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Detroit: Become Human – Test / Review

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Veröffentlicht 24. Mai 2018 | 14:02 Uhr von Sandra

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Wenn eine Maschine, ein Terminator, den Wert des Lebens schätzen lernen kann, dann können wir [Menschen] es vielleicht auch“… ja, Sarah Connor hat das anno 1991 in Terminator 2: Tag der Abrechnung überaus treffend auf den Punkt gebracht, zudem auch ein spannender Gedankenansatz! Denn was wäre wenn Maschinen in der Tat ein menschlich gleiches Bewusstsein, mehr noch, Gefühle entwickeln würden. Wären ein, um es salopp zu formulieren, Haufen (Edel)Metall, ein paar Meter Kabel, Platinen und ein sich selbstständig weiter entwickelndes Programm, immerhin noch geschaffen von Menschen, dazu wirklich in der Lage?

Eine Frage, die vor allem die Filmindustrie nicht erst seit gestern beschäftigt: siehe Terminator. Auch Streifen wie Der 200-Jahre-Mann, A.I. – Künstliche Intelligenz, I, Robot oder ältere, mitunter vielleicht nicht ganz so bekannte Vertreter a la Mein Freund, der Roboter sowie Westworld und Futureworld oder der Klassiker schlechthin, Metropolis, setzen sich mit dem Thema Roboter bzw. Androiden in Menschengestalt bzw. Maschinen mit der Option sich menschlich verhalten zu können (oder sollen) auseinander.

Bisher tendenziell dazu verdammt nur auf der Zuschauerbank sitzen, haben sich die französischen Entwickler Quantic Dream zu einem durchaus recht neuen Ansatz entschieden, da sie mit Detroit: Become Human die Möglichkeit geschaffen haben die Androiden- bzw. Menschmaschinenfrage nicht mehr einfach nur aus dem Betrachtungswinkel heraus zu beobachten. Es sind vielmehr viele kleine, mittlere und große Momente, da es eben kein humanes Wesen mehr ist, in dessen virtuelle Haut wir schlüpfen und Entscheidungen treffen. Auch wenn es am Ende erst einmal nur dem Menschen ähnliche Wesen, ausgestattet mit Software-Gehirnen, Platinen in der Brust und blauem Liquidblut in den künstlichen Venen, steht die Möglichkeit Empathie und Mitgefühl zu entwickeln bzw. zu haben mindestens mal im Raum.

Dass wir ab heute, bzw. morgen, offizieller Release ist der 25. Mai 2018, Detroit: Become Human spielen können, ist der Tech-Demo Kara geschuldet. Quantic Dream hat 2012 mit Hilfe von Kara aufgezeigt, wie sehr sich das Studio seit Heavy Rain weiterentwickelt hat und wie weit man außerdem Sonys Playstation 3 noch ausreizen kann. Es blieb nicht bei dieser rein technischen Demo, es kamen mitunter moralische als auch ethische Fragen auf. Maschinen, die menschlich sein können? Aber wie? Rein auf Programmierbasis, sozusagen wieder durch Menschen vorgegebenes Erlernen und Abspeichern oder doch durch das selbstständige und autarke Weiterentwickeln? Wie würde das Ganze aussehen, was könnte passieren? Mehr noch: Wie würde der Mensch selbst auf eine solche Entwicklung reagieren und damit umgehen?

