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Die Säulen der Erde – Episode 1 Test / Review

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Veröffentlicht 29. August 2017 | 16:38 Uhr von Alexander Winkel

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Nach den Zwergen des deutschen Erfolgsautors Markus Heitz folgt nun der nächste Buch-Bestseller: Deadalic Entertainment hat sich die Rechte von Ken Follett’s Die Säulen der Erde gesichert und daraus in Zusammenarbeit mit dem Verleger Bastei Lübbe eine aufwendig gestaltete Visual Novel gemacht. Wer kein Spiel verlangt und ähnlich eines Hörbuches lieber der verzwickten und bereits in der ersten Episode mit reichlich Intrigen gespickten Story lauschen möchte, kommt mit dieser Adaptierung des historischen Romans voll auf seine Kosten.

Eingebettet in historische Ereignisse des 12. Jahrhunderts Englands liefert Die Säulen der Erde eine fiktive Geschichte, ein Epos, welches sich über eine komplette Generation hinweg zieht. Im Mittelpunkt stehen Tom Builder und seine Familie, seines Zeichens Steinmetz und Baumeister mit kühnen Träumen. Er möchte sich mittels einer prächtigen Kathedrale verewigen und damit beweisen, welche Fähigkeiten ihn ihm stecken. An seiner Seite findet sich ein intelligenter und aufgeweckter Junge namens Jack, der sein bisheriges Leben jedoch in den Wäldern von Shiring verbracht hat, da seine Mutter eine Ausgestoßene ist. Mittelpunkt der Geschichte ist Kingsbridge, eine kleine Stadt am Rande der Grafschaft von Shiring und Prior Philip, der ambitionierte Ziele verfolgt und dafür durchaus den einen oder anderen Vorteil nutzt, auch wenn ihm das einige böse Blicke einbringen wird. Auch weiteren Personen mit Rang und Name wie Aliana und William finden sich detailgetreu wieder, was Fans freuen wird.

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Deadalic hangelt sich an Follett’s Handlung entlang, ohne jedoch haargenau alles zu erzählen, was in dem tausendseitigen Schmöker zu lesen ist. Nichts desto weniger hat der Titel eines gemeinsam mit dem Weltbeststeller: Die Liebe zum Detail. Die Säulen der Erde kann am ehesten als eine interaktive Graphic Novel bezeichnet werden und ist ähnlich der Telltale Spiele aufgebaut. In den Rollen von Tom, Philip oder Jack durchstreift ihr wundervoll gezeichnete Szene unter anderem im Wald von Shiring, den Bischofspalast und natürlich Kingsbride und könnt dabei viele Dinge betrachten bzw. mit zahlreichen Personen reden. Die Konversationen sind stellenweise langwierig, jedoch gut geschrieben und lehnen sich an das an, was der Autor seinerzeit zu Papier gebracht hat. Kenner kommen natürlich sofort ins Geschehen, Neulinge müssen dagegen etwa genauer hinhören und auch mal lange Seiten Pergament aufmerksam lesen, um die umfangreiche Geschichte zu verstehen. Einige Charaktere wirken ohne Vorwissen anfänglich zudem noch blass, was sich jedoch nach und nach zum Glück legt.

Die Story selber ist gespickt mit einigen Intrigen und Machenschaften, die uns tief in das Epos hineinziehen, sofern die ersten und für Quereinsteiger dann doch eher zähen Schritte des Abenteuers überstanden sind. Wer nicht ganz so bewandert ist, muss sich anfänglich durchaus etwas mühlselig durch die Konversationen arbeiten. Neben teils hölzernen Animationen wirken diese manches mal langatmig, weil der Gesprächspartner weniger willig ist und nur stockend berichtet und andererseits werden natürlich auch zahlreiche belanglose Kommentare abgegeben. Doch genau davon lebt der Titel. Es ist ein interaktives Comicbuch geworden, indem ihr durch die Szenen wandeln und zahlreichen Gesprächen lauschen dürft. Dafür gilt es Geduld aufzubringen und auch mal den Controller einige Minuten in Ruhe zu lassen. Doch letztendlich bietet auch dieser Titel zahlreiche Möglichkeiten, den aktuellem Verlauf zu Beeinflussen.

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Entscheidungen über Entscheidungen werden einmal mehr unter Zeitdruck gefällt, ähnlich der Telltale Spiele, ohne jedoch Konsequenzen direkt erkennbar zu gestallten. Hat Prior Philip einigen Brüdern ausgeholfen, so reicht alleinig das Schweigen in der später folgenden Kapitelversammlung der Mönche aus, um reichlich Zustimmung für sein Anliegen zu bekommen. Oftmals führen die Entscheidungen jedoch einzig allein zu Belohnungen in Form von Achievements oder Trophäen, denn die Rahmenhandlung der Adaption von Die Säulen der Erde ist durch das Buch bereits vorgegeben, auch wenn sich Deadalic oft die Freiheit nimmt, etwas dazu zu dichten – rein dem „spielerisch“ Zweck dienlich. Viel ist spielerische jedoch nicht zu tun. Deadalic verzichtet vollkommen auf größere Rätsel oder dubiose Aufgaben. Das würde nicht in eine ernsthafte Umsetzung von Ken Follett’s historischen Romans passen. Neben einiger kleiner Aufgaben und Lieferungen konzentriert man sich auf die Dialoge und die Präsentation.

