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Driver: San Francisco – Review

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Veröffentlicht 13. September 2011 | 19:28 Uhr von Keysjore

Letzte Änderung 16. Januar 2013

Driver SF - 0005

Mit Driver: San Francisco kehrt die legendäre Rennspiel-Serie zurück. Nach einem knallharten Untergang hätte man fast nicht mehr mit einer Fortsetzung gerechnet. Der bereits fünfte Teil der actiongeladenen Rennspiel-Reihe, will an die Tugenden des Erstlingswerk anknüpfen. In der Hauptrolle treffen wir auf John Tanner der erneut seinem Erzfeinden Charles Jericho hinterherjagt. Ob der fünfte Teil die Serie retten kann, erfahrt ihr in unserem umfangreichen Test.

Aufstieg und Untergang

Vor zwölf Jahren sorgte der erste Teil von Driver für Begeisterung bei Fans von schnellen Schlitten mit seinen rasanten Verfolgungsjagden mit protzigen Autos im Stile der 70er Jahre. Driver hatte damit 1999 eine Lücke in dem breiten Genre der Rennspiele entdeckt, das es zu diesem Zeitpunkt noch nicht gab.
Aber anstatt bei den Tugenden zu bleiben, musste für den zweiten Teil etwas neues her. Cop Tanner – schon damals Protagonist – lernte aus seinen Fahrzeug auszusteigen und wurde zum aktiven Fußgänger. Das dieser Schlag nach hinten los ging, hat Entwicklerstudio Reflections wohl nicht erwartet. Und so wurde der zweite Teil der Driver-Serie von dem Schatten des übermächtigen GTA III erschlagen.
Mit Driv3r sollte schließlich alles besser werden. Denn was ist cooler als Laufen? Richtig, laufen und ballern. So bekam Tanner ein paar ordentliche Knarren in die Hand gedrückt und feuerte sich durch die Missionen. Als Dankeschön erntete der Teil herbe Kritiken und eine Metascore, die bis heute bei 57 Prozent liegt.
Der Nachfolger “Driver: Parallel Lines” bügelte die Schwächen des dritten Teils aus und ließ den Protagonisten (diesmal nicht Tanner) im Auto. Bei den Kritikern wurde das Spiel immerhin nicht verrissen, sorgte aber auch nicht für begeisterte Jubelstürme. Kommerziell hatte die Reihe aber schon bessere Zeiten erlebt.
Nach soviel Misserfolg standen die Chancen gut, dass Driver nie wieder ein Laufwerk beschmutzen würde. Doch falsch gewettet: Cop Tanner ist nicht so leicht klein zu kriegen und so steht er erneut im Rampenlicht des unvermeidlichen fünften Teil – „Driver: San Francisco“. Dieses Mal wollen die Entwickler aus ihren Fehlern gelernt haben. „Back to the Roots“ ist das Motto der sprichwörtlichen Wiederauferstehung von Driver.

