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Homefront: The Revolution – Test / Review

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Veröffentlicht 16. Juni 2016 | 14:28 Uhr von Marc Wunder

Homefront-Revolution-SP-Screenshot

Stell dir vor, Korea wäre vereinigt und hätte den größten Technologiekonzern der Welt hervor gebracht. Jeder unserer Alltagsgegenstände, ob Smartphone, Kühlschrank oder Fernseher besäße die Technologie von diesem Konzern. Und auch das Militär würde auf Chips und Computertechnik aus Korea zurück greifen. Und jetzt stell dir vor, sie würden diese Technologie gegen uns verwenden. Willkommen in der Welt von Homefront: The Revolution!

Revolution

Dieser Vorfall ist nun vier Jahre her. Die USA ist befindet sich im Würgegriff der koreanischen Volksarmee – KVA. Man verkörpert Ethan Brady, Mitglied der Widerstandszelle in Philadelphia. Viel Zeit, um sich in die Situation zurecht finden hat man nicht. Gleich zu Beginn wird Brady gefangen genommen und kann nur mit der Hilfe des Widerstandskämpfers Benjamin Walker entkommen. Dieser wird jedoch kurz darauf verletzt und geschnappt. Der Widerstand unter dem Anführer Jack Parrish steht nun vor einem Problem. Denn nur Walker –als „Stimme der Freiheit“ – kann es schaffen, genug Zivilisten auf die Seite der Rebellen zu ziehen und so die Revolution gegen die Invasoren anzuzetteln. Der Spieler in Form von Ethan Brady bekommt nun die Aufgabe, nach Walker zu suchen und ihn zu befreien. Es beginnt eine Schnitzeljagd rund um den Verbleib von Walker – und nebenbei schwingt man sich zum neuen Helden des Widerstands auf.

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Auf in den Kampf

Soviel zur allgemeinen Story. Anders als sein Vorgänger, der ein linearer Shooter ala Call of Duty war, ist Homefront: The Revolution in einer relativ offenen Welt angesiedelt. Das virtuelle Philadelphia ist in mehrere Stadteile unterteilt, die verschiedenen Zonen zugeordnet sind. Während man sich zum Beispiel  in gelben Zonen noch relativ unauffällig unter den Zivilisten bewegen kann und seine Aufgaben im Geheimen erledigt, sind rote Zonen Kriegsgebiet. Zivilisten sind hier geflohen und feindliche Patrouillen sind einem sofort feindlich gesinnt. Gerade am Anfang sollte der offene Kampf das letzte Mittel sein. Feinde sind zahlreich und rufen bei Kontakt sofort Verstärkung. Zudem hält Brady nur wenige Treffer aus, bevor er im Staub liegt. Deswegen ist es eher ratsam, bedächtig vor zugehen und öfters mal alternative Wege über Dächer und Tunnel zu suchen, statt den direkten Weg auf der Straße.

Bei vielen Mechaniken bedient sich Entwickler Dambuster sehr offensichtlich an Far Cry. Dies beginnt schon beim Entdeckungsindikator, der am Rand des Bildschirms als eine Art größer werdender Pfeil angezeigt wird. Gilt Brady als entdeckt, ruft der Feind Verstärkung und kreist seine letzte bekannte Position ein. Nun heißt es untertauchen und die Gefahr vorüber ziehen lassen. In der offenen Spielwelt lassen sich oft Motorräder finden, die man benutzen kann. Die Steuerung ist dabei allerdings eher zweckmäßig und wirklich sinnvoll ist die Anwendung auch nur in Gebieten mit wenig Feinden. Denn zu schnell wird man entdeckt und kämpft dann gegen eine Übermacht. Zudem bedienen sich die Gegner  suchan technischen Überwachungsgeräten wie Kameras, Drohnen oder auch Luftschiffen, welche die Wanderung durch die roten Zonen zu einem intensiven Spießrutenlauf werden lassen.

