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Jagged Alliance: Flashback – Mehr Rohbau als Spiel

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Veröffentlicht 26. November 2014 | 15:30 Uhr von eJUNKI3

Jagged-Alliance-Flashback-Screenshot

Beginnen wir unseren Bericht mit einem Rückblick. Bei Jagged Alliance (JA) handelt es sich um ein rundenbasiertes Strategiespiel. Der erste Teil dieser Serie wurde 1994 von Madlab Software entwickelt und vom kanadischen Softwarestudio Sir-Tech vertrieben. Seinerzeit war das Spiel eine Referenz für taktischen Tiefgang und stundenlangen Spielspaß. Die Fortsetzung, welche von Sir-Tech Kanada entwickelt wurde, erschien 1999. 

Jagged Alliance 2 gilt als der bisher beste Teil der Serie. Die nicht-lineare Handlung und eine Vielzahl an unterschiedlichen Charakteren sorgten für Langzeitmotivation und Wiederspielwert. Zählt man Wildfire nicht mit, sind nach dem letzten Add-on rund 14 Jahre vergangen, in denen Fans vergeblich auf einen würdigen Nachfolger warteten. Ob das durch Kickstarter finanzierte Jagged Alliance: Flashback nun dem Heiligen Gral der Serie das Wasser reichen kann, wollen wir in einem kurzen Review klären.

Wollen Sie sich an der Schlägerei beteiligen?

Gut, viele von uns sind nicht mehr die Jüngsten und grad die alte Garde unter den Zockern hat mit viel Text vermutlich kein Problem. Doch wenn man auf den Tacho der Zeit schaut, dann zeigt dieser das Jahr 2014 an, nicht 1999. Es wäre wünschenswert, wenn man nicht schon bei der Erstellung eines Egos von Texttafeln erschlagen wird.

Um die Attribute und Boni für unseren Protagonisten festzulegen, können wir einen Test durchführen, welcher aus insgesamt 12 Fragen besteht. Abhängig von der getroffenen Auswahl aus jeweils drei vorgegebenen Antwortmöglichkeiten entscheidet sich dann, was unser Söldner auf dem Kerbholz hat. Fragen und Antworten erinnern dabei an den Humor aus JA2, was bis hierhin gut gefällt.

Haben wir uns durch den Charaktertest gehangelt, finden wir uns auf einer tropischen Insel wieder. Wenn wir nur wüssten, wie zum Teufel wir hier hingekommen sind?! Warum sind wir überhaupt hier? Ohne Sprachausgabe auf mit schlecht präsentierten Texttafeln werden uns diese Fragen in Kurzform beantwortet. Im ersten Augenblick erscheint es denkbar, dass die Entwickler mangels Zeit eine Fülle von Platzhaltern eingefügt haben. Doch diese Präsentation scheint wirklich so gewollt zu sein.

jagged-alliance-flashback-screenshot-1

 

Human Resource Management

Für viel Witz haben in Jagged Alliance 2 die Dialoge gesorgt, welche man unter den Söldnern führte. Diese Interaktionsmöglichkeit fehlt in Jagged Alliance: Flashback komplett. Schade, die witzigen Gespräche sorgten einst für ein gutes Gleichgewicht zum harten Alltag eines Privatsoldaten und zauberten oftmals ein Schmunzeln in des Spielers Gesicht.

In JA2 waren Charaktere nicht nur liebloser Pixelbrei, sondern Persönlichkeiten. Das Management der Teams war nicht nur wesentlicher Bestandteil des Spiels, sondern entschied über Erfolg und Misserfolg. Es ist durchaus vorgekommen, dass sich Söldner untereinander nicht sehr grün waren. In solchen Fällen haben sie im Einsatz gerne mal den Dienst verweigert. In Jagged Alliance: Flashback ist es egal, wie ein Team zusammengestellt wird. Hauptsache, die Teammitglieder verfügen über die passenden Fähigkeiten und bekommen ihr Geld.

