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Far Cry Primal – Test / Review

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Veröffentlicht 7. April 2016 | 15:38 Uhr von Niko Kaack

Letzte Änderung 8. April 2016

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Das Leben ist kein Ponyhof. Das wissen wir alle, allerdings sind wir heute mit Kühlschrank, Zentralheizung und Krankenversicherung deutlich näher dran als unsere Vorfahren vor 12.000 Jahren.

Und das erfahren wir schmerzlich, als wir  in die Rolle von Takkar schlüpfen, der gerade in einer Gruppe von Jägern auf Mammut-Jagd ist. Kaum ist ein Jungtier von der Herde getrennt und erlegt, erscheint ein Säbelzahntiger auf der Bildfläche und macht den Männern vom Stamme der Wenja die Beute streitig. Und das mit Nachdruck, außer Takkar überlebt dieses Gerangel nämlich niemand. Kurz vor seinem Tod erzählt uns einer der anderen Jäger vom Land Oros, in dem wir weitere, verschollene Wenja finden sollen. Allein auf weiter Flur suchen wir uns zuerst ein paar Materialien, um zumindest einen einfachen Bogen bauen zu können. Auf der Suche nach einem Unterschlupf treffen wir sogleich die Sammlerin Sayla, doch der Säbelzahn ist uns gefolgt und greift erneut an. Als wir uns in einer Höhle in Sicherheit bringen können, schickt sie uns sogleich los, um für ihre Wunden, welche die Raubkatze ihr zugefügt hat, Kräuter zu sammeln. Und damit haben wir unseren ersten Auftrag, dessen Erfüllung uns nicht erahnen lässt, was uns im Land Oros noch alles erwarten wird.

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Als es Sayla wieder gut geht, wird es Zeit ein Dorf zu errichten. Während sie die Stellung hält, machen wir uns auf den Weg, um nach Nahrung und Baumaterial, aber natürlich auch unsere verschollenen Stammesbrüder und -schwestern zu suchen. Hierbei begegnen uns immer wieder wilde Tiere. Lediglich mit den kleineren sollte man sich anfangs anlegen, ansonsten enden wir als Frischfutter und müssen unsere weiteren Erkundungen vom nächstgelegenen Lagerfeuer aus neu beginnen. Als ob das noch nicht gefährlich genug wäre, durchstreifen das Land auch noch zwei weitere, feindlich gesinnte Stämme: Die Udam kommen aus dem Norden, die Izila aus dem Süden. Von beiden Stämmen können wir im ganzen Land verteilte Leuchtfeuer und Außenposten erobern.

Diese sind zumeist gut bewacht und deren Einnahme beschert Erfahrungspunkte, weitere Bewohner für unser Dorf sowie Baumaterial. Außerdem fungiert jeder dieser Orte als Schnellreisepunkt, die man von jedem beliebigen Ort im ganzen Land in Sekundenschnelle erreichen kann.

Zum Erlernen von speziellen Fähigkeiten braucht es Fachleute. Die Sammlerin Sayla ermöglicht es, Erfahrungspunkte in Sammelfähigkeiten umzuwandeln. Der Schamane Tensay lehrt unter anderem das Zähmen von wilden Tieren, die dann als treuer Begleiter an unserer Seite kämpfen. Später treffen wir noch auf die Jägerin Jayma, den Handwerker Wogah und den Krieger Karoosh, die ihre Fähigkeiten an uns weitergeben. Jeder dieser Spezialisten bekommt eine eigene Hütte im Dorf, die mit besonderen, seltenen Gegenständen aufgewertet werden kann. Außerdem halten sie alle auch eine Questreihe bereit, die mit ihrem jeweiligen Fachgebiet zusammenhängt. Je nachdem, wie hier die Erfahrungspunkte vergeben werden, kann man Takkar zum brachialen Kämpfer, leisen Jäger oder mächtigen Bestienmeister machen.

Damit die Wenja fortan in Frieden im Lande Oros leben können, gilt es, die Anführer der beiden anderen Stämme zu töten.

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Mehr als nur ein Shooter in der Steinzeit

Beim Titel Far Cry denken die meisten Spieler sicher an einen reinrassigen Shooter. Doch in Primal ist man neben dem Kämpfen und Erobern so sehr mit Sammeln, Bauen, Upgraden und Lernen von Fertigkeiten beschäftigt, dass es eigentlich viel eher an ein Action-Adventure mit Rollenspiel-Anleihen erinnert. Wie in einem Shooter lenkt man Takkar jedoch aus der Ego-Perspektive durch sein Abenteuer. Dies geht manchmal leider zu Lasten der Übersicht, wir standen unzählige Male in flammen, weil wir in ein Lagerfeuer getreten sind. Als Waffen stehen – wie sollte es in der Steinzeit auch anders sein – Keule, Bogen und Speer zur Verfügung. Diese lassen sich im Spielverlauf in mehreren Stufen ausbauen und verbessern, außerdem kommen noch verschiedene Bomben hinzu, wie z.B. eine Stachelbombe, die einen wilden Bienenschwarm entfesselt.

Auch die gezähmten Bestien lassen sich hilfreich im Kampf einsetzen. Mit der Eule erkundet man ein Gebiet aus der Vogelperspektive, lässt sie einzelne Gegner aus der Luft ausschalten oder markiert Gegner, die man dann entweder selbst zur Strecke bringt oder von einem Raubtier zerfleischen lässt. Auf diese Weise bieten sich viele verschiedenen Möglichkeiten, die Außenposten zu Übernehmen: Entweder man stürmt ganz brachial hinein und vermöbelt alles mit der Keule oder man schleicht sich vorsichtig hinein und schaltet einen Feind nach dem anderen aus ohne Aufsehen zu erregen. Hierbei helfen die erlernbaren Take-Down-Moves, mit denen man im Nahkampf ordentlich Schaden anrichten kann. Die unterschiedlichen örtlichen Bedingungen bieten an, an jedem Außenposten und an jedem Leuchtfeuer, kreativ zu werden, die Möglichkeiten neu zu kombinieren und immer neue Taktiken auszuprobieren.

