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DiRT Rally 2.0 – Test / Review

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Veröffentlicht 4. März 2019 | 14:51 Uhr von T_Knightingale

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Vor ca. 3 Jahren hat Codemasters mit Dirt Rally ein echtes Ausrufezeichen gesetzt: Als Fortführung der Colin McRae-Reihe und leichte Abkehr von der breiter aufgestellten Dirt-Serie kam Dirt Rally auf den Markt, das sich mit seinem starken Rallye-Fokus und dem detaillierten und extrem anspruchsvollen Fahrmodell vor allem an echte Enthusiasten richtete, aber mit seinem hohen Schwierigkeitsgrad Einsteiger und weniger geübte Rennspieler vor immense Aufgaben stellte. Nun, ein paar Jahre später, erscheint der direkte Nachfolger, der alles noch ein bisschen besser machen und vor allem Einsteigern etwas entgegenkomme soll. Gelingt Codemasters der Spagat, ein echtes Dirt Rally zu präsentieren, aber diesmal etwas weniger Spieler außen vor zu lassen?

Eine durchaus berechtigte Frage, denn der letzte Ausflug der Dirt-Reihe, Dirt 4, sollte mit zwei getrennten Physikmodellen, „Simulation“ und „Gamer“, sowohl Profis als auch Einsteiger ansprechen, konnte aber vor allem die Profis nicht 100%ig überzeugen, was vor allem auch daran lag, dass Codemasters für die Rallye-Strecken ein System verwendete, das die Strecken zufällig aus diversen fertigen Versatzstücken zusammensetzte, um so eine größere Anzahl an möglichen Streckenkombinationen zu schaffen und zudem das Überraschungsmoment, ein durchaus wichtiges Element des Rallyesports, aufrecht zu erhalten. Dies kam bei der Stammspielerschaft jedoch nicht allzu gut an, da es einfach zu wenig Fertigbauteile gab und sich viele Streckenabschnitte der zusammengewürfelten Rallye-Etappen zu sehr ähnelten und dadurch vor allem auch die Qualität der Etappen litt.

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Fahrphysik: Absolute Genre-Referenz

Beide Kernkonzepte von Dirt 4 wirft Codemasters bei Dirt Rally wieder von Bord. Statt zweien gibt es wieder nur ein Physikmodell, das für das gesamte Spiel gilt. Und statt die Idee der teilweise zufallsgenerierten Strecken weiterzudenken, wie Kylotonn es mit V-Rally 4 tut, indem die Strecken aus einem großen, durchdesignten Straßennetz zufällig ausgewählt werden, setzt man stattdessen wie im ersten Teil auf eine endliche Anzahl an Strecken, die dafür aber alle liebevoll per Hand gestaltet wurden.

Dementsprechend fühlt sich Dirt Rally weit mehr wie der direkte Vorgänger und weniger wie Dirt 4 an. Das macht sich vor allem bei der Fahrphysik bemerkbar. Diese ist so brutal und gnadenlos wie im ersten Teil. Während man in Spielen wie Forza Horizon 4 bedenkenlos durch die Pampa düsen kann, ohne sich große Sorgen um Konsequenzen machen zu müssen, selbst wenn man auf den Weg zum Ziel diverse Hindernisse kaputtfährt, wird in Dirt Rally 2.0 jedes Quäntchen Übermut teuer bezahlt. Auf jedem Meter Strecke spürt man, wie das Auto auf der Strecke arbeitet und von den Unebenheiten durchgeschüttelt wird. Das Fahrzeug auf der Strecke zu halten, erfordert in Dirt Rally 2.0 deutlich mehr Feingefühl und regelmäßige Korrekturen als in den meisten anderen Offroad-Spielen. Insbesondere die hochmotorisierten Monster der Gruppe B-Klasse sind nur schwer zu zügeln und von Ausritten abseits der Strecke abzuhalten.

