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Gran Turismo Sport – Test / Review

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Veröffentlicht 17. Dezember 2017 | 19:44 Uhr von Thomas Pfnür

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Wer die Gran Turismo Reihe kennt, der kennt auch die Vorliebe des Publishers zu den diversen Ablegern außerhalb der Fortsetzungsreihe. Mal heißen sie Concept, mal Prologue und jetzt eben Sport. Im Endeffekt sind es Serienteile, die durchaus kleine Fortschritte zeigen, aber insgesamt deutlich weniger bieten, sei es an Fahrzeugen, Strecken oder Spielmodi. GT Sport legt nun sein Augenmerk, wie der Name schon vermuten lässt, vor allem auf die sportliche Rennaction – mit wenig Umfang, aber viel Online. Ob das genügt, um die übliche Gran Turismo Begeisterung auszulösen? Wir sagen: Ja und Nein. 

Das typische GT-Fahrgefühl 

Wenig überraschend: Gran Turismo Sport bietet genau dieses Fahrgefühl, was die Serie schon seit Jahren bietet. Ehrlich gesagt, wäre alles andere aber auch mehr als überraschend gewesen. Besonderheiten oder große Änderungen braucht ihr somit allerdings auch nicht erwarten. Aufgrund der hohen Qualität des Gebotenen kann man dies aber durchaus verschmerzen. Die perfekt inszenierte Rückmeldung der virtuellen Strecke aufs Lenkrad bzw. den Controller begeistert nicht nur, es fordert auch richtig. Durch die realistische Fahrphysik mit spürbaren Gewicht der Boliden, merklicher Abnutzung der Reifen bzw. der gesamten Fahrzeugtechnik und genialem Geschwindigkeitsgefühl werden wir bereits nach wenigen Streckenmetern komplett ins Spiel bzw. ins Rennen gezogen. Spielerische Schwachpunkte am integrierten Gameplay, am Verhalten der Fahrzeuge oder am abgebildeten Rennspaß muss man schon sehr genau suchen.

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Vorhanden sind aber welche. Etwa das unrealistische Fahrzeugverhalten, welches einem vermittelt wird, wenn wir mal den Asphalt verlassen und Offroad auf Kies, Sand oder Schotter quer durch die Pampa düsen. Die Boliden haben dann viel zu wenig Haftung mit dem lockeren Untergrund, so dass wir ständig rutschen und mit jeder Kurve richtig zu kämpfen haben. Das ist nicht nur richtig anstrengend, nein, es scheint uns vor allem auch deutlich zu unrealistisch integriert zu sein. Unrealistisch agiert auch die in drei Schwierigkeitsstufen wählbare KI. Die CPU-gesteuerten Fahrer kleben viel zu stark auf der Ideallinie und geben sich auf selbiger ganz nebenbei auch noch extrem aggressiv. Auffahrunfälle bzw. nervige Rempler sind somit an der Tagesordnung. Da kann man richtig froh sein, dass das Schadensmodell mal wieder praktisch nicht vorhanden ist – weder spielerisch, noch optisch – und man wegen Totalschaden keine Rennausfälle befürchten braucht. Und trotzdem finden wir es auch lächerlich, wenn heftige Kollisionen mit wenigen Kratzer und kaum sichtbaren Beulen überstanden werden. Das hätte man besser lösen können, nein sogar müssen.

Aber selbst diese Kritikpunkte können nicht verhindern, dass GT Sport in bester Serientradition die Rennatmosphäre mal wieder perfekt abbildet und die aufreibende Action bezüglich der Positionskämpfe kaum besser inszeniert werden hätte können. Damit sich Neueinsteiger aber hierbei nicht überfordert fühlen, gibt es Genretypisch allerlei zuschaltbare Fahrhilfen. Automatikgetriebe, Bremshilfen, eine optische Ideallinie usw. – was der Anfänger von einem Rennspiel erwartet, wird ihm auch bei GT Sport im vollem Umfang mal wieder geboten.

