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Die Zwerge – Test / Review

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Veröffentlicht 4. Januar 2017 | 16:25 Uhr von Ricky

Letzte Änderung 7. Januar 2017

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Es kommt nicht allzu häufig vor, dass eine erfolgreiche Roman-Serie als Videospiel umgesetzt wird. Das Rollenspiel Die Zwerge stützt sich dabei auf die gleichnamige als auch sehr erfolgreiche Fantasy-Sage des deutschen Autors Markus Heitz und möchte damit nicht nur Bücherwürmer begeistern.

Entwickelt wurde die Videospielumsetzung Die Zwerge vom deutschen Studio King Art, welche sich bereits mit Titeln wie The Book of Unwritten Tales oder auch The Raven einen Namen gemacht haben. Im Januar 2015 suchten die Entwickler zusätzliche finanzielle Hilfe und starteten eine Kickstarter-Kampagne, mit welcher mehr als 300.000 US-Dollar eingenommen werden konnten. Mit dieser Unterstützung im Gepäck wurde das ehrgeizige Projekt fertiggestellt und für PC, Playstation 4 und Xbox One veröffentlicht.

Das Die Zwerge RPG stützt sich auf den ersten Band der Roman-Vorlage, ohne diesem aber akribisch in jedem Detail zu folgen. Gleichgeblieben ist die Story rund um den Zwerg Tungdil Bolofar, welcher bei Menschen aufwuchs und sich zu einem waschechten Schmied gemausert hat. Eines Tages wird er von seinem Ziehvater Magus Lot-Ionan zu sich gerufen und mit einer wichtigen Aufgabe betraut. Obwohl Tungdil Bolofar sehr unerfahren im Kampf und dem Überleben außerhalb seiner Siedlung ist, soll er wichtige Gegenstände ins Schwarzjoch bringen. Was als recht einfacher Botengang beginnt, entwickelt sich zu einem gefährlichen Abenteuer für Tungdil Bolofar, in welchem er nicht nur auf freundliche Zwerge treffen wird.

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Wer jetzt ein actionreiches und vor Kämpfen strotzendes Rollenspiel erwartet, den müssen wir leider herbe enttäuschen. Die Zwerge kann man eher als eine Mischung aus interaktivem Hörbuch, einem klassischen Pen & Paper Rollenspiel und einem Text-Adventure verstehen. Natürlich kommen auch die Kämpfe nicht zu kurz, sind aber nicht das Hauptaugenmerk des Spiels. Es geht vielmehr darum eine fantasievolle Geschichte zu erleben und sich von sehr professionellen Sprechern beschallen zu lassen. Ihr werdet mit vielen Zeilen Text im Spiel konfrontiert, doch müsst ihr nur das wenigste davon wirklich lesen. Fast das komplette Spiel wurde eingesprochen, wodurch ihr euch meistens bequem auf die Couch setzen und zuhören könnt. Die Dialoge sind sehr bildhaft und vor allem sehr unterhaltsam gestaltet, sodass keine Langeweile aufkommt. Die Sprecher verstehen ihr Handwerk, dennoch solltet ihr bei allem entspannt Zuhören nicht vergessen, dass ihr so einige mitunter wichtige Entscheidungen im Spiel zu treffen habt.

Einen Teil des Spiels erlebt ihr auf einer Weltkarte, welche es selbstständig zu erkunden gilt. Es sind keine Wege vorgeschrieben. Folglich seid ihr nicht gezwungen stur der Story des Spiels zu folgen. Auf der Weltkarte sind verschiedene Routen mit Ortschaften, Sehenswürdigkeiten und zahlreichen anderen Gebieten eingezeichnet. Reist auf der Karte umher und schreibt eure eigene Geschichte, denn bei fast jeder Konfrontation wird eine Entscheidung von euch erwartet, welche auch später noch Einfluss auf das Spiel haben kann. Für Erfolge- und Trophäen-Jäger sie noch angemerkt, dass diese Entscheidungen auch direkt mit dem Erhalten der Achievements / Trophies in Verbindung stehen und daher stets wohl durchdacht getroffen werden wollen.

Trefft ihr z.B. auf einen Schmied, welcher derzeit seiner Arbeit nicht nachgehen kann, könnt ihr durch das geschickte Antworten im Dialogsystem eine doppelte Bezahlung herausschlagen, wenn ihr diesem zur Hand geht. Auch wenn ihr wiederholt auf verschiedene Charaktere im Spiel trefft, haben eure Entscheidungen aus dem ersten Aufeinandertreffen nicht selten folgen. Deshalb solltet ihr immer gut überlegen, wie ihr die jeweiligen Situationen handhaben möchtet.

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Von Zeit zu Zeit werdet ihr natürlich auch in Kämpfe verwickelt, in welchen ihr eine Gruppe bestehend aus maximal vier Charakteren steuern müsst. Dabei wechselt die Ansicht automatisch von der Weltkarte in eine 3D-Umgebung, welche frei erkundbar ist. Eure Recken agieren dabei größtenteils selbständig und können sich ihrer Haut durchaus erwehren, allerdings führen diese ohne euer zutun keine Spezialangriffe aus oder postieren sich nicht unbedingt optimal auf dem Schlachtfeld. Das ist der Punkt, da der strategische Teil zum Tragen kommt, denn ihr könnt jederzeit während der Kämpfe einen Pausenmodus aktivieren, um Angriffe zu planen oder euch einfach nur einen Überblick  zu verschaffen. Jeder der vier Kämpfer kann unabhängig gesteuert werden, was auch zwingend notwendig ist. Selbst auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad bekommt ihr es mit ganzen Gegnerhorden zu tun, welche von euch niedergemetzelt werden möchten. Achtet besonders auf die Umgebung, in welcher der Kampf stattfindet, um diese zu eurem Vorteil zu nutzen. Lockt die Gegner in enge Passagen, damit euch keiner in den Rücken fallen kann oder schubst diese mit euren starken Spezialfähigkeiten von den Klippen.

