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DiRT 4 – Test / Review

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Veröffentlicht 27. Juni 2017 | 17:32 Uhr von Thomas Pfnür

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DiRT setzte schon immer auf Simulation. Neben realistischer, wollte die Serie von Beginn an vor allem auch knallharte Renn- bzw. Rallyeaction bieten. Gerade Gelegenheitsspieler wurden dadurch abgeschreckt, während Fans vor allem darin den richtigen Reizpunkt sahen. Mit dem aktuellen Ableger will Codemaster dies nun ändern und versucht allen Spielertypen gerecht zu werden. Wie? In dem sie in DiRT 4 leichten Zugang und tiefgängige Forderung kombinieren. Ob das auch wirklich funktioniert, zeigt der Test. 

Zugänglicher Realismus 

Um es kurz zu machen: Der Spagat zwischen fordernder Realitätsnähe und leichtem Zugang funktioniert. Ob ihr euch nun Einsteiger oder Profi nennt, DiRT 4 bietet praktisch für jeden Spielertyp das passende Rennspielerlebnis auf den staubigen Pisten des Rallyesports. Eine entscheidende Rolle spielt hierbei die Möglichkeit zu Beginn eine Spielweise auszuwählen. Die Einstellung Simulation liefert euch, wie kaum anders zu erwarten, ein extrem realitätsnahes Spielerlebnis. Die Fahrzeuge reagieren sensibel auf Beschleunigung und Bremsen, Ausbrechen des Hecks gehört praktisch zur Grundeinstellung und die Besonderheiten der einzelnen Strecken müssen, will man gegen die starke KI überhaupt nur den Hauch einer Chance haben, geübt werden. Genre-Neulinge werden daher auf die andere Variante namens Gamer zurückgreifen. Eine Art Arcade-Modus, der das Kontrollieren des fahrbaren Untersatzes um einiges einfacher gestaltet. Und vor allem auch das Gewinnen, nicht gerade unwichtig, wenn man sich die nötige Motivation für ein Spiel holen will. Logisch übrigens, dass ihr natürlich unabhängig davon, einen Schwierigkeitsgrad definieren könnt und persönliche Einstellung, wie etwa manuelles oder automatisches Schalten, selbst bestimmen dürft – dies sollte mittlerweile aber bei wohl jedem Rennspielen der normale Standard sein.

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Durchaus umfangreich sind die Tuning-Möglichkeiten ausgefallen. Um praktisch allen Unzulänglichkeiten begegnen zu können, also etwa extremen Wetterbedingungen oder besonderen Pistenuntergründen, wird euch ein entsprechendes Paket an Anpassungen zur Verfügung gestellt, um so euer ganz spezielles Set-Up für das jeweilige Fahrzeug zu erstellen. Natürlich haben diese Veränderungen dann auch die entsprechend spürbaren Auswirkungen auf das Fahrverhalten. Man merkt einfach alles: Front-, Heck- oder Allradantrieb, weiche oder harte Federung, Art der Bereifung, usw., usw. – der Controller meldet euch sofort, ob euer Fahrzeug für die entsprechende Strecke auch wirklich passend eingestellt ist.

Meist passend wurde auch das Schadensmodell umgesetzt, welches jede Berührung mit der Streckenbegrenzung, einem Baum oder anderen für Rallyewagen eher schädlichen Landschaftsteilen optisch, wie „fahrerisch“ gut abbildet. Trotzdem hat das System hier auch hin und wieder seine Aussetzer und manche Schäden bzw. „Nicht-Schäden“ sind nur wenig nachvollziehbar. Es bleibt also auch in Dirt 4 nicht aus, dass man sich mehr als einmal wundert, weshalb ein Fahrzeug nach einer bestimmten Situation noch fahrbereit ist oder eben mit einem Totalschaden liegen bleibt.

