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FIFA 18 – Test / Review

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Veröffentlicht 28. November 2017 | 16:34 Uhr von Thomas Pfnür

FIFA-18-Ronaldo-Artwork

Ein Jahr nach einem FIFA 17 mit einigen teilweise richtig tiefgreifenden Neuerungen, wie Frostbite und der Story um Alex Hunter, scheint den Entwicklern beim aktuellen Nachfolger ein wenig die Luft ausgegangen zu sein. Die Entwicklungsschritte werden kleiner, viel kleiner… 

Spielerisch kommt uns viel bekannt vor 

Die Wahrheit liegt auf dem Platz. Diese Fußballweisheit im Hinterkopf betrachten wir das neue FIFA und merken sofort, dass man bei EA Sports und seinen Entwicklern wohl sehr zufrieden damit war, was spielerisch im Vorgänger geboten wurde. Anders kann man sich den Entwicklungsstillstand beim Gameplay nicht erklären. Spielablauf, Spielgefühl, Spielsteuerung und das Verhalten der Spieler – das alles kommt einem doch sehr bekannt vor. Änderungen sind praktisch zu keinem Zeitpunkt wirklich spürbar. Ist das aber jetzt negativ? Schließlich spielte sich FIFA doch schon im letzten Jahr nicht wirklich schlecht? Und tatsächlich, der gewohnte Ansatz Simulation mit Arcardemomente zu mischen, macht auch im aktuellen Ableger wieder durchaus Spaß. Langwieriges Mittelfeldgeplänkel ist nun mal nicht die Sache von EAs Fußballumsetzung, bei FIFA geht es nach bekannten Schema wieder vor allem darum möglichst viele Torchancen zu bieten und zu zeigen. Manch einer mag das als unrealistisch bemängeln, wir finden aber, dass das Gameplay eben auch viel Spielspaß bietet und man sich praktisch zu keinem Zeitpunkt wirklich langweilt.

Schlechter ist da schon, dass leider auch die bekannten Schwachpunkte weiterhin unverändert vorhanden sind und keiner der bereits letztes Jahr angesprochenen Kritikpunkte wirklich verbessert wurde. Etwa die immer noch ziemlich unrealistische Ballphysik, die weiterhin viel zu häufig kaum nachvollziehbares Verhalten des runden Leders zeigt. Absolut lächerlich ist auch die Anzahl an Pfosten- bzw. Lattentreffern. Wohl um etwas Spannung zu produzieren, ist das Programm der Meinung, mindestens fünf Schüsse ans Torgestänge pro Spiel sind Pflicht. Mit reinem Pech ist diese hohe Anzahl auf jeden Fall nicht mehr erklärbar. Ebenfalls kaum erklärbar ist, warum sich die Gegner-KI grundsätzlich immer klüger, aggressiver und taktisch geschulter gibt, als die CPU-gesteuerten Mitspieler. Bei unseren Mitstreitern sehen wir auf jeden Fall öfters richtig dümmliches Verhalten, gerade wenn es darum geht schnell umzuschalten, um etwa einen erfolgreichen Konter zu fahren. Auch dass das Spiel über die Außen mit entsprechenden Flanken in den Strafraum viel zu ungefährlich integriert wurde, ist eine bekannte Problematik der letzten Jahre und leider unverändert auch wieder im aktuellen Ableger enthalten.

Und trotzdem: FIFA 18 ist spielerisch kein schlechtes Spiel, ganz im Gegenteil. Taktisch werden mittlerweile enorme Möglichkeiten geboten, Anweisungen an einzelne Spieler sind möglich und werden vor allem auch gut umgesetzt und Tore fallen nicht einfach so, sondern müssen meist sinnvoll herausgespielt werden. Sicher ein Pro Evolution Soccer geht in vielen Bereichen deutlich tiefer, aber das war nie der Ansatz von EAs Fußballumsetzung und von daher bietet FIFA eigentlich wieder genau den Spielspaß, den wir von ihm erwartet haben.