Ganz wichtig ist der Jägerblick. Ähnlich wie der Detektiv-Modus in der Batman-Reihe oder der Überlebensinstinkt in Tomb Raider kann man die Farben der Umgebung ausblenden, um nur wichtige Dinge grell erleuchten zu lassen. Auf diese Weise erkennt man Pflanzen, Rohstoffe und Feinde, aber auch die Fährten seltener Tiere werden so sichtbar und lassen sich verfolgen.

Abgesehen von der Hauptstory gibt es im gesamten Land noch viele Nebenquests zu erledigen. Hier soll man entweder einigen Wenjas helfen, indem man Bestien erlegt oder Vermisste wiederfindet. Oder man ist Teil eines Stammes-Konflikts und wehrt Angreifer ab. Und dann gibt es noch Zufallsaufgaben, die spontan in der Nähe Takkars auftauchen und schnell nebenbei erledigt sind. In diesen besiegt man z.B. einen feindlichen Warenträger und plündert ihn oder befreit gefangene Wenja aus der Gewalt der anderen Stämme. All diese Nebenquests sind zu Anfang wirklich aufregend, mit der Zeit verblassen sie allerdings, da sie doch immer recht ähnlich ablaufen. Zweckdienlich sind sie in erster Linie zum Verdienen von Erfahrungspunkten und zum Steigern der Dorfbevölkerung.

Um den Sammeltrieb des Spielers anzuregen, sind überall in Oros Fundstücke versteckt. Die insgesamt 184 Daysha-Hände, Wenja-Armbänder, Izila-Masken, Geister-Totems und Höhlenmalereien werden auf der Karte angezeigt, wenn man sich in der Nähe befindet.

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Technisch nichts auszusetzen

Die optische Präsentation der prähistorischen Welt ist beeindruckend. Im mittleren Teil gibt es romantisch anmutende Wälder, im Norden verschneite Berge und im Süden subtropisches Flair. Alles sieht wunderschön aus und steht im krassen Kontrast zum allgegenwärtigen Kampf auf Leben und Tod. Die Figuren sind ebenfalls sehr detailliert gezeichnet, was vor allem in den Zwischensequenzen sehr real wirkt. Auch beim Sound wurde ganze Arbeit geleistet. Mit einer Surround-Anlage ist man sich oftmals nicht sicher, ob das Gezwitscher der Vögel aus dem Spiel stammt oder doch durchs offene Fenster aus dem Garten hereindringt. Und wenn eine wütende Bestie losstürmt kann einem von dem Knurren und Fauchen angst und bange werden.

Ein bisschen störend fanden wir anfangs die Sprache, die man nicht versteht und daher zwingend auf das Lesen der Untertitel angewiesen ist. Diese sind dann auch noch grammatikalisch sehr einfach gehalten, was das Lesen nicht erleichtert. Nach einer Zeit gewöhnt man sich aber daran.

Die Steuerung ist sehr eingängig und nahezu selbsterklärend, sowohl zu Fuß als auch auf dem Rücken einer Bestie lässt sich Takkar ganz geschmeidig durch die Landschaft navigieren.

Wirklich schade ist, dass es keinen Multiplayer-Modus gibt. Scharmützel zwischen den rivalisierenden Stämmen hätten durchaus Potential gehabt. Ebenso kooperative Jagdmissionen, in denen man in einer Gruppe gemeinsam versucht, ein Mammut zu erlegen.

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Unser Fazit

84 %

Unsere Vorfahren waren Jäger und Sammler. Und genau das tut man in Far Cry Primal: Jagen und Sammeln. Das könnte viele Fans der Serie abschrecken, denn Primal ist sicher kein klassisches Far Cry. Auch das Fehlen der Möglichkeit, mit Freunden oder gegen sie zu spielen könnte dem einen oder anderen sauer aufstoßen. Doch macht man sich davon frei und betrachtet einfach das Spiel an sich, dann bekommt man ein kurzweiliges Abenteuer in einem frischen, unverbrauchten Setting. Etwas spielerisch grundlegend Neues bekommt man hier nicht geboten, aber eine unterhaltsame Mischung aus Erforschen, Kämpfen und Sammeln, die wirklich Spaß macht. Besonders gefallen hat mir die taktische Komponente mit den gezähmten Bestien. Man kann sich diebisch darüber freuen, wenn die Eule und der Säbelzahntiger ein komplettes feindliches Lager auseinander nehmen, ohne dass man selbst einen Finger krumm macht geschweige denn die Gegner überhaupt einen menschlichen Angreifer zu Gesicht bekommen.

Pro

  • + Steinzeit-Setting mit Keule, Bogen und Speer
  • + Zähmen von Bestien
  • + Takkar kann dem Spielstil gut angepasst werden
  • + hübsche und stimmige Grafik
  • + viele Belohnungen

Kontra

  • - Nebenquests auf Dauer recht eintönig
  • - kein Multiplayer (speziell Koop)
  • - Third-Person-Perspektive hätte besser zum Gameplay gepasst

Unsere Bewertung

Grafik
 
88 %
Sound
 
85 %
Steuerung
 
76 %
Gameplay
 
82 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
90 %

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