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Injustice 2 – Test / Review

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Veröffentlicht 15. Juni 2017 | 18:51 Uhr von Marc Wunder

Injustice-2-Artwork

Vor vier Jahren wagte sich NetherRealm – das Studio hinter Mortal Kombat – auf thematisch unbekanntes Terrain und landete mit dem DC-Superhelden-Prügler „Injustice – Gods among us“ einen Achtungserfolg. Ob der nun erschienene Nachfolger an diesen Erfolg anknüpfen kann, lest ihr in diesem Test.

Faust gegen Faust

Für Beat’em Up-Fans ist das Studio natürlich kein Unbekannter. Seit 1992 produzierten die Entwickler unter der Flagge von Midway Games die erfolgreiche Mortal Kombat Reihe. Nach dessen Insolvenz 2009 wurde das Team von Warner Bros. übernommen und so gelangte man auch an die wertvolle DC-Lizenz.

Injustice kam dann auch ganz ohne Fatalitys und brutales Gore aus und setzte eher auf spektakuläre Arenaübergänge und charakteristische Supermoves der Helden und Schurken. Eines der Highlights des Erstlings war zudem die für dieses Genre sehr schön ausgearbeitete Story mit vielen stylischen Cutscenes.

Genau dort setzt auch die Kampagne von Injustice 2 an. Superman, der als einzigen Weg für endgültigen Frieden den Tod aller Verbrecher sieht, sitzt ins Batmans Hightech-Gefängnis. Während ihn Sympathisanten wie Wonder Woman und Black Adam befreien wollen, versucht die Fledermaus mit Unterstützern wie Green Arrow und Canary den Mann aus Stahl von der Menschheit fern zu halten. Dies alles gerät aber immer mehr in den Hintergrund, als Brainiac die Erde angreift. Dem „Weltensammler“ ist zu Ohren gekommen, dass der letzte Sohn Kryptons auf der Erde verweilt – und er entdeckt dabei eine neue Welt für seine Sammlung. Unterstützung erhält er durch Bösewichte wie Deadshot und Bane.

Die Geschichte mag jetzt zwar für sich betrachtet keinen Innovationspreis gewinnen, allerdings wird sie durch witzige Dialoge und unterhaltsame Cutscenes super präsentiert. Wir würden sogar so weit gehen und es den besten Storymodus nennen, den ein Beat’em Up je hatte. Die Geschichte kann gut 6-8 Stunden unterhalten und bietet zwei verschiedenen Endsequenzen. Im Prinzip ist die ganze Kampagne aber nichts weiter, als ein großes Tutorial, in dem man (fast) jeden Charakter einmal ausprobieren darf und schon die ein oder andere Eigenheit kennen lernt. Und von denen gibt es ganze 28 – an „Arbeit“ mangelt es also nicht. Day-One-Käufer erhalten zudem Darkseid als spielbaren Charakter. Neun weitere Kämpfer werden per DLC nachgeliefert.

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Mehr als nur Button-Mashing

Wenn man von japanischen Prüglern wie Tekken oder Street Fighter zu Injustice 2 wechselt, wird einem das Spiel eher gemächlich und schwerfällig vorkommen. Dies kommt aber auch stark auf den Charakter an. Während The Flash oder Catwoman sehr schnell agieren und eher auf kurze Distanz gefährlich sind, teilen schwerfällige Muskelprotze wie Gorilla Grudd oder Bane viel Schaden über höhere Reichweiten aus und können mehr einstecken. Man muss jetzt nicht in Panik verfallen, weil man denkt, sich pro Charakter dutzende Tastenkombinationen einprägen zu müssen. Keine Angst, die Charaktere steuern sich grundsätzlich ziemlich ähnlich. Es gibt jeweils eine Taste für leichte, mittlere und schwere Schläge. Dies in Kombination mit maximal 3 Richtungstasten und 2 Knöpfen lösen die Moves und Kombos des jeweiligen Kämpfers aus. Zudem gibt es noch Würfe und eine Taste, die je nach Füllstand der Specialleiste einen jeweilig individuellen Charakter-Move ausführt. Während Supergirl Laser aus den Augen schießt und Canary lauthals zum Schrei ansetzt, führt Catwoman eine Kratzattacke aus und Batman ruft Fledermäuse zur Hilfe.

Zudem gibt es noch pro Charakter einen Supermove, der bei voller Powerleiste durch die beiden Trigger ausgelöst wird und gehörig an der Gesundheit des Gegners knabbert. Supergirl nimmt dabei den Gegner mit auf eine Reise um die Sonne und The Flash knallt den Kontrahenten zuerst in die Sphinx und dann in einen T-Rex. Natürlich erreichen die Attacken nie den Gorefaktor eines Mortal Kombat, trotzdem kann man den Animationen einen gewissen Grad an Brutalität nicht abschreiben.

Neu hinzu gekommen ist dann der sogenannte „Konflikt“. Hierbei handelt es sich um eine Art Quick-Time-Event, in dem beide Spieler blitzschnell einen Teil ihres Powerbalkens opfern. Wer mehr setzt, gewinnt. Als Angreifer wird ordentlich Schaden ausgeteilt, als Verteidiger bekommt man bis zu 30% Energie zurück. Leider wirkt dieses Element eher deplatziert und unterbricht unangenehm das Pacing der Kämpfe. Wie schon im Vorgänger, lassen sich auch hier wieder Levelgegenstände als Wurfobjekte missbrauchen und in manchen Arenen lassen sich Gegner mit einem gezielten Tritt mit einer schicken Animationen durch die Levelbegrenzung in einen anderen Abschnitt befördern.

