insidegames

Deus Ex: Mankind Divided – Test / Review

Direkt zum Fazit springen

Veröffentlicht 5. September 2016 | 13:55 Uhr von Fabrice

DEUS-EX-MANKIND-DIVIDED-artwork

Adam Jensen ist zurück! Doch seit den Ereignissen in Human Revolution ist die Welt nicht mehr die gleiche. Zwischen den natürlichen Menschen und den technisch modifizierten Augmentierten ist ein Abgrund entstand.

Es liegt an Jensen die Welt wieder zu einem sichereren Ort zu machen. Ständige Terroranschläge erschüttern sie fast täglich und vergrößern die sowieso schon bestehende Kluft noch mehr. Zum Glück hat unser Held jede Menge neue Tricks in seinem Repertoire, um der neuen Bedrohung Herr zu werden.

Was am Ende von Human Revolution geschehen ist, ist inzwischen nur noch als der Zwischenfall bekannt. Dabei drehte der Großteil der Augmentierten durch, als ein Chip in ihnen aktiviert wurde, der sie in rasende Bestien verwandelte. Seither ist die Welt nicht mehr wie sie vorher war. Die meisten Natürlichen haben jeglichen Respekt vor Augmentierten verloren. Sie leben in Angst vor den Optis. Aus Furcht vor ihnen entstand eine Zwei-Klassen Gesellschaft, in welcher die Augmentierten wie Dreck behandelt werden. Eine anhaltende Terrorwelle die anscheinend von radikalen Augmentierten auszugehen scheint, schürt das Misstrauen bis ins scheinbar unermessliche.

deus-ex-mankind-divided-screenshot-01

An wenigen Orten ist dies so offensichtlich wie in der tschechischen Hauptstadt Prag. Polizeigewalt und das Schikanieren der Technos gehören zur Tagesordnung. Wer augmentiert ist und bei einer Polizeikontrolle nicht über die richtigen Papiere verfügt, wird zuerst verprügelt und im Anschluss ins Techno-Ghetto Golem City verfrachtet.

Passenderweise verschlägt es Adam Jensen natürlich nach Prag. Seine Einheit der Task Force 29, eine Truppe die als Antwort auf die anhaltenden Terroranschläge gegründet wurde, ist dort stationiert. Nach einer Mission kehrt Adam nach Prag zurück und wird dort Zeuge eines Anschlags auf einen Bahnhof. Dubai, Prag und weitere aktuelle Vorkommnisse scheinen irgendeine Verbindung zueinander zu haben und nur Adam kann aufklären was vor sich geht.

Wie schon mehrfach erwähnt, hat der Konflikt zwischen Natürlichen und Optimierten einen hohen Stellenwert in der Geschichte. Es macht gleichzeitig einen verdammt guten und einen eher mäßigen Eindruck was diesen Konflikt angeht. Die Unterdrückung der Bevölkerung, die allgegenwärtige Gewalt gegenüber der Bevölkerung und die ständige, gedrückte Stimmung in der Stadt werden auf ihre verstörende Weise toll dargestellt. Das Problem ist, dass kaum etwas davon Jensen und den Spieler betrifft. Es gibt gelegentliche Ausweiskontrollen die etwas nervig sind und die Kommentare der Natürlichen sind nicht gerade nett, es hat jedoch herzlich wenig Auswirkungen auf den Spielverlauf. Obwohl Adam das Vorzeigemodell der Augementierten ist. Doch es betrifft ihn alles gar nicht wirklich, wodurch es zu einem Ungleichgewicht kommt.

deus-ex-mankind-divided-screenshot-02

Dieses Problem ändert nichts an der genialen Spielwelt, die Eidos Montreal hier erschaffen hat. Prag wirkt wie eine authentische Stadt in der gelebt wird. Auch andere Orte die im Verlauf der Geschichte besucht werden, passen in diese fiktive Welt. Die große Anzahl der Nebenmissionen überzeugt ebenfalls auf ganzer Linie. Man wird mit Personen und Problemen konfrontiert, die ihren Platz in dieser Welt haben. Sie sind herausragend und gehören zu den absoluten Highlights. Die Hauptgeschichte selber ist nicht ganz der gleiche Fall. Sie fängt zwar gut und spannend an, kann diesen Bogen jedoch nicht über das ganzen Spiel aufrecht erhalten. Es ist ganz offensichtlich, dass ein weiterer Nachfolger schon geplant ist. Es wird enorm viel Setup betrieben, offenen Handlungsfäden aus Human Revolution wieder aufgenommen und eigentlich nichts davon führt irgendwo hin. Das bedeutet nicht, dass es nur schlecht ist. Es fühlt sich dennoch nicht wirklich befriedigend an, wenn die Zeit für den Abspann gekommen ist und man nicht wirklich vorwärts gekommen ist.