fifa-18-screenshot-09

Alex Hunter geht in die Verlängerung 

Wohl eine der Neuerungen im letzten Jahr war der Story-Modus um das englische Nachwuchstalent Alex Hunter. Und scheinbar war der Erfolg und die Begeisterung in der Spielergemeinde so groß, dass die Spielvariante von den Entwicklern nun mit einer Version 2.0 bedacht wurde. Unter dem vielsagenden Titel „Die Rückkehr“ wird euch darin der bekannte Ablauf geboten, d. h. einige Zwischensequenzen, eine eher oberflächliche Geschichte und viel Fußball. Aufbauen auf die Story von FIFA 17 begleitet ihr nun Alex Hunter auf seinem weiteren Weg durch die diversen Ligen Europas und Nordamerikas. Und hier ist auch schon die größte Neuerung erwähnt, denn man ist eben nicht mehr nur auf die englischen Ligen beschränkt, sondern kann mit Alex nach Frankreich, Spanien oder Deutschland wechseln und dort um Pokale spielen. Auch die Beschränkung auf den normalen Ligaalltag gehört der Vergangenheit an. So wird euch immer mal wieder die Möglichkeit gegeben, die Welt zu bereisen und an besonderen Turnieren, etwa im 3-gegen-3-Modus, teilzunehmen. Übrigens auch als Online-Variante über Xbox Live und mit Spielern aus der Community. Ebenfalls neu ist, dass ihr nun auch in andere Charaktere schlüpfen könnt und kleine, leider meist nur sehr oberflächliche Parallelgeschichten durchspielen dürft.

Inszeniert wird der gesamte Modus auch in FIFA 18 wieder wirklich gut. So gibt es eine Unmenge an kleinen Filmchen, die die normalen Abläufe um Spiele und Spielerentwicklung sehr gut auflockern. Auch laufen einen immer mal wieder bekannte Gesichter der Fußballszene über den Weg, was dem Ganze eine enorme Authentizität gibt. Etwas unausgegoren ist hierbei allerdings, dass Ronaldo, Henry & Co. nur in gepflegten Englisch plaudern, was bei deutscher Spracheinstellung zu einem sonderbaren, kaum passenden Sprachen-Wirrwarr führt.

Alex Hunter war letztes Jahr sicher das Highlight von FIFA 17 – dieses Prädikat können wir „der Rückkehr“ nicht mehr verleihen. Sicher, der Story-Modus ist nett, bietet auch ein paar sinnige Erweiterung, ist aber in seiner zweiten Auflage einfach nichts Besonderes mehr, auch weil vieles, wie etwa die Entwicklung des Spielers, die Trainingsarbeiten und der grundsätzliche Entscheidungsablauf aus dem Vorgänger, hinlänglich bekannt ist.

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Trainerkarriere und mehr

Bekannt sind auch die Karriere-Modi als Trainer und Spieler. Über letzteren hüllen wir mal lieber den Mantel des Schweigens, zu tröge, zu unmotiviert und zu langweilig ist die Spielerkarriere aufgebaut und inszeniert. Übrigens ein nicht gerade unbekanntes Problem – und zwar bereits über Jahre. Auch der grundsätzliche Ablauf des virtuellen Trainerlebens kann kaum mit Überraschungen dienen. Immer noch geht es darum, sich um die Belange der Mannschaft zu kümmern, die richtige Taktik aufzustellen, die Trainingseinheiten individuell – übrigens sind Trainingspläne mittlerweile speicherbar – abzustimmen, sich recht oberflächlich ums Geld zu kümmern und nicht zu Letzt möglichst viele Pokale zu gewinnen. Das bekannte Vorgabesystem ist ebenfalls wieder vorhanden, d. h. die Vereinsführung gibt Ziele, von finanziell bis sportlich, vor, welche dann auch bestmöglichst erfüllt werden sollten. Andernfalls droht tatsächlich das Arbeitsamt. Etwas mehr Dramatik soll durch die neuen Transfer-/Vertragsverhandlungen aufgebaut werden, die nun mit passenden Zwischensequenzen aufwarten können. Leider beschränkt sich das Ganze auf drei, vier „Filmchen“, weshalb man nach ein paar wenigen Verhandlungen bereits alles gesehen hat und die Sequenzen nur noch wegklickt. Hier hätten wir uns mehr Dynamik und mehr Abwechslung gewünscht. Schön allerdings, dass man mittlerweile so ziemlich alles, von der festgeschriebenen Ablösesumme bis zu den lukrativen Weiterverkaufsboni, in einem Vertrag verankern kann.

