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Graveyard Keeper – Test / Review

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Veröffentlicht 25. November 2018 | 18:55 Uhr von Luca

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 «Du willst A erledigen? Dann vergiss nicht, dass du dafür B und C benötigst. C erhältst du, wenn D, E und F gemeistert sind. Das funktioniert jedoch nur, wenn du zunächst G angefertigt und H dorthin gebracht hast. Übrigens findest du H, wenn du I mit J beseitigt hast. J stellst du aus K, L und M her. Dazu benötigst du jedoch die Technologie N. Hast du genügend Technologiepunkte?»

Graveyard Keeper, der Aufbau-Simulations-Mix mit RPG- und Adventure-Elementen von Lazy Bear Games und tinyBuild ist «kein Spiel, das ihr mal einfach so geschwind durchspielt», wie es Ricky in unserem Einsteiger-Leitfaden treffend auf den Punkt gebracht hat. Dabei sieht es doch einfach wie ein nettes, kleines Indie-Game aus!

Eine Vorbemerkung: Da die Technologien und Spielmechaniken bereits in unserem Einsteiger-Leitfaden detailliert erläutert wurden, wird in diesem Review nur beispielhaft auf diese eingegangen.

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Auf dem Nachhauseweg zu unserer geliebten Frau werden wir in einen Unfall verwickelt und wachen in einer fremden Welt (dem Jenseits?) wieder auf. Begrüßt werden wir von einem dunkel gekleideten Mann. Warum wir genau in dieser Welt sind, will er uns nicht verraten. Stattdessen schickt er uns zu einem sprechenden Schädel, welcher ganz zu Beginn unser Begleiter sein wird. Dieser führt uns in der näheren Umgebung der kleinen Hütte herum, welche von nun an unser Zuhause ist, und zeigt uns die Leichenhalle, sowie die Kirche mit dem heruntergekommenen Friedhof. Im Rahmen eines rudimentären Tutorials erhalten wir unsere ersten Quests.

Mit dem Ziel, irgendwann wieder zu unserer Frau zurückkehren zu können, ist unsere Hauptaufgabe der Unterhalt des Friedhofs und der Kirche, welche zunächst noch geschlossen ist. Regelmäßig bringt uns ein Esel Leichen vorbei. Diese sollen wir so schnell wie möglich in die Leichenhalle transportieren und eine Autopsie durchführen, denn andernfalls setzt der Verwesungsprozess ein – und wenn wir Leichen in schlechtem Zustand begraben, schadet dies dem Prestige unseres Friedhofs. Dieses ist wichtig, damit wir die Kirche wiedereröffnen können. Je nachdem, welche Leichenteile wir entfernen, verbessert oder verschlechtert sich der Zustand der Leiche (ausgedrückt im Verhältnis von weißen und roten Schädelsymbolen). Die Leichenteile können wir später weiterverarbeiten. Zunächst jedoch begraben wir die Leiche (sofern wir es mit der Autopsie nicht verpfuscht haben und die Leiche in den Fluss werfen oder verbrennen) und versehen das Grab mit einem Grabstein und einer Umrandung. Außerdem reparieren wir bestehende Gräber.

Auch wenn das Spiel Graveyard Keeper heißt, ist der Friedhofunterhalt nur eine passive Aufgabe. Sobald die Kirche geöffnet ist, halten wir regelmäßig Predigten (am Anfang mit wenig Erfolg), und stellen als Friedhofswächterpriestergärtnerhändlerschmiedholzfällerabenteurerhandwerker allgemein einen Selbstversorgungshaushalt auf die Beine, sammeln Rohstoffe und verarbeiten diese weiter.

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Da wir nach dem kurzen Tutorial größtenteils uns selbst überlassen werden, sind wir zu Beginn ziemlich überfordert. Während die Spielmechaniken verständlich und einsteigerfreundlich sind, ist es die Unzahl an Dingen, denen wir nachgehen können, die uns zu schaffen macht. Glücklicherweise gibt es einige Rahmenbedingungen, welche uns Orientierung verschaffen. Die Spielwelt folgt einem sechstägigen Wochenplan, die Tage sind mit Symbolen versehen. Am Tag des Stolzes halten wir eine Predigt und der Bischof besucht uns, an einem anderen Tag finden jeweils Hexenverbrennungen statt, etc. Außerdem behalten wir stets unser Energielevel im Auge. Dieses schwindet, wenn wir Rohstoffe sammeln, Dinge herstellen oder Kämpfen. Ist die Anzeige leer, nehmen wir Nahrung zu uns oder legen uns schlafen.