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Online ist Pflicht – Offline nicht vorhanden 

Größte Besonderheit des neuesten Gran Turismo dürfte wohl sein, dass sich das Spiel nahezu komplett dem Online-Modi verschrieben hat. Um in den Genuss aller Inhalte zu kommen ist somit ein Abo beim Bezahlservice PSN absolute Pflicht. Wer allerdings tatsächlich nur Offline spielen will, wird sich mit einem simplen, kaum mehr als ein paar Stunden motivierenden Arcardemodus abfinden müssen – oder am besten komplett auf GT Sport verzichten. Alle anderen können sich auf eine durchaus fordernde Kampagne mit diversen Einzelherausforderungen und spannende Multiplayer-Rennen gegen die Community freuen. Die Kampagne ist hierbei nicht wie ein klassischer Karrieremodus, den man etwa aus den anderen Serienablegern kennt, aufgebaut, viel mehr haben sich die Entwickler auf das Abarbeiten einzelner Missionen mit unterschiedlichen, meist nicht mal besonders innovativen Aufgaben, wie „Gewinne das Rennen“ oder „Absolviere einen Pylonen-Parcours“, beschränkt. Trotzdem ist das Ganze jetzt nicht langweilig aufgebaut und gerade durch das stimmige Belohnungssystem, welches nicht nur Platzierungen, sondern auch einen vorsichtigen, unfallfreien Fahrstil entsprechend honoriert, konnten wir selbst nach mehreren Rennen keinen Einbruch der Motivation feststellen.

Weit weniger begeistert hierbei dann die zur Verfügung gestellte Anzahl an Fahrzeugen und Strecken. Mit gerade mal knapp 160 Boliden, alles übrigens nur hochgetunte Straßenflitzer und Ralley-Racer, könnt ihr auf 17 Strecken in insgesamt 40 Varianten um Siege fahren. Keine Zahlen, die die Konkurrenz wirklich erzittern lassen. Weniger Inhalt war schon zu erwarten, aber so wenig? Trotzdem wird insgesamt immer noch so viel geboten, dass man sich zumindest Online einige Zeit mit dem Titel beschäftigen kann. Auch die allseits bekannte und „geliebte“ Fahrschule ist wieder vorhanden. Und natürlich wird einem die Möglichkeit geboten eigene Rennen, sogar eigene Rennserien, zu gestalten. Vom Reglement und ob eine Qualifikation nötig ist über die Startzeit, das Fahrerfeld und den Fahrzeugverschleiß bis hin zur Rennlänge und den Wetterbedingungen kann man praktisch alles, jederzeit vorgeben bzw. bestimmen. Überhaupt sind Rennen gegen die Community das Highlight von GT Sport. Hier kommt dann auch das Ghosting-System zum Einsatz. Dieses Feature schaltet langsamere Fahrzeuge etwa bei Überrundungen durchsichtig (Ghost-Car). Sinn hierbei soll sein, dass diese „Trödler“ nicht das Rennen behindern bzw. im schlimmsten Fall sogar noch lästige Unfälle verursachen können. Und tatsächlich, das System funktioniert meist sehr gut.

Das es mal wieder Ranglisten gibt, brauchen wir wohl kaum gesondert zu erwähnen. Erwähnen können wir aber noch, dass die Entwickler auch ein paar Gimmicks eingebaut haben, die bei manch einem durchaus so etwas wie Begeisterung auslösen können – bei uns jetzt weniger. Zum einen gibt es einen sehr umfangreichen Lack-Editor, um euren fahrbaren Untersätzen einen ganz individuellen Anstrich zu gönnen, zum anderen könnt ihr im Foto-Modus immer und zu jeder Zeit ein Bild von eurem Schätzchen oder euren besonderen Rennereignissen oder einfach nur so machen. Sicher, alles ganz nett, uns wären andere Features, wie z. B. deutlich mehr Offline-Inhalte, aber viel lieber gewesen.

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Guter Sound, noch bessere Optik 

