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Black Mirror – Test / Review

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Veröffentlicht 11. Dezember 2017 | 19:55 Uhr von Alexander Winkel

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Wer heute über Black Mirror spricht, wird vermutlich eher über die Ereignisse der bekannten Netflix-Serie diskutieren. Spieler älteren Semesters werden jedoch auch einige wundervolle Erinnerungen an ein mystisches Point’n Click-Adventure haben. Eben diesem Klassiker hat sich King Art Games angenommen und mit eigenen Ideen und modernem Gameplay ein Reboot der ursprünglichen Geschichte geschaffen. Wir schlüpften in die Rolle des Erben David und erlebten eine unglaubliche Familiengeschichte – doch überzeugte die Neuinszenierung von Black Mirror wirklich?

Die Familientragöde im Reboot erinnert frappierend an die Hintergrundgeschichte des Klassiker aus dem Jahre 2004 und wurde dennoch dem Zeitgeist entsprechend angepasst. In der Rolle von David Gordon kehren wir auf ein herrschaftliches, schottisches Anwesen zurück, nachdem der plötzliche Verlust des Vaters eine Lücke im Familienbaum hinterlassen hat und gewisse Erbansprüche geregelt werden müssen. Jahrelang hat David behütet in Indien verbracht und seinen Vater hauptsächlich nur durch die Erzählungen seiner Mutter gekannt. Diese waren nicht immer herzlich, daher verwundert es auch nicht, dass seine Großtante ihn eher frostig in dem herrlichen Anwesen willkommen heißt.

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Die ganze Geschichte wurde in die 30er Jahre verlegt und sorgt mit der weitläufigen, oft menschenleeren schottischen Landschaft bereits für eine beklemmende Stimmung. Als dann das fast mystisch anmutende Anwesen nach einer langen, holprigen Fahrt in einem Auto ins Bild rückt, legt sich durchaus ein eiskalter Schauer über den Rücken. Wieso muss es auch mitten in der Nacht sein, wenn David den Fuß über die Schwelle des Anwesens setzt und seine erste Nacht verbringt. So gruselig sich Black Mirror anfänglich auch gibt, die Atmosphäre schafft es immerhin einen gewissen subtilen Horror zu fabrizieren, so verliert sich der Schrecken auf Dauer. Für Herzrasen sorgt der Titel nur selten, vielmehr wirken die virtuelle. Darsteller eher schockiert oder verängstigt, wenn sich mal ein Geräusch auftut. Hochspannung versucht der Titel ja durchaus aufzubauen, scheitert jedoch immer wieder.

Trotz allem gilt es zunächst den Erbanspruch gelten zu machen, jedoch sorgt die Story dafür, dass man sich tiefer in die Familiengeschichte gräbt und so manch grauenvolle Entdeckung macht. Gepeinigt durch einen angeblichen Fluch herrschen die Gordens seit jeher mit Angst und Schrecken und scheinen auch vor Mord nicht zurückzuschrecken. Welch unglaublichen Taten hinter den Mauern des Anwesen und in unmittelbarer Umgebung offenbart werden, lässt durchaus am Verstand so mancher Personen zweifeln. Auch David kann sich nicht wehren und sieht alsbald Visionen, die ihn fast verrückt machen. Diese zeigen jedoch nicht nur vergangenes, sondern liefern auch Hinweise für versteckte Dinge, die im Laufe der Geschichte eine Rolle spielen werden. Als dann auch noch eine Leiche im Keller aufkommt, ist das Chaos perfekt und es ist an euch, den Wahnsinn im Anwesen aufzuklären. Das gewisse Etwas hat die Geschichte ja schon und dank der Synchronsprecher kommt diese auch ganz gut rüber.

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Gespielt wird Black Mirror aus der dritten Person. Ihr blickt David über die Schulter und durchstreift das weitläufige Anwesen und die unmittelbare Umgebung, um Hinweise zu finden und auch zahlreiche Dialoge mit den dort lebenden Personen zu führen. Häufig finden sich Dokumente und Unterlagen, die David jedoch praktischerweise auch vorliest. Während die ursprüngliche Fassung noch ordentlich das Köpfchen anstrengte, sorgt der neue Ansatz einer 3D-Umgebung und der freien Beweglichkeit für weniger Interaktion und deutlich weniger Rätselspaß. Nur zu Beginn und in den letzten Momente werdet ihr etwas anspruchsvollere Aufgaben erledigen, zum Beispiel ein Code geknackt oder einen Schlüssel richtig hingebogen, dazwischen reicht simples interagieren mit allen Elementen und sammeln von Informationen. Ihr müsst schlicht von A nach B laufen um letztendlich wieder irgendwo etwas anderes auslösen zu können. Wirklich erfüllend ist dies leider nicht.