Schwierigkeitsgrad: Zugänglicherer, aber immer noch herausfordernd

Glücklicherweise hat Codemasters die Steuerung noch einmal deutlich verfeinert, so dass Spieler, die nur mit dem Controller und nicht mit einem Lenkrad spielen, die Fahrzeuge deutlich einfacher und kontrollierter über die Pisten manövrieren können als im ersten Teil. Wirklich einfach wird Dirt Rally 2.0 dadurch aber immer noch nicht, da jeder kleinste Fehler wird weiterhin hart bestraft wird. Eine eingeblendete Fahr-/Bremslinie oder eine Rückspul-Funktion, wie sie die meisten modernen Rennspiele bieten, gibt es nicht. Wer von der Strecke abkommt, muss selbst den Weg zurückfinden oder das Auto zurück auf die Strecke setzen lassen, was im Gegenzug aber satte Strafsekunden einbringt. Und auch Hindernisse am Streckenrand können schnell zur fiesen Falle werden, da das Schadensmodell nicht optional, sondern immer aktiv ist. In einigen Spielmodi gibt es lediglich die Option, zwischen normalem und enormem Schaden auszuwählen. Aber selbst das normale Schadensmodell verzeiht kaum Fehler. Schwächere Kollisionen führen nur zu ein paar Beulen, mittlere bis schwere Kollisionen hingegen lassen das Auto spürbar unfahrbarer werden oder können sogar recht schnell zu einem Totalschaden führen. Eine Rallye-Etappe in Dirt Rally 2.0 ist daher wirklich so etwas wie eine Prüfung, die einem stetige Wachsamkeit und ein großes Reaktionsvermögen abverlangt, um erfolgreich zu sein. Wer sich darauf einlassen kann, bekommt hier ein wirklich anstrengendes, aber auch sehr genugtuendes Spielvergnügen serviert.

Erfreulicherweise hat sich Codemasters die Kritik am Schwierigkeitsgrad des ersten Teils zu Herzen genommen und bietet für den Großteil der Spielmodi einen frei anpassbaren Schwierigkeitsgrad, der Neueinsteigern oder weniger begabten Fahrern die Chance gibt, nach etwas Einarbeitungszeit ebenfalls Erfolge einfahren zu können, anstatt wie im ersten Dirt Rally irgendwann frustriert steckenzubleiben.

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Streckendesign und -umfang:: Sehr gelungen, aber es fehlt etwas an Bandbreite

Dass Dirt Rally 2.0 kein wirklich einfaches Spiel ist, liegt vor allem auch dem anspruchsvollen und kniffligen Streckendesign. Wie im Vorgänger sind insgesamt 6 Zielorte (Argentinien, Australien, USA, Neuseeland, Polen, Spanien) sind im Spiel enthalten, wobei keine der Locations aus dem ersten Teil ins Basisspiel übernommen wurde.

Die spanischen Asphalt-Strecken, die durch felsige Berglandschaften führen, sind hierbei noch am einladendsten, da sie zwar nicht ohne Tücken und Schikanen sind, aber die Streckenoberfläche genügend Grip für alle Autos bietet. Auch die Schotterstrecken in Neuseeland, bei denen sich am Streckenrand dschungelähnliche Landschaften mit weiten Wiesen abwechseln, bieten noch ein vergleichsweise moderates Streckenprofil, während die rotbrauen Pisten Australiens dem Auto und dem Spieler weit mehr abverlangen. Diese sehen zwar weitgehend harmlos aus, bieten jedoch weit weniger Grip und überraschen immer wieder schwierigen Unebenheiten, die vor allem die stärker motorisierten Fahrzeuge schnell aus dem Gleichgewicht bringen.

Die Strecken in Polen wiederum erinnert stark an die Deutschland-Strecken des ersten Dirt Rally. Hier wechseln sich Schotter- und Asphalt-Abschnitte ab, wobei die Streckenführung einem etwas natürlicheren Verlauf folgt als bei den Deutschland-Strecken, da weniger mit künstlichen Hindernissen gearbeitet wird, die Einfluss auf den Rhythmus der Strecke nehmen. Die Argentinien-Rallye hingegen ist die auffälligste und außergewöhnlichste Umgebung des Spiels, da sie durch sehr zerklüftete Felslandschaften führt und den am schwersten zu beherrschenden Schotter bietet. Insbesondere unter bestimmten Lichtbedingungen entsteht hier fast der Eindruck, durch eine Mondlandschaft zu fahren.
Australien, Spanien und die USA waren als Zielorte bereits in Dirt 4 enthalten und unterscheiden sich zwar durch ein ausgefeilteres Design, als es die Baukasten-Strecken von Dirt 4 boten, dennoch fallen die optischen Unterschiede eher gering aus. Die fällt vor allem bei USA-Rallye auf, die zwar von Michigan nach New England verlegt wurde, aber durch nahezu identische Herbstwälder führt, die mit besonders tückischen Kehren bestückt sind.

