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FIFA 17 – Test / Review

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Veröffentlicht 28. Juni 2017 | 16:19 Uhr von Thomas Pfnür

FIFA-17-Logo

Neue Engine, Story-Modus und einige Änderungen am Gameplay – wenn man Electronic Arts Vorankündigungen so liest, hätte man fast der Meinung sein können, mit FIFA 17 kommt ein komplett neues Spiel. So extrem ist es dann doch nicht, aber geändert hat sich trotzdem einiges. 

Alex Hunter und sein Leben

Wohl die Ankündigung zu FIFA 17, neben der Umstellung auf eine neue Engine, dazu später etwas mehr, war der Story-Modus um den Jungprofi Alex Hunter. NBA 2K hatte es ja schon vorgemacht, wie gut so etwas funktionieren und wie eine nachspielbare Geschichte ein Sportspiel aufpeppen kann. FIFA 17 zieht jetzt nach, und kaum überraschend im ziemlich ähnlichen Stil.

Der Hauptakteur Alex nimmt in jungen Jahren an einem Sichtungsturnier teil, wird daraufhin in eine Jugendakademie berufen und kann sich kurze Zeit später entscheiden, ob er im zarten Alter von 17 Jahren bereits eine Profikarriere starten will. Nur logisch, dass er will und wir natürlich auch. Schade nur, dass sich dies alles ausschließlich in England abspielt und für den Einstieg ins Fußballerleben nur Teams der englischen Premier League zur Auswahl stehen. Später habt ihr zwar auch die Möglichkeit bei einem Team aus der The Championship, der zweiten Profiliga Englands, zu spielen, aber ein Wechsel etwa über den Kanal zu Vereine aus Deutschland, Spanien oder Italien ist nicht möglich. Schon besser ist, wenn ihr euch nun für einen Meisterschaftsaspiranten, wie Chelsea, Man City oder Arsenal entscheidet, die Erwartungen an euch bzw. eure Fähigkeiten besonders hoch sind. Ein Platz auf der Auswechselbank oder gar in der Startelf ist in diesen Mannschaften natürlich enorm schwer zu ergattern – diesen Platz über längere Zeit dann zu behalten, artet sogar in richtige Arbeit aus. Aber auch bei den schwächeren Teams wird Leistung erwartet, um eine Chance auf Spielzeit zu bekommen. Erfüllt ihr über kurz oder lang die Vorgaben des Managers nicht, ist meist eine Ausleihe die Folge und ihr findet euch dann eben bei einer Mannschaft in der bereits erwähnten zweiten englischen Liga wieder. Eine Stammplatzgarantie gibt es hier dann zwar auch nicht, aber leichter ist es allemal. Übrigens wird, ähnlich wie schon in der seit Jahren bekannten normalen Spielerkarriere, jede Aktion beim Training und auf dem Platz bewertet. Je höher diese Bewertung ausfällt, umso besser entwickelt sich euer Skill. Bei Leistungssprüngen eurerseits wird euch dann noch die Möglichkeit gegeben besondere Fähigkeiten, wie etwa spezielle Aktionen beim Verteidigungsverhalten, beim Torschuss oder den Standards, zu erwerben bzw. Alex Hunter zuzuweisen.

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Insgesamt wird die Geschichte gerade anfangs sehr gut erzählt. Der unterstützende Großvater, die liebende Mutter, der sich kaum kümmernde Vater und die immer mehr zerbröckelnden Freundschaften reizen, zeigen aber auch wie Klischeehaft die Story aufgebaut ist. Schade nur, dass das Niveau des Erzählstils relativ schnell sinkt, die Aufgabenbewältigung kaum mehr Überraschungen bietet und vieles zur langweiligen Routine verkommt. Ein paar Interviews nach den Spielen, in denen man sich mit seinen Antworten einen Ruf als besonnener, abgeklärter oder heißblütiger Spieler aufbauen kann, viel mehr gibt es dann abseits des Platzes lange Zeit nicht mehr zu sehen. Vielleicht ist ein Fußballerleben ja auch so langweilig, das bei FIFA 17 ist es ab diesen Zeitpunkt auf jeden Fall. Trotzdem ist der Modus The Journey alles andere als schlecht, man merkt ihm halt nur an, dass es sich um den ersten Versuch der Entwickler handelt. Etwas mehr Tiefe in der Geschichte, etwas weniger Längen bei der Erzählweise, etwas mehr Möglichkeiten bei der Spielerentwicklung, etwas weniger Automatismen beim Aufbau seiner Fähigkeiten und schon hätten wir das „perfekte“ Fußballrollenspiel. Vielleicht bekommen wir das ja dann nächstes Jahr.

