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Fimbul – Test / Review

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Veröffentlicht 27. März 2019 | 17:35 Uhr von Marc Wunder

Fimbul-Artwork

Ein Action-Adventure im hohen Norden. Ein Wikinger auf Rachefeldzug. Tonnen an Blut und abgeschlagenen Köpfen. Tiefe Einblicke in die nordische Mythologie. Klingt alles zu gut um wahr zu sein? Ist es leider auch… 

Kvelduvel, der Wikinger 

Und dabei klingt die Ausgangslage sehr vielversprechend. Ihr spielt den alternden Wikinger Kvelduvel. Dieser wird von seinem eigenen Bruder verraten und erschlagen. Doch die Weberinnen des Schicksals haben noch Pläne mit Kvelduvel und holen ihn zurück ins Leben. Denn der Fimbulwinter ist angebrochen – der lange Winter, welcher dem Ende der Welt Ragnarök voran geht. Auch die Jötunnen, Eisriesen aus Jötunheim haben hier ihre Finger im Spiel, denn ihr Ziel ist der Niedergang Asgards, Wohnort der Götter. So reist ihr durch die nordische Welt, um die betrügerischen Riesen aufzuhalten und das vorzeitige Ende der Welt doch noch abzuwenden.

Die Geschichte wird hierbei durch ansprechend präsentierte, zum Teil blutige Comicstrips vorangetrieben. Hier und da darf man sogar eine Entscheidung fällen, die den Fortgang der Geschichte geringfügig beeinflusst. Man kann sogar über den im Menü befindlichen „Lebensfaden“ zu früheren Entscheidungen zurückspringen und das Spiel von dort mit anderen Entscheidungen fortsetzen. Alles sehr verworren und teilweise konfus erzählt. Zumal Kvelduvel eine besondere Verbindung zu den Jötunnen hat, die in der Vergangenheit fußt. Alles in allem geben sich die Entwickler Mühe, eine interessante Geschichte zu erzählen, die gut auf der Welle von God of War und Serien wie Vikings mitschwimmen kann.

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Hauen und stechen

Ganz im Gegensatz dazu kann das Gameplay nicht wirklich überzeugen. Ihr steuert Kvelduvel aus einer isometrischen Vogelperspektive durch die weißen Winterlandschaften und prügelt auf alles ein, was euch entgegenkommt. Dazu nutzt ihr schnelle oder schwere Schläge, blockt, oder weicht mithilfe einer Ausweichrolle aus. Wenn ihr Gegner trefft ohne selbst Schaden zu nehmen, füllt sich eine Komboleiste. Je nach Füllstand könnt ihr verschiedene Spezialmanöver ausführen. Zum Beispiel eine sofortige Exekution inklusive umherfliegender Körperteile. Oder man stellt ein Banner auf, welches euch langsam heilt solange ihr in der Nähe bleibt. Werdet ihr jedoch getroffen, sinkt der Kombobalken wieder. Dies hört sich alles sehr taktisch an, ist es in der Praxis aber nicht. Man rollt durch die Gegend, setzt ein paar schnelle Schläge und führt bei stärkeren Gegnern eine Exekution ein. Ist man angeschlagen rennt man davon und stellt das Banner auf. Zwar ist es möglich Angriffe zu blocken, aus Mangel einer Kontermöglichkeit macht es jedoch wenig Sinn. So nimmt der Schwierigkeitsgrad nur durch die spätere schiere Masse der Gegner zu.

Von getöteten Feinden könnt ihr Schwerter, Schilde und Rüstungen aufnehmen. Denn eure Ausrüstung kann sich durchaus Abnutzen und zerstört werden. Allerdings gibt es keine Statuswerte, so dass es egal ist, was ihr aufnehmt. Schade, hier hätte man zumindest einen Rollenspieleinschlag hineinbringen können, indem ihr immer besser Waffen mit vielleicht sogar speziellen Attributen findet. Hat man aber nicht –  Chance vertan! Dies ist einer der Punkte, die Fimbul unfertig wirken lassen. Ein anderer Punkt sind die Bosskämpfe: Hier tretet ihr gegen Trolle und später auch gegen Riesen an. Diese sind so groß, dass sie euch mühelos zertrampeln könnten…. wenn sie nicht so schwerfällig und die KI nicht so plump wäre. Umso simpler sind sie zu erledigen. Überall um die Kolosse wurden Fässer mit Speeren positioniert. Speer aufnahmen, auf den mit einem Kreis gekennzeichneten Schwachpunkt schießen, Boss fällt um, draufhauen. Bei Bedarf mehrmals wiederholen. Wer viel Geduld kann diese Mechanik sogar ignorieren und minutenlang auf die Füße der Gegner schlagen – auch so leert sich der Lebensbalken. Aufregende Bosskämpfe sehen anders aus! Auch die beiden Schleichabschnitte, in denen ihr einen kindlichen Kvelduvel verkörpert, fühlen sich so an, als wären sie die Überbleibsel eines ursprünglich viel größeren Konzepts.

So verbringt ihr den Großteil des mit etwa vier Stunden sehr kurzen Spiels damit, von A nach B zu wandern, einen Boss zu besiegen und weiter nach C zu ziehen. Auch grafisch bekommt man nicht allzu viel Abwechslung geboten. Die Engine setzt auf klare, großflächig farbige Flächen, die sehr an Cell-Shading erinnern. Nur ohne die sonst typischen dicken Outlines. Auch hat man sich an den immer gleichen Winterlandschaften und massiv eingesetzten Unschärfeeffekten bald satt gesehen. Nur manchmal können schöne Beleuchtungseffekte, wie durch Geäst brechende Sonnenstrahlen ein optisches Ausrufezeichen setzen. Diese Aha-Momente gibt es jedoch viel zu selten.

 

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Bild 1 von 9

 

Getestete Version: Playstation 4

 

 

Unser Fazit

69 %

Alles in allem Enttäuscht Fimbul leider. Das Setting in skandinavischer Schneewüste und die mythologisch angehauchte, wenn auch konfuse Geschichte können gefallen. Das Gameplay bleibt leider mit seinen repetitiven Massenschlachten und Bosskämpfen auf der Strecke. Mit ein bisschen mehr Zeit und Komplexität – z.B. ein einfaches RPG-System- hätten die Entwickler aus der guten Grundmasse wesentlich mehr rausholen können. Fans nordischer Mythologie können aber durchaus einen Blick riskieren.

Pro

  • + interessantes Setting
  • + ansprechende Story
  • + Entscheidungen wirken sich auf Spielverlauf aus

Kontra

  • - zu kurz
  • - Kampfsystem uninteressant
  • - durchwachsene Optik
  • - repetitive Bosskämpfe
  • - wirkt "unfertig"

Unsere Bewertung

Grafik
 
70 %
Sound
 
72 %
Steuerung
 
85 %
Gameplay
 
63 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
69 %

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Hier im Forum als RONIN unterwegs. Seit über zwei Jahrzehnten leidenschaftlicher Gamer. Als Multiplattformer auf jedem System zuhause.

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