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Etherborn – Test / Review

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Veröffentlicht 21. Juli 2019 | 16:50 Uhr von Alexander Winkel

Etherborn-screen

Mit optischen Inspiration basierend auf surrealen Werken manch Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts offenbart Etherborn von Altered Matter ein Puzzle-Abenteuer, bei dem man im wahrsten Sinne des Wortes um die Ecken denken muss, um der zugleich tiefgreifende Story bis zum Ende folgen zu können. Wir haben uns bereits vor einiger Zeit mit dem Werk beschäftigt und wurden durchweg gut unterhalten. Was diesen Titel auszeichnet und wo man noch mehr Arbeit reinstecken könnte, erfahrt ihr im Test.

Etherborn greift, sehr ungewöhnlich für ein Puzzle-Plattformer, bewegende Gedankengänge auf und formt diese zu einer unterschwellig präsentierten Hintergrundgeschichte. Als noch formloses, charakterloses Ich startet eine schier durchsichtige Silhouette in die surreale Welt und folgt einer namenlosen und körperlosen Stimme. Während wir anfänglich noch die Lebensadern, die Arterien und das schlagende Herz beobachten können, formen sich Laufe der 3-4 Stunden bis zum Abspann die Gedanken – vor allem geht es um die Schaffung der Persönlichkeit und einer eigenen Stimme, die heutzutage durch die Einflüsse der bestehenden Weilt und Umgebung gesteuert wird sowie völlige Freiheit dann doch missen lässt.

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Tiefer wollen wir in diesen philosophischen Teil von Etherborn nicht eintauchen, damit ihr selber noch genügend zu entdecken und zum nachdenken habt. Soviel sei gesagt, dass auch die surrealen Welten, mit ihren verquerten Rätseln und vor allem der audiovisuellen Präsentation unterbewusst auf die Geschichte eingehen und bestens die Thematik aufgreifen. Jeder Abschnitt kommt mit eigenen Farbtönen daher und beweist eine eigenständige Charakteristik. Manch Künstler wie Giorgio de Chirico oder Eduardo Chillida standen wohl Pate für die Ausarbeitung von Etherborn. Auch die herrliche Klaviersonaten, passend auf jeden Abschnitt abgestimmt, zusammen mit dem orchestralen Soundtrack gehen ins Ohr und sorgen für ein geradezu entspanntes Spielvergnügen. Denn Etherborn hetzt nicht, gibt euch Zeit, um über die Story, aber auch die Rätsel nachzudenken und sorgt mit einem mehr als fairen Checkpointsystem dafür, dass Frust eigentlich gar nicht aufkommen kann.

Die Spielmechanik ist prinzipiell äußerst simpel, das Spielgefühl jedoch nur schwer zu Papier zu bringen. Jede Welt für sich offenbart sich als ein Rätsel, denn ihr dreht und wendet diese durch den Wechsel der Gravitation. Runde Ecken (ja, das hört sich verkehrt an, ist aber so) sowie Rampen sorgen dafür, dass die durchscheine Figur plötzlich an Wänden entlang laufen kann. Die Perspektive wird sogleich gekippt und somit auch die Schwerkraft. Denn nun muss man jenen Abschnitt aus einer ganz anderen Sicht betrachten. Was vormals eine Wand war, ist nun die Ebene, auf der man mit beiden Beinen steht. Mit diesem Element spielt Altered Matter nun hervorragend herum, ermöglicht gewiefte Schritte und Wege, die auf dem ersten Blick kaum ersichtlich sind und die grauen Gehirnzellen ordentlich ins Grübeln bringen.

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Hat man die Mechanik durchschaut, fühlt sich Etherborn spielerisch nahezu perfekt an, sieht man von einigen Kameraproblemen und damit auch einstweilig hakeliger Handhabe der Figur mal ab. Ihr blickt um die Ecke, untersucht tiefer gelegene Plattformen zunächst rein mit dem Auge und Kamera, um alsdann einen Weg dorthin zu finden. Mit jedem neuen Abschnitt kommen weitere Elemente hinzu. Leuchtende Kugeln dienen zum aktivieren von Schalter, die wiederum Brücken bauen oder ganze Abschnitte in die aktuelle Welt einfügen. Nicht selten müsst ihr diese auch ein paar mal ein und ausschalten, um alle nötigen Objekte zu bekommen. Bewegende Stifte und  Plattformen sorgen für weitere Schwierigkeiten. Vor allem im Zusammenspiel mit der Schwerkraft, der Gravitation und damit den Bewegungen der Plattformen kommen so einige gewiefte Rätsel auf, die uns sehr gut gefallen haben.