Wesentlich mehr Einfluss hat jedoch die Technik, die jeden Ansatz eines Spannungsbogens nahezu zunichte macht. Bereits in den Dialogen mischen sich falsche Tonspuren und Untertitel, so dass plötzlich Englisch statt Deutsch zu hören oder lesen ist. Darüber hinaus wirken die Darsteller oft sehr apathisch, blicken an ihrem Gesprächspartner vorbei oder die Kamera zeigt eine völlig wirre Sicht. Schäden nimmt die Atmosphäre auch bei den vielen Laufwegen, die nicht etwa mittels Karte abgekürzt werden können. Ihr begleitet David auf Schritt und Tritt und müsst oft über zahlreiche Räume hin- und her wechseln. Jede Türe bedeutet aber eine schier nervtötende Verschnaufpause, während der wir wird dank Ladescreen ordentlich Däumchen drehen dürfen. Da Black Mirror auf seine Art viel Wanderung abverlangt, um die Bewohner aufzusuchen und die unheimlichen Orte zu untersuchen, wird der Spielfluss extrem häufig unterbrochen.

Grafisch wirkt der Titel zudem eher veraltet und angestaubt, so dass die langen Ladepausen mehr als verwunderlich erscheinen. Dazu mischen sich viele optische Fehler wie Klipping, Tearing und teilweise extreme Ruckeleinlagen, als ob sich Black Mirror noch in einer frühen Betaphase befinden würde. Gepaart mit der eher ungenauen Handhabe und starren Kamera sorgt auch die Steuerung für Unmut. Nicht immer begibt sich David genau dorthin, wo man ihn haben möchte und nicht selten bleibt er auch an Ecken und Kanten hängen. Black Mirror spielt sich alles anders als flüssig und verliert genau deshalb auch seinen Flow. Die anfänglich gute Stimmung bröckelt, die mystische Atmosphäre kann den Spannungsbogen kaum aufrecht halten und so verliert der Titel letztendlich völlig seinen Reiz. Mit etwas mehr Budget und Sorgfalt, und sicherlich auch mehr Zeit bis zum Release, wäre hier auf jeden Fall deutlich mehr drin gewesen.

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Getestete Version: Xbox One

Unser Fazit

58 %

Fans von Blick Mirror mögen am ehesten Interesse an diesem Reboot zeigen, sollten die Neuauflage jedoch eher mit Vorsicht genießen und den Klassiker in Ehren halten. Die im Detail angepasst und veränderte Geschichte ist in ihren Grundfesten ähnlich dem Original und kann durchaus faszinieren, jedoch schafft es Blick Mirror nicht wirklich, den Spannungsbogen zu halten. Fehler in den Dialogen, apathische Darsteller und eine Technik von Gestern sorgen schlicht dafür, dass dieses Abenteuer eher aufgrund der vielen Probleme einen Schauer über den Rücken laufen lässt. Hier fehlt der letzte Feinschliff, um diesen Titel aus den schwarze Tiefen zu hieven. Eigentlich schade, denn für Anfänger ist Blick Mirror bestens geeignet, aufgrund der eher simplen Rätsel und einer Spielweise, die uns ein kleinwenig an Telltale erinnert. Wirklich viel Mühe muss man sich nicht geben, um das Ende nach nur sechs Stunden zu erreichen.

Pro

  • + Sympathische Synchronsprecher in deutscher Sprache.
  • + Eine verzwickte Hintergrundgeschichte und ein großes Familiendrama sorgt durchaus für Faszination.
  • + David in seiner rationalen Art mit stößt an seine Grenzen und prallt mit dem Phantastischem aufeinander, was durchaus gelungen ist.
  • + Guter Einstieg für Anfänger aufgrund des seichten Rätselgehalts.

Kontra

  • - Fehler in den Dialogen, so dass sich Englisch sowohl in Ton als auch Schrift untermischt.
  • - Die Darsteller wirken in den Dialogen gern apathisch und blicken am Hauptdarsteller vorbei.
  • - Extrem häufige und lange Ladezeiten zwischen den Räumen brechen jeden Spielfluss.
  • - Technisch altbacken und dennoch eine Katastrophe mit Grafikfehlern und Ruckeln.
  • - Steuerung ist alles andere als eingängig und häufig einfach nur nervig.
  • - Spielerisch viel zu einfach gehalten. Keine wirklich anspruchsvollen Rätsel.

Unsere Bewertung

Grafik
 
60 %
Sound
 
75 %
Steuerung
 
55 %
Gameplay
 
55 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
60 %

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Aufgewachsen mit der ersten Nintendo-Konsole, fühlt sich Alexander Winkel eigentlich auf allen Plattformen heimisch. Trotz seiner offensichtlichen Hingabe zur Xbox – die vielen Gamerscore Punkte erspielen sich nicht von selbst – lässt er seine Schreibwut an allen Videospielen aus, unabhängig vom System.

Kommentare

  • BigJim sagt:

    Schade, dass das neue Black Mirror nicht an den Glanz früherer Tage heranreicht. Zumindest einige der technischen Mängel könnten mit Patches eventuell in Angriff genommen werden, aber bis dahin warte ich mit dem Kauf noch etwas ab. Als alter Black Mirror-Fan werde ich es mir dann vielleicht später zulegen, wenn’s günstiger zu bekommen ist. Vielen Dank für den informativen Test!

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