Aber natürlich besteht FIFA nicht nur aus dem Story-Modus. Es gibt auch weiterhin die Karriere als Manager oder Spieler und natürlich den zum letzten Jahr kaum geänderten Online-Modus mit FUT und Pro Clubs. Und was hat sich hier getan? In Ultimate Team gibt es nun die Möglichkeit in der neuen Variante UT-Champions um Belohnungen zu spielen. Bei Pro Clubs wurde am Spielerentwicklungssystem etwas geschraubt. Schon deutlich mehr hat sich bei der Karriere geändert. Als Manager müsst ihr etwa nun auf die Belange des Vereins Rücksicht nehmen. Themen, wie Nachwuchsförderung, Markenpräsenz oder nationale bzw. internationale Erfolge haben bei jedem Verein einen anderen Stellenwert. Erfüllt ihr die vor der Saison klar definierten Vorgaben nicht, wird euch deutlich schneller, als noch die letzten Jahre, der Stuhl für die Tür gestellt und ihr müsst euch ein anderes Team suchen. Schön auch, dass klarer dargestellt wird, wie sich die Finanzen des Vereins aufstellen. Trikot- und Ticketverkäufe, Spielergehälter und sonstige Kosten werden nun ausgewiesen und zeigen euch relativ detailliert, wie sich die Einnahmen und Ausgaben konkret zusammensetzen. Schade nur, dass es trotzdem nicht die Möglichkeit gibt, hier direkter einzugreifen und etwa Preise selbst zu bestimmen.

Eine der großen Stärken der Fußballfranchise von Electronic Arts bleibt auch 2016 das enorme Lizenzpaket. Auch wenn sich hier nichts Gravierendes getan hat und man etwa als deutscher Fan immer noch die dritte Liga vermisst, werden weiterhin noch so viele Ligen, Originalspieler und auch Originalstadien geboten, dass eigentlich nur die wenigsten wirklich herummeckern werden. Neues gibt es übrigens auch. So könnt ihr nun etwa in der japanischen J-League auf Tore-Jagd gehen.

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Alles besser mit Frostbite?

Alexs Journey ist die eine, die Umstellung auf Frostbite-Engine die andere große Änderung in der FIFA-Serie. Versprochen wird eine noch authentischere Darstellung mit deutlich mehr Details auf und neben dem Platz. Tatsächlich gehalten wird davon ein weiterhin sehr gutes Spielerdesign, grandiose Wettereffekte und die bekannt schöne Lichtstimmung in den Stadien. Die optische Weiterentwicklung ist also bei weitem nicht so groß, als es der eine oder andere, wir übrigens auch, erwartet hätte – und wie uns der Publisher auch erzählen wollte. Vielmehr stellt sich ziemlich schnell Ernüchterung ein, wenn man FIFA 17 erstmals ins Laufwerk legt. Grafische Unterschiede will man zu Beginn gleich gar keine feststellen. Scheinbar hatten die Entwickler Ignite dann doch sehr gut im Griff. Übrigens ganz im Gegensatz zur neuen Frostbite-Engine. Zwar sind etwa die Animationen der Spieler durchaus flüssig und manches wirkt realistischer, dafür haben unserer Meinung nach Clippingfehler etwas zugenommen und selbst das „Spielergleiten“ über den grünen Rasen bekommen wir wieder häufiger zu sehen. Auch scheint der Hintergrund weit weniger detailliert ausmodelliert zu sein. Geklonte Fans, Texturmatsch und eine gewisse Unschärfe können kaum begeistern. Schade auch, dass sich am Leben in den Zuschauerreihen praktisch nichts getan hat. Immer noch kann man nicht mehr als ein paar Banner und stupides, meist sogar gleichgeschaltetes Fahnenschwenken beobachten. Dafür sind die Spielergesichter teilweise gut gelungen und gerade in den Zwischensequenzen des Story-Modus zeigt der neue Grafikmotor seine technischen Muskeln. Insgesamt lässt sich die Optik natürlich auch in FIFA 17 wieder wirklich sehen, auch wenn es den einen oder anderen Kritikpunkt gibt und die Unterschiede zum Vorgänger nicht besonders groß sind.