Das gesamte Kampfsystem ist steuerungstechnisch also eher simpel aufgebaut, so dass Neulinge sich schnell hinein arbeiten können. Die Schwierigkeit besteht dann darin, die Kombos, Attacken, Blocks, Konter und Specialmoves zu einem Flow zusammen zu bauen, der den Gegner unter Dauerfeuer nimmt. Also selbst anspruchsvolle Spieler kommen trotz simplen Grundmanövern voll auf ihre Kosten.

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Zwischen Multiverse und Multiplayer

Als besonderes Schmankerl gibt es nun eine Art-Level- und Lootsystem. Alternative Kostüme lassen sich nun nicht mehr „klassisch“ erspielen, sondern man erhält sie aus sogenannten „Mother Boxes“. Diese funktionieren ähnlich wie die Lootboxen in Shootern wie Overwatch. Die Boxen sind in ihrer Wertigkeit von Bronze bis Diamant geordnet und es befinden sich darin Ausrüstungsgegenstände, Shader und Skins. Leider kann man potentiell für jeden Charakter Gegenstände bekommen – nicht nur für den Charakter, den man gerade steuert. Es hat also viel mit Glück zu tun. Die Ausrüstungen ändern aber nicht nur das Aussehen, sondern geben auch kleine Boni auf verschiedene Charaktereigenschaften wie Verteidigung und Lebensenergie. Zudem kann man jeden Charakter aufleveln. Bestimmtes Gear darf man erst ab vorgegebenen Level benutzen.

Um den Spieler auf die Jagd nach Boxen zu schicken, wird als Spielmodus das DC-Multiversum eingeführt. Hierbei handelt es sich um die verschiedenen Parallelwelten, die DC im Laufe ihrer Comicgeschichten eingeführt hat. Hier erwarten den Spieler wechselnde Tages- und Wochenaufgaben. Man kämpft gegen verschiedene Gegner und muss sich zum Teil mit fiesen Modifikatoren herum schlagen. So kann der Bildschirm alle paar Sekunden kurz dunkel werden oder Fernkämpfer wie Green Arrow machen mehr Schaden. Auch Tag-Team-Matches sind möglich. Je nach Schwierigkeit der Herausforderung wird man mit verschieden wertigen Mother Boxes belohnt. Zudem sammelt man Credits, die man wiederum für Boxen ausgeben kann. Oder man benutzt einfach die bösen, bösen Mikrotransaktionen und kauft sich jede Menge Loot für Echtgeld.

Spieler, die nicht gerne alleine spielen, kommen natürlich auch auf ihre Kosten. Entweder auf dem eigenen Sofa per lokalen Versus-Modus oder in verschiedenen Onlinemodi, egal ob Ranglistenspielen oder Zufallsmatches.
Zudem kann man auch ein Team aus 3 Helden zusammen stellen, sie mit dem besten Gear ausstatten und sie automatisch online gegen computergesteuerte Teams anderer Spieler antreten lassen. Auch hier winkt Loot.

An der Präsentation kann man nicht wirklich meckern. Die verwendete Unreal-4-Engine verrichtet mit guten Texturen und feinen Bewegungsanimationen zuverlässig ihren Dienst – wenn auch mit Luft nach oben. Die deutsche Synchro ist durchweg hörenswert und der orchestrale Soundtrack verdient fast schon das Prädikat „episch“.

Getestete Version: Xbox One

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Unser Fazit

88 %

Injustice 2 macht (fast) alles besser, was der Vorgänger schon gut konnte. Die Charaktere kämpfen sich sehr unterschiedlich, sind aber doch schnell zu erlernen. Das Gameplay ist sehr gut ausbalanciert und die Kampagne wohl die Beste, die es in diesem Genre je gab. Zudem motiviert das Spiel durch viele verschiedene Modi und ein ausgeklügeltes Lootsystem. Kritisch kann man in diesem Zusammenhang allerdings wieder einmal das System der Mikrotransaktionen sehen und dass 10 der 38 Charaktere nur per DLC zu erhalten sind. Trotz alledem ist Injustice 2 ein gelungenes Beat'em Up, welches sich erfrischend von seinen japanischen Kollegen abhebt.

Pro

  • + Tolle Kampagne
  • + Gute ausbalanciertes Gameplay
  • + Viele unterschiedliche Kämpfer
  • + Gute deutsche Synchro
  • + Easy to learn, hard to master
  • + Motivierendes Lootsystem

Kontra

  • - Mikrotransaktionen
  • - „Konflikte“ zerreißen die Kämpfe
  • - Trefferanimationen und Kollisionsabfrage manchmal fehlerhaft
  • - Lootsystem eher Glücksspiel

Unsere Bewertung

Grafik
 
81 %
Sound
 
92 %
Steuerung
 
84 %
Gameplay
 
87 %
Multiplayer
 
92 %
Spielspaß
 
92 %

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Hier im Forum als RONIN unterwegs. Seit über zwei Jahrzehnten leidenschaftlicher Gamer. Als Multiplattformer auf jedem System zuhause.

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