insidegames

Blitzkrieg 3 – Test / Review

Direkt zum Fazit springen

Veröffentlicht 8. Februar 2018 | 16:21 Uhr von BigJim

Letzte Änderung 21. Februar 2018

Blitzkrieg-3-artwork

Als 2003 das erste Blitzkrieg in die Fußstapfen seines Genre-Kameraden Sudden Strike trat, legte es zugleich den Grundstein für eine weitere WW2-Echtzeitstrategie-Serie, die nicht minder bekannt werden sollte. Dank des Erfolges erschienen in der Folgezeit zahlreiche Erweiterungen und mit Blitzkrieg 2 (2005) ein regulärer Nachfolger. Nach den dazugehörigen Stand-Alone-Addons Das letzte Gefecht (2006) und Die Befreiung (2007) wurde es ruhig um die beliebte Weltkriegsstrategie-Reihe des russischen Spieleentwicklers Nival Interactive. Ein Jahrzehnt musste vergehen, bis im letzten Jahr ein neuer Blitzkrieger die Schlachtfelder betrat. Entsprechend hoch fielen die Erwartungen aus. Und es stellte sich die Frage: Wird Blitzkrieg 3 an das betagte, aber taktisch anspruchsvolle Original aus dem Jahre 2003 anknüpfen können?

Per Weltkarte in den Krieg

Wie seine Vorgänger zeichnet sich Blitzkrieg 3 durch einen enormen Umfang aus. Den virtuellen Feldherren erwarten im Singleplayer, dem eigentlichen Kernstück des Spiels, drei breit angelegte Kampagnen, in denen wir deutsche, sowjetische oder alliierte Truppen befehligen. Ob es die Entwickler mit historischen Details immer streng genau genommen haben, mag dahingestellt sein, doch führen uns die rund 70 Einzelspielermissionen an die bekanntesten Schauplätze des Zweiten Weltkrieges. So erleben wir alle wichtigen Phasen (im Spiel „Epochen“ genannt) jener Zeit; angefangen von Hitlers Überfall auf Polen, über die Schlachten in Nordafrika (Wüsten-Krieg), die Landung der Alliierten in der Normandie (D-Day) bis hin zur Ardennen-Offensive und die Kämpfe um Berlin. Der Spielverlauf folgt chronologischen Mustern, lässt dem PC-Strategen innerhalb der jeweiligen Zeitabschnitte jedoch eine gewisse Entscheidungsfreiheit dabei, mit welcher Mission er als nächstes beginnen möchte. Die einzelnen Kriegsschauplätze werden auf einer optisch ansprechend gestalteten Weltkarte präsentiert und mit zunehmendem Spielfortschritt freigeschaltet. Ebenso der Multiplayer, der eine Handvoll Maps für kürzere Gefechte (Einer gegen Einer, Zwei gegen zwei Spieler, drei gegen 3 Spieler) bereithält und erst verfügbar ist, wenn wir die ersten Einsätze der betreffenden Epoche sowie der jeweiligen Fraktion im Singleplayer gemeistert haben.

Als „Online-WK2-RTS“ (Herstellerangabe) setzt Blitzkrieg 3 auch im Einzelspielermodus eine permanente Internet-Verbindung voraus. Okay, die gehört heute praktisch zur Grundausstattung eines jeden (Steam-)Zockers und dürfte so gesehen kein wirkliches Problem sein. Ungewöhnlich ist der hier praktizierte Online-Zwang dennoch. Hintergrund: die in den Singleplayermissionen erworbenen Einheiten dürfen auch im Multiplayer eingesetzt werden. Dadurch, dass jeder Fortschritt online gespeichert wird, soll Cheaten verhindert werden. So weit, so gut. Blöd nur, wenn die Leitung gerade mal nicht funzt. Offline ist Blitzkrieg 3 dann de facto unspielbar, d.h. vorübergehend wertlos.

