Beyond: Two Souls - PS3 Version im Test / Review

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Beyond: Two Souls – Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint

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Veröffentlicht 8. Oktober 2013 | 17:00 Uhr von Sandra

Letzte Änderung 10. Oktober 2013

Beyond-Two-Souls-Jodie-Dawkins

Der französische Entwickler Quantic Dream, im Übrigen mit Sitz in Paris, ist mitnichten ein unbeschriebenes Blatt der Gaming-Branche, kein Neuling oder Anfänger, wenn es darum geht interessante und vor allem auffällige Spiele-Ideen zu virtuellem Leben zu erwecken. Wenn auch eher dezent, sozusagen von hinten mitten durchs Auge, hat sich der Schöpfer ausgefallener, durchaus abseits des Mainstream angesiedelten Spielen, nachhaltig einen Namen gemacht. Die Beweise dieses Schaffens: Fahrenheit, Omikron oder Heavy Rain. Mit ihrem neusten Werk, getauft auf den Namen Beyond: Two Souls, treten die Franzosen erneut an zu belegen, dass ein Spiel abseits der eher gängigen Wege so viel mehr sein kann als eine erzählte mit Aktionen gespickte Geschichte.

Gestatten: Patentante Feuerkind

Stephen King’s Feuerkind (Engl. Firestarter) als Patin von Beyond: Two Souls zu nennen ist Nahe liegend, denn in beiden Fällen geht es um junge Mädchen, später Frauen, die aufgrund einer besonderen Gabe ins Zentrum der Wissenschaft, der Geheimdienste und auch der Kriegstreiber dieser Welt gerückt sind. Unfreiwillig, versteht sich. Beide Mädels haben gemein, dass sie ihren irdischen Körper mit einer Geisterkraft teilen. Während Charlie (Feuerkind) mittels Gedankenkraft Feuer entfachen sowie kontrollieren kann, teilt Jodie ihr Dasein mit Aiden. Interessant erscheint dabei auch, wie Quantic Dream zu diesem Ansatz gekommen ist, sich auf der einen Seite, bewusst oder unbewusst, an Feuerkind zu orientieren, dies allerdings mit der Frage „gibt es ein Leben nach dem Tod?“ zu kombinieren. Kein geringerer als Game Designer und Director David Cage hat sich mit diesen beiden Komponenten befasst, und heraus gekommen ist eine Fragen aufwerfende, düstere, traurige, auch mal fröhlich anmutende, aber zu jeder Zeit spannenden, überraschende Geschichte, in der eine junge Frau herausfinden will (oder muss?), wer sie eigentlich ist.

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Hallo, ich bin Jodie und ich bin anders!

Jodie hat und hatte es nicht leicht. Bereits als Kind muss sie die Erfahrung machen, dass sie einfach anders ist als andere Kinder. Jodie ist eigentlich nie allein, denn sie teilt ihr Sein mit der Geistgestalt Aiden. Aiden, dieses übersinnliche Etwas, welches Jodie stets beschützt, aber auch mit ihr kommuniziert, hin und wieder Befehle erteilt und, wenn es sein muss, auch  selbstständig agiert, vor allem dann wenn Jodie sich ängstigt, in die Enge gedrängt oder sogar angegriffen wird. Übernatürliche Kräfte sind am Werk, die der ‚normale Mensch‘, und von denen treffen Jodie & Aiden  sehr viele, aufgrund verminderter geistiger Kapazität nicht fassen kann. Fast wie im echten Leben, da wir gerne alles bekämpfen, dass wir für uns nicht greifen, nicht erklären können. Und diese harte Lebensschule, die muss Jodie meistern – zusammen mit Aiden. Sei es als kleines Mädchen, da sie unter Anleitung des Wissenschaftlers Nathan Dawkins einerseits lernt, wie sie mit Aiden umgehen kann und die Geisterkraft ein Stück weit zu beherrschen, und anderseits erlangt sie früh traurige Gewissheit darüber, dass Menschen mit besonderen Begabungen und Fähigkeiten mehr als Bedrohung, denn als Gewinn angesehen werden. Eine Gewissheit, welche Jodie zeitlebens nicht mehr los wird, denn egal welchen Lebensabschnitt ihr mit ihr durchlaufen werdet,  das Damoklesschwert des anders sein nähert sich nicht selten auf sehr bedrohliche Art und Weise.

