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inFamous 2 – Review

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Veröffentlicht 14. Juni 2011 | 23:40 Uhr von Keysjore

Letzte Änderung 29. Februar 2012

inFamous 2 Logo

Der lebende Blitzableiter Cole MacGrath ist zurück. Gut zwei Jahre ist es her als aus dem Nichts einer der erfolgreichsten PlayStation 3-Exklusivtitel veröffentlicht wurde. Das erste inFamous bot eine atmosphärisch dichte Story à la Marvel Comics mit einem actiongeladenen Open-World-Szenario. In der Fortsetzung schlägt es unseren blitzenden Helden in die halbzerstörte Stadt New Marais, die stark an das heutige New Orleans angelehnt ist. Kann die zweite Episode von Coles Abenteuern, mit seinen umfangreichen technischen sowie spielerischen Neuerungen dem ersten Teil das Wasser reichen?

Asche und Funken wirbeln in der Luft, der Pier krümmt sich, die Holzpfeiler geben langsam der kräftigen Brandung nach und Cole versucht schnell vorwärts zu kommen. Es gellen tobende Schreie und Explosionen durch die Luft, während eine gigantische Kreatur durch die Wolkenkratzer wütet. Ist das der Untergang von Empire City? Die Stadt zählt auf ihren tapferen Helden und so stellt sich Cole dem Ungetüm mit blitzenden Händen. Er weicht aus, kämpft mit aller Kraft und taucht ein in das lodernde Chaos. Doch Cole schafft es nicht, er ist einfach zu schwach und muss schließlich nach Süden flüchten, in die neue Stadt New Marais, die dem realen New Orleans in drei großen Vierteln nachempfunden wurde. Mit einem dramatischen Paukenschlag beginnt das zweite Abenteuer von Cole. Die Entwickler von Sucker Punch protzen nur so mit einem mächtigen Effektefeuerwerk in den ersten zehn Spielminuten, die stark an den Einstieg von Darksiders erinnert. Fast zwei Jahre hatten die Jungs und Mädels Zeit um an der Grafikschraube zu drehen, um dieses Abenteuer vor allem hinsichtlich der Licht- und Partikeleffekte sowie der Weitsicht heraus zu putzen. Was dem Entwicklerteam aus Seattle auf ganzer Linie gelungen ist, nicht nur technisch sondern auch architektonisch bietet New Marais mit seinem verwegenen gotischen Stil einiges für das Auge. Man bekommt grade in der ersten Stunde richtig Lust auf elektrostatische Ausflüge, wenn man zwischen all dem Rauch und Funken als rächender Blitz unterwegs ist.

