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In Between – Xbox One Test / Review

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Veröffentlicht 14. Juni 2016 | 8:36 Uhr von Alexander Winkel

In-Between-Screenshot

In Between ist wahrlich kein gewöhnlicher Puzzle-Plattformer. Ein krebskranker Mann lässt in diesem Titel schwermütig sein Leben Revue passieren und durchlebt die typischen Phasen eines Menschen, dessen kommender Tod von den Ärzten nun als endgültig vorhergesagt wird. Gekonnt integrierte das deutsche Entwickler Studio gentlymad das heikle Thema mit knackiger Rätselkost und liefert ein tolles Spielerlebnis.

Wie soll man mit dem nahenden, unausweichlichem Tod umgehen? Keine gemütliche Diagnose, wenn den Ärzten die Mittel ausgehen und der Sensenmann quasi bereits an der Haustüre klingelt. Das Leben zerbricht, Träume verfliegen im nu und die meisten verfallen in typische Phasen von Wut und Aggression bis hin kurz vor dem letzten Augenblick, in dem sich dann hoffentlich doch noch die Akzeptanz zeigt. In Between besticht von der ersten Spielminuten an mit seiner emotionalen, dank einer wundervollen sonoren deutschen Synchronstimme unglaublich kraftvoll und glaubhaft erzählten Geschichte eines Mannes, der alles verliert. Wie gerne hätte er seine Tochter aufwachsen sehen. Was hatte er nicht für Pläne für die Zukunft und doch rafft ihn der Krebs dahin und nimmt ihm alles.

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Die handgezeichneten Szenen sind stilvoll, untermauern mit den düsteren Farben die Melancholie, die von In Between ausgeht und zeigen wundervoll die Geschichte, die uns erzählt wird. Manch einem wird es an Abwechslung fehlen, denn auch die spielerischen Welten zeigen sich dunkelbräunlich und karg, doch passt dies durchaus hervorragen zur Thematik. Nicht nur zwischen den unterschiedlichen Phasen erfahren wir von seinem ersten Schneemann, den er mit seinem Vater gebaut hat oder den Abschluss des Studiums, die Heirat und seine Tochter, auch während man die knackigen Physikaufgaben meistert, durchbrechen seine Gedankengänge nicht nur das, was man auf das Ohr bekommt, sondern auch optisch den Level und spielen gekonnt kleine Szenen ein, die teilweise auch mit passenden Effekten und Geräuschen verbunden sind.

Selten hat man eine derartige Inszenierung bestaunen können und das ist es auch, was In Between von der Masse an Puzzle-Plattformern deutlich abhebt. Während man den düsteren Gedanken des Protagonisten lauscht, steuert man diesen durch über 60 wohl durchdachte Aufgaben. Ziel ist es, den Ausgang zu finden, manchmal auch zum Doppelgänger zu kommen, welcher seine Frau darstellt. Mit dem linken Stick kann man hin und her laufen, nicht aber springen. Mit dem rechten Stick wird die Schwerkraft in alle vier Richtungen beeinflusst. So schubsen wir den gepeinigten Familienvater von einer Wand zur anderen, versuchen dabei lebensgefährlichen Stacheln, vor Wut pulsierenden Kugeln und anderen Gefahren auszuweichen und letztendlich das Ziel zu erreichen.

Das Spiel mit der Gravitation ist schnell erlernt und die ersten Erfolge auch flott geholt, doch es dauert nicht lange, bis In Between den Schwierigkeitsgrad deutlich anzieht. Nicht selten saßen wir vor dem TV und musste minutenlang für die Lösung des Rätsels nachdenken. Über welche Wände kann man den nächste Abschnitt erreichen, wie soll man die reißenden Stacheln umgehen und vor allem den dicken Block, der nach Änderung der Schwerkraft auf unseren Kopf zu fallen droht? Zu allem Überfluss verdrehen grüne Passagen alle Sinne. Die vielen, vielen Level erfordern viel Fingerfertigkeit, ein gutes Augenmaß beim abpassen der wenigen Stellen, in denen sich der Protagonist gefahrlos aufhalten kann und vor allem ein perfektes Timing, um zahlreichen Gefahren auszuweichen. Man manipuliert die Schwerkraft und lenkt den gute Mann in Sicherheit, nicht selten aber auch ins Verderben.