Erwartet keine chronologische Erzählweise, wenn ihr euch auf Jodie und Aiden einlasst. Anfänglich mag es wie ein zusammenhangloses Aneinanderreihen von Kapiteln wirken, die vor allem zeitlich in keine effektive Reihenfolge zu bringen sind. Aber mit der Zeit werdet ihr merken, dass genau dieses vermeintliche Durcheinander System hat, logisch ist und euch Türen zu Bereichen aufstößt, die ihr mittels – wir sagen einmal – standardisierter Darbietung nicht  oder nur unzureichend bewusst erleben würdet. Es ist eine Art geordnetes Chaos, ein Anbieten von kleinen Stücken, die erst zum Ende hin das große Ganze ergeben. Denkt, wenn ihr auf den Spuren von Jodie wandert, immer daran, dass ein vermeintliches Ende immer auch ein neuer Anfang sein kann. Spätestens wenn ihr es mit offenbar wieder auferstandenen Wissenschaftlern und – wie kann das sein – Untoten zu tun haben werdet, sollte eure Neugierde vollends geweckt sein herauszufinden, was es mit Jodie, Aiden und all den anderen Beteiligten auf sich hat, denn nicht alle sind so scheinbar unschuldig wie sie tun.

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Hollywood comes to Life

Um diese sehr mysteriös anmutende, aber auch oft sehr spannende Erzählweise zu unterstützen, haben sich Quantic Dream namhafte und vor allem sehr professionelle Hilfe ins Studio geholt. Ellen Page (u.a. X-Men: Der letzte Widerstand, Inception, Juno) haucht Jodie gekonnt Leben ein, und bedient dabei alle wichtigen Facetten wie Bewegung und Ausdruck. Im Zusammenspiel mit den wahrlich fantastischen Entwicklern, die ihre Programme verstanden haben und zu nutzen wussten, erscheint Jodie „sehr echt“ und nicht selten werdet ihr schlichtweg von den verschiedenen, überzeugend real wirkenden Gesichtsausdrücken gefangen genommen werden. Und wenn Jodie wieder einmal traurig, melancholisch und scheinbar hilflos ins Leere blickt, werdet ihr euch nur schwer dem Wunsch, sie einfach tröstend in den Armen nehmen zu wollen, entziehen können. Und spätestens wenn sie Passanten um Geld bittet – werdet ihr feststellen, dass „nein“ sagen als Option definitiv flach fällt!

Nicht unerwähnt bleiben soll auch Willem Dafoe (u.a. Spider-Man 3, Blutige Pfad Gottes, Daybreakers, Cry Baby), der Nathan Dawkins zu virtuellem Leben erweckt. Auch der Wissenschaftler überzeugt, und er schafft es zudem, aufgrund der Art und Weise wie er dargestellt wird als auch wie er agiert, dass er den vermutlich gewollt angestupsten inneren Zwiespalt in euch auslöst, ob ihr dem Kerl trauen wollt oder nicht. Auf der einen Seite fühlt ihr euch gut aufgehoben, wenn Dawkins Vater gleich an eurer – Jodies – Seite steht und im nächsten Moment fragt ihr euch wieder, was der Typ von euch will und wie er gepolt ist. Eine Achterbahnfahrt der Emotionen, immer wieder beschleunigt oder auch mal eingebremst – je nach Situation.