Zurecht, denn die handgezeichneten Szenen wurden detailgetreu der Epoche der Geschichte nachempfunden und sicherlich gut recherchiert. Da ist kein Stein zu viel gesetzt oder Stützpfeiler am falschen Ort zu finden. Glaubhaft wird das Zeitalter präsentiert. Zudem wurden die Szenen äußerst liebevoll zum Leben erweckt. Oftmals könnt ihr Personen antreffen, die teilweise ohne euer zutun bereits Konversationen führen, denen Ihr dann genüsslich lauschen könnt. Ansonsten fliegen Vögel herum, krächzt der Rabe oder ihr kümmert euch liebevoll um die Pferde. Die musikalische Untermalung ist dazu grandios, mit orchestralen Klängen, Kirchenchören und gar richtig schönem Gesang. Dass dazu die deutsche Komplettvertonung nahezu aller erster Güte ist, rundet dass Erlebnis ab. Abgesehen von Buchseiten und ähnlichem im Inventar, müsst ihr nur die Lauscher aufsperren und wie bei einem guten Hörbuch den Personen zuhören.

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Komplett rund läut die Sache jedoch nicht und so manche Dinge sorgen für einen Dämpfer bezüglich der äußerst gelungenen Atmosphäre. Da wären die teilweise langen Ladezeiten zwischen den einzelnen Szenen und darüber hinaus manch abrupter Abbruch der Hintergrundmusik und der Gespräche, wenn man mit der Spielfigur in einen anderen Bereich wechselt. Der Chor verstummt urplötzlich, sobald das Portal der Kathedrale in den Außenhof durchschritten wird, und die Gespräche verstummen mitten im Satz, wenn der Kreuzgang verlassen wird. Seichtes ausblenden der Umgebungsgeräusche würde vieles angenehmer machen, auch wenn uns bewusst ist, dass dies Meckern auf recht hohem Niveau ist.

Manche Szene wurde auch aus einem sehr fernen Blickwinkel gezeichnet, so dass die Menschen zu kleine Ameisen mutieren. Hier die optimale Übersicht zu wahren, ist etwas knifflig. Zum Glück kann jederzeit eine Hilfe eingeblendet werden, um interaktive Objekten und Übergänge in den nächsten Bereich einzublenden. An letzteren bleibt die Eingabe des Spielers auch gerne mal hängen und ihr müsst etwas herum hantieren, bis der Protagonist seine Füße in die Hand nimmt und in den nächsten Teil des Areals läuft. Darüber hinaus liefert Die Säulen der Erde aber ein gelungenes Erlebnis in Form einer interaktiven Graphic Novel – jedoch sollte niemand dabei ein ernsthaftes Spiel erwarten. Hier zählt die Geschichte und diese ist sowohl für Kenner als auch für Neueinsteiger durchaus gelungen umgesetzt. Nach sieben Kapiteln endet das Abenteuer jedoch unverhofft und es heißt warten, bis Deadalic mit der nächsten Episode von dreien daher kommt.

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Getestete Version: Xbox One

Unser Fazit

80 %

In der Adaption von Die Säulen der Erde steckt sicherlich ähnlich viel Mühe und Fleiß, wie einst Ken Follett in seinen Roman gesteckt hat. Detailgetreue Kulissen entführen uns ins 12. Jahrhundert und lassen diese Zeit neu aufleben. Dazu liefert der Titel eine umfangreiche Geschichte, die dank der Vorlage genügend Stoff für spannende Stunden bietet. Die Dialoge wurden gekonnt umgesetzt und dank der hervorragenden deutsche Vertonung könnt ihr den Titel wie ein interaktives Hörbuch genießen. Kenner kommen sicherlich sofort rein und entdecken die eine oder andere Anekdote, welche Neulingen verborgen bleibt. Aber auch diejenigen werden nach und nach in die Intrigen und Machenschaften eingeführt und können die Emotionen der Protagonisten nachempfinden. Nur dauert dies etwas länger. Die Säulen der Erde ist eine durchaus gelungene Adaption, eine schöne, atmosphärische Graphic Novel mit nur einigen wenigen Macken. Es ist alles, nur eines ist der Titel ganz gewiss nicht: Ein Spiel. Dazu bietet uns Deadalic’s Interpretation einfach zu wenig Freiheit und Möglichkeiten. Wer also gerne einer interaktiven Story lauscht und auch mal einige Minuten still sitzen kann, ohne dass nennenswert Eingaben auf dem Controller erfolgen müssen, kommt auf seine Kosten.

Pro

  • + Detailreiche und umfangreich Geschichte dank der Buchvorlage von Ken Follett.
  • + Sympathische Protagonisten, die ihre Story gut rüber bringen.
  • + Wundervolle, von Hand gezeichnete Kulissen lassen das 12. Jahrhundert aufleben.
  • + Gelungene Sounduntermalung und nahezu perfektes Voice-Acting in deutscher Sprache.
  • + Für Fans wie auch Neueinsteiger gleichermaßen tauglich.

Kontra

  • - Für viele zu wenig Spiel. Es ist ein bebildertes Hörbuch.
  • - Einige Konversationen zu langatmig und bisweilen etwas langweilig gehalten.
  • - Dadurch für weniger bewanderte der Vorlage ein eher mühseliger Einstieg.
  • - Übergang vom Sound beim Szenenwechsel zu abrupt.
  • - Manchmal hapert es ein wenig mit der Steuerung.
  • - Einige Szenen zeigen das Geschehen von weiter Ferne. Da mangelt es an Übersicht.

Unsere Bewertung

Grafik
 
85 %
Sound
 
85 %
Steuerung
 
75 %
Gameplay
 
40 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
80 %

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Aufgewachsen mit der ersten Nintendo-Konsole, fühlt sich Alexander Winkel eigentlich auf allen Plattformen heimisch. Trotz seiner offensichtlichen Hingabe zur Xbox – die vielen Gamerscore Punkte erspielen sich nicht von selbst – lässt er seine Schreibwut an allen Videospielen aus, unabhängig vom System.

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