Auf der Flucht

Nach der turbulenten Flucht vor dem vulkanischen Ungetüm das nur “das Biest” betitelt wird, geht es danach ruhiger zu. Gemeinsam mit alten Freunden, Zeke und Kuo, treffen wir im neuen Schauplatz ein. Dort erhofft sich unser kleines Team Hilfe vom Wissenschaftler Sebastian Wolfe und dessen mysteriöser Strahlenkugel. Und da nicht nur wir von Empire City nach New Marais übergesiedelt sind, sondern auch die Seuche, kümmern sich Cole und Crew auch gleich noch um dieses Unheil. Was sich jedoch nicht als all zu leicht entpuppt, dank des Mutanten-Faschisten und Miliz-Anführer Joseph Bertrand III., der alles andere als Zuneigung für unsere blitzende Hauptfigur verspürt. Merken die denn nicht, dass draußen ein gigantisches Monster wütet? Denn in der Tat, das Biest kommt immer näher. Um es aufhalten zu können braucht Cole die Macht von Wolfes Strahlenkugel. Doch bevor ihr zu Rocky Boltboa werden könnt, um Flammen-Drago im Finale eins zu verpassen, müsst ihr euch auf die Suche nach sieben sogenannten Explosionskernen begeben. Auf der Hatz nach den Kernen biete die Geschichte hier und da immer wieder interessante Wendungen und auch Cole gelangt stätig zu neuen Kräften wie etwa Eis- oder Feuerkräfte. Das Charakterentwicklungssystem baut hierbei nicht auf klassisches leveln, sondern koppelt die Entwicklung euer Kräfte an Entscheidungen bestimmter Schlüsselszenen. Auch das dynamische Dreiergespann bekommt im frühen Verlauf Zuwachs durch die ausgeflippte Nix, die ebenfalls über Superkräfte verfügt. Nix verträgt sich so gar nicht mit der rechtschaffenen Kuo und so wütet daher, neben dem immer näher kommenden Biest, auch der Zickenkrieg in unserem Trüppchen. Der unterhaltsame Wortkrieg der beiden Damen lockert immer wieder die ernsthafte Story auf und sorgt für einige Lacher. Eine vermeidliche Romanze sieht das Spiel allerdings nicht vor. Dafür darf Cole aber in einigen Missionen mit einer der beiden Damen auf Tour gehen, gegen Ende kurzzeitig sogar mit der ganzen Crew. Die KI-Kollegen agieren dabei ausnahmslos eigenständig und auch weitgehend intelligent. Angenehm ist, dass ihr euch nicht um das Wohlbefinden euer Kameraden stressen müsst, denn diese sind unsterblich. Trotz dem ganzen Spaß im Team und das surfen auf Stromleitungen, darf man die näher rückende Bedrohung nicht vernachlässigen. Durch das Aufrufen der Menükarte seht ihr als Hintergrundbild eine Karte der USA, auf der ihr den Aufenthaltsort der Bestie und die von ihr hinterlassene Schneise der Verwüstung deutlich erkennen könnt. Auch an einigen Schlüsselszenen wird die Bedrohung verdeutlicht mit dem Einblenden der Meilen, die euch und das Ungeheuer trennen. Ausruhen ist  ein No-Go, zumindest wenn man dem Verlauf der Geschichte Glauben schenken mag, einen reellen Zeitdruck gibt es jedoch nicht.

It’s a hell of a town

Eine sehenswerte Stadt: Im Rotlicht-Bezirk läuft unter anderem im Kino „Hey Low, Reach!“ oder der Dauerrenner „Assassins Need (Love too) “ aber auch der hiesige Nachtclub „Yes, We CanCan“ sorgt für Schmunzeln. Von der sündigen Hauptstadt aus verschlägt es unseren Helden ins Überschwemmungsgebiet, das von einer tristen, beklemmenden Atmosphäre durchzogen ist. Heruntergekommene Südstaaten-Villen und eng zusammengestaute Slums kämpfen mit dem stetig steigenden Wasser aus dem dunstverhangenen Sumpfgebiet. Gegen Ende von inFamous 2 düst ihr noch durch ein gigantisches Industriegebiet samt Hafen und voluminösen Fabrikanlagen. Der Industriepark bietet die perfekte Spielwiese für unseren akrobatischen Teufelskerl, große Kräne und wilde Rohrkonstruktionen, die grade danach schreien, von euch erklommen zu werden. Das Speichersystem in inFamous 2 wurde von Sucker Punch clever gelöst. Jederzeit ist ein freies Speichern möglich, der aktuelle Fortschritt einer noch nicht abgeschlossenen Mission geht bei vorzeitigem Abbruch jedoch verloren. Der Wiedereinstieg ins Spiel wird über Krankenhäuser, die überall in der Stadt aufzufinden sind, gemanagt. Je nachdem wo man Aufträge erledigt, kann man wie im Vorgänger einzelne Stadtviertel befreien, so dass dort z.B. keine Miliz mehr ihr Unwesen treibt. Leider ist im Gegensatz zum Vorgänger die Befreiung deutlich weniger spürbar. Das liegt in erster Linie an der mageren Inszenierung: Musste man im ersten Teil noch als fröhliches Energiemännchen Licht in dunkle Viertel zaubern, die danach regelrecht aufblühten, weil endlich Strom da war, vermisst man diese klaren optischen Konsequenzen. Ganz arbeitslos ist Cole als Energiespender jedoch nicht, in der weitgehen Kanalisation gibt es genug Ecken wo seine Power von Nöten ist.

