung der Welt entspricht aber nicht immer der Realität, was sehr schön in Szene gesetzt ist.
  • + Musikalische Untermalung wird nur selten zu atmosphärische Zwecke verwendet.
  • + Ein experimentelles Erlebnis.

Kontra

  • - Immer wieder verirrt man sich dank der fehlende Sicht. Rückwege sind ebenfalls häufig vorprogrammiert.
  • - Rae bewegt sich nur sehr langsam und vorsichtig durch die Welt. Nachvollziehbar, aber aus spielerischer Sicht dann doch ermüdend.
  • - Viel zu wenig Interaktionsmöglichkeiten. Dadurch Mangel an Experimenten, die man mit Rae durchführen könnte.
  • - Spielzeit ist mit 2-3 Stunden sehr begrenzt. In der Zeit kann man auch alle Erfolge bereits frei geschaltet haben.

Unsere Bewertung

Grafik
 
80 %
Sound
 
70 %
Steuerung
 
85 %
Gameplay
 
25 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
60 %

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Aufgewachsen mit der ersten Nintendo-Konsole, fühlt sich Alexander Winkel eigentlich auf allen Plattformen heimisch. Trotz seiner offensichtlichen Hingabe zur Xbox – die vielen Gamerscore Punkte erspielen sich nicht von selbst – lässt er seine Schreibwut an allen Videospielen aus, unabhängig vom System.

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