Ein weiterer Dreh- und Angelpunkt sind die NPCs. Sie dienen als Questgeber, Handelspartner, Informationsquelle und Witzereisser. Zu den NPCs haben wir ein Beziehungslevel, welches wir durch Quests, bestimmte Aktionen, oder Perks erhöhen können. Das Level ist wichtig, weil dieses wiederum Voraussetzung für Quests ist. «Voraussetzung» ist ein gutes Stichwort, denn alles in der Spielwelt muss aufeinander abgestimmt sein. So setzt eine der ersten Quests die Öffnung der Kirche voraus. Damit wir dies erreichen, gibt es unzählige andere Subquests die wir erledigen (und zunächst als solche identifizieren) müssen. Noch schwieriger wird es durch die Tatsache, dass unser Logbuch nur spärliche Informationen zu Quests enthält, etwa «Bringe dem Kaufmann Schluckaufgras». Dabei wissen wir nicht einmal, was dieses Gras genau ist. Bei den vielen Quests und Voraussetzungen, die beachtet werden müssen, verlieren wir da schnell den Überblick. Am besten nehmen wir gleich einen Notizblock zur Hand und schreiben uns die Questinformationen auf, sobald wir sie erhalten (oder wir lesen die Leitfäden).

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Unser Spielverlauf wird insbesondere durch die Technologien bestimmt. Deren Ausbau und Weiterentwicklung sind nicht nur essentiell für das Erledigen von Quests, sondern ebenso für unseren Haushalt. So verlangt der Esel nach einer Weile Karotten als Gegenleistung für seine Lieferungen. Es lohnt sich also, «Landwirtschaft und Natur» auszubauen. Geht uns auf dem Friedhof der Platz aus, müssen wir «Theologie» ausbauen, um die Leichenverbrennung freizuschalten. Anderswo können wir verschüttete Durchgänge nur mit Werkzeugen beseitigen, für die wir eine bestimmte Handwerksfähigkeit und eine bestimmte Werkbank benötigen.  Für das Freischalten von Technologien brauchen wir Punkte. Grüne und rote erhalten wir im Spielverlauf relativ einfach indem wir Bäume fällen oder Grabsteine herstellen. Blaue Punkte hingegen sind selten und erfordern komplexere Aufgaben. Oft wird unser Spielverlauf dadurch entschleunigt, dass wir bestimmte Materialien nicht haben (oder nicht mehr haben, weil wir damit einen Werktisch hergestellt haben, das gewünschte Objekt jedoch nicht herstellen können, weil dafür ein anderes Material benötigt wird, welches wir zwar auch ohne den gerade gefertigten Werktisch herstellen können, aber die letzten Ressourcen dafür gerade verbraucht haben – das nächste Mal wollen wir besser vorausplanen). In diesem Fall können wir jedoch NPCs in der Spielwelt besuchen und uns die Materialien kaufen, sofern unser Beziehungslevel mit dem entsprechenden Händler dies bereits erlaubt und wir das nötige Kleingeld dabeihaben. Der einfachste Weg, an Geld zu gelangen, ist das Verkaufen von Bestattungsurkunden. Jedoch ergeben sich aus der Tiefe und Vielfalt des Spiels, sowie den unzähligen Technologien dutzende andere Wege, etwas zu verdienen. Wer es gerne gemütlich nimmt und lieber Gärtner sein will, der kann seine Ernte im Dorf verkaufen und so seinen Lebensunterhalt sichern.

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Die Komplexität ist identitätsstiftend für das Spiel, hat jedoch auch seine Nachteile. Dass Graveyard Keeper den Spieler nicht an die Hand nimmt und so auf Questmarker verzichtet, ist positiv zu werten. Die Wochenplan-Mechanik und das Energielevel bieten auf der einen Seite eine gewisse Struktur, auf der anderen Seite entschleunigen sie den Spielfortschritt deutlich. Zusammen mit dem Verzicht auf Quality of Life-Features wie dem Schnellreisen (abgesehen von freilegbaren Abkürzungen) geht ein Tag recht schnell um, wenn wir uns durch die Spielwelt bewegen, sodass wir stets auf die Zeit achten müssen, was sich aufgrund der vielen Voraussetzungen und Abhängigkeiten in der Spielwelt als kompliziert gestaltet und den Flow beeinträchtigen kann. Von daher ist eine gewisse Einarbeitungszeit in das Spiel nötig und eine adäquate Planung im Voraus sicherlich lohnenswert.