Böse macht dreckig

Das Verhalten zwischen gut und böse liegt auch in inFamous 2 dank dem Karma-System wieder in eurer Hand. Je wie ihr euch in bestimmten Situationen verhaltet, könnt ihr durch gute Taten glänzen oder euch mit bösen Aktionen einen üblen Ruf aufbauen. Für alle Helden aus dem Erstling besteht die Möglichkeit einen Speicherstand zu importieren, um direkt mit altem Karmastatus sowie mit etwas höherem Energievorrat loszulegen. Selbst die Trophäen aus inFamous nehmen Einfluss auf die Fortsetzung. So könnt ihr bei manchen Errungenschaften einige zusätzliche Dialogoptionen erhalten. Tiefgreifende spielerische Auswirkungen haben die Entwickler Fairness halber leider nicht eingebaut. Euer Karma hat nicht nur deutliche Auswirkung auf euren Charakter, sondern auch auf den Verlauf der Fähigkeiten-Entwicklung. Während der Cole der hellen Seite der Macht mit blau leuchtenden Blitzen um sich hantiert, verfügt der Böse über rotleuchtende. Auch das Waffensystem ist an das Karma gebunden: Ein Gutmensch schaltet zum Beispiel Haftgranaten frei, ein Misanthrop erhält dafür zweifach explodierende Doppelgranaten. Aber im Gegensatz zum Vorgänger wirkt das interessante Moralsystem im heißen Süden primitiver und durchschaubarer. Eine klare Linie wird schnell gezogen und moralische Missetaten sind setz deutlich zuerkennen, was dem Ganzen etwas den Thrill raubt. Böse sein macht ja bekanntlich dreckig und so leidet selbst euer Erscheinungsbild unter dem Karmaeinfluss. Während der Saubermann Cole, sportlich agil, mit frischen Klamotten und einem Liedchen auf den Lippen durch die Welt strahlt, sieht das garstige Gegenstück verwahrlost und krank aus, seine Adern treten hervor und seine Kleidung hat auch schon bessere Tage gesehen. Schnell wird klar das als fieser Cole die Welt leichter ist, da man auf herumwuselnde Passanten nicht achtgeben muss. Auch eure Power steigt mit fallendem Karma.

Bau’s dir selbst!

Als ihr “inFamous” vor zwei Jahren gespielt habt, hattet ihr da nicht auch das Bedürfnis, eigene Missionen zu erstellen? Nein? inFamous 2 bietet trotzdem einen umfangreichen Editor, mit dem ihr eure eigenen Missionen und sogar Minispiele generieren könnt. Das Ganze nennt sich User Generated Content (UGC), und erinnert stark an den Little Big Planet. Leider scheitert der scheinbar grenzenlose Editor an einem tödlichen Haken, dem allseits beliebten Tutorial. Es gibt nämlich überhaupt keins! Nicht einmal Tooltipps verraten einem mehr über den komplexen Editor. Wer Zeit und Nerven hat muss sich auf eigene Faust durch den Editor schlagen oder im Internet nach Hilfe Ausschau halten. Dass sich die Geduldsprobe allerdings zu lohnen scheint, beweisen erste Fan-Projekte, denn diese sind äußerst kreativ, witzig und manchmal auch ziemlich bizarr. Die UGC-Missionen erscheinen wie jede andere Mission mitten in der Spielwelt als farblich markiertes Ausrufezeichen und lassen sich auch komplett abschalten.

