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DiRT Rally – Test / Review

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Veröffentlicht 24. April 2016 | 15:16 Uhr von Alexander Winkel

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Codemasters meldet sich mit DiRT Rally zurück und verschafft der angeschlagenen Serie einen grandiosen Neustart. Zurück zu den Wurzeln der ursprünglichen Colin McRae Spiel mit einer knallharten und kompromisslosen Rally-Simulation. Was hier im Kern auf die Reihe gestellt wurde, kann getrost als das Beste und anspruchsvollste Rallysport-Erlebnis in dieser Konsolengeneration bezeichnet werden – auch wenn einiges an Potenzial auf der Strecke blieb.

Der Mensch misst sich gerne an seinen Erfolgen und nicht den bitteren Niederlagen. Die meisten werden daher an DiRT Rally anfänglich verzweifeln, denn nicht selten folgt auf einem Lichtblick völlige Aussichtslosigkeit. Das Spiel geizt mit Erfolgsgeschichten und wird dahingehend als knallhart dargestellt. Vielmehr ist es aber die Beherrschung des Fahrzeuges und das Fahrkönnen, was diese Simulation abverlangt. Jeglichen Übermut am Gas wird mit einem oftmals katastrophalen Fahrfehler bestraft, welcher uns vom vermeintlichen Siegertreppchen auf die hinteren Ränge verbannt. DiRT Rally ist kein Spiel für Leute, die schnell aufgeben. DiRT Rally ist aber ein Spiel für anspruchsvolle Rennfahrer, die um jeden Meter kämpfen und mit Tuning am Fahrzeug-Setup das letzte Quäntchen an Leistung auf die Schotterpisten bringen. Wer zur letzteren Gruppe gehört, wird mit diesem Titel absolut glücklich werden.

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Anspruchsvoll bis ins letzte Detail

Damit ehrt Codemasters den Rallysport, der alles von Mensch und Maschine abverlangt und zu den anspruchsvollsten seiner Art gehört. Wer hier nicht mit Risiko und dennoch bedacht um die Kurven zirkelt und der herunter gebetenen Litanei seines Beifahrers folgt, findet sich schneller im Wald oder am nächsten Felsen wieder, als ihm lieb sein dürfte. Jede Bodenrille, Unebenheit und Schneeverwehungen drängen das Fahrzeug von der Ideallinie ab. Die Reifen greifen unterschiedlich bei wechselhaftem Untergrund und Wind und Wetter sorgen nicht nur für schlechte Sichtverhältnisse, sondern auch rutschige Pisten über Stock und Stein. Mit Herzblut waren die Entwickler bei der Sache und liefern ein Erlebnis, welches realitätsnah wie nie zuvor wirkt und uns jede noch so kleine physikalische Änderung merken lässt. Noch schöner, dass sich die unterschiedlichen Fahrzeuge von Klassikern aus den 60er, 70er und 80er Jahre bis zu den Group-B Varianten und modernen WRC-Boliden allesamt unterschiedlich steuern. Mal kämpft man mit heckgetriebenen alten Kisten, die gerne rutschen, mal mit modernen Maschinen, die nahezu in perfekter Balance zwischen Pferdestärke und Stabilität stehen.

Wie gnadenlos der Sport ist, zeigt sich von Anfang an in der Karriere. Charakteristische Etappen durch Griechenland, mit staubigen, rutschigen Bergpisten, Schweden, mit schwierigen Bedingungen im Schnee oder Deutschland mit oftmals Asphalt, aber spitzen Haarnadelkurven und Hindernissen in der Strecke, verlangen von Anfang an aller äußerste Aufmerksamkeit. Die Strecken sind durchaus abwechslungsreichen, wenn auch grafisch sehr wechselhaft präsentiert. Mal kommt man aus dem Staunen kaum heraus, vor allem wenn Sonne, Schnee und Regen mit ihren Effekten spielen, auf manch anderen Strecken wiederum biedern die ewig selben Bäume einen schon recht bald wiederum an. Viel Zeit für Sightseeing bleibt aber eh nicht, da gefährliche Kurven und Hindernisse die volle Aufmerksamkeit abverlangen. Nach vielen Stunden prägt man sich markante Stellen und Abschnitte ein. Steine, Abhänge und Baumstämme begrenzen den Raum und man kann nur bedingt von der Strecke abweichen, ohne dabei die Karosserie in Mitleidenschaft zu ziehen oder gar Strafpunkte zu kassieren. Präzises Fahrverhalten ist von Nöten, um hier heil die Ziellinie passieren zu können.

