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F1 2016 – Test / Review

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Veröffentlicht 15. Dezember 2016 | 17:11 Uhr von Thomas Pfnür

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Fragt man die interessierte Spielerschar, was sie mit F1 2015 in Verbindung bringt, wird sicher die Mehrheit auf die komplett fehlende Karriere verweisen. Für den insgesamt sehr mageren Umfang durfte der Titel dann auch genug Prügel, vor allem durch die schreibende Tester-Zunft, einstecken. Spielerisch gab es dagegen an der Rennsimulation nur wenig zu kritisieren. Und die aktuelle Umsetzung? Macht F1 2016 etwas besser? Bietet der Titel sogar mehr? Vielleicht endlich auch eine tiefgängige Rennkarriere? Seht dazu den Test.

Bekanntes Fahrgefühl und sensible Steuerung 

Am grundsätzlichen Fahrgefühl hat sich beim Nachfolger nicht wirklich viel geändert. Die Turbomotoren zeigen immer noch ihre Besonderheiten und fordern einen sehr sensiblen Gasfuß. Nach wie vor gibt es enorm viele Möglichkeiten seinen Boliden über die diversen Setup-Optionen nach den ganz eigenen Vorlieben einzustellen und so das spezielle Setting für die besonders schnelle Rundenzeit zu finden. Und auch das bereits aus den Vorgängern bekannte, sehr umfangreiche Hilfepaket, das euch, wohl mittlerweile Rennspieltypisch, praktisch alles zuschalten lässt, was das Fahrerleben leichter macht, ist wieder vorhanden. Von der Ideallinie, über ABS, Traktionskontrolle und Bremsassistent, bis hin zum Automatikgetriebe wird dem geneigten Spieler praktisch alles für seine Bedürfnisse geboten. Übrigens auch wieder an Bord: Die Rückspulfunktion. Jede Aktion kann mit einem Tastendruck rückgängig gemacht werden und zwar unendlich oft. Frust kommt da nur wenig auf. Und den nötigen, leichten Zugang bietet das Spiel damit natürlich auch.

Aber eben auch die immer gern genommene Forderung. Etwa bei der Steuerung, die gerade auf dem Controller extrem sensibel ausgefallen ist und daher einerseits viel Gefühl einfordert, andererseits aber eben auch ein passendes Feedback bezüglich des Boliden-Handlings liefert. Oder bei der sehr gut umgesetzten Reifenabnutzung, die es euch, je nach Reifenhärte früher oder später, deutlich merken lässt, wenn sich der Gummi schön langsam auflöst. Oder bei den nun manuell ausführbaren Starts bzw. Boxen-Anfahrten, welche von euch nicht nur schnelle Reaktion, sondern auch vorsichtigen Umgang mit den Aktionstasten erwarten.

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Das absolute Highlight ist und bleibt aber das dynamische Wetter, vor allem auch dessen Einfluss auf das Fahrverhalten des Wagens. Der direkte Wechsel von Trocken auf Nass oder Nass auf Trocken wurde von keinem Rennspiel bisher so gut umgesetzt. Ein plötzlicher Regenschauer, auf falschen Reifen, mit falschem Setting und fehlender Zurückhaltung bei der Geschwindigkeit, kann schnell das Aus bedeuten. Andersherum führt aber auch eine abtrocknende Strecke zu enormen Zeitverlust – wenn man nicht entsprechend schnell reagiert, etwa mit einem spontanen Wechsel der Pneus. Kurz: Die große Stärke von F1 2016 ist die extrem realistische und deshalb auch enorm anspruchsvolle Fahrphysik.

Kommen wir zu der KI-Konkurrenz. Zwar gibt es schon so manchen Aussetzer der Computergesteuerten Fahrer, die einem manchmal die Zornesröte, manchmal aber auch nur ein Grinsen ins Gesicht zaubert, im Großen und Ganze aber macht die CPU diesbezüglich einen wirklich sehr guten Job. Die Positionskämpfe mit den KI-Piloten sind fordernd und vor allem richtig fesselnd präsentiert. Insgesamt hat man den Eindruck immer Herr der Lage zu sein, einer Situation chancenlos gegenüberzustehen, ist eigentlich die komplette Ausnahme.

Nicht wirklich begeistern kann hingegen das integrierten Schadensmodell. Selbiges ist zwar vorhanden, bildet auch vieles gut ab und Unfälle haben durchaus direkte Auswirkung auf das Fahrverhalten, realistisch ist das Alles aber trotzdem nicht. Wieder sieht man allzu deutlich den Kompromiss, den die Entwickler eingehen mussten. Um die Spieler nicht zu überfordern, durch ständige Ausfälle gar zu frustrieren, opfert man einfach ein gehöriges Stück an Wirklichkeit. Schade eigentlich, denn über eine Option hätte man hier Abhilfe schaffen und für uns Spieler zumindest die Möglichkeit auf ein Noch-Mehr von „wie auf der Rennstrecke“ bieten können.