Fahrbereit ist übrigens ein gutes Stichwort. Um als Einsteiger, aber selbst als Kenner der Serie sich alle Kniffe des Spieles anzueignen und somit alle Fähigkeiten und Techniken zu erlernen, um überhaupt in der Rallyeszene eine prägende Rolle zu spielen, ist es erforderlich, wir würden fast behaupten zwingend erforderlich, die DirtFish School zu besuchen. Dieser Übungsmodus bietet euch vor allem eins, eine Unzahl an diversen Herausforderungen, die euch auf das was euch in den diversen Spielvarianten, off-, wie online, erwartet, perfekt vorbereitet. Dieser Übungsmodus zeigt aber auch mehr als deutlich, dass Dirt sich trotz einiger Bemühungen und auch den entsprechenden Gameplayänderungen nur bedingt von dem eigentlichen Serien-Motto, nämlich knallharte und realistische Rallyeaction zu bieten, entfernt hat.

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Passender Inhalt – durchschnittliche Technik 

Die Inhalte von DiRT 4 sind Genre-Standard – nicht wirklich schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Der Fuhrparkt umfasst knapp 50 Geländewagen, darunter legendäre Wagen aus der langen Rallyegeschichte, wie etwa der Audi Sport Quattro S1 E2 oder der Subaru WRX STI NR4. Abgerundet wird die ansehnliche Menge an Fahrzeugen noch durch die schwer zu steuernden, trotzdem extrem spaßigen Buggies, die schwerfälligen Trucks und die extrem flinken Crosskarts. Die angebotenen Strecken verteilen sich auf der ganzen Welt. So findet ihr Pisten in Australien, Spanien, den USA, Schweden und Wales – natürlich mit den entsprechenden Unterschieden im Untergrund, von Sand bis Eis ist alles vertreten, den Witterungsbedingungen und den Aufbau der entsprechenden Herausforderungen. Übrigens ist in DiRT 4 die FIA World Rallycross Championship lizenziert. Für euch bringt das den Vorteil, dass ihr die Originalrennen, etwa in Montalegre oder Lydden Hill, aus dem Tour-Kalender der Weltmeisterschaft 2016 nachfahren könnt. Natürlich in den offiziellen Supercars.

Weil wir gerade bei Rallye-Strecken sind, in der aktuellen Umsetzung aus dem Hause Codemasters gibt es auch einen Strecken-Editor. Ihr wählt den Standort, die Länge, sowie die Komplexität und das Spiel generiert die dazu passende Piste. Die Bedienung ist hierbei recht einfach gehalten, der Umfang aber auch entsprechend überschaubar. Insgesamt fehlt die Freiheit in den Einstellungen, um wirklich besondere und fordernde Strecke zu designen. Erschwerend kommt hinzu, dass sich relativ schnell der Wiederholungseffekt einstellt, d. h. viele der selbsterstellten Pisten ähneln sich doch sehr.

Dafür bietet der Titel zumindest Abwechslung bei den Spielmodi. Ihr habt die Möglichkeit euch bei den Rallycross mit Karts, Super 1600s und RX Lites auszutoben, im Landrush mit Pro Buggies oder Pro-2 Trucks auf diversen Strecken in den USA und Mexiko um Siege zu fahren oder im Joyride unzähligen Herausforderungen zu stellen.

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Herzstück von Dirt 4 ist und bleibt aber natürlich die Karriere. Wie üblich erstellt ihr euren Fahrer, entscheidet euch für ein Fahrzeug und wählt die Klasse aus. Noch die nötigen Geldgeber gewinnen, also Sponsoren von den eigenen Fahrkünsten überzeugen und schon seit ihr auf den diversen Strecken der Rallyewelt unterwegs. Natürlich stehen hierbei gute Platzierungen, vor allem aber Siege in den Vordergrund, nebenbei ist es aber ebenso wichtig ein gut funktionierendes, nicht zuletzt auch wettbewerbsfähiges Team aufzubauen. Zwar sind die Tätigkeiten abseits der Strecken nicht besonders tiefgängig, aber eben auch nicht zu banal. Einziger wirklicher Kritikpunkt: Der Karrieremodus ist viel zu kurz.

Mehr Zeit kann man dagegen mit dem Online-Spiel verbringen. Tägliche, wöchentliche und monatliche Herausforderungen lassen euch gegen die weltweite Community antreten und in den sogenannten Pro Tour Multiplayer-Rennen müsst ihr um Plätze in den diversen Live-Ranglisten kämpfen. Schön auch, dass das RaceNet in diesem Jahr etwas verbessert wurde und nun neben einer Unmenge an Bestenlisten, auch diverse Extras, wie besondere Events u. ä., bietet, die laut Publisher, über das Jahr ständig erweitert werden sollen.