blitzkrieg-3-screenshot-01

Klassisches Missionsdesign

In punkto Auftragslage erfindet Blitzkrieg 3 das Rad nicht neu, was man dem Titel angesichts der Vielzahl an Weltkriegs-Strategien aber nur bedingt vorwerfen darf. Wir sichern oder bekämpfen Konvois, befreien Gefangene, zerstören Flugabwehrstellungen oder Sendestationen, jagen Partisanen, erstürmen und verteidigen Dörfer usw.; alles Dinge, die man so oder ähnlich bereits aus früheren Blitzkrieg-Teilen und vergleichbaren Games wie Sudden Strike, Codename: Panzers und Men of War zur Genüge kennt. Auffallend bei Blitzkrieg 3: Häuser gehen bei Beschuss zwar in Flammen auf, lassen sich jedoch nicht komplett zerstören. Auch Straßenzüge zeigen selbst nach massiven Bombardements keine Spuren nennenswerter Beschädigungen. Solche, zugegebenermaßen eher geringfügigen Details, lassen die Umgebungswelt mitunter etwas unrealistisch wirken und bedeuten einen Rückschritt gegenüber früheren Serien-Ablegern. Denn bereits im fünfzehn Jahre alten ersten Blitzkrieg war dies möglich bzw. wurde wirklichkeitsnah dargestellt.

Zum klassischen Aufgabenspektrum gehören in WW2-Strategien seit eh und je das Halten und Erobern von Stellungen und Gefechtsabschnitten. Blitzkrieg 3 verzichtet, wie seine Vorläufer, auf den Bau von Stützpunkten. Letztere lassen sich lediglich mit Hilfe von Hindernissen, Türmen, Bunkern, Minenfeldern und effektiven Einheiten (z.B. Panzerabwehr-Kanonen) erweitern bzw. schützen. Ihre Bedeutung ist vergleichsweise gering. Mitunter verliert man seine Basen auch völlig aus den Augen, weil man zu sehr mit den Haupt- und Nebenmissionen beschäftigt ist. Und die folgen in den umfangreicheren Kampagnen-Missionen meist Schlag auf Schlag. Kaum ist ein Teilziel erreicht, ereilt uns schon der Funkspruch des Kommandeurs, was als Nächstes zu tun ist. Das Ergebnis ist ein ständiges Rein in die Kartoffeln – Raus aus den Kartoffeln, ein permanentes Eile-von-hier-nach-da. Tatsächlich – und dies ist vielleicht der gravierendste Unterschied zu früheren Teilen – spielt sich Blitzkrieg 3 über weite Strecken ausgesprochen hektisch, was leider allzu oft nicht nur zu Lasten der Übersichtlichkeit geht, sondern manch eigene taktische Überlegung nicht reifen, geschweige denn zur Ausführung kommen lässt. Ein Trost: Dank Pausenfunktion (im Multiplayer nicht verfügbar) können wir das temporeiche Geschehen unterbrechen, um Zeit zu gewinnen, kurz zu verschnaufen, uns einen Eindruck über die Lage zu verschaffen und weitere Schritte zu planen.

blitzkrieg-3-screenshot-02

Rommel, Montgomery und Boris

Je nach Fraktion und Kriegsschauplatz kann der Spieler Armeen unter dem Kommando von legendären Offizieren wie Rommel, Manstein, Montgomery oder Rokossovsky befehligen, wobei vorgenannte Spitzen-Militärs jeweils über besondere, für sie charakteristische Fähigkeiten verfügen. Welche speziellen Fähigkeiten das nun im Einzelnen genau sind, erschließt sich dem Tester nach der Beschäftigung mit Blitzkrieg 3 nicht ganz. So muss man wohl wissen, dass Rommel in erster Linie als tollkühner Draufgänger (Offensiv-Fähigkeit) galt und Montgomery sein soldatisches Handwerk mit der Präzision eines Uhrwerkes und der Behutsamkeit eines Schachspielers (überlegter Stratege) betrieb. Auch in anderen Punkten hätte man sich mehr Informationen gewünscht. Ein umfassendes Tutorial fehlt ebenso wie ein Begleithandbuch, in welchem man bestimmte Dinge bei Bedarf nachschlagen könnte. Hinweise gibt‘s – wenn überhaupt – nur in Form latenter Textbotschaften. Schade.