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Eis und Schnee? Nicht vorhanden

Alles in Allem ist der Streckenumfang in Dirt Rally 2.0 ziemlich mager ausgefallen. Die Rallyes des ersten Teils sind komplett entfallen. Eine Umgebung, die Schnee und Eis bietet, fehlt vollkommen. Und Australien, Spanien und die USA unterscheiden sich zu wenig von ihren Dirt 4-Varianten, um einen wirklich frischen Eindruck zu erwecken. Im Vergleich zu Dirt Rally 1 werden also nicht mehr Strecken geboten, sondern einfach nur andere Strecken. Auf dem Papier bieten 6 Umgebungen mit je 12 Strecken einiges an Abwechslung, jedoch täuschen diese Zahlen über die effektiven Inhalte hinweg. Denn jede der eigentlich nur 6 Strecken ist jeweils in einer Vorwärts- und einer Rückwärts-Variante enthalten. Zudem werden für die langen Etappen mit über 10km Länge immer wieder Versatzstücke der kürzeren Etappen wiederverwendet, was dazu führt, dass man markante Abschnitte immer und immer wieder zu sehen bekommt. Was bleibt, sind am Ende 3-4 wirklich echte, einzigartige Etappen pro Rallye, die in unterschiedlicher Form recycelt werden, um insgesamt auf 12 Etappen pro Umgebung zu kommen.

Die Qualität ist dabei durchaus vorhanden. Die Streckendesigns von Dirt Rally 2.0 sind abwechslungsreich, anspruchsvoll und bieten zudem selbst innerhalb der gleichen Location sehr unterschiedliche Abschnitte, die jeweils eine eigene Herangehensweise erfordern. Das Problem ist vielmehr, dass diese sehr guten Elemente einfach viel zu oft wiederholt werden. Wären 2 oder 3 zusätzliche Locations enthalten, wäre diese ständige Wiederholung bei weitem nicht so auffällig. Zwar ergibt sich durch unterschiedliche Licht- und Wetterverhältnisse eine gewisse Abwechslung, jedoch wird dieses Mittel zu oft eingesetzt und wirkt auf Dauer eher ermüdend als abwechslungsreich. Selbst die Übernahme von 3-4 Umgebungen aus dem ersten Dirt Rally hätte hier zumindest für Auflockerung gesorgt. Aber diese werden zum Teil (Deutschland, Schweden, Monte Carlo) erst als zusätzliche Bezahlinhalte in Saison 1 des Post-Launch-Supports angeboten.

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Rallyecross: Erneut eher eine Randnotiz

Im Rallyecross, der zweiten der 2 Disziplinen des Spiels, wird dieser Mangel an Umfang erneut deutlich. Zwar konnte Codemasters hier die offizielle FIA-Lizenz erwerben und kann dementsprechend auch die offiziellen Fahrer und Autos verwenden, aber auch hier bleibt vor allem der Eindruck, dass etwas fehlt. Mit 8 Veranstaltungsorten sind diesmal zwei mehr als in Dirt Rally enthalten, jedoch fehlen aus dem aktuellen Rennkalender Abu Dhabi, Spa, Riga und Kapstadt, während mit Mettet und Montalegre zwei Rennstrecken aus dem letztjährigen Kalender, der 12 Strecken umfasste, dabei sind. Wie man es auch dreht und wendet, bekommt man mit den 8 Strecken weder einen kompletten 2018er- noch einen kompletten 2019er-Kalender zusammen. Und wie auch bei den Rallye-Umgebungen sollen hier zusätzliche Bezahlinhalte nachgeliefert werden. Schaut man genau hin, ist der Umfang im Rallyecross sogar geschrumpft, da in Dirt Rally 2.0 zudem alle alternativen Strecken-Varianten entfallen sind und pro Umgebung nur noch die offizielle komplette Variante fahrbar ist.

Schaut man sich diese offensichtlichen Lücken bei Rallycross und Rallye an, kann man schnell den Eindruck bekommen, dass Codemasters die Kunden zum Kauf der 90 Euro teuren Deluxe Edition motivieren will. Denn diese bietet für 20 Euro Aufschlag im Vergleich zur Standardversion zwei Saisons mit je 3 Umgebungen und weiteren Autos. Selbst wenn die 3 bisher unangekündigten Rallye-Umgebungen der Saison 1 in der Saison 2 nur um 3 zusätzliche Rallyecross-Strecken erweitert wird, ergibt sich hier eine enorme preisliche Diskrepanz zwischen der Standard- und Deluxe-Variante.