Gar keine Unterschiede finden wir hingegen beim Sound. Natürlich hat sich der Soundtrack geändert, aber sonst hat sich in punkto Akustik doch recht wenig getan. Das Reporterduo Fuss und Buschmann sind nach wie vor in bester Plauderlaune und analysieren, informieren bzw. resümieren meist passend. Die Sprüche sind zwar zum größten Teil schon vom letzten Jahr bekannt und auch die Wiederholungsfrequenz selbiger hat sich kaum geändert, dafür kann man sich das Ganze aber wenigstens länger anhören, als etwa den Kommentar aus dem Konkurrenten PES.

Richtig ärgerlich ist, dass es, vor allem, wenn man Online unterwegs ist, Ruckler gibt, die auch den Spielfluss stören können. Noch ärgerlicher sind die viel zu häufigen Abstürze des kompletten Spieles. Bei FIFA 16 konnten wir uns spontan an keinen erinnern, beim aktuellen Ableger waren es während der ersten Teststunden bereits drei komplett Ausfälle. Wer da die Spielstände nicht regelmäßig speichert, wird den Titel wohl bald gefrustet ins Regal zurückstellen.

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Neue Standards – und sonst?

Wohl am wenigsten getan hat sich beim Gameplay. FIFA spielt sich weiterhin wie wir es von FIFA gewohnt sind. Das wird dem einen gefallen, dem anderen eher weniger. Nach wie vor fehlt es an der taktischen Tiefen, der komplett authentisch reagierenden KI und der genialen Ballphysik eines Pro Evolution Soccers. Beim Kick aus dem Hause Electronic Arts steht weiterhin der eher einfache Spielspaß mit deutlich weniger Tiefgang im Vordergrund. So kommen Neulingen zwar zeitnah zu ersten Spielerfolgen, Freaks aber werden sich schnell unterfordert fühlen. Die zuschaltbaren Traineranweisungen, die jede logische Aktion bzw. jeden ausführbaren Befehl direkt am Spieler anzeigen, machen sehr deutlich was das Motto von FIFA ist. Trotzdem fordert der Titel stellenweise auch. Etwa durch die teilweise gute künstliche Intelligenz. So agieren die gegnerischen Abwehr- bzw. Angriffsreihen meist klug und können euch, je nach gewählten Schwierigkeitsgrad, schnell Problem bereiten. Anders die CPU-Mitspieler. Hier sieht man leider viel zu häufig den einen oder anderen Aussetzer. Gerade wenn es mal schnell nach vorne gehen soll, handeln die Spieler aus dem eigenen Team viel zu unentschlossen oder bleiben viel zu häufig mitten im Konter einfach stehen. Weil man damit größtenteils überhaupt nicht rechnet, sind Pässe ins Leere durchaus öfter mal zu sehen. Nichtsdestotrotz macht es auch in FIFA Spaß sich durch die Defensive zu spielen und durch manchen Steilpass ganze Abwehrreihen auszuhebeln. Apropos Steilpässe. Diese wurden wieder etwas gefährlicher gemacht und können nun genauer in den Lauf der Stürmer gespielt werden. Schön übrigens, dass wir nun den Ball gegenüber den Gegenspielern abschirmen können. Drückt man eine der Schultertasten, dann stellt sich euer Spieler geschickt zwischen Ball und Verteidiger. Da es an den richtigen Gegenaktionen fehlt, ist dieses Feature sehr effektiv, wir würden sogar sagen deutlich zu effektiv.