Ein weiteres aus FarCry bekanntes Feature sind die überall verstreuten Wachposten. Diese können eingenommen werden, womit die umliegenden Straßenzüge in die Hand des Widerstandes übergehen. Dabei müssen verschiedenen Aufgaben gelöst werden. Mal muss einfach nur das Gebiet gesäubert werden, eine Radiostation muss in Betrieb genommen, Tanklager zerstört, oder auch kleine Rätsel (Notstrom mit Motorradmotor starten) gelöst werden. Somit verringert man die Feindpräsents auf den Straßen und darauffolgende Hauptaufträge können spürbar leichter werden.

Das Heilen funktioniert ebenfalls ähnlich wie in FarCry durch Medikits. Die Anzeige besteht aus mehreren Balken, es lädt sich allerdings nur der gerade angefangene von selbst wieder auf. Auch findet man in jedem eroberten Stützpunkt Waffenschränke, in denen man neue Schießprügel kaufen oder modifizieren kann. Man könnte also sagen: besser gut geklaut, als schlecht selber gemacht.

Die Ausrüstung lässt sich durch gelootetes  Geld oder für Missionen erhaltene Punkte ebenfalls verbessern. So hält man mehr Schaden aus, schleicht leiser, kann mehr Granaten tragen oder erhält Sprengsätze, die auf steuerbare RC-Cars geschnallt werden können. Waffen sind modular aufgebaut. So kauft man beispielsweise ein Standardgewehr und kann es durch Upgrades zum Scharfschützengewehr oder aber auch zum Maschinengewehr umrüsten. Auch lassen sich Schocktaser und Flammenwerfer craften. Zudem kann man die Schießeisen noch durch verschiedenen Griffe, Visiere und Aufsätze modifizieren. Tragen kann man allerdings jeweils nur eine Waffe jedes Typs – leicht, mittel, schwer.

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Gib mir was zu tun

Während die Nebenaufgaben eher Genrestandard sind und mit viel Sammelei einher geht, so können die Hauptaufgaben überzeugen. Diese sind anständig designet und bieten abwechslungsreiche Missionsziele. Mal muss man einen monströsen Goliathpanzer zerstören, um an sein elektronisches Gehirn zu kommen, dann muss man eine Polizeistation infiltrieren, um Gefangene zu befreien, oder man verteidigt eroberte Raketenwerferbatterien.

Leider kann die Rahmenhandlung selber nicht überzeugen. Klischeebeladener Hurra-Patriotismus, stumpfe Charakterstereotypen und sinn befreite Dialoge bestimmen das Bild. Die Suche nach Walker gestaltet sich fast wie ein Super-Mario-Game. Kaum hat man einen Aufenthaltsort des Rebellen lokalisiert, so wird er schon woanders hin gebracht – ähnlich wie Prinzessin Peach aus Nintendos Hüpfspiel. So kann man auch die Spielzeit strecken, wenn es an Story fehlt!

Dafür wissen die gelben Zonen zu gefallen. Hier mischt man sich unter die Zivilisten und führt seine Missionen, wie Geiselrettung, Eroberung von Kontrollstationen, Attentate auf Offiziere oder Techniksabotage  aus dem Verborgenen heraus aus.

Mit jeder erfolgreichen Aktion erhöht sich der Widerstand in der Bevölkerung. Erreicht dieser 100%, so kann man die Bevölkerung zur offenen Rebellion gegen die Besatzer in diesem Stadtteil aufrufen. Dieser gilt dann als erobert.

Leider haben es die Entwickler verpasst, dem Spieler passende Antagonisten zu liefern. Der Gegner ist eben die KVA und diese sind die Bösen, weil das Spiel es so sagt. Das war´s! Da wäre so viel mehr drin gewesen. Warum nicht auch den Koreanern nachvollziehbare Beweggründe liefern? Oder zeigen, dass auch diese Soldaten nur Menschen sind? Verschenktes Potential.

