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Blues and Bullets – Episode 1 Review / Test

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Veröffentlicht 19. September 2015 | 15:23 Uhr von Alexander Winkel

Blues-and-Bullets-Episode-1-Screen

Starke Kontraste wirft der spanische Entwickler A Crowd of Monsters mit dem Episodenspiel Blues and Bullets ins Rennen. Frank Millers Sin City stand genauso Pate wie auch die geschichtlichen Hintergründe um Al Capone und dennoch beschwört das Spiel ein ganz eigenes und äußerst wohlschmeckendes Potpourri herauf. Klischees jagen bekannte Ideen, dennoch wirkte der Durchgang durch die Episode 1 wie ein fabelhafter Rausch.

Eliot Ness mimt in diesem Horror-Detektiv-Abenteuer den Protagonisten. Alkoholsüchtig seit Jahrzehnten und seelisch geplagt durch seine Niederlage im letzten Fall um Kindesentführungen in den dreißiger Jahren. Immerhin kann er sich rühmen, den großen Al Capone hinter Schloss und Riegel gebracht zu haben. Geschichtlich entsprechen die Hintergründe nicht wirklich den Tatsachen, die Rahmenhandlung wurde aber ausgenutzt und daraus eine weitläufige Spielwiese für Blues and Bullets geschaffen. Auch zwanzig Jahre nachdem er seinen Dienst als Anführer der Unbestechlichen quittiert hat, hängt Eliot dem gescheiterten Fall nach. Zeitungsartikel und Fotos zieren eine Wand seines eigenen Dinners und lassen uns an seinem Verstand zweifeln. Das trieft geradezu nach filmischen und auch spielerischen Klischees.

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Zu allem Überfluss lockt ein frühzeitig aufgrund guter Führung entlassener Al Capone seinen ehemaligen Erzrivalen auf einen netten Plausch in seine private Suite – nicht der guten alten Zeiten wegen. Wirklich herzlich geht es in dem Aufeinandertreffen nicht zu, dass Eliot Ness aber einem der berüchtigsten Verbrecher Amerikas mit einem lapidaren „für die Kleine Sofie“ die Hand gibt, ist tatsächlich merkwürdig. Egal ob wir – im Stil der Telltale Adventures – sarkastisch oder drohend Capone begegnen, schlussendlich erschüttert die Zusammenarbeit mit dem Feind die Grundfeste unseres Glaubens. Die Dialoge sind aber durchwegs gelungen und vor allem die Auseinandersetzungen mit Capone machen Laune. Das liegt unter anderem auch an den englischen Synchronsprecher, die den Charakteren geradezu wie im Kino Leben einhauchen.

Das eigentliche Gameplay ist bisweilen zäh. Gerade der Einstieg im Dinner ist eher mühselig. Ex-Kollegen die typisch den Hengst heraushängen lassen, die frisch gebackene Polizistin, die Karriere machen will und ein unbekannter, wortloser Typ, der mit einem Monolog des Alkoholikers in die Flucht geschlagen wird. Klischees und typische Szenen, und das monoton und schleppen erzählt. Erst nachdem Eliot Ness von Capones Handlanger abgeholt wird, steigt die Spannung an. Wir treten eine Irrfahrt an, welche verrückte – an Steampunk angelehnte – Szenen wie auch dämonenhafte Erinnerungen offenbaren. Was Blues and Bullets auszeichnet, ist der unglaublich gelungenen Art-Style, welcher Frank Millers Sin City entliehen ist. Viele düstere Schwarztöne werden mit grauen und weißen Konturen gezeichnet und mit viel, viel roter Farbe durchzogen. Aber nicht nur der Grafikstil, sondern auch das Design mit einer leider feststehenden, aber effekthaschenden Kamera ist durchwegs grandios.

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Dank atemberaubender Technik wird dem Spiel eine unglaubliche Atmosphäre verliehen und lässt uns gebannt vor dem TV sitzen. Spielerisch auftrumpfen kann Blues and Bullets leider nur in einer Szene. Am Tatort lässt Eliot Ness seine Vergangenheit aufleben und untersucht sämtliche Räume in bester LA Noir Manier. Die Leiche muss untersucht, die zerstörten Objekte analysiert und Hinweise gefunden werden. All das wird zum Schluss an einer Pinnwand nochmals rekapituliert und auch hier optisch grandios wieder in Szene gesetzt. Wie bereits erwähnt, der Art-Style ist außergewöhnlich gut und fabriziert seinen ganz eigenen Charme. Was tatsächlich mit dem armen Kerl, welcher kunstvoll das Zeitliche segnete und Blues and Bullets zurecht den 18er Stempel verliehen hat, passierte, ist aber recht einfach durchschaut. Knackige Aufgaben wie bei Sherlock Holmes sollte man nicht erwarten.

