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Final Fantasy Type-0 HD – Test / Review

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Veröffentlicht 1. Februar 2016 | 15:08 Uhr von Marc Wunder

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Ganze vier Jahre hat es gedauert, bis das im Oktober 2011 ausschließlich in Japan für PSP erschienene Type-0 auch endlich westlichen Spielern zur Verfügung gestellt wurde – natürlich als HD-Port für PS4 und One. Kann dieses eher unkonventionelle Final Fantasy überzeugen?

Die Klasse 0

Zuerst einmal zur Einordnung. Sowohl Type-0, als auch die Final Fantasy XIII-Trilogie und das kommende Final Fantasy XV beruhen auf der gleichen mythologischen Grundlage. Sie sind Teil des Fabula-Novis-Crystallis-Zyklus. Type 0 sollte sogar ursprünglich als Final Fantasy Agito XIII in direkter Verbindung zu XIII als Smartphone-Game veröffentlicht werden, bevor man das Konzept abänderte und ein PSP-Spiel daraus bastelte. Neulinge können trotzdem aufatmen. Zwar teilt sich Type-0 mit den anderen Spielen die Welt und den Hintergrund, der Schauplatz ist mit Orience allerdings ein komplett Anderer. Zudem gibt es ein umfangreiches Glossar, welches Licht ins Dunkel bringt.

Die Geschichte dreht sich um die namensgebende Klasse 0, vierzehn hoch spezialisierte, synthetisch erschaffene Kadetten, die von der dubiosen Dr. Arecia Al-Rashia („Mutter“) ausgebildet werden. Diese dienen in einem erbarmungslosen Krieg, welcher von einer der vier Nationen Oriences vom Zaun gebrochen wurde, um die Kontrolle über die alles bestimmenden Kristalle zu erlangen.

Square Enix inszeniert diesen Krieg ungewohnt hart und zeigt mit allen angeschnittenen Themen die Scheußlichkeit des Kampfes. Sehr ungewöhnlich für ein Final Fantasy ist zum Beispiel die Darstellung von Blut. Aber es geht auch um die Angst des Vergessens gefallener Freunde, Massenvernichtungswaffen, Plünderung, posttraumatische Belastungsstörungen, das Alleine sein und immerzu sind Querverweise zum Faschismus erkennbar. Alles ziemlich harter Tobak, der aus Type-0 eines der ernstesten Final Fantasys macht.

Der Spieler wird immer mehr in den Sog der Handlung gezogen und verfolgt die Entwicklung der Klassenkameraden, die in den Wirren des Krieges versuchen, ihre Freundschaft und Menschlichkeit zu bewahren, aber auch ihre eigenen jugendlichen Probleme untereinander lösen müssen, während die Herrscher der großen Nationen im Hintergrund ihre Fäden spinnen.

Kurz um: Square Enix liefert eine mit interessanten Charakteren gespickte, reife Geschichte. Nur ab und zu greift man – typisch japanisch – etwas zu tief in die Kitsch- und Pathosschublade, so dass die ein oder andere Szene doch einen gewissen Fremdschäm-Touch erhält.

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Auf in den Kampf 

Rundenkämpfe und Active-Time-Battle haben ausgedient. Type-0 bietet reinrassige Echtzeitkämpfe, die sich am ehesten noch mit Crisis Core vergleichen lassen. Gleichzeitig stehen immer drei Kadetten im Gefecht, die aus den vierzehn Charakteren gewählt werden. Man steuert immer einen Kämpfer, während die beiden Kollegen relativ autonom agieren. Heilzauber kommen dann, wenn sie benötigt werden und Angriffe, sowie Zauber geschehen zum richtigen Zeitpunkt. Gerade Anfangs nehmen einen die KI-gesteuerten Recken sehr viel Arbeit ab. Stirbt einer der Charaktere, wird er nach kurzer Zeit durch einen anderen Kämpfer ersetzt. Der tote Schützling steht dann für den Rest der Mission nicht mehr zur Verfügung. Erfahrungspunkte erhalten nur die Kameraden, die am Gefacht teil genommen haben. Schon alleine deshalb ist es wichtig, sich nicht zu sehr auf einen kleinen Anteil der Charaktere zu spezialisieren. Im späteren Spielverlauf trifft man auf Gegner, die besonders anfällig auf Konstellationen bestimmter Kampfpartys sind, deshalb sollte man jeden der Kämpfer gleichmäßig leveln. Es gilt, alle zu beherrschen!

Denn hinsichtlich Durchschlagskraft, Defensivfähigkeiten und Effektivität gegen bestimmte Monster, unterscheiden sich die Charaktere sehr stark. Und jeder bringt seine bevorzugte Waffe mit: Schwerter, Keulen, Peitschen, Spielkarten oder auch eine Flöte. Während die ersten Kämpfe noch eher zum reinen, unbefriedigenden Button-Mashing ausarten, werden die Kämpfe mit steigendem Spielverlauf (und erlernten Fähigkeiten) wesentlich komplexer und taktischer. Verteidigung aufbauen, angreifen, heilen, ausweichen angreifen und so weiter. Und wenn alle Stricke reißen, kann man immer noch einen mächtigen Esper wie Ifrit oder Shiva beschwören, um im Kampf Unterstützung zu erhalten. Allerdings wird dann der aktive Charakter geopfert. Manchmal offenbart der Gegner auch für ein kurzes Zeitfenster einen Schwachpunkt, mit dem man das Monster ungeachtet seiner Hitpoints sofort töten kann.