Über die Map, die uns übersichtlich alle Sektoren darstellt, können wir eben diese verwalten und die geschundenen Knochen unserer Truppe pflegen. In dieser Ansicht koordinieren wir den Einsatz der Söldner, welche wir in Gruppen aufteilen können. Dies ist durchaus sinnvoll, denn so können wir die Insel strategisch einnehmen. Durch die Befreiung von Minen und Farmen bieten wir der den Einheiten Orte zur Erholung und sichern uns finanziell ab.

Da sich unsere Söldner oft im Einsatz befinden, ist es nötig, in von uns besetzten Sektoren Milizen auszubilden. Im Falle eines Gegenangriffs greifen diese für uns zur Waffe und verteidigen unser Land. Das klingt insgesamt zwar gut, trotzdem fehlt es an Umfang und Tiefe. Abgesehen von Reparaturen und der Pflege unserer Truppen, gibt es hier nichts für uns zu tun. Warum können wir die Söldner nicht trainieren oder spezialisieren?

jagged-alliance-flashback-screenshot-3

 

Kimme und Korn, immer nach vorn

Das Kampfsystem in Jagged Alliance: Flashback ist im Grunde ordentlich umgesetzt und lässt neben dem Charaktertest marginale Spuren des ersehnten JA2-Feelings aufkommen. Auf der Karte bewegen wir uns in Echtzeit. Sobald ein Schuss fällt, wir einen Gegner erblicken oder gar hören, wechseln wir in den Runden-Modus. Dieser Übergang ist gut gelungen und kommt in den meisten Fällen grad rechtzeitig.

Dem Spieler steht in Jagged Alliance: Flashback ein brauchbares Deckungssystem zur Verfügung, welches ad hoc an das letzte XCOM: Enemy Unknown erinnert. Das Deckungssystem ist zwar längst nicht so ausgereift wie in XCOM. Dennoch bildet es in Kombination mit der Körperhaltung unserer Eingreiftruppe den taktischen Tiefgang, den ein Jagged Alliance: Flashback zwingend benötigt.

Hier hätte man sich aber gut und gerne noch ein paar Dinge abgucken dürfen, wie z.B. das Feuern aus der Deckung heraus. Dies geschieht im XCOM-Ableger automatisch. In Jagged Alliance: Flashback müssen wir uns dazu erst manuell aus der Deckung bewegen, was kostbare Aktionspunkte kostet.

Doch was nützt uns taktischer Tiefgang, wenn die Aktion aufgrund von launischen Algorithmen zur Berechnung von Treffern ausbleibt? In unserem Test gestalten sich Feuergefechte wie ein Glücksspiel. In manchen Situationen würde nicht einmal ein Blinder mit einem Krückstock danebenschießen – unsere kampferprobten Söldner hingegen, schaffen das ohne Probleme.

Die Trefferwahrscheinlichkeit beim Zielen auf Beine, Torso und Kopf wird uns durch Angabe von Prozentwerten verdeutlicht. Je höher der Wert ist, desto besser ist zu guter Letzt die Wahrscheinlichkeit, einen Gegner über den virtuellen Jordan zu ballern. Klingt soweit logisch – ist es in der Umsetzung nebstdem nicht.

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Selbst wenn wir einem Kontrahenten Kopf an Kopf gegenüberstehen und uns eine Trefferchance von mehr als 90% suggeriert wird, feuern wir vielfach daneben. Diese Tatsache hat uns beim Test die Flinte wiederholt ins Korn werfen lassen, aber es kommt noch schlimmer!

Man stelle sich ein Szenario vor, in dem uns lediglich drei Kugeln für zwei Angreifer bleiben. Lauernd in schützender Deckung, hören wir einen sich nähernden Gegner und verbrauchen einen Aktionspunkt, um aus der sicheren Position hervorzulugen und die Lage zu checken. Aus ca. 20 Metern Entfernung werden wir mit einem Gewehr unter Beschuss genommen. Mit einer als wahrscheinlich geltenden Chance von mageren 68% wagen wir den Versuch, den Schützen zumindest ein klein wenig Schaden zuzufügen. Der Schuss trifft, der erste Rivale geht zu Boden, juhu!