Dafür zückt Eliot Ness gelegentlich auch den Revolver und liefert sich mit den Schergen auch mal ein Schussgefecht. In Deckung lauernd werden die Feinde mit zielsicherem Blei ausgeschaltet. Spielerisch sicherlich eine optimale Abwechslung, aber ebenso anspruchslos wie der Rest. Zahlreiche Dinge laden auch zur Erkundung ein, liefern uns letztendlich aber nicht genügend Mehrwert oder weitere Hintergründe. Manche Dinge bleiben auch im Dunkeln. Wieso können wir uns die Tattoos zweier Damen so genau anschauen? Welche Rolle spielt ein mächtiger Hotelbesitzer in diesem Spiel, welcher auf einigen Gemälden zu sehen ist? Und warum gibt sich Capones Handlanger als guter Kumpel? War und ist er doch eigentlich der Laufbursche des Erzfeindes! Vieles bleibt in der ersten Episode noch um Unklaren, vor allem die schrecklichen Szenen im Vorspann und nach Beendigung des Spieles. All das lässt auf spannende weitere Episoden hoffen und uns vor dem Fürchten, was bereits in Ansetzten gezeigt wird.

Blues And Bullets Launch Trailer Xbox One And Pc

 

Unser Fazit

85 %

Ich persönlich bin von Blues and Bullets völlig überrascht, ja geradezu geflasht. Ein absolut unglaublicher Detektiv-Krimi ist in leider nur zwei Stunden an mir vorbei gezogen, welcher meinen Verstand völlig benebelt hat. Ich sehe durchaus, dass Protagonist Eliot Ness viel zu gemächlich seiner Arbeit nachgeht, die Charakterzeichnungen bisweilen blass wirken und die Story hinten und vorne geradezu unlogisch zusammengestückelt wurde und spielerisch kaum Akzente gesetzt werden – doch das alles wird mir derart grandios präsentiert, dass ich kaum mehr die nächste Episode abwarten kann. Es ist nicht nur der Cin City Stil, der vor allem mit roter Farbe auf sich aufmerksam macht, sondern auch die unglaublichen Ideen, die mich einerseits staunen lassen und andererseits richtig frischen Wind in die Präsentation eines Episodenspiels bringen. Bleibt nur die Frage, wann es endlich weiter geht!

Pro

  • + Absolut prachtvolles und kreatives Art-Design (was man auf dem ersten Blick gar nicht zu glauben vermag)
  • + Grandiose Sounduntermalung und perfekte (englische) Synchronsprecher mit viel Talent!
  • + Prinzipiell sorgen die Kernelemente der Story bereits für einen gewissen Spannungsbogen und lassen uns mitfiebern, wie es weiter geht.
  • + Zahlreiche Spielideen wurden übernommen und gelungen kombiniert (Telltale-Dialoge, Shooter Sequenzen, LA Noir Detektivspiel)

Kontra

  • - Spielerisch sehr simpel gehalten und selbst die Tatortszene ist ohne Mühen schnell aufgeklärt.
  • - Einige Diskrepanzen in der Handlung sind doch recht wunderlich. Ob sich die Storyschreiber dessen wirklich bewusst sind und das so haben wollten?
  • - Recht blasse Charakterzeichnung selbst für Protagonist Eliot und Erzfeind Capone.
  • - Langsamer Spielfluss vor allem in Szenen, in denen sich Eliot genauer in der Gegend umschaut.

Unsere Bewertung

Grafik
 
95 %
Sound
 
90 %
Steuerung
 
72 %
Gameplay
 
65 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
80 %

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Aufgewachsen mit der ersten Nintendo-Konsole, fühlt sich Alexander Winkel eigentlich auf allen Plattformen heimisch. Trotz seiner offensichtlichen Hingabe zur Xbox – die vielen Gamerscore Punkte erspielen sich nicht von selbst – lässt er seine Schreibwut an allen Videospielen aus, unabhängig vom System.

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