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F1 2019 – Test / Review

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Veröffentlicht 15. Oktober 2019 | 17:03 Uhr von T_Knightingale

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Mit F1 2019 liefert Codemasters erneut ein sehr gutes Rennspiel ab, dessen größtes Problem jedoch die beiden Vorgänger sind, mit deren enormen Fortschritten F1 2019 nicht mithalten kann. F1 2019 fußt auf dem mehr als soliden Fundament, das Codemasters mit F1 2017 und 2018 geschaffen hat. Mit diesen beiden Spielen hat das britische Studio es erreicht, die F1-Reihe von einem einfachen Rennspiel hin zu einer Motosport-Simulation entwickeln, die das Drumherum eines Motorsports und die Intensität eines Rennwochenendes so authentisch rüber bringt, wie es keinem anderen Rennspiel gelingt.

Kern des Ganzen ist der Karrieremodus, der in den letzten Jahren massiv ausgebaut wurde. Wie seine Vorgänger bildet F1 2019 nicht nur detailliert eine Rennwochenende mit alle seinen Regeln nach, sondern bietet auch ein sehr dynamisches Forschungs- und Entwicklungssystem, das sich nicht nur auf das eigene Team beschränkt, sondern Auswirkungen auf das gesamte Feld hat. Über Testfahrten in den Trainingssessions und erreichte Vertragszeile sammelt man sich Stück für Stück Ressourcenpunkte, die man in die Verbesserung des eigenen Fahrzeugs investiert. Und hierbei werden einem regelmäßig schwierige Entscheidungen abgerungen. Ist es sinnvoll, erstmal in die Strapazierfähigkeit zu investieren, um Fahrzeugteile seltener austauschen zu müssen und weniger häufig mit dem Ausfall von Komponenten konfrontiert zu werden? Oder geht man gleich in die Vollen und setzt einzig und allein auf Leistung, um mit der Konkurrenz mithalten zu können, die ihre Fahrzeuge ebenfalls weiter verbessert? Beides hat seine Vor- und Nachteile.

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Karrieremodus: Gut wie eh und je

Im Gegensatz zu vielen anderen Rennspielen, bei denen einzig und allein auf das Können auf der Strecke ankommt, ist die F1-Serie vollgepackt mit taktischen Entscheidungen und dynamischen Ereignissen, die die Rennen entscheidend beeinflussen können. Und das beschränkt sich nicht nur auf die Forschung und Entwicklung. Dank des komplexen Regelwerks, das sehr detailliert umgesetzt ist, spielen auch die richtige Reifenwahl, die passende Rennstrategie und die richtige Reaktion auf dynamische Ereignisse wie Unfälle oder Wetterwechsel eine entscheidende Rolle. Oftmals können Rennen durch ein solches Ereignis komplett über den Haufen geworfen werden und erfordern dann schnelle und kluge Entscheidungen, um diese Ereignisse geschickt auszunutzen. Kann man länger als die Konkurrenz mit schnellen Reifen auf der Strecke bleiben? Ist es sinnvoll, die Boxenstrategie zu ändern? Zwingt die Wetterprognose zu einem Reifenwechsel? Welche Auswirkungen wird eine Safety-Car-Phase haben?

Wie seine Vorgänger schafft es auch F1 2019, sowohl eine ganze Saison als auch jedes einzelne Rennen spannend und dynamisch zu gestalten. Meist sogar weit spannender und dynamischer als es die echte Formel 1 ist. Das liegt auch an der guten KI der anderen Fahrer, die in diesem Jahr nochmal ein Stück besser geworden. Sie fährt ein bisschen aggressiver, aber auch cleverer. Sie schließt Lücken besser und ist umgekehrt in der Lage, Lücken besser zu nutzen. Und sie liefert sich auch untereinander packendere Duelle als bisher, ohne dabei jedoch den Kopf zu verlieren.

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Karrieremodus: Zu wenig Neuerungen und Verbesserungen

Leider ist das aber auch so ziemlich die einzige echte Neuerung im Karrieremodus für die Formel 1. Es können zwar erstmals auch KI-Fahrer das Team wechseln, und Trainingssessions können zum Preis von geringeren Ressourcenpunkten übersprungen werden, aber solch große Veränderungen wie in F1 2017 und 2018 sucht man diesmal vergebens. Dies bedeutet leider auch, dass die im letzten Jahr eingeführte Kommunikation mit der Presse nicht überarbeitet wurde. Zwar sind jetzt tatsächlich alle Fragen vertont, dies macht aber nur umso deutlicher wie beschränkt dieses System langfristig ist. Auf Dauer werden immer wieder die gleichen Fragen gestellt, und die Antworten ergeben nicht immer Sinn oder sind zu beschränkt. Hier hätte Codemasters nochmal deutlich nachlegen müssen.