Alle guten Dinge sind fünf

„San Francisco“ knüpft an das offene Ende von Driv3r an. Ob der gute Tanner heil davon gekommen ist, bleibt keine offene Frage mehr. Auch im fünften Teil jagt er Gangsterboss und seinem alten Rivalen Charles Jericho hinterher. Dieser hat nämlich bei seiner Verlegung die Wachen überwältigt und flüchtet im voluminösen Gefängnistransporter. Natürlich hängt sich unser Held John Tanner an die Fersen des Widersachers und liefert sich mit ihm eine zerstörerische Hatz, die für ihn beinah tödlich endet. Überraschenderweise landen wir gleich zu Beginn des Spiels im Krankenhaus und liegen fortan im Koma. John verlernt also im fünften Teil nicht nur das Laufen und ist gleich ans Bett gekettet. Hier nimmt das Spiel auch schon eine völlig unerwartete Wendung, indem Tanner die Verfolgung von Jericho in seinen Komaträumen wieder aufnimmt. Neben dem scheinbaren Ausknipsen physikalischer und logischer Begebenheiten, hat der Protagonist eine neue, entscheidende Fähigkeit – die Shift-Funktion. Mit diesem Feature kann der knallharte Cop mit seinem Astralkörper über die (erträumte?) Stadt schweben und nach Missionen Ausschau halten. Nicht selten übernimmt der Bulle mit dem Gutmensch-Komplex dabei die Rolle eines friedlichen Bürgers, der eigentlich nur seinem täglichen Geschäft nachgehen will und/oder sich in einer bedrohlichen Lage wiederfindet.  So shiftet Tanner in den Körper eines Fahrschülers, der dank gewagter Manöver den Puls des Fahrlehrers auf 180 bringt oder in die Rolle eines gewöhnlichen Streifenpolizisten, der grade hitzig den Bankräuber durch die Stadt scheucht. Das virtuelle San Francisco fühlt sich lebendig an und es gibt eine Menge zu tun, auch wenn sich das Missionsdesign nach einer Weile durchaus ähnelt: Spring über einen Transporter, im Zielbereich springen oder meistere einen 30 Meter Sprung. Driver SF versucht die Gebundenheit an einem fahrbaren Untersatz zu kompensieren, indem es den Missionsbackground möglichst skurril darstellt und so die sonst monotone Grundmechanik übertüncht. Spielerische Freiheiten gibt es nur wenige. Die Ziele sind immer klar definiert und auch das gigantische San Francisco bietet nur selten interessante Möglichkeiten um es frei zu erkunden. Wer also mit einem Sandbox-Titel wie GTA oder die alten Fußgänger-Driver rechnet, wird enttäuscht werden. Die Missionen werden einzig und alleine mit dem schwebenden Geiste Tanners ausgewählt.

Gutmensch-Komplex

Der Missionen in San Francisco werden in zwei Gruppen geteilt: Es gibt gelb markierte Missionen, die ihr erledigen müsst, um in der Story weiterzukommen, und blaue Missionen, die vollkommen freiwlilig sind. In den Story-Missionen schlüpft ihr wiederum einerseits in die Körper Fremder und erledigt die unterschiedlichsten Nebenmissionen, wo ihr hingegen in Tanner-Missionen im Körper des besagten Polizisten seid. Dieser ist nämlich in der Komawelt putzmunter und verfolgt weiter die von ihm ersponnene Version der Geschichte.  Die Story ist erzählerisch durchaus gelungen, der Inhalt nicht unspannender als ein Hollywoodstreifen. Ein entflohener Verbrecher, eine mysteriose Killerin, etwas Entführung, eine Prise Chemie – alles nichts Neues. Wäre da nicht die feste Tatsache, das unser Protagonist in Wirklichkeit an ein Krankenbett gefesselt ist und im Koma liegt. Der ganze surreale Mischmasch, der über zahlreiche Fridge Logic verfügt, versucht zumindest die Logiklöcher mit einer netten Story zu füllen. Wer dem ganzen Koma-Wirrwarr den Rücken zeigt, wird mehr Gefallen an der an Kino-Blockbuster erinnerden Story finden. Die Geschichte wird besonders durch viele Cutscenes vorangetrieben, die einerseits vorgerendert und in Spielgrafik gezeigt werden. Eine Art Whiteboard mit Fotos aller bisher getroffenen Charaktere fasst ein abgeschlossenes Kapitel zusammen und nach jedem Konsolenneustart lässt ein klassisches „Was bisher geschah“ die bisherige Geschichte Revue passieren. Das tut Driver mehr als gut und hilft der vollen Portion Auto etwas an Farbe zu gewinnen.