Eine Neuerung in Blitzkrieg 3 ist Boris, die „neuronale Netzwerk-KI“, unser Computerfeind, gegen den wir im Rahmen von 1 versus 1-Schlachten antreten. Angeblich soll General Boris mit Hilfe des Netzes das Verhalten des Spielers genau analysieren, seine individuellen Strategien durchschauen, entsprechende Schlussfolgerungen ziehen und eigens darauf ausgerichtete Gegenmaßnahmen entwickeln, kurz: einfach cleverer sein als eine herkömmliche KI. Wir können dies nicht exakt nachprüfen, meinen jedoch, dass Boris, abhängig vom einstellbaren Schwierigkeitsgrad (leicht, mittel, schwer), im Großen und Ganzen nicht klüger oder dümmer agiert als eine „normale KI“. Ein interessanter Aspekt ist es dennoch.

blitzkrieg-3-screenshot-03

Massenschlachten ade

Breit angelegte Frontstellungen und imposante Massenschlachten gehörten seit dem ersten Blitzkrieg-Teil zu den bestimmenden Elementen der Serie. Hier wurde der neue Blitzkrieger deutlich beschnitten. Die Karten sind zwar nicht kleiner geworden und das Truppenarsenal nach wie vor riesig, doch mehr als 10 bis 15 Einheiten kontrollieren wir pro Einsatz so gut wie nie.  Folglich kommt es auf dem Feld der Ehre kaum zu gewaltigen Massenschlachten, sondern bestenfalls zu etwas größeren Gefechten. Zumeist spielen sich die Kämpfe auf kürzerer Distanz ab. Konnte man im Ur-Blitzkrieg (2003) mit seinen Langrohr-Batterien noch von einem Kartenende zum anderen schießen, so stehen sich die Kontrahenten in Blitzkrieg 3 quasi als Nahkämpfer in Abständen von oftmals nur wenigen Metern gegenüber. Immerhin lassen sich per Button Feuerschläge, Fallschirmjäger, Sturzkampfflieger (Stukas) und Bomber anfordern und auf weiter entfernte Bereiche der Karte delegieren.

Für erfolgreich durchgeführte Missionen winken dem Spieler Punkte, mit denen er Reserveeinheiten oder moderneres Gerät anschaffen kann. Bereits vorhandene Geschütze, Fahrzeuge und Infanterie-Trupps lassen sich mittels Upgrade-Funktion verbessern und gewinnen damit an Kampfwert. Dasselbe gilt für Einheiten, die sich im Gefecht bewährt haben. Jedoch wurde das System nur halbherzig umgesetzt: Kampferprobte Einheiten gewinnen zwar an Erfahrung und somit an Stärke, stehen aber selbst dann in der nächsten Mission zur Verfügung, wenn sie in dem Einsatz zuvor vernichtet wurden. Der Spieler ist somit nicht gezwungen, seine Kerneinheiten zu schonen, da diese später ja ohnehin wieder von den Toten auferstehen. Eine dauerhafte Bindung zur eigenen (Elite-)Truppe entsteht so nicht.

blitzkrieg-3-screenshot-04

Des (Fehler-)Teufels General

Dem Release von Blitzkrieg 3 ging eine ca. zweijährige Early Access-Phase auf Steam voraus. Unter Einbeziehung der Community wurden währenddessen zahlreiche Verbesserungen umgesetzt. Ferner erschienen nach dem Verkaufsstart im letzten Jahr diverse Patches. Fehlerfrei ist der neue Blitzkrieger bis heute nicht. Der Ladevorgang beim Start des Titels dauert immer noch überdurchschnittlich lange (was auch mit dem Online-Zwang bzw. der Internetgeschwindigkeit zu tun haben mag), zudem gibt es teilweise (obschon merklich seltener als noch in der Probephase von BK 3) weiterhin Probleme bei der Wegfindung und mit der KI. So nehmen Einheiten stellenweise denkbar umständliche Wege oder schwere Panzer bleiben an Stacheldrähten hängen. Im Geländekampf trainierte Infanteristen schaffen es nicht einmal über einen Gartenzaun und gehen bei Beschuss nicht selbständig in Deckung, sondern müssen vom Spieler erst mit einen „Hinlegen!“-Befehl dazu angewiesen werden, weil sie sich sonst ungerührt abschießen ließen. Bestimmte Situationen sind schlicht unrealistisch; z.B. wenn zwei oder drei US-Grenadiere einen deutschen Königstiger mit ein paar Handgranaten komplett in die Luft jagen.