Unterstützt werden Jodie (Page) und Dawkins (Dafoe) von den beiden Schauspielern Eric Winter und Kadeem Hardison. Winter, welcher der Figur Ryan Clayton, im Auftrag der Regierung unterwegs, zur virtuellen Auferstehung verhilft, sowie Kadeem Hardison, der Cole Freeman, ebenfalls im Auftrag der US-Regierung stehend und Paranormale Phänomene untersuchend, Gestalt verleiht. Für beide gilt, ebenso wie für die Hauptdarsteller, dass sie gesamt sehr detailliert, nicht nur animiert, sondern auch in Sachen Mimik ausgefallen sind. Dies ist insofern besonders, als das die Figuren, die am Ende nur Randerscheinungen sind, über Durchschnitt nicht hinaus kommen. Statisten, Füllprogramm am Rande und sicherlich auch ein optischer Garant dafür, dass die Feinzeichnungen der Star-Crew, wenn man so will, noch mehr ins Auge fallen, als sie es ohnehin schon tun.

Gleiches gilt ein Stück weit auch für die Umgebungen, die abwechslungsreich gestaltet und so weit eine solide Bandbreite zu bieten haben. Innen- wie Außenareal wechseln sich ab und sind weitestgehend sauber, detailreich und überzeugend gestaltet. Natürlich weisen die Gebiete, je nachdem wo ihr euch gerade aufhaltet, Schwächen auf. Nothing’s perfect, ums mit diesem Sprichwort zu sagen, aber es ist und bleibt stimmig. Davon abgesehen, denkt daran, dass es hierbei wenig bis gar nicht um die Bezirke, Räume, Wälder, Straßenschluchten, Labore, usw. geht. Es sind die Figuren, allen voran Jodie, die im Zentrum stehen, deren – wenn man so will – innere Reise, die sich in Gestalt von Aiden nicht selten Bahn bricht und dann auf jeden Fall für einen optisches Gewitter gut ist. Nicht nur die Art und Weise, wie ihr die Welt aus Aidens Sicht wahrnehmt, weiß zu gefallen, auch das ihr mit Aiden Actionmomente genießen könnt, steht Jodies Story als auch ihrer Zerbrechlichkeit mehr als gut zu Gesicht.

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Es kommt auf die Betrachtungsweise an

Warum wirkt ein Moment genauso wie er wirkt? Eine Frage, die ihr euch in Beyond: Two Souls sicher mehr als nur einmal stellen werdet. Abgesehen von dem Offensichtlichen, sprich Erzählweise, Darsteller oder der Situation an sich, ist es auch eine Frage dessen, wie ich diesen einen Augenblick mit der Kamera einfange. Quantic Dream ist es gelungen die scheinbar endlosen Momentaufnahmen zu einem gigantischen Puzzle werden zu lassen, und das mit dem gekonnten Kniff euch stetig bei Laune zu halten. Die Szenen sind so aufgenommen, so dass jede Sekunde irgendwie besonders wirkt. Dies ist auch der Fall, wenn es zu – wie es gerne heißt – dramatischen Kamerafahrten kommt, in denen sich ein drastischer Wechsel anbahnt oder ihr schlicht nur angehalten sein, die berühmte Medaille auch von der zweiten Seiten aus zu betrachten.

Ein nicht unwesentlicher Aspekt ist dabei natürlich auch die musikalische Begleitung, welcher der Situation, den Darstellern, der Umgebung, der Handlung just in dem Moment das Sahnehäubchen verpasst. Kein geringerer als Hans Zimmer ist für die Musikbegleitung verantwortlich, und dieser Mann versteht sein Handwerk. Dank der Musik werdet ihr Beyond: Two Souls noch einen Tacken intensiver erleben.

Abgesehen von diesen Stilmitteln ist auch der Anreiz, dass Entscheidungen, die ihr in den rund 15 Jahre von Jodie, die ihr erleben könnt, angesiedelt im Übrigen zwischen ihrem 8. Und 23. Lebensjahr, Einfluss darauf haben, wie es zu welcher Zeit mit Jodie weitergeht. Wer bereits auf die Trophäen des exklusiven Playstaiton 3-Titels gespickt hat, wird wissen, dass es verschiedene Enden gibt, die ihr als Spieler erreichen könnt. Wahlweise lassen sich diese durch bestimmt herbei geführte oder per Zufall und unbewusst getroffenen  Entscheidungen erlangen. Manche Situation wird euch sprichwörtliche keine Wahl lassen, in einem anderen Moment jedoch könnt ihr überlegen, was für Konsequenzen euer Handeln haben könnte, wenn ihr so oder doch anders entscheidet. Seid auch darauf gefasst, dass ein solcher Entscheidungsmoment gerne einmal nicht direkt erkennbar ist und sich erst später offenbart, da euch bewusst wird, es hätte auch eine Alternative gegeben.