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Ganz unweigerlich tritt der Tod früher als geplant ein und das Lebenswerk zerspringt in Tausende Scherben. Das Leben, quasi das Spiel gegen den Krebstod ist vorbei. Die Frustgefahr ist hoch, denn nicht selten wird man einen Level immer und immer wieder starten müssen, um den perfekten Pfad zu finden. In Between mag bisweilen frustrierend sein, da auch nur maximal ein Zwischenspeicher vorkommt und man oft nur mit vielen Versuchen das Ziel erreicht, aber es ist auch gleichzeitig sehr motivierend. Das liegt natürlich an der wundervoll inszenierten Geschichte, die berührend erzählt wird, aber auch der Tatsache, dass jede Aufgabe mit Präzision zu meistern ist und einem hinterher auch das Gefühl gibt, etwas geleistet zu haben.

Darüber hinaus sorgen die zahlreichen Phasen des sterbenskranken Protagonisten für neue Elemente und Abwechslung. Die Dunkelheit zum Beispiel ist ein Kindheitstrauma, welchem er im wahrsten Sinne des Wortes entgegen blicken muss. Nur dann kann er, gegebenenfalls mit einer Taschenlampe die Angst überwinden. Übertragen auf das Gameplay verfolgt uns tiefe Schwärze, sobald wir dieser den Rücken kehren. Blickt man in die Dunkelheit, weicht diese von einem. Oder wir müssen entsprechend leuchtende Kisten platzieren, um den Gang ins Licht möglich zu machen. Auch andere Elemente finden ihren Weg in das Gameplay und verknüpfen somit die Empfindungen des Protagonisten mit spielerischen Möglichkeiten. Dadurch bleibt der Titel bis zum Schluss spannend und herausfordernd, auch wenn der Schwierigkeitsgrad immer wieder zurückweicht und es fast zu einfach wird, wenn man neue Dinge erlernen soll.

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Unser Fazit

82 %

In Between ist wahrlich kein gewöhnlicher Plattformer. Den Entwicklern ist eine traumhafte, wenn auch von der Thematik her berührende Integration einer Hintergrundgeschichte gelungen, die wundervoll mit stilvollen Szene, aber vor allem einem glaubhaften Sprecher umgesetzt ist. Der Weg von der Diagnose bis in das unvermeidliche Schicksal bereichert ungemein, lässt uns aufhorchen und nachdenken, während unser Hirn zugleich physikalische Verrenkungen innerhalb der klassischen Rätsellevel versucht zu löst. Die Puzzles sind vor allem gegen Ende wahrlich knackig, auch wenn der Schwierigkeitsgrad immer wieder schwankend ist. Leider steckt auch viel Frust drin, da man einige Abschnitte sehr häufig probieren muss, bis man den Ausgang erreicht hat. Dann aber ist man stolz auf seine Leistung. In Between ist ein wirklich schöner Puzzle-Plattformer, den man jedem an Herz legen kann, der gerne mal grübelt und knackige Aufgaben löst.

Pro

  • + Wundervoll inszenierte Hintergrundgeschichte, die ans herzzerreißend ist
  • + Dazu passende Handzeichnungen und Szenen, die uns begleiten
  • + Knackige Aufgaben und Rätsel sowie gute Timing-Tests
  • + Über 60 Herausforderungen, bis man das Ende des Protagonisten erlebt

Kontra

  • - Teilweise heftiges Trial & Error Prinzip
  • - Stellenweise muss man Pixelgenau arbeiten
  • - Manches Mal mangelt es an Übersicht
  • - Dadurch ist das Frustpotenzial ein ständiger Begleiter

Unsere Bewertung

Grafik
 
70 %
Sound
 
80 %
Steuerung
 
90 %
Gameplay
 
80 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
80 %

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Aufgewachsen mit der ersten Nintendo-Konsole, fühlt sich Alexander Winkel eigentlich auf allen Plattformen heimisch. Trotz seiner offensichtlichen Hingabe zur Xbox – die vielen Gamerscore Punkte erspielen sich nicht von selbst – lässt er seine Schreibwut an allen Videospielen aus, unabhängig vom System.

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