Insgesamt wäre es vielleicht eine bessere Entscheidung gewesen, den Rallyecross-Modus komplett aus dem Spiel zu streichen und sich auf eine größere Vielfalt bei den Rallye-Strecken zu konzentrieren. Denn Rallyecross in Dirt Rally 2.0 ist zwar anfangs eine nette Alternative, da die sehr kurzen, aber dafür umso anspruchsvolleren Strecken mit ihren engen Tür-an-Tür-Duellen mit der KI ganz andere Anforderungen stellen als die Rallye-Etappen, aber leider verlieren die Rennen auch schnell an Reiz. Das liegt vor allem daran, dass ein vollständiges Event auf den ca. 1 km langen Strecken 26 Runden (4×4 Runden in den Qualifikationen und je 6 Runden in Halbfinale und Finale) auf den zwar anspruchsvollen, aber auf Dauer eher monotonen Strecken umfasst. Aufgrund der geringen Zahl an Strecken und -varianten stellt sich im Vergleich zu den Rallye-Etappen schnell Langeweile ein.

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Dem Karrieremodus mangelt es an Spieltiefe

Leider verstärkt sich der Eindruck, dass es dem Spiel massiv an Inhalten mangelt, auch in anderen Bereichen. Und zwar besonders spürbar im Karrieremodus. Dieser wird unter dem Namen „Mein Team“ geführt und setzt sich aus zwei Einzelspieler-Karrieren für Rallye und Rallyecross, einem Online-Bestenlisten-Modus und einem Management-Teil zusammen. Leider erfüllt dieser Modus nur ein absolutes Minimum der Erwartungen, die man an einen Karrieremodus hat.
Während Codemasters mit der F1-Serie Jahr für Jahr zeigt, wie man einen komplexen und spannenden Karrieremodus durch üppige Forschungsbäume und interessante Minispiele immer wieder verbessern kann, bietet der Karrieremodus von Dirt Rally 2.0 praktisch keinerlei Tiefe.
Durch Abschließen von Einzelspieler-Events oder täglichen und wöchentlichen Online-Bestenlisten-Veranstaltungen bekommt man Credits, mit denen man Stück für Stück sein Team verbessern kann.

Diese Verbesserungen teilen sich 3 Kategorien auf: Den Kauf von Autos, das Upgraden von Autos und das Verstärken des Teams. Der Kauf von Autos ermöglicht es, in anderen Rennklassen wie der klassischen Gruppe B oder der R5-Klasse anzutreten, während die Investition in das Team primär dem Reduzieren der Reparaturkosten/-zeiten während laufender Veranstaltungen dient, indem man das Team vergrößert oder neue Fähigkeiten für die Mitarbeiter freischaltet. Das ist soweit alles nicht sonderlich spannend, aber zumindest hilfreich. Wirklich enttäuschend fallen jedoch die Upgrade-Möglichkeiten für die Autos aus. Während man Events absolviert, findet in Hintergrund Forschung statt, die nach und nach neue Motorenupgrades – und nur Motorenupgrades – für das aktuell benutze Auto freischaltet, die man dann mit erspielten Credits erwerben kann. Zudem kann man, abhängig vom Auto unterschiedlich viele, Upgrades erwerben, die die Strapazierfähigkeit von Komponenten wie Bremsen verbessert. Weitere Performance-Upgrades, die ein besseres Handling ermöglichen oder die Bremsen leistungsfähiger machen, gibt es leider nicht. Und auch die Motoren-Upgrades kommen jeweils mit einem Nachteil daher, da jeder Schritt in Richtung mehr Leistung gleichzeitig zu größerem Verschleiß am Motor führt. Insofern sind auch die Upgrades keine echten Aufwertungen, sondern eher ein „in einem Bereich mehr, dafür im anderen Bereich weniger“. Eine interessante und motivierende Upgrade- und Forschungsschleife, wie sie Codemasters‘ F1-Serie vorhanden ist, ergibt sich dadurch nicht.

Zudem können die erworbenen Autos, die Upgrades und Mitarbeiter auch nur im Modus „Mein Team“ genutzt werden. Im Freien Spiel bekommt man stattdessen nicht-upgradebare Standardautos gestellt. Und das ist die nächste Krux des Spiels. Während das freie Spiel eine Vielzahl an anpassbaren Optionen gibt, fehlen diese im Karrieremodus größtenteils. Im Freien Spiel können entweder vordefinierte Meisterschaften gefahren werden, bei denen man zumindest den Schwierigkeitsgrad und einige andere Optionen frei wählen kann, oder man wechselt in die benutzerdefinierten Meisterschaften, die nahezu vollständig frei anpassbare Optionen bieten. Nicht nur kann man hier den Schwierigkeitsgrad und das Schadensmodell frei wählen, man kann auch die Zusammenstellung einer ganzen Meisterschaft und der einzelnen Events einer Meisterschaft ganz nach den eigenen Wünschen bestimmen. Eine vollkommen beliebige Zusammenstallung an Etappen und Disziplinen ist hier genauso möglich wie die Einflussnahme auf die Platzierung von Servicepunkten und die Wetter- bzw. Streckenbedingungen. Nur die eigenen „Mein Team“-Autos bleiben außen vor.