Auf der technischen Seite überzeugt Graveyard Keeper bis auf einige Schwächen größtenteils. Die Steuerung ist einfach und intuitiv, das Kämpfen gestaltet sich jedoch etwas hakelig. Das Spielen mit Gamepad ist eher fummelig, insbesondere die Navigation in unserem Inventar bzw. Technologiebaum zunächst gewöhnungsbedürftig.

Die atmosphärische Pixelgrafik fällt durch eine Menge an liebevollen Details auf. Witzige Animationen, die erst bei genauerem Hinschauen auffallen, verleihen den NPCs eine eigene Persönlichkeit. Die Licht- und Schatteneffekte gefallen ebenso wie das Wetter. Auf der anderen Seite lassen sich zwischendurch kleine Bugs ausmachen, etwa springt die Spielfigur beim Gehen zitternd hin und her, als bliebe sie ständig irgendwo hängen.

Die Soundeffekte sind simpel und passen daher zur Grafik. Die Charaktere sind nicht wirklich vertont, sondern sprechen ein Kauderwelsch. Der Soundtrack mag zwar nach einer Weile etwas repetitiv sein, trägt jedoch zum stimmungsvollen Gesamtbild bei

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Bild 1 von 51

 

Getestete Version: PC/Steam

 

Unser Fazit

79 %

«Don’t judge a book by its cover» - Graveyard Keeper sieht zunächst nach einem niedlichen kleinen Spielchen aus, überrascht jedoch mit vielen ineinandergreifenden Spielmechaniken. Diese werden nur zweckmäßig erklärt, sind aber allgemein einsteigerfreundlich. Mechaniken wie Wochentage und Technologien, sowie weitere Rahmenbedingungen, welche in der Spielwelt beachtet werden müssen, sind identitätsstiftend für Graveyard Keeper. Durch die Unmenge an Dingen, die erledigt werden müssen, sind eine gute Vorausplanung und das Fokussieren auf jeweils ein bestimmtes Ziel lohnenswert. Allerdings stellt sich die Frage, ob die Kombination sämtlicher Spielmechaniken, zusammen mit dem Verzicht auf Quality of Life-Features, die ganze Sache insgesamt nicht zu kompliziert macht. Dennoch schätzen wir es, dass die Spieler sich die Aufgaben über weite Strecken selber stellen müssen. Technisch überzeugt Graveyard Keeper größtenteils, insbesondere mit stimmiger Grafik und witzigen Animationen. Der Soundtrack passt zur atmosphärischen und liebevoll mit Details versehenen Pixelwelt. Graveyard Keeper ist aufgrund des teils etwas hohen Grinding-Anteils kein Spiel für jedermann. Wer sich die jedoch Zeit nimmt, sich mit den verschiedenen Mechaniken und Technologien vertraut macht, und es hinbekommt, dass die Zahnräder des Graveyard-Keeper-Uhrwerks ineinandergreifen, der wird mit einem flüssigen, erfüllenden und umfangreichen Spielerlebnis belohnt.

Pro

  • + Angemessener Schwierigkeitsgrad
  • + Spielerische Freiheit und Selbstverantwortung
  • + Viele freischaltbare Technologien
  • + Umfang und Spieltiefe
  • + Einsteigerfreundlich und dennoch komplex
  • + gut angepasstes Erfolge-System
  • + Nette Grafik und witzige Animationen
  • + Lustige Sprüche und viel Humor
  • + Trainiert das Arbeitsgedächtnis…

Kontra

  • - Zu Beginn und ohne Planung überfordernd
  • - Grinding
  • - Insbesondere mit Gamepad fummelige Steuerung
  • - Bugs, Übersetzungsfehler…
  • - Detaillierteres Quest-Logbuch und ein Tick mehr Quality of Life wären wünschenswert

Unsere Bewertung

Grafik
 
82 %
Sound
 
76 %
Steuerung
 
65 %
Gameplay
 
82 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
88 %

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