Eine strahlende Stadt

Bei der Grafik kann man sich nicht beschweren. Das Spiel ist hübsch und bringt einem das sonnige San Francisco näher. Apropos sonnig: Im virtuellen San Francisco von Driver ist es jedoch immer sonnig, da es keine Tag- und Nachtwechsel gibt, sowie das Wetter so gut wie immer gleich bleibt. Nur in einigen wenigen Missionen zieht Nebel auf, der auf einmal die hübsche Hafenstadt wie ein Relikt aus einen N64-Spiel aussehen lässt.
Beeindruckend ist die Visualierung der Shift-Funktion, wenn man sich nahtlos aus dem Wagen bewegt und ohne nachladende Texturen oder ähnlichen technischen Schwierigkeiten auf die gesamte Stadt blickt.
Die Steuerung ist anfangs gewöhnungsbedürftig. Für den von Arcade-Racern und Open World-Spielen verwöhnten Benutzer wirkt die Steuerung zu Beginn überempfindlich. Nachdem man sich jedoch dran gewöhnt hat, fährt man in typischer Car-Chase-Tradition schlitternd um die Ecke und kann die Begeisterung von Creative Director Martin Edmundson über alte Autofilme endlich nachvollziehen.
Wo wir gerade bei überschwänglicher Begeisterung sind: Es wird wahrscheinlich den Autofanatiker Edmundson freuen, dass jedes, aber auch absolutes jedes Fahrzeug im Spiel so im echten Leben zu finden ist (im Gegensatz zu Driv3r, wo die Autos nur realen Vorbildern nachempfunden wurden). Egal ob Familienkutsche, Taxi, Müllwagen, Strandbuggy, Sportschlitten und Kleinwagen, jeder fahrbare Untersatz wurden von den Herstellern lizenziert. Sogar außergewöhnliche Autos wie der VW Käfer oder der aus „Zurück in die Zukunft“ bekannte Delorean finden sich in „Driver: San Francisco“ wieder. Ich glaube Tanner hat sich darüber auch vor Freude ins astrale Höschen gemacht.

Aufleveln mit außerkörperlichen Erfahrungen

Der Verbrecher rast im roten Pick-Up quer über die Kreuzung, die Polizei ist ihm dicht auf den Fersen. Nur noch die Straße runter, dann hat er seine letzte Ladung abgeliefert und ist die Bullen los. Plötzlich zuckt ein Blitz durch den harmlosen Lieferwagen ein paar Meter vor ihm in Gegenverkehr. Das langsame Fahrzeug verwandelt sich in einem flotten Polizeiwagen und rammt den Gejagten frontal. Der Pick-Up ist Schrott, die Runde beendet. Über die Lautsprecher hört man die Sieger jubeln und den Verlierer leise fluchen.
Auch Tanners Shift-Feature aus der Kampagne findet sich im Multiplayer-Modus von „Driver: San Francisco“ wieder. Wieso plötzlich Normalsterbliche das Auto wechseln können, wie andere Menschen die Unterwäsche, wird zwar von Reflections nicht erklärt, aber wir wundern uns auch bekanntlich nicht darüber, wieso Supersoldaten sich auf ringförmigen Welten sich gegenseitig Fahnen abluchsen.
Rennspiele und Multiplayer sind sowieso in der Vergangenheit eine, nun ja, schwierige Kombination gewesen. Alles was über „Wir fahren jetzt so-und-soviele Runden und wer zuerst durch’s Ziel ist, hat gewonnen.“ hinausgegangen ist, hat selten funktioniert und wurde noch seltener von den Spielern angenommen. Aber das neue Driver schafft es den Thrill und die motivierenden Mechaniken der gängigen Multiplayer-Shooter sich anzueignen und auf die fahrbaren Untersätze zu übertragen.

Da hätten wir das mittlerweile bei allen möglichen (Call of Duty, Battlefield und das RPG deines Vertrauens) und unmöglichen (L.A. Noire) Spielen so beliebte Level-System mit dem man bei steigenden Rang neue Profilbilder, Fähigkeiten und Wagen freischalten kann. Aber auch die verschiedenen (freischaltbaren) Spielmodi lehnen sich an beliebten Multiplayer-Spielen an. Es gibt eine eigene Capture The Flag-Variante, einen Modus bei dem man seine Basis gegen heranrasende Feinde verteidigen muss, oben beschriebenes Räuber-und-Gendarme-Szenario, aber auch klassische Rennen, die man mit und ohne Shift spielen muss, sowie Team- und Einzelgänger-Kategorien. Das funktioniert nach anfänglicher Verwirrung meistens überraschend gut und man fragt sich wieso die großen Rennspielreihen das nicht ähnlich toll hinbekommen haben.
Ärgerlicherweise kann auch Ubisoft mittlerweile von den Verlockungen des „Project Ten Dollar“ nicht die Finger lassen, um gegen den Gebrauchtmarkt anzustänkern. So liegt neuen Exemplaren von „Driver: San Francisco“ der sogenannte „Uplay Pass“ bei, mit dem man den Multiplayer, sowie den aus früheren Teilen bekannten Regie-Modus freischalten kann. Wer das Spiel gebraucht kauft, darf 10 Euro für einen fehlenden Pass berappen. Ich kann nur mit den Kopf schütteln über solch eine Dreistigkeit.

