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Call of Juarez: The Cartel – Review

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Veröffentlicht 28. Juli 2011 | 1:37 Uhr von Keysjore

Letzte Änderung 29. Februar 2012

CoJ The Cartel - 0001

Wie konnte Techland nur? Call of Juarez war trotz vieler Schwächen, besonders optisch, ein gelungener Western-Shooter. Mit Bound in Blood wurde das Konzept verfeinert  – und mit The Cartel rammen die Entwickler einen fetten Pflock in die Herzen ihrer frisch gewonnenen Fans. Zugegeben, die Portierung in die Gegenwart hat mich gar nicht so sehr abgeschreckt. Schließlich herrschen in Mexico und Grenzgebiet auch heute noch die Regeln des Wilden Westens. Was mir jedoch Unbehagen verursachte, war die immens kurze Entwicklungszeit die Techland von Ubisoft aufgedonnert bekommen hat. Alle Zeichen standen auf Softwareschrott. Doch wie schlimm steht es wirklich um den dritten Teil der Call of Juarez-Reihe?

Drei Irre machen Straßenkids platt

Doch um was geht es eigentlich in dem wilden Gegenwartswestern? Drei seelenlose, unter kleptomanischen Anfällen und Verfolgungswahn leidende Klischee-Charaktere, laufen an der Grenze von Mexico Amok, und halten dies für gute Polizeiarbeit. Alle drei kommen aus einer anderen Abteilung: DEA, LAPD und FBI. Da hätten wir einmal das Aushängeschild für die “Call of Juarez”-Spiele, Ben McCall. Ein knallharter Cowboy, dessen Narben von seinen zig Beinahetod-Erfahrungen erzählen, der mit fanatischen Bibelsprüchen seiner Vorfahren für Recht und Ordnung in der Gegenwart sorgt. Kim Evens, eine bissige Ghettoschwester, die früher einmal Gangmitglied war und sich jetzt auf die Seite der Guten geschlagen hat. Und zu guter Letzt Eddie Guerra, ein schmieriger, drogensüchtiger DEA-Bulle, der genauso aussieht wie die Typen, die ihr über den Haufen ballert. Der Prolog des Epos beginnt mit einer alten Vietnamgeschichte aus Bens Vergangenheit, springt steil über in einen Bandenkrieg, der zu einem internationalen militärischen Waffenhandel mutiert, um schlussendlich in einem verwirrenden Cocktail aus Lügen und Verschwörungen zu enden. Jeder der drei Schießbudenfiguren bekommt von seiner Abteilung übers Telefon kleine Aufträge zugesteckt. Natürlich bekommen die anderen nur Bruchstücke davon mit und so bleibt es spannend was wohl der Andere weiß, was wir gerade nicht wissen. Die Idee hört sich zwar clever an, sorgt aber für Verwirrung und zerhackt die ohnehin schon zerstückelte Geschichte um ein Weiteres. Aber nicht nur kleine Spitzeleien erwarten euch während den Missionen, sondern auch eure eigenen Interessen wollen befriedigt werden. Ben hat ein Faible für Geldbörsen und Handys, mit denen er seine zahlreichen Nutten bezahlen kann, Kim klaut jede Waffe, die sie unter ihre Plastiknägel bekommen kann und der gute Eddie G. sorgt für seinen privaten Drogennachschub. Die verschwundenen Gegenstände in den großen Seitentaschen der eindimensionalen Gesetzeshütern symbolisieren nicht nur eine weitere Charakterschwäche, sondern stellen das Erfahrungssystem in The Cartel dar. Nur wer unauffällig sich die Taschen vollschlägt und seinen Geschäften übers Handy nachgeht, erhält neue Waffen. Ziemlich dämlich, aber auch ziemlich spaßig, zumindest im Koop-Modus, wenn man dann seinen Teamkollegen auf die Finger hauen darf. Seid ihr allein auf Streife fällt das komplette Katz und Maus-Spiel unter den Tisch, denn die KI-Kollegen können weder Klauen noch private Aufträge ausführen.

Hirn aus, Waffe raus

Die dünne Geschichte des Spiels, die mit einigen hanebüchenen Wendungen aufwartet, ist sozusagen die Klammer, die die einzelnen Missionen zusammenhält. Die haben nämlich in der Regel nicht sonderlich viel gemein, außer dass ihr unzählige Gangster umlegen müsst. Gleich zu Beginn stehen euch alle drei Charaktere zur Auswahl, die mit einem Prologvideo vorgestellt werden. Sobald ihr euch für einen entscheidet, bleibt dieser bis zum Rest der Geschichte eure handelnde Figur. Die 15 Missionen unterscheiden sich mit keiner der Drei, lediglich ein paar Abstecher in eine andere Ecke oder ein Puzzelteil zur Story werden offenbart. Ob sich ein zweites Durchspielen nach der knapp sechsstündigen Kampagne lohnt, bleibt euch überlassen. Herausfordernd ist das ganze nie, denn erstens machen die Entwickler keinen Gebrauch von der offenen Welt (verlässt man das Einsatzgebiet, erwartet einem das unsichtbare Exekutionskommando), und zweitens wird beinahe jeder Schritt von einem Wegpunkt vorgegeben. Was bleibt, sind die Schießereien mit der sich durchgehend dämlich verhaltenden KI: Wie in den Vorgängern verschanzt ihr euch hinter Säulen, Kisten und anderen Objekten, um aus der Deckung auf die Gangster zu feuern. Ebenfalls ein Überbleibsel aus dem wilden Westen ist der Konzentrationsmodus. Nachdem ihr ein paar Gegner auf dem Gewissen habt, könnt ihr auf Knopfdruck die Zeitlupe einleiten. Natürlich wie immer mit einem coolen Spruch auf den Lippen. Nach dem gefühlten tausensten heruntergeleierten »Ich bringe nicht den Frieden, sondern ein verdammtes Schwert!« würde man am liebsten die Disk in eine Stahltruhe schließen und direkt in einen reißenden Fluss katapultieren. Neben den moorhuhnartigem Gangstergeballere erwarten euch noch einige wilde Verfolgungsjagden. Mit dicken Jeeps und einer gegrölten Schimpftirade donnert ihr über den Highway und knallt neben einigen familienfreundlichen Zivilfahrzeugen auch hin und wieder die ein oder andere Gangsterkutsche ab – nett.