Deus Ex: Mankind Divided, wie schon sein Vorgänger, sollte und kann nicht mit den üblichen Genrekonventionen klassifiziert werden. Es wird zwar hauptsächlich aus der Ego-Perspektive gespielt, wechselt aber oft in die dritte Person. Man kann sich mit Schrotflinte und Sturmgewehr mitten ins Getümmel stürzen oder das Spiel abschließen ohne je einen Gegner anzugreifen. Man kann jeden Computer und jede Tür hacken oder sich immer geschickt durch Luftschächte und die Kanalisation schleichen. Jeder Bosskampf kann mit den richtigen Worten mit einem Gespräch umgangen werden. Jede Einzelne Situation mit der man konfrontiert wird, kann auf vielfältige Art und Weise angegangen werden. Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg um eine Aufgabe oder ein Problem zu lösen.

Es sind viele Mechanismen und Systeme die ineinander greifen und dadurch viel Spielraum bieten. Jede Möglichkeit die einem geboten wird ist genau durchdacht. Es gibt beispielsweise Gespräche nicht auf nur, damit ein weiterer Punkt auf der Liste abgehackt werden kann. Das Gameplay und die Level wurden mit viel Sorgfalt und Voraussicht designet. Besonders das Leveldesign ist absolut erstklassig und kann vom Tutorial bis zum letzten Level völlig überzeugen. Jedes Level bietet eine Vielzahl an Lösungen, welche alle den gleichen Stellenwert haben.

deus-ex-mankind-divided-screenshot-03

Das Gameplay selber ist genauso abwechslungsreich. Hier wird jedoch schnell klar, dass nicht jeder Spielstil mit gleichviel Sorgfalt bedient wird. Am Besten funktioniert Deus Ex: Mankind Divided dann, wenn man sich schleichend und möglichst unauffällig durch das Spiel bewegt. Es gibt, sei das nun in den Leveln selbst oder bei Jensens aufrüstbaren Augmentierungen, eine große Zahl an Wegen um Gegner komplett zu umgehen oder mit vielfältigen Methoden außer Gefecht zu setzen ohne sie zu töten. Die Erfolge und Trophäen gehen ebenfalls hauptsächlich in diese Richtung, belohnen sie einen für ganze Spieldurchgänge in denen nie ein Alarm ausgelöst und kein einziger menschlicher Gegner getötet wird. Dank dem Abwechslungsreichtum in diesem Bereich, macht es auch extrem Spaß wie ein Geist durch das Spiel zu gehen. Sei dies nun  unsichtbar ohne das jemand etwas mitbekommt oder in dem man alle Gegner mit nicht-tödlichen Mitteln ausschaltet. Die schon erwähnten Mechanismen die ineinander greifen, funktionieren nirgends so gut wie wenn man darauf aus ist, keine unnötigen Kämpfe einzugehen.

Es ist auch möglich das ganze Spiel als Shooter zu spielen. Spielt man so, dann ist es ein durchaus kompetenter First-Person und Deckungs-Shooter. Es gibt viele Waffen die man nach eigenem Gusto modifizieren kann und ebenfalls einige tödliche Augmentierungen. Neuerdings kann Adam seine Klingen nicht nur im Nahkampf benutzen, sondern sie auch auf Distanz abfeuern. Es geht jedoch nie darüber hinaus ein kompetenter Shooter zu sein. Wer einfach ballern und die anderen Elemente getrost ignorieren will, der wird mit anderen Genre Vertretern deutlich mehr Spaß haben. Wer das Spiel aber einfach so nehmen will, wie es kommt und einfach in einzelnen Situationen auf tödliche Methoden zurückgreifen will, wenn die Scheiße richtig am dampfen ist, der wird mit den Shooter-Elementen völlig zufrieden sein.

