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BioShock: The Collection – Test / Review

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Veröffentlicht 8. Mai 2017 | 17:00 Uhr von Marc Wunder

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Kaum zu glauben. Es ist schon zehn Jahre her, dass das erste „Bioshock“ das Licht der Welt erblickte. Und auch noch heute gehört die nun etwas betagte Reihe zu dem erzählerisch Bestem, was das Medium Videospiele zu bieten hat. Nun erhält die Reihe ein Facelift, mit der es optisch an die aktuelle Konsolengeneration angepasst wird.

Eierlegende Wollmilchsau

Es wäre müssig, die Story(s) der drei Games im Klein-Klein auseinander zu nehmen. Lassen wir also an dieser Stelle stellvertretend diesen Satz stehen: am Anfang steht immer ein Leuchtturm.

Beginnen wir also mit dem Offensichtlichen. Während Infinite nahezu unangetastet blieb, erhielten gerade die betagteren Teile der Reihe einen ordentlichen Grafikboost. Schärfere Texturen, aufwändigere Beleuchtung, bessere Framerate und wahlweise ein größerer Bildausschnitt werten diese Oldies ordentlich auf. Zudem ist erstmals Bioshock 1 unzensiert erhältlich, während die Originalversion noch gewalttechnisch an den deutschen Markt angepasst war. Das Entwicklerstudio Blind Squirrel, die schon an Infinite beteiligt waren, haben mit der Anpassung also ganze Arbeit geleistet. Zusätzlich zu den Hauptspielen sind auch die großen Einzelspieler-DLCs Teil dieser Kollektion. Inklusive des hervorragenden „Minerva’s Den“, welches von vielen Fans sogar höher gehandelt wird, als sein eigentliches Hauptspiel Bioshock 2. Auch beide „Burial at Sea“ –Episoden aus Infinite sind mit an Bord und spannen so den Bogen zu den Ursprüngen von Bioshock.

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Neu ist ein virtuelles Museum, in dem Konzeptzeichnungen und –designs ausgestellt sind und welches man mit seinem Alter-Ego betreten kann. Dies fühlt sich einfach organischer an, als nur eine Konzeptgallerie einzurichten. Tolle Idee! Man merkt, welche Mühe sich die Entwickler gegeben haben.

Zudem lassen sich in Bioshock 1 nun Filmdosen finden, mit denen man im Hauptmenü eine 10-teilige Interviewreihe frei schaltet, in der Ken Levine – der geistige Vater der Serie – Einblicke in die Entwicklung gibt.

Von Bord geworfen wurden allerdings alle Mehrspielerinhalte. Dies ist nicht wirklich schlimm, waren diese bei Bioshock doch eher unnötige Zugaben.

Zwischen Action und Philosophie

An den Handlungen der einzelnen Spiele hat sich natürlich nichts geändert. In Bioshock 1 begleiten wir Jack, den einzigen Überlebenden eines Flugzeugabsturzes, dabei, wie er einen Leuchtturm betritt und kurz darauf per Tauchglocke in einem dystopischen Unterwassermetropolis namens Rapture eintrifft, deren Bewohner durch Genexperimente wahnsinnig geworden sind und sich immer auf der Jagd nach der Substanz ADAM befinden.

In Teil 2 werden dann die Rollen getauscht. Man spielt Delta, den ersten funktionsfähigen Prototyp eines Big Daddys. Dieser Twist ist zwar sehr interessant, waren die Big Daddys doch in Teil 1 die härtesten Gegner. Allerdings ist das Setting mit Rapture bereits bekannt, so dass der Wow-Effekt weitaus geringer ausfällt, als noch beim Erstling. Trotzdem kann das Artdesign und die Architektur des ehemaligen Unterwasserutopias überzeugen.

Auch Infinite startet mit einem Leuchtturm. Nur geht es hier für Hauptcharakter Booker DeWitt hoch hinaus – in die fliegende Stadt Columbia. Dieser ehemalige Privatdetektiv bekam den Auftrag, dort ein Mädchen namens Elizabeth zu befreien. Im Gegensatz zu Rapture erleben wir Columbia in einem Zustand vor dem Verfall. Dementsprechend hell und freundlich ist die Umgebung gestaltet. Dies stellt einen ziemlichen Kontrast zur düsteren Stadt unter dem Meer dar. Man lernt jedoch schnell: der Schein kann zuweilen trügen.