So bleibt die Arbeit mit der Presse leider eines der Elemente, die Codemasters irgendwann eingeführt, aber dann nur halbherzig umgesetzt oder fortgeführt hat. Denn so sehr man die Entwickler für die wirklich vielen Verbesserungen in den letzten Jahren loben muss, so macht Codemasters jedes Jahr irgendwelche kleine Baustellen auf, die am Ende einfach nicht fertig oder in den Folgejahren nicht weiter ausgebaut werden. Das gilt z.B. für die alternativen Kurzstrecken, die es für einige Kurse gibt, die aber nie um weitere Varianten oder weitere Kurzstrecken auf anderen Kursen erweitert wurden – obwohl diese in anderen Rennspielen durchaus enthalten sind.

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Formel 2: Potenzial nicht ausgenutzt

Und diese Halbherzigkeit muss man Codemasters leider auch bei dem größten neuen Feature in F1 2019 vorwerfen: der Formel 2. Anstatt nur die Formel 1 und eine stetig wachsende Anzahl an klassischen Formel 1-Autos abzubilden, wurde der diesjährigen Ausgabe eine komplett neue Rennserie mit eigenen Merkmalen hinzugefügt. Die Formel 2-Fahrzeuge sind merklich langsamer als F1-Boliden und fahren sich deutlich träger, was sich vor allem durch den veränderten Bremsweg bemerkbar macht. Alles in allem sind sie eine ganz nette Abwechslung, aber keine bahnbrechende Neuerung, die F1 2019 spürbar verändert. Das liegt auch daran, dass die vielen klassischen F1 -Boliden, die im Laufe der letzten Jahren hinzugefügt wurden, oftmals eine größere Umstellung erfordern als der Wechsel von Formel 1 auf Formel 2. Die Vielzahl an klassischen Fahrzeugen hat die F1-Serie in den letzten Jahren um mehr fahrerische Herausforderungen ergänzt, als es diese neue Rennserie zu schaffen vermag.

Wirklich bedauerlich ist jedoch die unvollständig wirkende Umsetzung der Formel 2. Statt des aktuellen Feldes, das erst per Patch nachgeliefert werden soll, bietet F1 2019 derzeit nur die Fahrer und Fahrzeuge der 2018er Saison. Und die Integration in den Karrieremodus, die auf den ersten Blick wirklich spannend wirkt, entpuppt sich nach kurzer Zeit als Totalausfall.

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Formel 2-Karrieremodus: Kaum begonnen, schon wieder vorbei

Zu Beginn einer neuen Karriere hat man in F1 2019 die Wahl, erstmal in der Formel 2 zu starten und sich nach oben zu arbeiten. Hierfür haben sich die Entwickler einige nette Story-Sequenzen ausgedacht, die sowohl den Teamkameraden als auch einen Rivalen einführen und die den Spieler durch einige interessant inszenierte Rennszenarien führen. Leider stellt sich diese Story ziemlich schnell als sehr kitschige, komplett überzeichnete und vor allem kurze Inszenierung heraus, der es deutlich an Substanz mangelt. Nach 3 kurzen Rennabschnitten, die Highlight-Rennen einer Formel 2-Saison abbilden sollen, ist der Spuk schon wieder vorbei und man landet in der Formel 1. Die beiden anderen Fahrer steigen dabei auch in die Formel 1 auf, verkommen nach dieser kurzen Einführung aber zu vollkommen irrelevanten Statisten. Weitere Zwischensequenzen, eine Weiterführung der Geschichte oder andere Interaktionen mit diesen 2 Fahrern gibt es schlicht und einfach nicht. Man bekommt zwar regelmäßig Transkripte ihrer Interviews zugeschickt, aber das war es dann auch. Das hätte man sich in dieser Form komplett schenken können, weil dieser Mini-Story-Modus so nur den Eindruck macht, als hätte man die restlichen Seiten des Drehbuchs verloren. Statt dieses bestenfalls bemühten Versuchs, eine Geschichte ohne Ende zu erzählen, hätte man die Karriere lieber mit einer kompletten Formel 2-Saison beginnen sollen, deren Ausgang über den Aufstieg in die Formel 1 entscheidet.

Die Einbindung der Formel 2 erinnert so leider an die Art und Weise, wie die der klassischen F1-Boliden, von denen es in diesem Jahr erneut noch mehr gibt. Auch hier fehlt weiterhin das gewisse Etwas. Zwar kann man die klassischen Fahrzeuge zwar mittlerweile in einem hübschen Showroom begutachten und sich ein paar Infotexte durchlesen, aber die Inszenierung bleibt erneut auf der Strecke. Es gibt weiterhin keine klassischen Strecken oder klassische Formel 1-Saisons mit den passenden Regelwerken, so dass man in den Klassikern weiterhin nur ohne jeglichen weiteren Kontext nur über die Rennstrecken der aktuellen Saison flitzen kann. Das ist wie schon in den Vorjahren eine ziemliche Enttäuschung.