KARA

Kara ist eine von drei Androiden, in deren Haut ihr schlüpft und in sich fortsetzenden Episoden dabei das Leben als Mensch-Maschine im Jahr 2038 aufgezeigt bekommt. Allein das Datum zeigt: eine nicht allzu ferne Zukunft und doch hat sich, zumindest nach Vorstellung von Quantic Dream, einiges nachhaltig und extrem geändert. Aus der einstigen Motorcity ist die Hochburg der Androiden-Herstellung geworden. Die dem Menschen sehr ähnlichen Roboter werden in vielen, fast allen Bereichen eingesetzt: Als Haushaltshelfer, Nannys, Gärtner, Lehrer, Krankenschwestern, Pfleger, zumeist gemeine Arbeiter, Beamte und sogar als Liebesdiener. So friedlich sich dieses Bild auch zeichnen mag, es brodelt – nicht nur unter nur oberflächlich. Auf der einen Seite die Menschen, die sich zunehmend als auch lauthals beschweren, dass sie nicht länger von Maschinen ersetzt werden wollen. Menschen, die Angst haben vor Maschinen und nichts unversucht lassen dem vermeintlich technischen Segen den Wind aus den Segeln zu nehmen, wenn nötig auch auf bestialische, abartige Weise. Auf der anderen Seite stehen die Androiden, die oftmals einfach verschwinden, ohne Hinweis darauf, wohin. Wieder andere zeigen auf einmal unerwartete, offenbar nicht einkalkulierte, mitunter merkwürdige Gefühle gleiche Verhaltensweisen. Gerüchte, wonach es immer mehr sogenannte Abweichler, Androiden, die ihre Routinen selbstständig verlassen und ihren Eigentümern nicht mehr gehorchen wollen, machen die Runde. Aber unterm Strich weiß niemand so recht, weder Mensch noch Maschine, was effektiv wirklich passiert…

Und da kommt ihr ins Spiel – verschiedene Routen und Möglichkeiten auslotend. Ihr übernehmt aktiv das Ruder für drei Protagonisten: Wie bereits angesprochen Kara, dazu kommen Markus und Connor. Die Drei könnten verschiedener nicht sein, obwohl sie eigentlich grundsätzlich gleich sein sollten. Programmiert, um dem Menschen zu dienen. Ja, Quantic Dream setzt natürlich auch auf Isaac Asimovs Kurzgeschichte Robbie aus dem Jahr 1940 und den damit verbundenen Gesetzen der Robotik, da ein Roboter keinem Menschen Schaden zufügen und selbigen im Ernstfall abzuwenden hat. Auch hat der Roboter dem Befehl des Menschen uneingeschränkt zu folgen, sofern es nicht im Widerspruch zum ersten Gesetz steht und er darf sich, wenn nötig, schützen, sofern Regel eins und zwei nicht verletzt werden. Während Asimov allerdings davon ausgegangen ist, auch in späteren Werken, dass sich Roboter strikt an diese Vorgaben zu halten haben und nicht anders konstruiert werden dürften, da sonst die Welt im Chaos versinken würde, hat Quantic Dream genau diesen Umstand zentralisiert.

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Es mag pathetisch klingen, aber das Schicksal von Connor, Kara und Markus liegt in eurer Hand, es steht und fällt mit euren Entscheidungen und ob die drei am Ende menschlich sein werden – oder nicht. Wie für Quantic Dream typisch, ist auch Detroit: Become Human eine interaktive Erzählung, da ihr unterm Strich drei Hauptgeschichten und viele Nebenschauplätze erleben könnt. Ihr seid angehalten direkt oder auch indirekt einzugreifen – natürlich an bestimmten Stellen vorgegeben, aber viel öfter sind es Möglichkeiten, die erst auf zweiten oder dritten Blick ersichtlich sind. Und dann immer noch vorausgesetzt, ob ihr es a) erkennt und b) für wichtig und richtig haltet. Aber was ist richtig und was ist falsch? Sind die Grenzen tatsächlich so rigide? Das gilt es herauszufinden und wer denkt, dass das Zurückwerfen eines Goldfischs in sein Aquarium keinen Einfluss auf in dem Fall Connor hat, der irrt! Es ist wie im wahren Leben: Entscheidungen haben Konsequenzen zur Folge!

Connor steht im Dienste des Detroit Police Department und wird immer dann gerufen, wenn wieder einmal Abweichler auftauchen. Seine Aufgabe besteht darin die augenscheinlich sprichwörtlich durchgeknallten Androiden dingfest zu machen, sodass sie im selten eintretenden Idealfall formatiert und damit wieder auf Spur gebracht werden können. Connor ist, zumindest grundlegend mal so etwas, dass man als Linientreu beschreiben kann. Das gilt auch für Markus, der einer alten Herrschaft dient und damit zufrieden scheint, bis er eines Tages gezwungen wird einzugreifen. Kara wiederum wirkt von Anfang an fragil, verletzlich, führt aber auch, zumindest fürs Erste, die Befehle ihres Meisters aus.