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Obwohl das Gameplay an sich gut gealtert ist, so sind mittlerweile viele Elemente Genrestandard geworden. Waren die zusätzlich zu den obligatorischen Schießeisen verwendeten Plasmide damals noch ein Novum  im Genre, so schießt heute fast jeder zweite Spielcharakter Blitze und Feuerfontänen aus seinem Hintern. Trotzdem macht das Gunplay Spaß, auch wenn man gerade bei Teil 1 und 2 merkt, dass damals Konsolenshooter noch in der Experimentalphase steckten. Zu ungelenkt und schwammig lässt sich das Fadenkreuz steuern. Als Spieler benötigt man da im Gegensatz zu Vorzeigeshootern wie Destiny und Halo schon einige Eingewöhnungszeit. Infinite bekommt dies schon wesentlich besser hin, so dass dort der Spielfluss wesentlich eleganter wirkt. Mit Elizabeth bekommt man zudem endlich eine helfende KI, die man nicht babysitten muss. Sie unterstützt uns im Kampf und beschafft uns sogar Munition. Gutes Mädchen!

Nervig hingegen ist die Sammellei von Münzen, um an Automaten Verbesserungen zu erkaufen. Man dreht buchstäblich jeden Mülleimer um, um an die begehrten Coins zu kommen. Oft findet man sich in folgendem Muster wieder: neues Gebiet -  alle Gegner erledigen – jeden Stein umdrehen – Upgrades kaufen – wieder von vorn.

Zur Story wurde in der Einleitung eigentlich schon alles gesagt. Besser geht es kaum. Alle Bioshock-Teile bieten phantastisch erzählte Rahmenhandlungen, die mit unvorhersehbaren Twists und sogar philosophischen Theorien gespickt sind. Gerade Infinite kann durch seine alternativen Realitäten und Zeithorizonte mitunter sehr verwirrend sein. Mit Was-wäre-wenn-Fragen und der Antwortsuche nach dem Sinn des Lebens wirkt es schon fast wie ein Interstellar in Spielform. Auch sind alle Teile durch mehr oder minder große Storyfäden miteinander verknüpft. Es macht Spaß, diese Verknüpfungen zu entdecken. Das Erkunden und Durchsuchen von jedem Winkel der Spielwelt ist dabei ein wesentlicher Spielinhalt. Zwar kann man natürlich auch schnell durch die verschiedenen Szenarien durchjagen, allerdings würde dabei ein wesentlicher Teil der Atmosphäre und jede Menge kleinerer Details verloren gehen.

Also hier der ultimative Tipp fürs erste Durchspielen: lasst euch Zeit! Und immer schön die Musik genießen. Denn neben dem sehr gelungenen Score lassen auch lizensierte Stücke von Künstlern wie Bing Crosby, Django Reinhardt, Cyndi Lauper und Tears for Fears eine passende musikalische Stimmung aufkommen.

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Unser Fazit

86 %

Bioshock: The Collection kann jedem interessierten Spieler bedenkenlos empfohlen werden. Wenn man die Spiele bisher nicht kennt aber unbedingt mal spielen möchte, so ist diese Kollektion ein absoluter Pflichtkauf. Kenner der 360/PS3-Version müssen abwägen, ob die (wenn auch deutlichen) grafischen Aufwertungen einen Kauf rechtfertigen. Für Fans sicherlich. Denn trotz der etwas angestaubten Spielmechaniken gehören die Games grade im Bezug auf erzählerische Komponenten immer noch zur ersten Garde des Mediums. Und dank der umfangreichen Einzelspieler-DLCs bekommt man quasi fünf Spiele in Einem.

Pro

  • + Herausragende Storys
  • + Grandiose Kulissen
  • + Tolle Musik
  • + Große Einzelspieler-DLCs sind enthalten
  • + Gute Remaster (gerade Teil 1)
  • + Begehbares Museum und Interviewreihe mit Ken Levine
  • + Teil 1 endlich Uncut

Kontra

  • - Spielerisch nicht mehr ganz so frisch
  • - Neviges Münzen sammeln
  • - Gamepadsteuerung bei Teil 1+2 nicht optimal

Unsere Bewertung

Grafik
 
85 %
Sound
 
92 %
Steuerung
 
75 %
Gameplay
 
80 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
95 %

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