Alles in allem bietet Etherborn durchdachte Denkaufgaben, die sich zumeist rein auf die Perspektive und die Schwerkraft beziehen. Ihr müsst die Wege finden, entsprechend um den „Würfel“ zu laufen und damit den Ausgang aufzudecken. Die Geschichte rückt auf Dauer etwas in den Hintergrund, da man selber eher gleich die Welt erkundet, anstatt der Stimme zu lauschen. Diese ist leider nur in Englisch vorhanden, deutsche Untertitel machen die philosophischen Gedanken jedoch für jeden verständlich. Letztendlich, sobald die Spielmechanik in Fleisch und Blut übergegangen ist, stellt sich Etherborn auch nicht als sonderlich schwer heraus. Der Abspann flimmert mit etwas Geduld bald über den Bildschirm. Nach Abschluss fordert Altered Matter die Spieler nochmals mit einem Game+ Modus heraus. Ihr sollt eure Grenzen ausloten und die Reise erneut beginnen, wobei die Welten identisch sind, jedoch die wichtigen Lichtsphären anderweitig versteckt wurden. Dadurch müssen alternative Routen gefunden werden, was durchaus ein weiteres Mal ganz unterhaltsam ist. Nach Abschluss des zweiten Durchganges ist jedoch die Luft raus. Wir hatten nach etwa fünf Stunden alles erreicht, was uns der Titel zu bieten hat.

 

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Bild 1 von 19

 

Getestete Version: Xbox One

Unser Fazit

70 %

Die Entwickler haben sich bezüglich der Hintergründe um den schemenhaften Hauptcharakter einiges an Gedanken gemacht und diese sowohl optisch als auch akustisch in Etherborn einfließen lassen. Letztendlich rutscht die philosophische Geschichte jedoch in den Hintergrund, da man sich eher um des Rätsels Lösung Gedanken macht. Das Spiel mit der Gravitation ist den Entwicklern gelungen. Uns haben die kleinen Denkaufgaben, die völlig entspannt, ohne jede Hetze oder Zeitdruck gemeistert werden, durchaus gefallen. Letztendlich ist Etherborn jedoch kein wirklich komplexes Puzzle-Abenteuer geworden und nach einigen wenigen Stunden ist auch der zusätzliche Durchgang erledigt, so dass sich das Spielvergnügen auf etwa fünf Stunden begrenzt. Manch einer hätte etwas mehr und Inhalt erwartet.

Pro

  • + Herrlich verquere Rätsel stellen die Welt im wahrsten Sinne auf den Kopf. Das macht durchaus richtig Laune.
  • + Orchestralsoundtrack mit stimmigen Klaviersonaten.
  • + Ansteigender Schwierigkeitsgrad, jedoch nie wirklich unfair.
  • + Nach Beendigung gibt es es ein New Game + mit anders versteckten Leuchtkugeln.

Kontra

  • - Steuerung manchmal hakelig durch die beständigen Kameraschwenks.
  • - Mit Tutorial besteht Etherborn aus nur fünf Welten. Da hätte man durchaus deutlich mehr erwartet.
  • - Dadurch ist das Abenteuer selbst mit New Game + in etwa 5 Stunden ohne Lösung erledigt.
  • - Die philosophische Story ist etwas verworren und nebensächlich.

Unsere Bewertung

Grafik
 
65 %
Sound
 
85 %
Steuerung
 
70 %
Gameplay
 
70 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
65 %

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Aufgewachsen mit der ersten Nintendo-Konsole, fühlt sich Alexander Winkel eigentlich auf allen Plattformen heimisch. Trotz seiner offensichtlichen Hingabe zur Xbox – die vielen Gamerscore Punkte erspielen sich nicht von selbst – lässt er seine Schreibwut an allen Videospielen aus, unabhängig vom System.

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