Und trotzdem fehlt der Trainerkarriere aber immer noch das gewisse Etwas abseits des Platzes. Fußball besteht halt nicht nur aus dem Spiel und den zwei Toren, sondern eben auch aus den besonderen Interviews, aus der ständig präsenten Rivalität, aus den aberwitzigen Fandiskussionen und schlussendlich eben aus der puren Dramatik. Das kann FIFA und sein virtuelles Trainerleben nicht bieten, mal wieder nicht.

Dafür hat sich EA die schon längere Forderung der deutschen Spieler nach der 3. Liga endlich zu Herzen genommen und das komplette Lizenzpaket vom Deutschen Fußball Bund samt DFB-Pokal erworben. Beides gibt es nun in FIFA 18, allerdings den DFB-Pokal ohne die Amateurvereine aus den Regionalligen, logisch.

Nicht neu, dafür mittlerweile ein fester Bestandteil: FUT. Der Modus Ultimate Team hat sich über die Jahre zu der Spielvariante überhaupt innerhalb der FIFA-Serie gemausert. Dem tragen die Entwickler auch beim neuesten Ableger mal wieder Rechnung und spendieren dem Modus die ein oder andere passende Erweiterung. Etwa die neuen Icons, hinter denen sich legendäre Fußballer in unterschiedlichen Entwicklungsphasen verstecken, also etwa ein Ronaldo zu seiner Anfangszeit, zu seiner ManU-Zeit und schlussendlich in seiner aktuellen Real Madrid-Zeit. Oder die neuen Squad Battles, einer spaßigen Einzelspielervariante innerhalb des FUT-Universum.

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Fußball ist Emotion

Was uns sofort auffällt, ist. dass es innerhalb der optischen Präsentation deutliche Abstufungen gibt. Wird etwa der Story-Modus um Alex Hunter in einer begeisternden Qualität präsentiert, bietet wirklich viele Details und kann schon alleine durch die optische Inszenierung eine enorm packende Atmosphäre schaffen, so muss man bei den anderen Spielvarianten schon deutliche grafische Abstriche hinnehmen. Interessanterweise aber auch hier dann in unterschiedlicher Art. Während etwa die englische Premier-League und die amerikanische MLS vor Emotionen gerade so platzen und Stadien, Fans, wie überhaupt das gesamte Übertragungsdesign realistischer kaum sein könnten, müssen Fans der anderen Ligen, darunter leider auch der deutschen, schon mit weit weniger Atmosphäre leben. Alles ist hier etwas trister und bei weitem nicht so authentisch integriert. Trotzdem ist es FIFA 18 insgesamt schon anzumerken, dass es mehr Emotionen, vor allem aus den Zuschauerreihen, auf die heimischen Bildschirme transportieren will. Und durch die diversen neuen Zwischensequenzen direkt aus den Fanblocks gelingt dies über weite Strecken auch recht gut. Schön auch, dass die Lichteffekte wieder perfekt integriert wurden und es einfach genial aussieht, wenn ein Stadion in das rote Licht eines Sonnenuntergangs getaucht ist oder die düstere Stimmung eines verregneten Tages nahezu perfekt simuliert wird. Apropos Wettersystem. Es ist nicht schlecht, kann meist auch die entsprechende Situation gut darstellen, leider fehlt es häufig aber trotzdem auch an dem letzten Schuss Realität. Schneefall und vor allem ein verschneites Spielfeld sieht nun mal anders aus – und auch deutlich erkennbare Unterschiede bei der Regenstärke hätten sicher noch mehr dieses nicht unwichtige „Wie im richtigen Leben“-Gefühl erzeugt.