Bereits auf der ersten Schwierigkeitsstufe zeigt sich, dass langsames und bedachtes Fahren oftmals schneller ist und uns sicherer ans Ziel bringt. Denn jeder Schaden muss aus der eigenen Tasche berappt werden und zudem müssen entsprechende Techniker für Bares angeheuert werden, um die Reparaturen möglichst schnell durchziehen zu können. Gebt ihr hier etwas mehr Geld aus, bekommt ihr auch fähigere Mechaniker. Ein Auge sollte man auf deren Spezialisierung haben und diese an das eigene Fahrverhalten letztendlich anpassen. Doch egal wie man das Blatt wendet, DiRT Rally erzieht uns zur Demut und lehrt uns Respekt vor den unwegsamen, gnadenlosen Pisten und verlangt dennoch von Anfang an gezieltes, nahezu perfektes Können. Siege feiert man selten, denn die Zeiten für die Podiumsplatzierung sind für viele Sonntagsfahrer doch eher utopisch. Doch wenn einer kommt, freut man sich umso mehr!

Damit startet eine Karriere, die nur selten mit Erfolg gekrönt ist und stundenlanges Fahrtraining abverlangt, um die Strecken wie auch Fahrzeuge kennen zulernen. Durch die Nutzung der Autos werden nach und nach Upgrades hinzugefügt. Bessere Motorleistung, mehr Einstellungen am Fahrzeug-Setup und damit die Möglichkeit, das Fahrverhalten auf seine ganz persönlichen Vorlieben anzupassen. Wer mit den Zahlen jongliert, an ein paar Schrauben dreht, wird feststellen, dass sich das tatsächlich auf das Fahrverhalten auswirken kann und somit lässt sich jede Kiste mit ein wenig Geschick und Fachwissen auch optimal tunen. Eher ärgerlich wiederum, dass Fahrhilfen wie ABS, ESP und ähnliches für Anfänger zwar den Einstieg in DiRT Rally erleichtern, sich letztendlich aber extrem negativ auf die möglichen Bestzeiten auswirken und selbst auf dem niedrigsten Niveau bereits Siege unterbinden können.

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Reichlich Potenzial blieb auf der Strecke

Während der grandiosen Fahrphysik nur kaum ein Makel anhaftet – zweifelhafte Flugeinlagen nach Kollisionen mit „Kieselsteinen“ mal abgesehen – könnte die Karriere selber etwas anspruchsvoller präsentiert werden. Die schmucklosen Kacheln führen uns zu den Meisterschaften, ins Teamlager oder zu den Herausforderungen und nach bestätigter Wahl stehen uns langatmige, wenig unterhaltende Ladezeiten zwischen den Events bevor. Es reihen sich einzelnen Events und Etappen völlig prunklos und schlicht aneinander und gefühllose Zahlen entscheiden letztendlich über den Auf- oder  Abstieg in der Karriere. Eine Siegesehrung – sollte man tatsächlich mal das Glück haben – bleibt aus. DiRT Rally wird schmalspurig präsentiert und ist schlicht auf das Nötigste reduziert.

Neben den typischen Rally-Events stehen uns Hillclimb-Rennen am berühmt berüchtigten Pikes Peak sowie Rallycross-Veranstaltungen ins Haus. Während ersteres wohl dank der unglaublichen PS-Monster und doch recht kurvenreichen Strecke ein extrem anspruchsvolles Terrain offenbart, völlig egal ob man die moderne Asphaltstraße hinauf jagt oder doch die ursprüngliche staubige Piste, bieten letztere Rennvariante etwas Abwechslung und vor allem actionlastigere Rennen, die nicht nur gegen die tickende Uhr laufen. Ein Bleifuß ist aber auch dort ebenso hinderlich, wie bei den anspruchsvollen Rallystrecken. Außerdem muss man strategisch den Joker einbinden, ein kleiner Umweg, den man einmal pro Rennen fahren muss. Dennoch kann man hier etwas rabiater in die Zweikämpfe gehen, wenn bis zu fünf Kontrahenten gleichzeitig den Rundkurs befahren.