Unser Fazit

90 %

Die für viele wohl wichtigste Frage heben wir uns für den Schluss und damit das Fazit auf: Interaktiver Film, ja oder nein? Wir sagen, ja und nein und, es kommt darauf an, wie ihr Beyond: Two Souls betrachtet und was für euch erfüllt sein muss, dass es aus eurer Sicht ein gutes Spiel ist. Wollt ihr Action, leicht auszuführen mit der Option, dass ihr euch einmal quer frei durch die Welt schlagt? Dann, müssen wir so festhalten, seid ihr vielleicht nicht optimal mit Jodies Geschichte bedient. Gehört ihr jedoch zu denen, die sich von einer gediegene Erzählweise angesprochen fühlen, die Spannung sowie überraschende Twists lieben und die neugierig sind ob eines scheinbar chaotischen Lebenslaufs? Mögt ihr Geschichten, die sich nicht gleich offenbare und Geheimnisse bieten, Fragen aufwerfen? Wollt ihr Entscheidungen treffen, speziell auch dann, wenn ihr es am wenigsten erwartet? Steht ihr auf virtuelle Hauptdarsteller, die es schaffen euch mitzunehmen, euch auf ihre Seite holen und an deren Schicksal ihr mehr als nur ein bisschen Interesse habt? Alles oder fast alles mit „ja“ beantwortet? Gut, dann seid ihr bei Beyond: Two Souls genau richtig, denn es ist ein Spiel, wie jedes andere Spiel auch – aber es macht alles etwas anders als andere Spiele. Ein vorgezeichneter Weg mit absehbaren Handlungen verspricht nichts desto weniger Freiheit, vor allem wenn ihr sozusagen als zwei Protagonisten unterwegs seid. Zeitsprünge sorgen gekonnte für Verwirrung und es gibt so viele Frage, die sich einem förmlich aufzudrängen scheinen und auf die man auf Teufel komm raus eine Antwort haben will. Woher hat Jodie die Geisterkraft Aiden? Gen-Defekt? Experiment? Wer oder was ist Aiden? Was hat es mit Nathan Dawkins auf sich? In welchem Verhältnis steht er zu Jodie? Ist er sogar ihr Vater? Warum ist die Regierung nachhaltig an Jodie interessiert? Und was möchte eigentlich Jodie? Alles Fragen, die ihr euch final nur beantworten könnt, wenn ihr Jodie helft ihr anders sei zu verstehen.

Pro

  • + gut abgestimmte Steuerung (in Kombination mit eurer Reaktionszeit)
  • + super gelungene Atmosphäre
  • + spannende, mit Twists gespickte Story
  • + tolle Hauptcharaktere mit gelungener Mimik
  • + eingängige Musik
  • + überzeugende Sprachausgabe
  • + interessante Erzählweise
  • + Entscheidungsfreiheiten
  • + reines Singleplayer-Abenteuer

Kontra

  • - Aiden kann nur Situationsbedingt gesteuert werden
  • - Storytelling ist anfänglich sehr verwirrend

Unsere Bewertung

Grafik
 
90 %
Sound
 
90 %
Steuerung
 
90 %
Gameplay
 
90 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
90 %

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Kommentare

  • Michael sagt:

    wieder ein interessanter Titel.

    Ich muss schon sagen, dass dieses Jahr echt ein für mich spielemässig interessantes Jahr ist. Sind schon so einige Titel dabei, die ich noch ganz gerne anspielen würde ;)

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