Wenig überraschend sollte sein, dass uns GT Sport in bester Serien-Tradition eine wirklich begeisternde Optik bietet. Das beginnt bei den schön modellierten Cockpits bzw. Innenräumen der einzelnen Rennboliden, geht weiter über ein nahezu perfektes Design der Fahrzeuge bzw. deren Außenansicht und endet bei den durchwegs abwechslungsreich gestalteten Strecken. Unterstrichen wird dies alles durch die passenden Lichteffekte und die immer wieder für offene Münder sorgenden Spiegelungen. Die unterschiedlichen Tageszeiten werden nahezu perfekt dargestellt und lassen hierbei sogar manche Konkurrenz richtig alt aussehen. Trotzdem gibt es auch den einen oder anderen Kritikpunkt. Etwa, dass die Rennkurse zwar mit einigen Details auch abseits der Piste dienen können, im Gegenzug aber viel zu häufig auch viel zu steril integriert wurden. Übrigens ein Problem das GT Sport sicher nicht exklusiv hat. Schade ist auch, dass die Wettereffekte nicht dynamisch sind und optisch leider auch nicht wirklich überzeugen können. Da haben wir tatsächlich im Rennspielgenre schon deutlich besseres gesehen. Auch das lästige Kantenflimmern haben die Entwickler weiterhin nicht wirklich in den Griff bekommen. Dafür laufen die Rennen absolut flüssig und das lästige Nachladen von Objekten ist praktisch zu keinem Zeitpunkt wirklich zu sehen. Ebenso wie die immer mal wieder gerne vorhanden Clippingfehler – auch die sucht man meist vergebens. Kurzum: Die Optik passt soweit. Wie übrigens auch der Sound. Die Motoren klingen unterschiedlich, die Motoren klingen realistisch und die Motoren haben keinen der nervigen Akustikaussetzer. Alles ist passend integriert und dröhnt so aus den Lautsprechern wie wir das von einer Rennspielumsetzung auch erwartet haben.

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Unser Fazit

75 %

GT Sport bietet grundsätzlich genau das, was wir erwartet haben. Ein tolles Fahrgefühl mit Zugang, aber auch Forderung, schön designte Boliden mit den unterschiedlichsten Ausrichtungen, abwechslungsreiche Strecken aus praktisch jeder Klimazone und einer Technik auf höchstem Niveau. Soweit sind wir auch begeistert. Weit weniger begeistert sind wir allerdings davon, dass man GT Sport eben auch anmerkt, dass es so ein Art Zwischenableger ist, mit deutlich zusammengestutzten Inhalten und einer sonderbaren Online-Ausrichtung. Gerade letzteres wird bei jenen die kein kostenpflichtiges PSN-Abo ihr Eigen nennen nur wenig Jubel auslösen. Abseits von Internet & Co. gibt es nämlich nur eine einzige Spielvariante – das ist nicht nur mickrig, das ist unserer Meinung nach sogar eine richtige Frechheit. Fakt ist aber, dass es nun mal so ist wie es ist und der Titel somit für den reinen Offline-User kaum von Interesse sein dürfte. Für alle anderen allerdings wird genug geboten, um sich einige Zeit mit dem neuesten Ableger zu beschäftigen, wenn auch aufgrund des doch sehr überschaubaren Umfangs sicher nicht so lang, wie etwa mit einem Gran Turismo 6.

Pro

  • + typisches GT-Fahrgefühl…
  • + …mit passender Fahrphysik…
  • + …und tollem Geschwindigkeitsgefühl
  • + Zugang, aber auch Forderung
  • + gut funktionierendes Ghosting-System
  • + Online wird viel geboten
  • + sehr gute Kampagne mit vielen Aufgaben
  • + ein paar nette Gimmicks (Lackeditor usw.)
  • + schönes Fahrzeugdesign (Innen, wie Außen)
  • + passende Lichteffekte
  • + schöne Spiegelungen
  • + stabile Framerate
  • + realistische Soundeffekte

Kontra

  • - Spielerisch praktisch unverändert
  • - schwache KI (Gummibandeffekt usw.)
  • - unrealistisches Offroad-Fahrgefühl
  • - sinnfreies Schadensmodell
  • - Offline wird praktisch nichts geboten
  • - nur sehr begrenzter Umfang (Fahrzeuge, Strecken…)
  • - die Herausforderungen sind meist bekannter Standard
  • - tristes Streckendesign
  • - schwache Wettereffekte
  • - weiterhin störendes Kantenflimmern

Unsere Bewertung

Grafik
 
90 %
Sound
 
80 %
Steuerung
 
88 %
Gameplay
 
65 %
Multiplayer
 
85 %
Spielspaß
 
75 %

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Als arbeitender Familienvater hat Thomas natürlich nur wenig Zeit, aber wenn dann halt mal doch, schreibt er mit großer Begeisterung mehr oder weniger Sinnvolles über alles was auch nur annähernd mit Sport zu tun hat.

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