Während Connor die gradlinigste Figur zu sein scheint, tauchen bei Kara und Markus sehr schnell Abweichungen auf – vorausgesetzt ihr nutzt die vorhandenen Möglichkeiten. Jeder der drei Androiden verfügt nicht nur über die grundlegenden Mechaniken, da ihr euch fortbewegen als auch umsehen könnt, sondern auch über eine Scan- und Analysefunktion. Mit dieser habt ihr eure Umgebung zumindest einmal soweit im Blick, dass ihr die jeweils nächstgelegenen, relevanten und damit primären Ziele ausmachen könnt. Verlasst euch aber nicht zu sehr darauf, denn der Scan ersetzt das manuelle Umschauen nicht. Zumal ihr mit der Scanfunktion immer nur einen bestimmten Radius erfassen und nicht durch Wände oder ähnliches durchschauen könnt. Details, von denen es sehr viele in Detroit gibt, sind das A und O und eröffnen euch während des Spielverlaufs sehr viele Optionen. Je nach Charakter und gewählter Interaktion entscheidet sich, wie es für euch und die Figur weitergeht. Getroffene oder auch verpasste Entscheidungen beispielsweise am Anfang mit Connor, Kara und Marcus haben nachhaltig Einfluss auf spätere Ereignisse, sie öffnen Türen oder versperren mögliche Wege. Aber auch später getroffene oder verpasste Entscheidungen beeinflussen den Verlauf als solches sowie das jeweils einzelne Schicksal. Immerhin erhaltet ihr anhand eines sich pro Kapitel immer weiter verzweigenden Entscheidungsbaums eine gewisse Übersicht darüber, wie ihr entschieden habt, ob es Alternativen gab und diese womöglich zum erreichten Ausgang oder zu einem ganz anderen Ergebnis geführt habe.

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Quantic Dream bietet ein, wie wir finden, gelungenes, wenn auch zum Teil heftiges Storytelling, da unter anderem die Sklaverei bzw. Analogien zu selbiger aufgegriffen werden, genauso werden auch Ausbeutung, Kindesmisshandlung als auch Gewalthandlungen an sich thematisiert. Das Perfide: Die Themen stehen klar erkennbar im Fokus, tauchen immer wieder auf, werden jedoch so dargeboten, dass vieles am Ende in eurem Kopf, eurem Herzen stattfindet. Quantic Dream schafft es euch unter die Haut zu gehen, euch vielleicht sogar Tränen in die Augen zu treiben, nicht zuletzt auch deshalb, da ihr mit dem Controller in der Hand der Entscheider seid. Nicht nur ein Stück weit könnt ihr euch selbst beweisen, wie menschlich ihr am Ende seid!

Während die Story, das Erzählen dieser und euer stetes Eingreifen in die Ereignisse schon den Löwenanteil ausmachen, euch mitunter in bestimmten Szenen vielleicht sogar heftig schlucken lassen, können es ergänzend auch augenscheinlich alltägliche Situationen sein, Umgebungen, Momente, Szenen, die euch emotional erreichen. Da ist der Straßenmusiker zu nennen, ziemlich am Anfang, der euch mit „menschlicher Musik mit Herz“ zum Verweilen einlädt. Ja, es ist ein Mensch – und hört einfach mal zu. Ein Spaziergang durch den Park und die Kirschblüten werden vom Wind verweht. Der Detroit River bei Nacht, die Skyline im Hintergrund mit einer an die Ambassodor Bridge angelehnten Brückenkonstruktion. Das Kontrastprogramm dazu beispielsweise die verfallenen Vorstadtruinen Detroits, in denen immer noch Menschen leben oder ein, sagen wir, lebender Schrottplatz, ein Abbild an Wut, Angst und Verzweiflung oder ein verfallenes Fabrikgebäude, brennende Fässer und eine gegebene Hand mit „freut mich, dich kennenzulernen“, die letzten Wort eines Abweichlers, die an euch gerichtet sind. Es sind am Ende immer diese Momentaufnahmen, diese kurzen Augenblicke, die einzeln betrachtet wie ein Stück eines Flickenteppichs wirken, am Ende aber zu einem großen Ganzen werden und dazu stets getragen von dezenter, nicht aufdringlicher Musik, die im Hintergrund fast schon unterzugehen scheint, trotzdem aber die Szenerie entscheidend mit prägt.