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„Mein Team“-Modus: Schlecht ausbalancierte Ingame-Ökonomie mit Online-Zwang

Das ist vor allem deshalb enttäuschend, weil „Mein Team“-Karrieremodus knochentrocken, unflexibel und extrem langweilig ist. Denn hinter diesem Modus stecken keine umfangreichen Karrierebäume, in denen man sich Stück für Stück von langsamen Klassen aus nach oben vorarbeitet, sondern schlicht und einfach nur je eine Menü-Optionen für je Rallye- und Rallyecross-Karriere, die zudem mit jedem in der Garage verfügbaren Autos gestartet werden können und die einen dann eine zufällig ausgewählte Zusammenstellung an absolvieren lässt, für die am Ende je nach Endplatzung mehr oder weniger Credits ausgeschüttet werden. Hat man eine solche Meisterschaft absolviert und die Gewinne eingestrichen, drückt man erneut den gleichen Knopf und bekommt eine weitere zufällig zusammengestellte Meisterschaft fortgesetzt, wobei der Schwierigkeitsgrad stetig ansteigt.
Die Erlöse, die durch die Rennen erzielt werden, fallen zudem ziemlich gering aus, während die Kosten für die Autos, die Upgrades und die Reparaturen sehr hoch ausfallen und selbst einfache Optionen das Tuning und Setup für jedes einzelne Auto erst mit Credits gekauft werden müssen. Die modernsten Autos sind dabei so teuer, dass eine einzelne mehrstündige Meisterschaft nicht mal ansatzweise reicht, um genug Credits für sie zusammenzubekommen. Und da der nicht frei definierbare, stetig ansteigende Schwierigkeitsgrad dazu verleitet, immer mehr Risiken einzugehen, um mit der KI mitzuhalten, kann eine desaströs ausfallende Etappe mit vielen Schäden am Auto auch mal dazu führen, dass die Kosten für Reparaturen die Erlöse übersteigen. Im Gegenzug kann man aber mit Sicherheitsfahrten keinen Blumentopf gewinnen, so dass sich grade Einsteiger schnell dauerhaft am Ende des Feldes wiederfinden. Der Weg hin zu einer umfangreichen „Mein Team“-Garage ist also ein ziemlich langer, grindiger und oftmals auch nicht motivierender, zumal man am Ende des Weges vielleicht auch noch einige Stunden warten muss, bis man sich sein Traumauto überhaupt erst kaufen kann, da nicht immer alle Autos auf dem Markt verfügbar sind, sondern es nur eine alle paar Stunden wechselndes Angebot gibt, das nicht alle im Spiel enthaltenen Autos umfasst.

Der ganze Karrieremodus wirkt so flach und spannungslos und lässt zudem jegliches Gefühl für echte Progression vermissen, dass man sich des Gefühls kaum erwehren kann, dass dieser nur vorhanden ist, um die Feature-Liste des zu vergrößern.

Und da der „Mein Team“-Modus zudem die täglichen und wöchentlichen Online-Bestenlisten-Rennen umfasst, in denen man die eigenen Autos ebenfalls verwenden kann, ist der Karrieremodus –in der Regel der Kern-Einzelspieler-Modus eines Rennspiels – eine „Always Online“-Angelegenheit. Vermutlich besteht dieser Zwang, um das Manipulieren von Spielständen und somit Bestenlisten-Ergebnissen zu vermeiden, er führt aber auch dazu, dass ohne Internetverbindung oder bei eingeschränkter Verfügbarkeit der Racenet-Server weder Autos gekauft noch das Team verbessert, noch Einzelspieler-Karriererennen gegen KI gefahren werden können. Bricht die Verbindung zu den Racenet-Servern während eines laufenden Events ab, so geht sogar sämtlicher Fortschritt, der nicht mit den Servern synchronisiert werden kann, verloren und man muss ins Hauptmenü zurückkehren, wenn mehrere Verbindungsversuche scheitern, da auch ein Fortführen der Meisterschaft ohne synchronisierte Ergebnisse nicht möglich ist.