Solide Technik

Auch im zweiten Teil läuft die PlayStation 3 nicht auf grafische Höchstleistungen auf. Dennoch hat sich einiges in Coles Welt getan. Die Texturen wirken höher aufgelöst und eure Angriffe dynamischer und effektreicher. Die Weitsicht kann sich im Gegensatz zum Erstlingswerk sehen lassen, wenn auch diese etwas schwammig wirkt. Dafür bietet der stets missionsabhängige Tag- und Nachtwechsel atmosphärische Dichte und einige schöne Wetterschauspiele am Firmament. New Marais ist eine lebendige Stadt;  fliehende Passanten, zugestellte Straßen mit Autoschlangen, Rauch und Funken in der Luft sorgen für Athmosphäre. Sucker Punch fährt schwere Geschütze auf und treibt schon hier und da mal die Bildrate in den Keller. Besonders wenn es so richtig kracht, zerstörte Säulen, Wachttürme oder gar ganze Balkone bröckeln, reizt das die Technik von inFamous 2 voll aus und sorgt für gelegentliches Ruckeln. Auch im Punkt Bewegungs- und Mimikanimationen der Charaktere gibt es in inFamous 2 einen ordentlichen Schritt nach vorne: Cole gleitet mit akrobatischen Bewegungen stilsicher über Stromleitungen durch die Stadt, aber auch die Dialoge in InGame-Grafik wirken authentischer und flüssiger als wie im Vorgänger. Die Lippensynchronisation stimmt fast immer überein mit der hervorragenden deutschen Stimmen. Wer die Originalvertonung bevorzugt, wird erfreut beide Varianten auf dem Datenträger vorfinden. Auch wenn der Sound in inFamous 2 eine starke Kulisse erzeug,t fehlt es in brachialen Momenten einfach am nötigen Wumms. Der dynamische Soundtrack, der sich an Missionssituationen anpasst, bleibt stets auf einem sehr guten gehobenen Level und weiß zu überzeugen.

Unser Fazit

91 %

Auch wenn sich grafisch einiges getan hat, traut sich inFamous 2 nur zu wenig Neuem. Der comichafte Aufbau der Geschichte bietet viele interessante Möglichkeiten für frische Episoden, leider greift Sucker Punch zu dem alten, ausgelutschten "Monster zerstört Stadt"-Modell. Zum Glück schaffen die sympathischen Hauptfiguren mit erzählerischer Raffinesse den Schaden aufzufangen. Auch das durchdachte Karma-System aus dem Erstlingswerk geht einen kleinen Schritt zurück. Moralische Verhaltensmuster beeinflussen die Story jedoch fast überhaupt nicht. Dafür punktet das Spiel mit einem sehr hohen Wiederspielwert, vielen Nebenmissionen, unzähligen Sammelgegenständen und die kreativen UGC-Missionen und -Editor. Mit einer vorbildlichen Spielzeit weit jenseits der 20 Stunden-Marke ruft inFamous 2 in der heutigen Entwicklung fast schon den Ausnahmezustand aus. PlayStation 3-Besitzer und Open World-Freunde, die kein Problem mit „Style over Substance“ haben, sollten definitiv einen Abstecher nach New Marias wagen. inFamous 2 hat alles was ein gutes Actionspiel ausmacht und dank Editor noch viel mehr.

Pro

  • teils interessante Storyaspekte...
  • actiongeladener Einstieg
  • grandiose Grafik-Effekte
  • coole Gleitsteuerung
  • schöne Architektur
  • detailverliebte Stadt
  • große offene Spielwelt
  • viele Sammelobjekte
  • durchdachtes Moralsystem
  • Gebietseroberung möglich
  • unterschiedliche Stadtteile
  • dynamischer Nah- und Fernkampf
  • starkes Waffenarsenal
  • coole Spezialangriffe
  • viele Gegnertypen
  • gut oder böse spielbar
  • zwei großartige Enden
  • Spielstände & Karma importierbar
  • Trophäen aus Teil 1 geben Boni
  • umfangreicher Leveleditor
  • Levels der Community zum runterladen
  • Sich dynamisch anpassende Musik
  • gute deutsche Sprecher
  • hohe Spielzeit
  • Schwierigkeit jederzeit änderbar

Kontra

  • ... in einer doofen Geschichte
  • Verwirrung für Neulinge
  • Icons (Karte) schlecht zu unterscheiden
  • Keine echten Innenräume
  • Moralsystem ohne Grauzone
  • zu vorhersehbar
  • hektische Kamera im Nahkampf
  • teils merkwürdige Nebenmissionen
  • wenig Nebenfiguren
  • viel Action, etwas wenig Substanz
  • teils schwacher Sound
  • schwammige Weitsicht
  • angestaubte Grafik
  • wenige Clipping- & Kollisionsfehler
  • seltene Ruckler

Unsere Bewertung

Grafik
 
80 %
Sound
 
80 %
Steuerung
 
80 %
Gameplay
 
90 %
Multiplayer
 
0 %
Spielspaß
 
89 %

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