Trotzdem offenbart Blitzkrieg 3 viele Kleinigkeiten, die von der Liebe zum Detail zeugen. Das Kriegsgerät wird – trotz einer für heutige Verhältnisse unspektakulären Grafik – akkurat dargestellt, Geländebeschaffenheit (Höhen, Zustand des Bodens usw.) und Wetterverhältnisse haben Auswirkungen auf die Bewegungsmöglichkeiten und Sichtweiten von Einheiten, und auch technische/physikalische Belange wie Dicke der Panzerung oder Aufprallwinkel von Geschossen finden Berücksichtigung. Fußsoldaten können u.a. Gräben ausheben und Minen legen. Eroberte Gebäude und Geschütze lassen sich besetzen und für die eigenen Zwecke nutzbar machen. Mit rund 200 Einheiten ist die Auswahl an Waffen und Gerät mehr als ausreichend. Soundtechnisch gibt es wenig auszusetzen. Zwar wirken einige Sprecher (die zum Teil schon in Blitzkrieg 1 ihren Auftritt hatten) etwas gezwungen, aber der Gefechtslärm, angefangen vom Donnerhall der Artillerieschläge bis hin zum Motorengebrüll der Panzer, verleiht dem kriegerischen Geschehen eine „Bomben-Stimmung“. Bedauerlich ist der Verzicht auf umfangreiche Zwischensequenzen, die militärhistorische Zusammenhänge erläutern und den Übergang zwischen den einzelnen Missionen hätten auflockern können.

blitzkrieg-3-screenshot-05

Getestete Version: PC/Steam

 

Unser Fazit

77 %

Die eingangs gestellte Frage, ob Blitzkrieg 3 an den altehrenwürdigen und taktisch relativ anspruchsvollen Blitzkrieger aus dem Jahr 2003 anzuknüpfen vermag, kann nicht uneingeschränkt mit „Ja!“ beantwortet werden. Ganz auf Taktik verzichtet zwar auch das neue Blitzkrieg nicht, aber die Einsätze setzen mehr auf Tempo. Offenbar folgen die Entwickler ganz bewusst dem Mainstream, der Action höher einstuft als die Denkarbeit des einzelnen Spielers. Ein Umstand, der strategisch orientierte Blitzkrieg-Veteranen enttäuschen könnte. Positiv: Einige Stärken des fünfzehn Jahre alten Originals, wozu immer auch dessen Spielumfang und Einheitenvielfalt gehörten, haben wieder Einzug in Blitzkrieg 3 gefunden. Von daher dürften viele WW2-Echtzeitstrategie-Fans auf ihre Kosten kommen, zumal die (Steam-)Standard Edition von Blitzkrieg 3 inzwischen für faire 20 Euro erhältlich ist.

Pro

  • + drei umfangreiche Kampagnen (ca. 70 Missionen)
  • + guter Sound
  • + ca. 200 Einheiten
  • + optisch ansprechende Darstellung von Kriegsgerät und (Explosions-)Effekten

Kontra

  • - stellenweise zu hektisch (mehr Tempo als Taktik)
  • - keine Massenschlachten
  • - Online-Zwang

Unsere Bewertung

Grafik
 
75 %
Sound
 
80 %
Steuerung
 
80 %
Gameplay
 
75 %
Multiplayer
 
75 %
Spielspaß
 
75 %

- ANZEIGE -


Tags:

Weitere News und Spiele zum Thema

Kommentare

Hinterlasse eine Antwort

Erfolge Trophy Leitfaden Keyword-Wolke:


Es ist noch kein Keyword vorhanden

- ANZEIGE -


*