Spätestens in diesen  Rallycross-Veranstalltungen findet der Frust gegen die unglaublich starken KI-Fahrer einen fruchtbaren Nährboden. Während bei den anderen Rennvarianten nur die für viele Spieler nahezu unerreichbaren Bestzeiten am Ende einer Etappe in der Tabelle prangern und man sich wundert, wie man denn bitte schön nochmals anderthalb Minuten schneller sein soll, offenbart sich hier neben den Platzierungen bei den Meisterschaften oder dem FIA World Cup auch auf der Strecke, dass die KI-Fahrer nahezu ideal agieren und darauf getrimmt wurden, keinerlei Fehler zu machen. Diese rasen mit unglaublicher Geschwindigkeit über die Pisten und nehmen immer den idealen Kurs. Sie lassen sich dabei nur selten von ihrem Vorhaben ablenken. Wesentlich auffälliger, dass bei wiederholten Neustarts die Fahrer immer dasselbe Verhalten an den Tag legen. Es sind immer dieselben Piloten, welche sich vom Start weg an die Spitze des Fahrerfeldes drängeln und man kann sein Vermögen darauf verwetten, wer in welcher Runde den Joker zieht.

Ein weiterer Faktor ist deren rabiates Vorgehen gegenüber dem Spieler, der sein Fahrzeug vielleicht nicht ganz so perfekt um die Kurven zirkelt und mit seinem Heck gerne mal hin und her schlittert. Begibt man sich wagemutig dabei in die Ideallinie der KI-Fahrer, so fahren diese gerne ungebremst in ihren Kontrahenten und verdonnern uns damit auf die hintersten Plätze. Selten rotiert dann auch die KI, oft kommt sie nahezu unbeschadet davon und lacht sich vermutlich dabei noch ins Fäustchen. Kein Vergleich zu Forza Motorsport, wo die KI normalerweise darauf bedacht ist, jeden noch so kleinen Lackschaden zu entgehen und damit den körperlichen Kontakt zur Konkurrenz tunlichst vermeidet.

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Aufholbedarf in der Onlineanbindung

Da lobe ich mir die täglichen, wöchentlichen und monatlichen Herausforderungen. Mit nur einem einzigen Versuch gilt es grandiose Bestzeiten abzuliefern und sich damit in der Weltrangliste für kurze Zeit zu verewigen. Ein Fehler, ein Totalschaden und die Chance ist vergeben, denn eine Wiederholung wird nicht gewährt. Ärgerlich, wenn man dadurch vorzeitig aus dem monatlichen Event heraus fliegt, aber auch der Nervenkitzel dieser Events. Außer etwas Kleingeld auf dem Konto und Prestige bringt einem das nicht. Es ist aber eine Genugtuung, wenn man sich gegen die Spieler der Welt behaupten und mit jeder Sekunde die man besser ist, weiter oben platzieren kann.

Die Bestenlisten zeigen, dass es durchaus Spieler da draußen gibt, die DiRT Rally bis zur Perfektion beherrschen und damit unglaublich gute Zeiten fahren, welche selbst KI-Fahrer in den Schatten stellen. Das mag frustrierend wirken, letztendlich ist es aber auch ein Motivationsfaktor, um an seinem Geschick und Können zu arbeiten. Leider hat Codemasters diesen Strohhalm nicht wirklich aufgegriffen und daraus mehr gemacht. Rekorde, weder der Freunde noch anderer Spieler, können vorab bei individuellen Rennen nicht eingesehen werden und werden erst nach Abschluss einer Etappe im Ergebnisbildschirm präsentiert. Warum kann man da nicht vorher einen Blick darauf werfen? Eigene Ghostdaten und der Austausch dieser mit Freunden würde dazu beitragen, dass man seine Schwächen erkennt und somit an jeder einzelnen Kurve arbeiten könnte. Doch so etwas wie Rivalen aus Forza oder Geisterfahrer sucht man in DiRT Rally vergebens.