Treffen sich Aretha Franklin, Beck und Fox Mulder bei einer Nahtod-Erfahrung.

DRIV3R, der unsägliche dritte Teil der Reihe, war ein spielerisches Desaster, doch sein Soundtrack gehörte zu den besten und stilsichersten der vergangenen zehn Jahre. Das gute Händchen für musikalische Unterlegung bewies man wieder beim Nachfolger „Driver: Parallel Lines“ und auch bei „San Francisco“ kann man nur den Hut ziehen vor Reflections Song-Auswahl. Selten klang eine spielbare Nahtod-Erfahrung so gut. Jüngere Bands wie LCD Soundsystem, Elbow, The Noisettes und The Black Keys finden sich im Ingame-Radio, aber auch ältere Semester wie die Funkadelics, The Cure und Aretha Franklin wabern durch den virtuellen Äther. Auch die Eigenkompositionen von Marc Canham gefallen und wecken Erinnerugen an alte Car-Chase-Movies aus den 70ern.
Die Synchronisation ist, wie man es von Ubisoft gewohnt ist, wieder gelungen. So spricht John Tanner mit der Stimme von David Nathan, der auch schon Paul Walker oder Spike aus „Buffy“ die deutsche Sprache in den Mund legte. Tanners Partner, Tobias Jones, wird von Benjamin Völz vertont, den man auch als deutsche Stimme von David Duchovny, Keanu Reeves und Charlie Sheen kennt. Für Oberfiesling Jerichos Übersetzung ist Martin Keßler zuständig, den man als Synchronstimme von Nicolas Cage und Vin Diesel kennt.

Unser Fazit

90 %

„Driver: San Francisco“ ist nach der Katastrophe von Driv3r der Lichtblick der Reihe. Dem Spaziergängertum wurde abgeschworen und durch astrales Shiften innerhalb einer Nahtoderfahrung ersetzt. Das klingt merkwürdig, macht aber im Spiel jede Menge Spaß, dank der überraschend abwechslungsreichen und auch oft amüsanten Missionen. Das Spiel hat Humor und Seele, bleibt aber auch in den richtigen Momenten spannend. Eine tolle Hommage an alte Car-Chase-Filme und ein spielgewordener Sommer-Blockbuster.

Pro

  • gutes Charakterdesign
  • detaillierte Stadt
  • großartiges Farbspiel
  • schöne Render-Videos
  • tolles Geschwindigkeitsgefühl
  • zahlreiche verschiedene Fahrzeugmodelle
  • 4 Kameraperspektiven
  • bekannte Sprecher
  • fantastischer Musikmix
  • interessante Shift-Funktion
  • passendes Steuerungsgefühl
  • solide Blockbuster Story
  • 300km großes San Francisco
  • viele Nebenmissionen
  • unzählige Extras und Upgrades
  • Kaufsystem & Ausbau der Werkstatt
  • angenehmer Schwierigkeitsgrad
  • abwechslungsreicher Mehrspieler
  • neuartige Mehrspieler-Modi
  • 8 Offline-Modi
  • 11 Online-Modi
  • durchdachtes Levelsystem
  • separates Multiplayer-Tutorial

Kontra

  • sinnfreie Geschichte
  • Schadensmodell nur vordergründig
  • kein Tag und Nachtwechsel
  • kleinere Grafikfehler
  • etwas eintöniges Missionsdesign
  • gewöhnungsbedürftigte Steuerung
  • Fahrverhalten nicht jedermanns Sache
  • schwache Bremsfunktion
  • U-Play Passport erforderlich

Unsere Bewertung

Grafik
 
80 %
Sound
 
90 %
Steuerung
 
70 %
Gameplay
 
80 %
Multiplayer
 
90 %
Spielspaß
 
10 %

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