Vor jedem Kampf könnt ihr eure Mitstreiter mit Heiltränken oder besonderen Ausrüstungsgegenständen versehen, welche sich dann während der Kämpfe aktivieren lassen. Ist die Schlacht erfolgreich beendet, erhaltet ihr als Belohnung die obligatorischen Erfahrungspunkte zum Charakteraufbau. Dieser fällt in Die Zwerge aber sehr marginal aus. Ihr müsst nicht lange planen, welche Fähigkeiten ihr kaufen oder erweitern möchtet, da alles sehr linear gehalten ist. Alle zwei Stufen erlernt jeder Kämpfer eine neue Fähigkeit hinzu, welche im Anschluss im Kampf eingesetzt werden kann. Die Klasse für jeden Charakter wiederum ist vom Spiel vorgegeben und kann nicht geändert werden. Auch die Jagd nach immer besseren Ausrüstungsgegenständen entfällt fast völlig, da ihr nur maximal einen zusätzlichen Gegenstand pro Charakter ausrüsten könnt. Besonders für Rollenspiel-Anfänger ist dieses System natürlich optimal, um erste Erfahrungen in diesem Genre zu sammeln.

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Widmen wir uns jetzt einem zwiespältigen Thema von Die Zwerge, der Technik. Wer sich für eine PC- oder Playstation 4-Version entscheidet, kann ohne Bedenken loslegen. Wer allerdings eine Xbox One-Version sein eigen nennt, sollte unbedingt immer den aktuellsten Patch des Spiels installieren. Zum Release von Die Zwerge war im Besonderen die Xbox One-Fassung in einigen Abschnitten kaum bzw. nur sehr eingeschränkt spielbar. Extremes Ruckeln in den Kämpfen oder das komplette Einfrieren des Bildschirms waren nur einige der Probleme. Diese wurden aber zum Glück mit bereits veröffentlichten Patches größtenteils behoben. Es treten zwar auch weiterhin kleinere Ruckler im Spiel auf, aber diese fallen kaum mehr ins Gewicht. Optisch präsentiert sich Die Zwerge eher zweckmäßig und etwas detailarm, dennoch aber ansehnlich. Auch die Steuerung ist recht gut gelungen, wenn auch etwas schwammig mit dem Controller. Hier hat die Steuerung mit der Maus am PC die Nase vorn. Die Kamera wiederum ist in den Kämpfen nicht wirklich optimal postiert, wodurch die Übersicht etwas verloren gehen kann.

Über jeden Zweifel erhaben ist die Vertonung des Spiels. Egal ob es sich um die atmosphärische Hintergrundmusik oder um die sehr guten Sprecher handelt, man merkt das sich die Entwickler sehr viel Mühe dabei gegeben haben. Vor allem die deutschen Sprecher verdienen ein großes Lob, darunter der Erzähler Erich Räuker, den viele Spielern sicher aus Criminal Minds  als Jason Gideon oder auch aus Homeland als Saul Berenson kennen. Wer möchte, kann Die Zwerge auch in anderen Sprachen, egal ob Text oder Sprachausgabe, genießen.

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Unser Fazit

76 %

Ganz rund läuft Die Zwerge auf keinem der drei Systeme, was aber nicht vordergründig betrachtet werden sollte. Auch wenn die Grafik nicht Up-to-Date ist und eher einfacher gehalten wurde oder immer noch kleinere Ruckler in den Kämpfen auftreten können, tut das dem Spiel keinen Abbruch. Die Zwerge lebt von der Story, der Erzählweise, einer atmosphärischen Hintergrundmusik und sehr guten Sprechern. Außerdem merkt man dem Spiel die Liebe zur Buchvorlage an, was zur positiven Folge hatte, dass sehr viel Wert auf die Ausarbeitung der einzelnen Charaktere gelegt wurde. Wer nur aufgrund der Technik keinen Blick riskiert, verpasst ein gutes und atmosphärisches Rollenspiel mit viel Charme, welches euch in seinen Bann ziehen wird.

Pro

  • + tolle Sprecher
  • + sehr schöne Hintergrundmusik
  • + leichte Steuerung
  • + Dialogoptionen mit Entscheidungen
  • + kein Mehrspieler
  • + manuelles Speichern vorhanden
  • + Schwierigkeitsgrad kann jederzeit geändert werden

Kontra

  • - leichte Ruckler
  • - zu einfach gehaltene Charakterentwicklung
  • - Kameraposition in den Kämpfen ungünstig
  • - wenige bis keine Umgebungsgeräusche
  • - unausgewogener Schwierigkeitsgrad
  • - lange Ladezeiten

Unsere Bewertung

Grafik
 
65 %
Sound
 
83 %
Steuerung
 
72 %
Gameplay
 
78 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
82 %

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