Allgemein orientiert es sich überraschend wenig an seinem direkten Vorgänger, zumindest was das Spielgefühl angeht. In Human Revolution war es oft so, dass es für jeden Raum den man betreten muss, ganz in der Nähe ein Lüftungsschacht war. Statt dessen steht Erkundung und Entdeckung ganz weit vorne. Die Spielwelt mag zwar nicht komplett offen sein, wie man es von Open-World Rollenspielen kennt. Dafür ist die kleinere, übersichtlichere Spielwelt von vorne bis hinten mit viel Liebe zum Detail von Hand gestaltet. Es gibt überall, effektiv überall, etwas zu entdecken und zu finden. Es ist eine wahre Freude sich in der Spielwelt auszutoben.

deus-ex-mankind-divided-screenshot-04

All die Augmentierungen, Waffen, Aufsätze, Gadgets und weitere Spielereien haben ihren Preis und der wird bei der Steuerung bezahlt. Um all dies immer einsetzen zu können, ist der Controller bis zum Anschlag mit Befehlen und noch mehr Kurzbefehlen belegt. Glücklicherweise bietet das Spiel schon von Haus aus eine breite Palette an Controllerbelegungen an, was jedoch nichts daran ändert, dass es eine Weile dauert um alle Kombinationen zu lernen. Die meisten Buttons sind doppelt oder dreifach belegt und am Anfang kann es schnell passieren, dass man einen falschen Button betätigt und damit in Teufels Küche landet.

Technisch ist die von uns hauptsächlich getestete Xbox One Version durchwachsen. Die Spielwelt kann noch so gut und glaubwürdig gestaltet sein, wenn die Technik nicht nachkommt, spielt alles andere keine große Rolle mehr. Ganz besonders wenn man nur in der offenen Spielwelt unterwegs ist, hat die Framerate sichtbare Einbrüche. Die Bildrate fällt klar unter 30 FPS. Auch die Ladezeiten haben es in sich. Innerhalb von einzelnen Stadtteilen gibt es keine Ladezeiten, beißt man ins Gras oder wechselt das Gebiet, kommt es zu bis zu einminütigen Ladezeiten.Im Vergleich dazu läuft die PlayStation 4 Version deutlich stabiler, hat kürzere Ladezeiten, eine höhere native Auflösung und kaum Einbrüche in der Framerate.

An dieser Stelle möchten wir außerdem erwähnen, dass die deutsche Fassung von Deus Ex: Mankind Divided ganz offensichtlich bei der Lokalisation ein wenig gelitten hat. Generell machen die meisten Synchronsprecher, zumindest die der Hauptfiguren, einen guten Job und bringen die Figuren zum Leben. Leider ist es mehrfach vorgekommen, dass die Sprachausgabe komplett abbrach, obwohl die Untertitel klar gemacht haben, dass die Unterhaltung noch nicht vorbei war. Genauso ist es vorgekommen, dass die Untertitel und die Sprachausgabe zwei komplett unterschiedliche Texte waren. In der englischen PlayStation 4 Fassung ist keines dieser erwähnten Probleme aufgetreten.

deus-ex-mankind-divided-screenshot-05

 

Unser Fazit

85 %

Trotz technischen Mängeln (in der Xbox One Version), einer leicht überladenen Steuerung und einer unausgewogenen Hauptgeschichte, ist Deux Ex: Mankind Divided ein verdammt gutes Spiel. Die erstklassige Spielwelt, gepaart mit fantastischem, abwechslungsreichem und offenem Gameplay, sorgen dafür, dass es extrem viel Spaß machen kann. Dieses Gameplay kann einem so viel bieten, dass es selbst bei mehrmaligem Durchspielen immer wieder etwas neues zu entdecken und zu erleben gibt. Der zusätzliche Breach Modus, trägt dazu kaum etwas bei und wirkt wie ein aufgesetzter Weg, um noch mehr Geld aus den Taschen der Spieler zu ziehen.

Pro

  • + Genial realisierte Spielwelt
  • + Prag und Umgebung lädt zu Erkundungen nur so ein
  • + Extrem abwechslungsreiches Gameplay
  • + Hoher Wiederspielwert
  • + Lässt die verschiedensten Spielweisen zu
  • + Unglaublich gute Nebenmissionen

Kontra

  • - Nicht alle Spielweisen sind gleich erfüllend
  • - Steuerung anfangs sehr unübersichtlich
  • - Hauptstory nur anfangs wirklich interessant
  • - Offenes, wenig befriedigendes Ende
  • - Viele kleine technische Probleme (Xbox One Version)

Unsere Bewertung

Grafik
 
77 %
Sound
 
87 %
Steuerung
 
79 %
Gameplay
 
92 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
89 %

- ANZEIGE -


Tags:

Weitere News und Spiele zum Thema

Im Forum als MrNice oder auf Google+ unterwegs.

Kommentare

Hinterlasse eine Antwort

Erfolge Trophy Leitfaden Keyword-Wolke:


Es ist noch kein Keyword vorhanden

- ANZEIGE -


*