Zwar mögen im Jahr 2019 die meisten Spieler während des Spielens online sein, aber dennoch ist das in dieser Form für einen Einzelspieler-Modus nicht akzeptabel. Insbesondere auch deshalb nicht, weil im Freien Spiel ebenfalls regelmäßig Ergebnisse hochgeladen werden, dort aber nicht die gleichen Einschränkungen gelten, sondern die Modi auch ohne Verbindung zu den Racenet-Servern einwandfrei funktionieren. Wer also mit einer weniger stabilen Internet-Verbindung gestraft ist und Dirt Rally 2.0 spielen will, sollte sich im „Mein Team“-Modus auf einigen Ärger einstellen.

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Ausgezeichnete Auswahl an Fahrzeugen

Während es also der Streckenliste an Umfang und dem Karrieremodus an Tiefe mangelt, kann man sich zumindest bei der Fahrzeugliste kaum beschweren. Es gibt durchaus einige merkliche Lücken, aber mit insgesamt 39 Rallye- und 12 Rallyecross-Fahrzeugen deckt Codemasters alle wichtigen Hersteller, Modelle und Rallyegenerationen ab, zumal es auch einige Modelle ins Spiel geschafft haben, die man nicht allzu häufig in Rallyespielen findet.
Besonders gelungen sind hierbei die exzellent herausgearbeiteten Unterschiede zwischen den Fahrzeugen. Jedes einzelne von ihnen fühlt sich einzigartig an und hat ganz individuelle Eigenheiten, Vor- und Nachteile. Die ältesten Fahrzeuge der H1 wie Mini Cooper sind zwar relativ langsam, aber nicht unbedingt einsteigerfreundlich, da sie sich nur relativ bockig und holprig über die Strecke bewegen lassen, während wesentlich später eingeführte Modelle wie der Mitsubishi Lancer VI selbst auf holprigem Gelände eine sehr gute Straßenlage bieten. Die Autos der Gruppe B hingegen sind, wie bereits erwähnt, absolut brutale Monster, die extremes Feingefühl und schnelles Reaktionsvermögen verlangen, um auch nur ansatzweise gezähmt werden zu können.
Insgesamt bietet sich bei der Fahrzeugauswahl ein sehr harmonisches Bild mit einer schönen Vielfalt, der für jeden Fahrertyp etwas dabei sein sollte. Für Anfänger bieten sich vor allem die moderneren Modelle ab den 90er Jahren an, während Profis sich mit der Gruppe B oder der sehr exotischen Rally GT-Klasse, in der sich Ford Mustang, Chevrolet Camaro, Porsche 911 und Aston Martin Vantage, echten Herausforderungen stellen können.

Sounddesign: Brachial und authentisch

Dass sich die Autos und Strecken so gut und authentisch anführen, liegt auch am wirklich guten Sounddesign des Spiels. Von der etwas gewöhnungsbedürftigen Musik in den Menüs mal abgesehen, hat Codemasters hier ganze Arbeit geleistet. Die Autos blubbern, röhren, zischen und knallen nur so über die Strecke. Insbesondere, wenn man über eine bereits von anderen Fahrzeugen vor einem aufgewühlte Strecke fährt, kann man den Kampf des Autos, die Traktion zu behalten und sich nicht zentimetertief in den Boden hinein zu wühlen, regelrecht hören. Der Sound des Spiels trägt maßgeblich dazu bei, dass man immer mitbekommt, wie es grade um das eigene Auto steht.

Grafisch hingegen hinterlässt Dirt Rally 2.0 in der getesteten Xbox One S-Version ein zwiegespaltenes Bild. Zwar wurde der Detailgrad des Spiels hochgeschraubt und gleichzeitig versucht, eine hohe, stabile Bildrate zu halten, das kommt aber leider nicht ohne Kosten daher. Insbesondere ab mittlerer Distanz werden viele Objekte mit deutlich geringerem Detailgrad dargestellt, der auf manchen Strecken zudem auch mit einem unschönen Unschärfeeffekt daherkommt. Das Tearing und gelegentliches Bildflackern wurde zwar mit dem Day 1-Patch deutlich reduziert, tritt aber ebenfalls immer wieder nochmal auf, was insbesondere, aber nicht nur, für besonders detaillierte Streckenabschnitte gilt. Und auf einigen der Streckenabschnitte in Argentinien, die besonders viele Bäume am Wegrand haben, sind auch extreme 10 bis 20 Sekunden anhaltende Bildraten-Einbrüche zu verzeichnen, die Spielgefühl enorm beeinträchtigen. Über alle Strecken hinweg sind die massiven Einbrüche zwar eher eine Seltenheit als die Norm, aber dennoch besteht für die betroffenen Abschnitte deutlicher Patch-Bedarf, da sich diese Probleme auch auf die Bestenlisten auswirken dürften.