Und der Kommentar? Immer noch sind Wolff Fuss und Frank „Buschi“ Buschmann an den Mikrofonen mehr oder weniger passend unterwegs. Immer noch wiederholen sich die einzelnen Floskeln relativ schnell. Und immer noch wird manchmal ein richtiger, zu der Spielsituation überhaupt nicht passender Blödsinn erzählt. Aber immer noch sind sie eben auch das mit Abstand beste deutschsprachige Reporterduo innerhalb der virtuellen Sportwelt. Und mal ehrlich: Wir können uns ein FIFA ohne die beiden Quasselstrippen gar nicht mehr vorstellen.

fifa-18-screenshot-06

 

Getestete Version: Xbox One

Unser Fazit

87 %

FIFA 18 ist ein gutes Spiel. FIFA 18 macht auch Spaß. Und FIFA 18 hat auch so viele Erweiterungen spendiert bekommen, dass eine Neuanschaffung für Sport- und Fußballfans richtig Sinn macht. Schon allein die endlich integrierte 3. Liga könnte bei vielen deutschen Spielern als guter Grund herhalten. Überhaupt bleibt das weiterhin sehr dicke Lizenzpaket einer der Pluspunkte von EAs Bolzsimulation. Positiv auch, dass die Entwickler auf bewährte Inhalte setzen und diese geschickt erweitern. Etwa mit der Verlängerung von Alex Hunters Geschichte in der Fußballwelt. Oder den neuen Icons innerhalb von FUT. Oder der Möglichkeit innerhalb der Karriere nun auf eine optisch aufgepeppte Transfer- bzw. Vertragsverhandlung zurückgreifen zu können. Weniger gut hingegen, dass sich spielerisch nur sehr wenig, um nicht zu sagen, überhaupt nichts getan hat. FIFA spielt sich auch 2017 wie FIFA – und das weiterhin mit den bekannten positiven, wie negativen Aspekten. Kleine Schritte auch bei der Technik. Zwar wurde das Fandesign etwas überarbeitet, aber insgesamt wird einem Grafisch und Akustisch doch viel bekannte Kost geboten. Und trotzdem hält sich unsere Kritik sehr in Grenzen, denn der Titel ist als Ganzes so gut, dass wir finden, er sollte in jede gut sortierte Sportspielsammlung gehören.

Pro

  • + spielerisch wird weiterhin viel FIFA geboten (für die einen)
  • + Alex Hunters Rückkehr
  • + Verhandlungs-Erweiterungen in der Managerkarriere
  • + FUT mit ein paar Erweiterungen
  • + endlich die dt. 3. Liga und der DFB-Pokal
  • + weiterhin enormes Lizenzpaket
  • + stimmungsvolle Präsentation (vor allem beim Story-Modus)
  • + Akustik in den Stadien nahe der Realität

Kontra

  • - spielerisch wird weiterhin viel FIFA geboten (für die anderen)
  • - weiterhin schwache Ballphysik…
  • - …und eine KI mit Schwächen
  • - vieles bei den Inhalten kommt einem mehr als bekannt vor…
  • - …etwa sind die meisten Spielmodi grundsätzlich unverändert
  • - Präsentation mit zu starken Schwankungen

Unsere Bewertung

Grafik
 
81 %
Sound
 
90 %
Steuerung
 
81 %
Gameplay
 
88 %
Multiplayer
 
85 %
Spielspaß
 
87 %

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Als arbeitender Familienvater hat Thomas natürlich nur wenig Zeit, aber wenn dann halt mal doch, schreibt er mit großer Begeisterung mehr oder weniger Sinnvolles über alles was auch nur annähernd mit Sport zu tun hat.

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