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Blackwood Crossing – Test / Review

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Veröffentlicht 16. Mai 2017 | 18:31 Uhr von Alexander Winkel

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Die Geschichte von Scarlett und Finn berührt und erinnert vielmals an die eigene Kindheit: Der wilde kleine Bruder, der zwar nervig werden kann, jedoch immer wieder das Herz zum Lachen bringt. Die Geschwister müssen als Waisenkinder jedoch so einiges durchmachen und die Kluft zwischen Scarlett, im Begriff erwachsen zu werden und Finn, der seine kindliche Leidenschaft auslebt, sorgt für Konfliktpotenzial. Blackwood Crossing scheint emotional einiges auf dem Kasten zu haben, überzeugt es aber auch?

Die abenteuerliche Reise beginnt im Zug auf der Fahrt ins Ungewisse. Während Scarlett noch schlaftrunken die Augen reibt, hüpft ihr kleiner Bruder munter fröhlich durch die Gänge und treibt seinen Schabernack. “Simon sagt: spielen wir” und genervt treten wir an, der Aufforderung nachzukommen. Schließlich ist Finn der kleine Bruder, der manchmal regelrecht melancholisch vor sich hin träumt und so manch schweres Erlebnis nur kaum zu überwinden vermag. In diesen Situationen kommt das, spielerisch doch recht simpel, gehaltene Adventure aus sich heraus und bietet dem Spieler geradezu bedrückende Momente, die sich doch irgendwie tief ins Herz bohren.

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Die Dialoge zwischen Scarlett und Finn fallen spitzfindig aus und sind grandios geschrieben. Diese sorgen dafür, dass dieser eher unscheinbare Titel durchaus das Potenzial zum Geheimtipp hat. Die Konversationen, die Spannung und die Emotionen gehören zum Besten, was man derzeit in dieser Art erleben kann. Eingebettet in wilde Spielereien oder aufreibende Gespräche liefert uns Blackwood Crossing immer wieder dezente Details der Geschwister. Nach und nach offenbaren sich Abgründe, die sich kaum überwindbar aufgetan haben und eine zutiefst traurige Vergangenheit erahnen lassen. Die Gedankenspiele fügen sich nach und nach zusammen und hinterlassen nach Abschluss des Spiels einen durchaus bleibenden Eindruck.

Jedoch fügt sich nicht jedes Puzzleteil akkurat zusammen, vielmehr wirkt der Anfang holprig und geradezu wirr. Anfänglich durchwandert Scarlett den Zug und trifft dort nicht nur auf den verspielten Bruder, sondern auch auf weitere, eher reglose Statisten. Deren Pappmasken haben Symbolcharakter und spiegeln vor allem die Beziehung zwischen ihnen und Finn wieder. Daraus ableitend kann man sich seine Gedanken machen. Dialogfetzen mit diesen Statisten unterstützen die Geschichte, jedoch fallen die Nebencharaktere extrem blass gegenüber dem Geschwister-Paar aus. Ähnlich seicht, teils auch verwirrend die Aufgaben, die es zu lösen gilt. Ihr müsst die Personen in der richtigen Reihenfolge ansprechen, um oftmals eine unheimliche Barriere aus dem Weg zu räumen oder andere oft sehr einfache Rätsel lösen.

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Spätestens jetzt merkt man deutlich, dass irgendetwas an diesem Abenteuer nicht stimmt. Was ist real, was nicht? Träumt Scarlett vielleicht und wacht im nächsten Moment auf? Oder gibt es doch eine mystische parallele Welt? Finn entführt uns später in völlig andere Gefilde und liefert damit vor allem auch optisch Abwechslung zum tristen Zug-Alltag, welcher jedoch mit liebevollen Details und diversen Anspielungen anhand von Filmplakaten aufwarten kann. Kaum versieht man sich jedoch, läuft auch schon ein unheimlicher Hase herum und triefend schwarze Dunkelheit umspielt die Wahrnehmung der Protagonistin. Zum Glück lernt sie alsbald die eine oder andere magische Fähigkeit und kann damit auch heikle Situationen meistern. Leider wird dadurch spielerisch nur unmerklich mehr geboten, als bereits am Anfang der Reise.

Technisch ist der Titel durchaus gelungen. Nichts was umhauen würde, jedoch liebevoll gestaltet. Ähnlich der Dialoge fallen auch die Animationen von Finn (nur selten wird man Scarlett dank der Egoperspektive zu Gesicht bekommen) sehr gelungen aus. Selbst die Mimik wurde zauberhaft getroffen und lässt die Emotionen auch optisch grandios auf uns wirken. Eher steril wirkt der Rest der Umgebung und vor allem die beweglosen Nebencharaktere, auch wenn der Stil ansonsten treffend ist. Mit anfänglich eher kräftigen Farben, wird das Abenteuer nach und nach deutlich düsterer, ohne nun einen Horror zu liefern.

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Unser Fazit

73 %

Wer Blackwood Crossing zu Ende gespielt hat, wird die Geschichte von Finn und seiner Schwester wohl so schnell nicht wieder vergessen. Entwickler PaperSeven spielt nicht nur mit unseren Gefühlen, sondern schafft auch eine vertraute Atmosphäre, sofern die eigene Kindheit zusammen mit Geschwister verbracht wurde. Die Dialoge und Animationen sind zauberhaft und verhelfen diesem einfachen Adventure zum Höhenflug. Jedoch fühlte sich die Reise in die emotionale Welt des jungen Finn oftmals holprig und verwirrend an. Dies liegt vor allem an den blassen, emotionslosen Nebencharakteren und der doch eher wirren Fahrt durch die einzelnen Szenen. Traum oder Wirklichkeit? Man verliert dabei schnell den Überblick. Nichts desto trotz ist Blackwood Crossing ein Titel, den man für einige wenige Stunden wirklich genießen kann, vielleicht auch sollte.

Pro

  • + Grandiose Dialoge zwischen Scarlett und Finn wirken weder aufgesetzt noch erzwungen
  • + Eine Geschichte mit viel Herz und Emotionen
  • + Superbe Animationen von Finn (und auch Scarlett, die man aber selten sieht)
  • + Blick in die düstere Vergangenheit der Geschwisterweisen

Kontra

  • - Schwache Nebencharaktere Trüben den Höhenflug der Geschwister
  • - Bisweilen wirre Ansetze und Szene, die es zu entwirren gilt
  • - Spielerisch kaum Anspruch
  • - Relativ kurze Spielzeit und keinerlei Wiederspielwert

Unsere Bewertung

Grafik
 
70 %
Sound
 
70 %
Steuerung
 
80 %
Gameplay
 
40 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
70 %

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Aufgewachsen mit der ersten Nintendo-Konsole, fühlt sich Alexander Winkel eigentlich auf allen Plattformen heimisch. Trotz seiner offensichtlichen Hingabe zur Xbox – die vielen Gamerscore Punkte erspielen sich nicht von selbst – lässt er seine Schreibwut an allen Videospielen aus, unabhängig vom System.

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