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Grafik: Sehr hübsch und detailliert, aber mit Schwächen

Und obwohl Dirt Rally 2.0 insgesamt ein ziemliches hübsches Spiel geworden ist, muss man doch leider attestieren, dass das erste Dirt Rally und Dirt 4 ein deutlich harmonischeres Bild abgegeben haben. Das liegt vor allem auch an der recht aggressiven Nutzung von Post Processing- und Lichteffekten in Dirt Rally 2.0. Insbesondere die Sonneneffekte sind stellenweise extrem übertrieben dargestellt. Es stellt sich schnell der Eindruck ein, dass die Entwickler sich daran versucht haben, die Reaktion des Auges auf sich wechselnde Lichtverhältnisse darzustellen, was aber vorne und hinten nicht wirklich passt. Auf einigen Strecken, insbesondere beim Rallyecross blendet die Sonne so extrem, dass sie einem fast vollkommen den Blick auf die Strecke nimmt. Hat man dann noch Autos vor sich, die hinter sich Dreck aufwerfen, fährt man so fast blind. Dieser Effekt tritt auf den Rallye-Strecken wesentlich seltener auf, aber auch hier findet man immer wieder bestimmte Szenarien, die das Absolvieren einer Etappe zu einer echten Qual werden lassen. So gibt es in Neu England bestimmte Kombinationen aus regennasser Straße bei gleichzeitigem Sonnenschein, bei denen die blendenden Effekte aus Sonne am Himmel und Lichtreflexionen aus den verbliebenen Pfützen fast sämtliche Streckendetails überstrahlen und verschlucken.
Zudem trifft auch immer wieder der Effekt auf, dass die hellen Segmente einer Strecke zu hell und fast schon zu ausgeblichen wirken, während schattigere Segmente so dunkel sind, dass sie sämtliche Kontraste in einer dicken Suppe aus Dunkelheit verschlingen. Insgesamt entsteht hier der Eindruck, dass die Balance zwischen Hell und Dunkel sowie den Kontrasten vorne und hinten nicht passt.. Dieser Eindruck wird auch dadurch verstärkt, dass Codemasters sich bei Dirt Rally 2.0 im Gegensatz zur F1-Serie, die eine relativ natürliche Darstellung von Licht und Farben aufweist, dazu entschieden hat, oftmals einen etwas künstlerischeren Ansatz zu wählen, bei dem Farben und Licht dazu verwendet werden, um bestimmten Stimmungen und Tageszeiten übermäßig viel Ausdruck zu verleihen und so eine intensivere Wirkung zu erzielen. Und das geht leider oft nach hinten los, da die Leserbarkeit der Stecken dadurch in diversen Szenarien deutlich leidet, was im schlimmsten Fall auch dazu führt, dass die eigene Leistung nicht nur vom eigenen Können, sondern vor allem auch von der manchmal schlechten Lesbarkeit der Straßen abhängt, von der die KI wiederum nicht betroffen ist.

Multiplayer: Endlich mehr als nur Rallyecross

Wer vor allem den Wettstreit mit anderen Spielern sucht, kann im Karrieremodus in täglichen und wöchentlichen Events plattformübergreifend gegen die Zeiten anderer Spieler antreten oder im Freien echt Multiplayer-Rennen veranstalten. Die Optionsvielfalt folgt hierbei eher dem Modell von Dirt 4 als dem von Dirt Rally 2.0 und bietet dementsprechend eine üppige Anzahl an Konfigurationsmöglichkeiten. Die von Spielern selbsterstellten Ligen, in denen man in Bestenlisten-Events – und Meisterschaften gegen Freunde und Clubmitglieder antreten konnte, sind zum jetzigen Zeitpunkt jedoch leider nicht enthalten. Will man sich mit Freunden messen, so bleibt nur der Weg über die Bestenlisten, in denen alle Spieler geführt werden, oder die direkte Konfrontation im Mehrspieler-Modus. Ein asynchrones Spiel ist derzeit somit nur eingeschränkt möglich.
Die Verbindungsqualität und das Beitreten von nutzererstellten Lobbys erwies sich als problemlos, jedoch sollte man sich bei bereits laufenden Veranstaltungen und zwischen Events auf einige Wartezeit einstellen, da es anscheinend keine Zuschauermodus gibt und es zwischen den Events ein recht üppiges Zeitfenster gibt, um Anpassungen am Auto vorzunehmen.