Effektiv sind mittlerweile auch die Standards, zumindest, wenn man Freistöße und Ecken betrachtet. Beide wurden einer leichten Überarbeitung unterzogen und sind in ihrer Ausführung nun deutlich einfacher bzw. nachvollziehbarer gestaltet. Vor Einwürfen ist es nun möglich sich an der Seitenlinie entlangzubewegen, um eventuell eine bessere Position zu finden oder um, wie im richtigen Leben, ein paar Meter zu schinden. Verschlimmbessert wurde hingegen das Elfmeterschießen, bei welchem man jetzt zwar die Position des Spielers ebenfalls ändern darf, dafür aber der eigentliche Schuss zu einer nervigen Fummelei mutiert ist.

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Getestete Version: Xbox One

Unser Fazit

86 %

Der Story-Modus ist etwas Neues. Er bringt auch etwas frischen Wind in den schon arg angestaubten Modi-Alltag der Fußballspiele. Und er macht auch Spaß, zumindest die ersten Stunden. Aber insgesamt hatten wir uns dann wohl doch etwas mehr Tiefe, etwas mehr Abwechslung, einfach etwas mehr erhofft, nein eigentlich richtig erwartet. Ein Karrieremodus, der um eine klischeehafte Story und ein paar Zwischensequenzen erweitert wurde, ist dann wohl doch etwas wenig. Trotzdem hat das Ganze Potential und wenn EA hier richtig nachbessert, könnte über die Jahre etwas wirklich Tolles entstehen. Ähnliches Bild bei der neuen Frostbite-Engine. Auch hier hatten wir einen Fortschritt in der Präsentation, in den Animationen, in der kompletten Optik erwartet. Herausgekommen ist eher ein kleines Schrittchen und wenn wir es nicht wüssten, dass Ignite der Vergangenheit angehört, mitbekommen hätten wir es wohl nicht. Trotzdem ist auch dies wieder Kritik auf recht hohem Niveau, weil insgesamt natürlich eine extrem authentische, passende und vor allem mitreißende Grafik geboten wird. Nur eben mit ein paar kleinen Schönheitsfehlern. Dafür fühlt sich FIFA weiterhin wie FIFA an. D. h. der Zugang ist vorhanden, die spielerische Tiefe eher weniger. Und trotzdem macht es auch im aktuellen Ableger Spaß sich durch die Abwehrreihen zu spielen oder gegen einen übermächtigen Gegner ein gutes Ergebnis zu verteidigen. Insgesamt ist EAs Fußballkick wieder genau der gewohnt solide Titel mit den großen Stärken bei der Lizenz und in der Optik, aber eben auch mit ein paar Schwächen im Gameplay.

Pro

  • + weiterhin durchaus forderndes Gameplay mit leichtem Zugang
  • + Anpassungen an den Standards (Freistoß, Eckbälle und Einwürfe)
  • + neuer Story-Modus kann unterhalten…
  • + gute Erweiterungen in der Managerkarriere
  • + enormer Umfang bei Spielmodi und Lizenzen
  • + FUT und Pro Clubs mit sinnvollen Erweiterungen
  • + meist passende Präsentation
  • + authentische Animationen
  • + akustische Stimmung im Stadion
  • + gute Sprüche vom Reporterduo

Kontra

  • - spielerischer Fortschritt praktisch nicht vorhanden
  • - taktische Tiefe fehlt weiterhin
  • - KI der Mitspieler hat einige Aussetzer
  • - Anpassungen an den Standards (Elfmeterschießen)
  • - … neuer Story-Modus hat auch viele Längen
  • - die meisten Inhalte sind aus den Vorgängern bekannt
  • - extrem langweilig aufgebaute Spielerkarriere
  • - Frostbite bringt keinen großen grafischen Fortschritt
  • - Fan- und Stadien-Design etwas schwächer als im Vorgänger
  • - Clippingerfehler und Ruckler treten immer noch auf

Unsere Bewertung

Grafik
 
80 %
Sound
 
90 %
Steuerung
 
80 %
Gameplay
 
90 %
Multiplayer
 
86 %
Spielspaß
 
86 %

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Als arbeitender Familienvater hat Thomas natürlich nur wenig Zeit, aber wenn dann halt mal doch, schreibt er mit großer Begeisterung mehr oder weniger Sinnvolles über alles was auch nur annähernd mit Sport zu tun hat.

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