Immerhin bietet die Karriere mit den PVP-Events einen Rallycorss-Onlinewettbewerb. Drei Rundkurse mit unterschiedlichen Ausbaustufen sorgen aber leider nicht für sonderlich viel Abwechslung, so dass nach einem Abend bereits die Luft raus ist. Zudem läuft der Onlinemodus nicht ganz so stabil, wie man es sich wünschen würde. Es kommt zu heftigem Ruckeln, wenn Spieler in die Session ein- oder aussteigen bzw. wenn DiRT Rally versucht, einen Wust an Sprachnachrichten umzusetzen. Ab mehr als vier Teilnehmern wird das Feld zudem auf zwei einzelne, parallel laufende Events aufgeteilt. Erstaunlicherweise sind aber „Übergriffe“ erkennbar, wenn Schilder durch einen Unfall der anderen Session im eigenen Rennen zu Bruch gehen oder der Sprecher von Überholungen redet, die gar nicht stattgefunden haben. Den Versuch, Onlinerennen anbieten zu können, hätte sich Codemasters daher sparen können.

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Unser Fazit

85 %

Codemasters hat der DiRT Reihe wieder frischen Wind eingehaucht und eine der besten Rally-Simulationen dieser Generation auf die Beine gestellt. Was dieser Titel an grandiosen Strecken, variantenreichen Pisten und vor allem Anspruch im Bezug auf Fahrzeugbeherrschung und Können offeriert, stellt alles in den Schatten, was es bis dato gegeben hat. Es ist ein knallhartes Rennspiel, welches Fehler kaum verzeiht und den Spieler zur Demut erzieht. Lerne die Maschine kennen, lerne mit ihren Tücken umzugehen und feiere kleine Erfolge, ohne dabei auch nur im Geringsten wirklich schnell das Siegertreppchen zu erreichen. Das ist harte Arbeit und doch wenn man sich darauf einlässt, motiviert DiRT Rally ungemein, besser zu werden und neue Rekorde zu schaffen. Es gibt vieles, was bei all diesen positiven Aspekten auf der Strecke geblieben ist, siehe Liste der Kontrapunkte. Damit hat Codemasters aber noch reichlich Potenzial nach oben, um aus dieser Simulation bei einem möglichen Nachfolger das beste Rally-Spiel aller Zeiten zu machen.

Pro

  • + Superbe Fahrphysik bei der man auch jegliche Änderung am Fahrzeug-Setup spürt.
  • + Abwechslungsreiche, durchdachte und teils sehr anspruchsvolle Strecken, die man sich mit der Zeit aber durchaus einprägen kann.
  • + Tägliche, wöchentliche und monatliche Herausforderungen liefern einen tollen Kampf um Bestzeiten mit jeweils nur einer Chance (kein erneutes Starten möglich)
  • + Das Spiel belohnt zwar selten, aber umso mehr freut man sich dann über den Sieg und seine Leistung.
  • + Das wohl beste Rally-Erlebnis derzeit, wenn man auf anspruchsvolle Simulationen steht.

Kontra

  • - Extrem simple Aufmachung der Menüs und Karriere sowie lange, aber wenig unterhaltende Ladezeiten.
  • - PVP-Onlinemodus wird nach einem Abend bereits vollkommen langweilig aufgrund der Ladezeiten und ständigen Wiederholungen der Strecken.
  • - Man hätte viel mehr in Richtung Rivalitäten mit Freunden machen können.
  • - Warum kann ich Bestzeiten nicht vor dem Rennen einsehen und gegen Ghostdaten fahren? Das hätte viel Lehrpotenzial gehabt.
  • - Grade bei Rallycross zeigt sich das aggressive sowie unfaire Verhalten der KI durch gefühlt vorgegebene Ideallinie und Rundenzeiten. Wehe man Wagt es, ihnen im Weg zu stehen.
  • - Ähnlich fühlt man sich auch in der normalen Rally, wo nur perfekte Fahrweise einen an die Bestzeiten der Kontrahenten bringen kann.
  • - Für viele Spieler wird DiRT Rally zu anspruchsvoll sein. Es ist eher nur Freaks und Simulationsfreunden zu empfehlen.

Unsere Bewertung

Grafik
 
80 %
Sound
 
70 %
Steuerung
 
90 %
Gameplay
 
85 %
Multiplayer
 
60 %
Spielspaß
 
85 %

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Aufgewachsen mit der ersten Nintendo-Konsole, fühlt sich Alexander Winkel eigentlich auf allen Plattformen heimisch. Trotz seiner offensichtlichen Hingabe zur Xbox – die vielen Gamerscore Punkte erspielen sich nicht von selbst – lässt er seine Schreibwut an allen Videospielen aus, unabhängig vom System.

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