Technisch bringt DiRT 4 flüssige Rennen, sowohl off-, wie online, ebenso, wie ein durchaus passendes Rennfeeling auf die heimischen Bildschirme. Allerdings fehlt es weiterhin an den optischen Highlights. Zwar sind die Fahrzeuge durchaus schön gezeichnet, im Gegenzug sucht man Details abseits der eigentlichen Pisten aber meist vergebens. Alles wirkt sehr steril und langweilig. Texturmatsch und Objektaufpoppen gehört genauso zum eher schwachen Grafik-Repertoire, wie ein kaum zeitgemäßes Zuschauerdesign. Dafür sind die Wettereffekte gut, die Lichteffekte sogar sehr gut gelungen. Auch der Sound kann sich hören lassen. Die Motoren dröhnen realistisch aus den Lautsprechern und die Musikuntermalung in den Menüs trifft genau unseren Nerv. All das kann aber trotzdem nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Technik durchschnittlich ist, auch wenn man richtige Macken, wie etwa besonders lange Ladezeiten oder nervige Abstürze, zum Glück nicht finden wird.

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Getestete Version: Xbox One

Unser Fazit

80 %

Der Spagat zwischen leichtem Zugang und tiefgängiger Forderung funktioniert – zumindest über weite Strecken. Durch die neue Möglichkeit sich vorab eine Spielweise zu wählen, werden gerade auch Neulingen sehr gut in die Materie Rallyesport eingeführt. Trotzdem kann DiRT 4 auch nicht überdecken, dass vieles immer noch auf Simulation und knallharte Rennaction ausgerichtet ist. Teilweise weiterhin schwer zu beherrschende Fahrzeuge und eine extrem fordernde KI sprechen dann halt doch wieder vor allem die Genre-Kenner an. Bezüglich des Umfangs kommt einen vieles bekannt vor und gerade die Karriere ist zwar durch den Aufbau eines Teams etwas motivierender, aber leider weiter viel zu kurz. Dass man nun Strecken selbst generieren kann, ist per se eine gute Idee, leider ist die Umsetzung des Editors aber doch noch verbesserungswürdig, gerade was die Möglichkeiten bei der Erstellung betrifft. Schade auch, dass die Optik kaum Highlights bietet und vor allem die Präsentation mittlerweile nur noch als altbacken bezeichnet werden kann. Aber dafür gibt es am Renngefühl und dem flüssigen Ablauf nichts zu kritisieren, ebenso wenig wie an den passenden Motorengeräuschen. Kurz: Mit DiRT 4 bekommt ihr über weite Strecken bekannte Codemasters-Kost geboten – mit allen Stärken, aber auch allen Schwächen.

Pro

  • + leichter Zugang und…
  • + …fordernde Tiefe funktionieren meist gut
  • + gutes Fahrgefühl
  • + passende Anzahl an Spielmodi (Karriere, Rallycross…), …
  • + …Fahrzeugen (knapp 50), …
  • + …und Strecken (in Australien, Schweden usw.)
  • + offizielle FIA-Lizenz
  • + schöne Licht- und Wettereffekt
  • + passender Motorensound

Kontra

  • - Gameplay teilweise unverändert
  • - Schadensmodell mit Schwächen
  • - Umfang bietet kaum Besonderheiten
  • - viel zu kurze Karriere
  • - schwacher Streckengenerator
  • - altbackenes Zuschauerdesign
  • - wenige optische Highlights
  • - langweilige Präsentation

Unsere Bewertung

Grafik
 
70 %
Sound
 
85 %
Steuerung
 
80 %
Gameplay
 
80 %
Multiplayer
 
80 %
Spielspaß
 
80 %

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Als arbeitender Familienvater hat Thomas natürlich nur wenig Zeit, aber wenn dann halt mal doch, schreibt er mit großer Begeisterung mehr oder weniger Sinnvolles über alles was auch nur annähernd mit Sport zu tun hat.

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