Dies bietet dafür dann der wirklich gut funktionierende Boxenfunk. Über die Sprachsteuerung könnt ihr mit euren Renningenieur kommunizieren und so Taktikänderungen, spontane Boxenstopps oder einfach nur den Zustand des Fahrzeugs direkt besprechen. Gut umgesetzt bringt das Ganze den Realismus, welchen man an anderer Stelle etwas vermisst.

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Endlich, es gibt wieder eine Karriere 

Vorbei die Zeit, in welcher man aufgrund des mageren Umfanges nur wenig Motivation fand, sich länger mit der F1-Umsetzung von Codemasters zu beschäftigen. Vorbei die Zeit, in welcher man sich vergebens auf die Suche nach der nötigen Forderung innerhalb des Menüs machte. Und vorbei die Zeit, in welcher man bei den Spielvarianten nur den nötigsten Standard geboten bekam.

F1 2016 macht vieles anders, vor allem aber vieles besser. Endlich gibt es in einem Ableger der Formel-Eins-Franchise wieder die Möglichkeit sich in einer gut inszenierten Rennfahrerkarriere zu verlieren. Vom Erstellen eines Fahrers über das Aufbauen von fahrerischen Fähigkeiten bis hin zu extrem intensiven Vertragsverhandlungen ist alles enthalten. Ok, innovativ ist das Ganze ganz sicher nicht und vieles kennt man schon aus anderen Umsetzungen zur Genüge, trotzdem punktet F1 2016 bei der Karriere nicht zuletzt auch mit dem stimmigen Ablauf und der wirklich sehr gut gelungenen Präsentation. Schon allein die passend umgesetzten Rennwochenenden, bei welchem etwa die Trainings durch das Erarbeiten von Verbesserungen fürs Fahrzeug endlich an Gewicht hinzugewonnen haben, sind mitreißend und fordern integriert. Auch das gut umgesetzte Konkurrenzsystem, welches euch anfangs nur mit den Teamkollegen, später auch mit Fahrern aus anderen Teams vergleicht, bringt die nötige Würze ins Rennfahrerdasein. Der Karrieremodus baut von den ersten Minuten an sofort diese Lust auf, sich Wochenlang mit dem Titel beschäftigen zu wollen. Wem das alles aber noch nicht genügt, der sollte sich schon mal die neue Profikarriere merken. Komplett ohne Fahrhilfen, im höchsten Schwierigkeitsgrad und gegen die stärkste KI kann man die Grenzen, zwischen extremen Karrierefrust und dem Hochgefühl sich wirklich wie Rosberg, Vettel und Co. zu fühlen, im wahrsten Wortsinn erfahren.

So ganz ohne Standard kommt aber auch F1 2016 nicht aus. Selbigen findet man nämlich beim Rest der integrierten Spielvarianten. Einzelrennen, Zeitfahren und Saison, was der Solospieler erwartet, wird ihm auch geboten. Der tiefgängigste Modus ist hierbei natürlich die Saison, der euch nach bekanntem Schema die Gelegenheit gibt, als einer der vorgegebenen, realen Fahrer in einem passend inszenierten Rennzirkus nicht nur um die Ehre, sondern vor allem um Pokale zu fahren. Inklusive natürlich auch dem Spaß, in den Qualifying-Runs mit der Konkurrenz um die Pole zu streitet und am Sonntag über, falls gewünscht, die volle Renndistanz um einen Podest-Platz zu kämpfen.

Mehrspielerfans werden sich auf das Onlinespiel über Xbox Live beschränken müssen, denn einen Split-Screen oder ähnliches gibt es auch im aktuellen Ableger nicht. Neben den simplen schnellen Rennen, übrigens gegen bis zu 21 menschliche Gegner, gibt es hier weiterhin die Möglichkeit sich in einer fordernden Online-Meisterschaften Sporen in der Community zu verdienen – inklusive der bekannten Optionen, wie etwa privater Lobbies, Zuschauermodus und diverser persönlicher Einstellungsmöglichkeiten. Schön auch, dass die Technik, im speziellen der Netz-Code, mittlerweile nur noch wenig Anlass zur Kritik gibt.

Bezüglich der Lizenz gibt es ebenfalls nichts zu kritisieren. Alle Strecken, alle Teams und alle Fahrer der Saison 2016 sind komplett enthalten, also auch der Stadtkurs von Baku, der Hockenheimring und das amerikanische Haas F1-Team.

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Geschwindigkeitsgefühl passt, Präsentation mittlerweile auch

Was soll ein Rennspiel vor allem bieten? Richtig, ein packendes und realistisches Geschwindigkeitsgefühl. Und genau hier hat F1 2016 auch eine seiner ganz großen Stärken. Wenn der Titel eines wirklich gut macht, dann ist es dieses besondere Renngefühl zu vermitteln, das man hat, wenn man in einem Boliden auf einer der diversen Hochgeschwindigkeitsstrecken dieser Welt wenige Zentimeter über dem Asphalt entlang düst. Besonders in der Cockpit-Sicht, kann man schon fast den Fahrtwind durchs leicht geöffnete Visier spüren. Butterweich und ohne größere Ruckler wird hier Frame für Frame auf den Bildschirm gezeichnet und lässt somit selbst Höchsttempo auf uns absolut realistisch wirken. Ja, genau so stellen wir uns ein Rennspiel vor.