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Grafik: Dank besserer Beleuchtung eines de hübschesten Rennspiele

Grafisch hat man noch einmal an ein paar Stellschrauben gedreht, so dass das bereits sehr gut aussehende Spiel bei Tag erneut deutlich organischer wirkt, was vor allem auf eine bessere Beleuchtung und schönere Schatten zurückzuführen ist. Diese wirken sich erfreulicherweise auch nicht negativ auf die Performance aus. Das Spiel läuft auch auf den Basiskonsolen weiterhin in ziemlich stabilen 60fps. Einzig bei den wenigen Nachrennen hat man es ein wenig zu gut gemeint. Der Lichteffekt der Streckenbeleuchtung ist so übertrieben dargestellt, dass es so wirkt, als würde permanent Nebel herrschen, in dem sich das Licht bricht. Hier hat die deutlich dezentere Beleuchtung aus F1 2018 einen wesentlich besseren und realistischeren Eindruck hinterlassen. Dieser kleinen Schwächen zum Trotz ist diese F1-Serie weiterhin ein echtes Vorzeigespiel, das vor allem die einzelnen Bewölkungs- und Wetterlagen traumhaft inszeniert.

Mehrspieler: Neuer Liga-Modus und Miktrotransaktionen

Der Mehrspieler-Modus wiederum wurde um ein robustes Ligen-System erweitert, dass die Organisation von öffentlichen und privaten Mehrspieler-Events deutlich vereinfacht und die ohnehin schon üppigen Mehrspieleroptionen um ein sinnvolles Feature erweitert. Die ziemlich aufdringliche Integration der eSport-Features ins Hauptmenü hingegen dürfte die meisten Spieler hingegen eher stören als freuen. Eine weitere Neuerung ist die Möglichkeit, für den Multiplayer-Modus alternative Lackierungen verwenden zu können, die einen gewissen Grad an Personalisierung ermöglichen. Einige der Lackierungen sind frei verfügbar, einige müssen durch Punkte freigeschaltet werden, die man durch Mehrspieleraktivitäten erringen kann, während andere nur über Mikrotransaktionen freigeschaltet werden können. Dies gilt ebenfalls für einige Helme, Anzüge, Handschuhe und Abzeichen. Die Auswahl an Premium-Items, die man nur gegen Echtgeld bekommt, ist aber ziemlich überschaubar und auch die Design-Qualität ist bestenfalls auf dem Niveau der frei verfügbaren Optionen. Deshalb muss man sich schon fragen, weshalb sich Codemasters hier überhaupt auf das Minenfeld Mikrotransaktionen begibt. In Spielen wie der Forza Motorsport-Serie kann man kostenlose Fan-Lackierungen finden, die deutlich besser aussehen. Angesichts der unangemessen hohen Preise kann man diese Premiumgegenstände daher locker ignorieren.

 

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Getestete Version: Xbox One

 

Unser Fazit

85 %

Wie seine Vorgänger ist F1 2019 vor allem auf den Konsolen nahezu einzigartig. Diese Mischung aus sehr guter Fahrphysik, einem taktischen Karrieremodus, einem komplexen Wettersystem, ansprechender Grafik bei stabiler Bildrate, einem detailliert umgesetzten Regelwerk und einer Vielzahl alternativer Spielmodi bietet kaum ein anderes Rennspiel. Dennoch ist nicht zu übersehen, dass der Innovationsmotor bei Codemasters so langsam ins Stottern kommt. Das Upgrade von F1 2018 auf F1 2019 fühlt sich bei Weitem nicht so bedeutend an wie in den Vorjahren. Neu- und Wiedereinsteiger finden in F1 2019 eines der absolut besten Rennspiele dieser Konsolengeneration. F1 Spieleveteranen sollten jedoch abwägen, ob die Formel 2 oder die neuen Multiplayer-Features für sie bedeutend genug für eine Upgrade sind.

Pro

  • + Alle Fahrer, Autos, Teams und Strecken der aktuellen F1-Saison
  • + Überarbeitete Grafik mit schöneren Schatten und Wetterelementen
  • + Leicht verbesserte KI
  • + Detailverbesserungen im Karrieremodus
  • + Neuer Mehrspieler-Liga-Modus
  • + Große Anzahl an historischen F1-Fahrzeugen
  • + Üppige Auswahl an Fahrhilfen und Schwierigkeitsgraden
  • + Diverse zusätzliche Spielmodi mit eigenen oder anpassbaren Regeln
  • + Packende, dynamische und authentische Rennen
  • + Sehr gute Umsetzung des Motorsports inkl. Regeln, Strafen und Verschleiß

Kontra

  • - Formel 2 basiert derzeit nur auf der 2018er Saison
  • - Schwache Integration der Formel 2 in den Karrieremodus
  • - Story-Modus in der Karriere endet nach dem Intro abrupt
  • - Pressearbeit auf Dauer zu monoton
  • - Erneut keine klassischen Strecken oder zusätzliche alternative Streckenlayouts
  • - Keine klassischen F1-Saisons trotz vieler klassischer Fahrzeuge
  • - In den Vorjahren eingeführte Features wurden nicht konsequent weiterentwickelt

Unsere Bewertung

Grafik
 
89 %
Sound
 
85 %
Steuerung
 
90 %
Gameplay
 
90 %
Multiplayer
 
-- %
Spielspaß
 
85 %

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Thommysoft ist auf Xbox-Senioren.com sowie im Schwestern-Forum PSN-Senioren.com ein Moderator und hilft mit viel Engagement den Usern bei PlayStation-Problemen weiter. Ab und an verfasst er für insidegames einen Test.

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