Reflektierende Vögel

The Cartel ist mit der brandneuen Chrome 5 Engine ausgerüstet, die unteranderem auch in Dead Island zum Einsatz kommen wird. Chrome 5 macht seinen Namen alle Ehre, denn die übertriebenen Blur-Effekte rösten euch die Augäpfel aus dem Schädel. Besonders die erste Mission in den Wäldern wird zur Blindwanderung: Reflektierende Bäume, Moos, Fels und Vögel strahlen einem so stark entgegen, dass man vor lauter Blur es schwer hat seine Feinde in den Büschen zu finden. Auch die anderen, sich ständig wiederholenden Kulissen werden von diesem Effekt nicht verschont. Call of Juarez: The Cartel schlägt auf die Augen. Nicht nur der Blur-Effekt quält den Spieler, sondern auch ein penetranter Unschärfefilter, der sich beim Zielen über den Hintergrund legt. Dieser Nebel des Grauens macht das eigentliche Zielen auf weiter entfernte Gegner teilweise unmöglich. Abgesehen von Darstellungsschwächen verfügt The Cartel über keine ordentlichen Animationen. Figuren laufen wie Strohpuppen durch die Level, die Gesichter können nur schwer Gefühle wiederspiegeln und auch die InGame-Zwischensequenzen leiden unter zahlreichen Darstellungsfehlern. Fehler ist übrigens das große Stichwort in The Cartel: Schaltet man den Konzentrationsmodus ein und stirbt während dieser aktivgeschalten ist, erlangt man beim letzten Checkpoint die Unsterblichkeit. Neben angenehmen Bugs treten auch ständige Levelfehler auf; so ist es nicht ungewöhnlich, wenn ihr plötzlich durch einen Boden kracht oder in der nächsten Mauer verschwindet. Ein spontaner Levelausstieg ist nicht nur durch Böden und Mauerwerk möglich, nein es gibt auch Türen, die hinaus führen. Hat Techland etwas versucht mit all diesen Bugs von der mageren Synchronisation abzulenken? Die kann man nämlich getrost auch das Klo runterspülen. Schlechte Sprecherwahl und das fehlen von Lippensynchronität, ziehen den coolen Gängster-Shooter auf eine unfreiweilig komische Schiene.

Unser Fazit

50 %

Zugegeben, am Ende mochte ich mein verstümmeltes Adoptivkind "The Cartel" dann irgendwie doch. Ich weiß nicht ob es einfach nur Mitleid war oder die total überzogene, trashige Inszenierung, die dafür sorgte, das ich mich mit meinen drei labilen Gesetzeshütern anfreunden konnte. Besonders in einer Koop-Runde sorgen die unfreiwillig komischen Animationen, Synchronsprecher und Storyeinlagen für Lacher. The Cartel zerstört die Serie eben nicht mit dem Wechsel in einen neuen Schauplatz, sondern mit seiner grauenvollen und lieblosen Inszenierung. Durchsichtige Charaktere rennen in einer verchromten Spielwelt planlos durch die sich ständig wiederholenden Landschaften, um Klone abzuknallen. Man merkt, dass die Entwickler nicht richtig bei der Sachen waren. Call of Juarez: The Cartel ist ein unfertiges Spiel, das zwar immerhin über einige sehr interessante Ideen verfügt. Bleibt nur zu hoffen, dass der mögliche vierte Teil diese Ideen aufgreifen und in einem fehlerfreien und vor allem fertigen Spiel gekonnt umsetzten kann. Wer bock hat mal so richtig seinen gesunden Menschenverstand zu quälen, kann bei Call of Juarez: The Cartel nichts falsch machen. Alle anderen die durch das Sommerloch mit einem ordentlichen, trashigen Schusswechsel kommen wollen, sollten besser zu dem kürzlich erschienen Earth Defense Force: Insect Armageddon greifen.

Pro

  • Drei Spieler Koop-Modus
  • interessantes Spitzel-Feature
  • nette Verfolgungsjagden
  • unterschiedliche Storyperspektiven
  • solider Mehrspieler
  • man kann korrupt sein

Kontra

  • Inhaltslose Geschichte
  • lieblose Sprecher
  • nicht Lippensynchron
  • hässliche Grafik
  • nerviger Blur-Effekt
  • schwacher Waffensound
  • immer gleiche Kulissen
  • extrem viele Klone
  • doofe Gegner-KI
  • noch dümmer Partner-KI
  • Features gehen im SP verloren
  • wenig Abwechslung
  • unzählige Bugs
  • nur vier Mehrspielerkarten
  • nur 2 unterschiedliche Modi

Unsere Bewertung

Grafik
 
50 %
Sound
 
30 %
Steuerung
 
50 %
Gameplay
 
30 %
Multiplayer
 
60 %
Spielspaß
 
10 %

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