Schön auch, dass die Wettereffekte, das dynamische Wetter hatten wir ja schon angesprochen, passend integriert wurden und man sich auch beim Fahrzeugdesign keine großen Schwächen erlaubt. Gerade in den gut funktionierenden Wiederholungen ist es einfach eine Augenweide, die Boliden bei wechselnden Lichtverhältnissen, nochmals genauestens aus jedem Winkel zu betrachten. Und es passt auch, dass optische Details, wie der Reifenabrieb ebenso berücksichtigt wurden, wie eine realistisch agierende Boxencrew. Abgerundet wird das Ganze durch die passende Siegerehrung, die obligatorische Champagnerdusche und die jubelnden Teammitglieder.

Es ist also kaum verwunderlich, dass man von der gebotenen Optik richtig begeistert ist. Und diese Begeisterung bleibt auch im Folgenden bestehen. Etwa, wenn man merkt, dass die Präsentation insgesamt bei weitem nicht mehr so trocken wie beim Vorgänger wirkt und einem die viele Zwischensequenzen mittlerweile das so gern zitierte „Mittendrin“-Gefühl vermitteln können. Einzig, wenn man sich den Hintergrund der Strecken genauer ansieht, muss man feststellen, dass es immer noch viel zu wenige Details abseits des Asphaltbelages gibt. Dafür hat endlich das Safty-Car den Weg ins finale Spiel geschafft. In der aktuellen F1-Umsetzung müssen wir also nicht mehr auf Bernd Mayländer und seinen AMG GT S verzichten.

Die Motoren der Boliden klingen nach wie vor satt und genau so, wie man es von den diversen Live-Übertragungen her gewohnt ist. Nur der Kommentar kann hier irgendwie überhaupt nicht mithalten. Und dass, obwohl mit Heiko Wasser weiterhin die F1-Ikone des letzten Fernsehjahrzehnts ins Spiel integriert und ihm ein durchaus kompetenter Stefan Römer an die Seite gestellt wurde. Doch wie so oft bewahrheitet sich dann doch mal wieder, dass bekannte Namen halt nicht alles sind.

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Unser Fazit

85 %

F1 2016 ist endlich das Rennspiel, das wir uns von Codemasters schon letztes Jahr gewünscht haben. Wie etwa das Geschwindigkeitsgefühl auf den Bildschirm transportiert wird, begeistert von den ersten Minuten an. Gut gelungen ist auch die Umsetzung der Steuerung, was Handling und Feedback angeht. Und durch den Spagat zwischen Zugänglichkeit, aber eben auch Forderung wird praktisch jeder Spielertyp optimal bedient. Größter Pluspunkt im aktuellen Ableger der F1-Franchise ist aber, dass es nun wieder einen passend inszenierten und entsprechend fordernden Karriere-Modus gibt. Da kann man dann auch akzeptieren, dass Multiplayer nur über das Netzwerk möglich ist und Splitscreen-Modi weiterhin nicht vorhanden sind. Was die Technik anbelangt, gibt es zwar immer noch Höhen und Tiefen, insgesamt kann aber vor allem die optische Präsentation für Begeisterung sorgen. Noch viel wichtiger ist aber, wenn man endlich in seinem Boliden sitzt und in Cockpit-Sicht über eine der diversen Rennstrecken düst, alles andere unwichtig wird und man eigentlich nur noch eins will: Fahren.

Pro

  • + zugängliche, sensible Steuerung
  • + mitreißendes Fahrgefühl
  • + viele zuschaltbare Hilfen
  • + gut funktionierender Boxenfunk
  • + klug agierende KI
  • + dynamisches Wettersystem
  • + aktuelle Daten der Saison 2016
  • + Safty-Car
  • + fordernder Karriere-Modus
  • + schöne Präsentation
  • + knackiger Motorensound

Kontra

  • - viele bekannte Gameplay-Elemente
  • - kaum realistisches Schadensmodell
  • - weiterhin kein Offline-Multiplayer (Split-Screen etc.)
  • - kaum Details abseits der Strecke
  • - bis auf Karriere kaum geänderter Umfang
  • - eher schwacher Kommentar

Unsere Bewertung

Grafik
 
88 %
Sound
 
79 %
Steuerung
 
82 %
Gameplay
 
86 %
Multiplayer
 
82 %
Spielspaß
 
84 %

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Als arbeitender Familienvater hat Thomas natürlich nur wenig Zeit, aber wenn dann halt mal doch, schreibt er mit großer Begeisterung mehr oder weniger Sinnvolles über alles was auch nur annähernd mit Sport zu tun hat.

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