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Gute Optik, aber technische Mängel

Als Grafikmotor verwendeten die Entwickler die aktuelle Cryengine. Und diese macht einiges her. Gerade Spiegelungen und Lichteffekte sehen fantastisch aus und geben dem Spiel einen organischen Look. Auch der Tag-Nacht-Wechsel kann überzeugen und sorgt selbst in den Kriegsschauplätzen der roten Zonen ab und an für traumhaft schöne Lichtstimmungen. Leider geht dies allzu oft auf Kosten der Framerate. Homefront: The Revolution kann nur selten die 30FPS halten und verfällt gerade in hektischen Momenten mit Explosionen und vielen Gegnern in eine Mikroruckelorgie. Dies hat sich bisher auch trotz Patch nicht gebessert. Noch schlimmer ist das automatische Speichern. Egal ob mitten in der Welt oder beim Verlassen des Waffenschrankes – das Spiel friert beim Speichern gerne mal für einige Sekunden ein. Für Software anno 2016 ein absolutes NoGo. Die Ladezeiten nach einem Spielertod scheinen auch direkt der Hölle zu entspringen.

Hören lassen können sich hingegen die Soundeffekte und die deutsche Lokalisierung. Die Sprecher machen ihren Job gut und professionell, Umgebungsgeräusche klingen natürlich und die Waffensounds klingen satt. Die manchmal eingesetzte Musik ist gefällig, aber nie aufdringlich. Nur die Soundabmischung scheint ab zu nicht zu stimmen. Manche Dialoge sind so leise, dass sie fast in den Hintergrundgeräuschen unter gehen.

Die KI macht einen eher durchschnittlichen Eindruck und neigt zu Totalausfällen. Zwar suchen Gegner aktiv nach dem Spieler, versuchen ihn einzukreisen, nutzen Deckungen und rufen auch Verstärkung, allerdings überwiegen negative Eindrücke. Granaten werden zum Teil ignoriert, Feinde rennen direkt in Feuerlinien und laufen auch mal direkt am Spieler vorbei. Zudem kann man sich sicher sein, dass wenn man oben an einer Treppe wartet, die Gegner nacheinander wie an der Schnur gezogen hoch gelaufen kommen. Moorhuhn lässt grüßen.

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Unser Fazit

73 %

Homefront: The Revolution besitzt unverkennbar sehr viel Potential. Leider wurde dieses kaum genutzt. Die offene Welt, mit seinen Kriegsgebieten und Überwachungszonen wirkt bedrohlich und bietet viel an Atmosphäre. Zwar sind eine Vielzahl der Elemente aus anderen Spielen (vornehmlich Far Cry) entliehen, doch fügen sie sich gut in das Game ein, ohne jedoch die Perfektion der Vorbilder zu erreichen. Die Story strotzt nur so vor Patriotismus, dümmlichen Dialogen und schablonenhaften Charakteren und kann leider nicht überzeugen. Dafür bietet Homefront: The Revolutioneine lange Spielzeit, viel Abwechslung und jede Menge Nebenaufgaben. Grade das umwandeln der feindverseuchten Gebiete in Widerstandszonen motiviert den Spieler immer wieder, weiter zu machen. Für Shooterfans ist das Game auf jeden Fall einen Blick wert. Hoffentlich schaffen es die Entwickler zumindest den Technikproblemen per Patch ein wenig bei zu kommen.

Pro

  • + stimmungsvoll dystopisches Stadtbild
  • + gute Optik
  • + massenhaft Aufgaben
  • + lange Spielzeit
  • + interessante Aufteilung der Stadtteile
  • + Waffen- und Ausrüstungsmodifikation
  • + Koop-Modus

Kontra

  • - unstätige Framerate, Mikroruckler, Slowdowns
  • - lange Ladezeite und Speicherfreezes
  • - Story und Dialoge schwach und unfreiwillig komisch
  • - schwache KI
  • - hakelige Waffen- Klettersteuerung

Unsere Bewertung

Grafik
 
85 %
Sound
 
75 %
Steuerung
 
70 %
Gameplay
 
70 %
Multiplayer
 
75 %
Spielspaß
 
82 %

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Hier im Forum als RONIN unterwegs. Seit über zwei Jahrzehnten leidenschaftlicher Gamer. Als Multiplattformer auf jedem System zuhause.

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