Doch gerade in großen Gegnergruppen kommt es durchaus vor, dass Kämpfe sehr hektisch und unübersichtlich werden. Dann übermannt einen oftmals das Gefühl nicht in allen Punkten Herr der Lage zu sein.

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Umfangmonster 

Auch abseits der Haupthandlung gibt es jede Menge zu tun. Die Attribute der Kämpfer steigern sich nach jeden Level-Up. Zudem kann man aus einem reichhaltigen Fähigkeitenpool (teils sogar mit mehreren Abstufungen) für passive und aktive Fähigkeiten wählen, oder an der Ausrüstung der Klasse 0 tunen. Zudem besucht man zwischen den Missionen immer wieder die Akademie, in der man Unterrichtsstunden besuchen, Gespräche führen, Ausflüge in die Oberwelt unternehmen oder Nebenmissionen bestreiten kann. Allerdings gibt es dabei einiges zu beachten. Zum einen verbraucht jede Aktivität eine bestimmte Anzahl von Zeiteinheiten und es ist nicht immer klar, welche Belohnungen für bestimmte Aktionen warten. Hier muss man also abwägen. Zudem stehen manche Missionen nur bestimmten Charakteren zur Verfügung und es kann nur eine Nebenmission auf ein Mal erledigt werden. Die Wahl bleibt immer beim Spieler. Zwar bringt einem diese Zeitmanagement nie unter massiven Druck, aber trotzdem muss man für sich entscheiden, was einem derzeit am Wichtigsten erscheint. Schade ist allerdings, dass Nebenmissionen keine Auswirkungen auf die Haupthandlung haben. Das hätte man eleganter lösen können.

Ist die Zeit aufgebraucht, erklingt die Sirene und es geht von der Akademie mit Schulmädchen-High-School-Anwandlungen zurück in die Ernsthaftigkeit des Krieges.

Zusätzlich verfügt das Spiel noch über einen kleinen Strategieteil, in dem ihr auf einer Weltkarte Einheiten verschiebt, Gegnergruppen aufreibt und zwischendurch mit einem beliebigen der 14 Kadetten über das Schlachtfeld lauft, eure Einheiten unterstützte, Spezialtruppen entsendet und Befehle gebt. Alles sehr simpel, aber abwechslungsreich.

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Hässliches Entlein

Spätestens an dem „HD“ im Titel merkt man, dass es sich hierbei um eine Neuauflage eines Handheld-Spiels handelt. Leider ist die Umsetzung nicht vollends geglückt und kommt bei weitem nicht an den gewohnten Standard der aktuellen Generation heran. Während die Hauptcharaktere und die Akademie deutlich aufgehübscht und mit besseren Texturen versehen wurden, ist der ganze Rest eher hässlich. Verwaschenen Texturen, grobe Objektauflösungen, kantige Animationen.

Optisch hätte man sich weitaus mehr Mühe geben können und müssen.

Die englische Lokalisierung ist recht anständig gelungen, auch wenn einige Dialoge übertrieben kitschig oder pathetisch daher kommen. Da kann einem ab und zu schon einmal die Schamesröte ins Gesicht laufen.

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Unser Fazit

78 %

Mit Final Fantasy Type-0 HD ist Square Enix ein tolles Echtzeit-Rollenspiel mit überraschend düsterer Story rund um Krieg und dessen Auswirkungen gelungen. Zudem entpuppt sich das Game Dank unzähliger Nebenaufgaben, Strategieteil und Ausrüstungs-/Fähigkeitentunings geradezu als Umfangmonster. Einzig die sehr altbackenen Grafik kann die ursprüngliche PSP-Herkunft nicht verbergen. Auch das teils hektische Kampfgeschehen und die gewöhnungsbedürftige Lokalisierung dämpfen das ansonsten gameplaytechnisch grandiose Final Fantasy.

Pro

  • + spannende, emotionale Story
  • + 14 stark unterschiedliche Charaktere
  • + gutes Echtzeit-Kampfsystem
  • + zahlreiche Nebenaktivitäten und Geheimnisse
  • + deutsche Untertitel
  • + angenehmer Schwierigkeitsgrad

Kontra

  • - Optisch extrem schwach
  • - teils schwache englische Synchronisierung
  • - viel Grinding
  • - kleine Abschnitte mit vielen Ladepausen
  • - hakelige Steuerung

Unsere Bewertung

Grafik
 
60 %
Sound
 
80 %
Steuerung
 
75 %
Gameplay
 
85 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
84 %

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Hier im Forum als RONIN unterwegs. Seit über zwei Jahrzehnten leidenschaftlicher Gamer. Als Multiplattformer auf jedem System zuhause.

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