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Unser Fazit

90 %

WOW… Quantic Dream haben sich mit Detroit: Become Human definitiv selbst übertroffen und ihren eigenen Anspruch hinsichtlich interaktiver Spiele auf ein neues Level gehoben. Androiden, die wie Menschen aussehen – oder sollten wir besser sagen: denen wir, je nach Entscheidung, gestatten menschlich zu sein? Ja, die Franzosen stellen ein Stück weit eure Menschlichkeit auf die Probe, mal mehr, mal weniger offensichtlich und doch während des Spielens allgegenwärtig. Auch die Tatsache, dass alle drei Protagonisten ein Eigenleben verpasst bekommen haben, eine eigene Identität aufweisen, anhand derer sie sich deutlich voneinander unterschieden, wo sie doch per se als programmierte Maschine gleich sein sollten, ist ein interessanter Ansatz. Diesen greift ihr mit Spielbeginn auf und mit jeder Untersuchung, mit jeder Betrachtung, jeder Überlegung und jeder Entscheidung, die ihr trefft, formt ihr Markus, Connor und Kara. Linientreu oder Abweichler? Befehlsempfänger oder Freigeist? Als Maschine menschlicher sein als der Mensch selbst? Findet es heraus und bewegt euch durch ein überwiegend faszinierendes als auch furchteinflössend gestaltetes Detroit der Zukunft. Balanciert durch eine Welt, eine Zeit, die offenbar nur noch wenig erstrebenswert scheint. Schaut euch um, hört zu, seid neugierig, aber auch vorsichtig, verlasst euch auf eure Instinkte und vor allem: schaut hin! Nehmt euch Zeit, lasst euch nicht hetzen und geht auf eine futuristische Reise und vielleicht stellt ihr am Ende sogar fest, dass Detroit: Become Human gar nicht mal so futuristisch ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Feststeht für uns, dass Detroit: Become Human eines der Top-Spiele 2018 ist!

Pro

  • + zum Teil sehr ausdrucksstarke Gesichter & Mimiken
  • + viele Entscheidungsmöglichkeiten, die tatsächlich Einfluss auf den weiteren Verlauf als auch den Ausgang haben
  • + überzeugende und mitreißende Erzählweise
  • + Spiel mit Emotionen, die auf verschiedene Weisen transportiert werden
  • + gute Synchronsprecher inkl. guter Lippensynchronität (gültig für Englisch)
  • + vielfältiges, buntes als auch düster inszeniertes Zukunfts-Detroit
  • + eine Fülle an Details laden zum Entdecken und Erkunden ein
  • + überschaubare Anzahl an Quick-Time-Events, die gut integriert und inszeniert sind
  • + spannende Dialoge
  • + Kapitel können, einmal gespielt, jederzeit aus dem Hauptmenü heraus angewählt werden
  • + schwierige Themen wie Kindesmisshandlung oder Gewalt mit dem nötigen Feingefühl inszeniert
  • + großer Spielumfang und hoher Wiederspielwert

Kontra

  • - Steuerung manches Mal hakelig, man kann an Objekten hängenbleiben
  • - tatsächliche menschliche Figuren mit weniger Details als Androide-Figuren

Unsere Bewertung

Grafik
 
90 %
Sound
 
85 %
Steuerung
 
83 %
Gameplay
 
88 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
95 %

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Leben, lieben, lachen – spielen! Die Pixel und ich sind seit Anfang der 80er Jahre beste Freunde. Mit einem Schneider CPC fing alles an – der Rest ist Geschichte ^-^ Ich mag sie - fast - alle: J-RPGs, Shooter, Action, Adventure, Puzzle… Bei der Achievement/Trophy-Jagd helfe ich euch gerne, selbst sind sie mir nicht so wichtig ;-) Außerdem liebe ich Katzen, mag Action- & Horror-Filme, bin ein Netflix- /US-Serien-Addict und Musik (Metal, 80er, Dance, Oldies, etc.) ist das Nonplusultra (für mich ;-))!

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