 

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Getestete Version: Xbox One

 

 

Unser Fazit

80 %

DiRT Rally 2.0 ist gleichzeitig sowohl die aktuelle Referenz im Rallye-Genre, als auch ein ziemlich enttäuschender Nachfolger eines fantastischen Rennspiels, dem es nur daran gefehlt hat, dass an ein paar Stellschrauben (Karriere, Umfang, Schwierigkeitsgrad) gedreht wird, um es noch besser zu machen. Die exzellente, herausfordernde Fahrphysik wurde noch einmal verfeinert, so dass es keine aktuelle Konkurrenz gibt, die DiRT Rally 2.0 hier das Wasser reichen kann. Auch der Schwierigkeitsgrad wurde so angepasst, dass Einsteiger und mittelmäßige Fahrer an DiRT Rally 2.0 nach einiger Übung viel mehr Spaß haben können. Und auch das Streckendesign hat nach den fragwürdigen Ausflügen von Dirt 4 wieder die Qualität, die man von Codemasters erwartet. Aber anstatt auf dem guten Fundament von Dirt Rally aufzubauen und die Schwachstellen zu verbessern, erfindet man in vielen Bereichen das Rad einfach neu oder fängt zumindest wieder bei null an. Anstatt die Streckenliste des Vorgängers auszubauen, wird sie komplett ersetzt, wobei Teile davon auch aus Dirt 4 wiederverwendet und verbessert wurden. Anstatt das gleiche mit den Strecken aus Dirt Rally zu machen, entfallen diese komplett und werden teilweise als zusätzliche Bezahlinhalte nachgeliefert. Und der Karrieremodus bleibt so langweilig und uninspiriert wie im Vorgänger, was ebenfalls für das komplett flache Upgrade-System gilt. In diesen Bereichen herrscht schlicht und einfach kompletter Stillstand. Statt den Karrieremodus zu verbessern, wird die Spielerfahrung für die Kunden durch den Online-Zwang in einem Einzelspielermodus eher verschlechtert. Das gilt leider auch für technische Gerüst von DiRT Rally 2.0, das zwar alles andere als katastrophal ist, aber dennoch einige unschöne Kratzer im Lack aufweist. Während Dirt Rally 2.0 die Konkurrenz in einigen Bereichen in Grund und Boden fährt, bleiben andere Bereiche ausbaufähig. Nichtdestrotz ist Dirt Rally 2.0 für derzeit die mit Abstand beste Wahl im Genre der Offroad-Rennspiele.

Pro

  • + Exzellente, anspruchsvolle Fahrphysik
  • + 50 Autos aus allen Abschnitten der Rallye-Historie
  • + Fahrzeugliste deckt alle wichtigen Hersteller und Modelle ab
  • + Sehr gutes Streckendesign
  • + 6 sehr unterschiedliche Rallyeumgebungen mit jeweils eigenen Herausforderungen
  • + Im Freien Spiele viele Konfigurationsmöglichkeiten
  • + Frei wählbarer Schwierigkeitsgrad im Freien Spiel
  • + Viele Einstellungsmöglichkeiten für Fahrhilfen und Controller-/Lenkradeingaben
  • + Üppige Auswahl an Setupmöglichkeiten
  • + Zumeist sehr hübsche und detailreiche Grafik
  • + Atmosphärische Soundkulisse
  • + Sehr guter Klang, der auch Schäden am Auto akustisch „fühlbar“ macht

Kontra

  • - Vergleichsweise geringer Streckenumfang
  • - Zu wenige einzigartige Strecken
  • - Trotz FIA-Lizenz unvollständige Streckenliste der Rallyecross-WM
  • - Magerer Karrieremodus
  • - Im Karrieremodus kein Schwierigkeitsgrad wählbar
  • - Karrieremodus fällt durch hohe Kosten und geringe Einnahmen sehr grindig
  • - Online-Zwang im Karrieremodus
  • - Schwaches Upgrade-System im Karrieremodus
  • - Gelegentlich treten Tearing und Bildrateneinbrüche auf
  • - Grafik ist stellenweise entweder zu hell oder zu dunkel
  • - Zu viele Regen- und Nachtrennen bei vordefinierten Meisterschaften

Unsere Bewertung

Grafik
 
80 %
Sound
 
90 %
Steuerung
 
90 %
Gameplay
 
85 %
Multiplayer
 
85 %
Spielspaß
 
80 %

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Thommysoft ist auf Xbox-Senioren.com sowie im Schwestern-Forum PSN-Senioren.com ein Moderator und hilft mit viel Engagement den Usern bei PlayStation-Problemen weiter. Ab und an verfasst er für insidegames einen Test.

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