Es bleibt ein Bösewicht, welchen wir mit maximal zwei Treffern eliminieren müssen. Das akustische Radar gibt uns visuell zu verstehen, dass sich in der nahen Umgebung etwas regt. Wir drehen uns um und grinsen direkt in das Gesicht des Gegners. Kein Problem, wir haben noch zwei Kugeln und die Wahrscheinlichkeit einen tödlichen Kopfschuss zu landen, beträgt 92%. Siegessicher legen wir an, drücken ab und schießen … DANEBEN. Letzte Chance, anlegen, Feuer, die Kugel trifft. Wiedererwartend überlebt der Feind diesen Kopftreffer. Mangels Aktionspunkte können wir keinerlei Deckung aufsuchen und sterben jämmerlich, nachdem wir die Runde beenden. Das, ist definitiv nicht witzig!

Unser Fazit

52 %

Grundlegend ist das Kampfsystem in Ordnung, an der Berechnung der Treffer muss jedoch unbedingt noch gearbeitet werden. Die Kombination aus Echtzeit und taktischer Runden-Strategie ist gut gelungen. Es scheint so, als hätten die Entwickler auf Kosten anderer Dinge hier mehr Zeit und Mühe investiert. In Jagged Alliance 2 war es uns möglich, mit unserem Team und anderen Charakteren zu interagieren. Diese verspritzen seinerzeit allerhand Charme und Witz, was Jagged Alliance Flashback in der Summe nicht auf die Kette bekommt. Dadurch wirken Story, Söldner und Gegner eindimensional, mager und fad. Man baut keine Beziehung zu seinen Mannen auf und das Ballern auf charakterlose Kontrahenten ist mit der Zeit recht ermüdend. Grundlegend sind die taktischen Kämpfe nicht schlecht, aber insgesamt wirkt Jagged Alliance: Flashback dürftig umgesetzt. Fast alle Bestandteile die einen würdigen Nachfolger ausgemacht hätten, kratzen hier bloß an der Oberfläche dessen, was 1999 Massen von Spielern begeistern konnte. Es mag an der Tatsache liegen, dass dem Entwickler nicht ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung standen. Doch gut Ding will Weile haben! Es ist nicht nachvollziehbar, warum immer und immer wieder die Lizenzen zu klasse Produkten verwurstet werden, um dann halbfertige Machwerke abzuliefern. Es wäre äußerst wünschenswert, wenn sich ein Entwickler entschließen würde, Jagged Alliance 2 in die Gegenwart zu holen. Es würde vollkommen ausreichen, die Mechaniken zu portieren und die Optik - gern auch in 2D - aufzumotzen. Wer es versteht die Spieltiefe der Vorlage in das Hier und Heute zu katapultieren, dem ist der Dank und die Anerkennung einer stattlichen Fanbase garantiert. Leider Gottes können wir derzeit nur dazu raten, dem Spiel noch etwas Zeit zu geben und abzuwarten, was die Entwickler durch Korrekturen verbessern. Kurz nach dem Release wurde die deutsche Übersetzung in Form eines Patches nachgereicht und auch die Verbesserung diverser Waffen ist aktuell zugesichert. Es besteht also noch Hoffnung auf ein brauchbares Spielerlebnis, welches aber mitnichten die Erwartungen eines JA2 Fans erfüllen wird. Wer Jagged Alliance: Flashback bereits käuflich erworben hat und enttäuscht ist, der sollte den Fehlkauf durch einen Blick auf den Genrevertreter Wasteland 2 ausbügeln. Allen anderen interessierten Hobby-Taktikern raten wir direkt dazu, sich die gelungene Fortsetzung des Klassikers Wasteland zuzulegen. Hier hat die Vorlage einen würdigen Nachfolger erhalten.

Pro

  • + Charaktererstellung durch Fragebogen
  • + Gutes Kampfsystem
  • + Unterstützung von Mods
  • + Gute Übersetzung (Text)
  • + Bekannte Jagged Alliance-Söldner

Kontra

  • - Spiel wirkt unfertig
  • - Grenzenlos dumme KI
  • - Wichtige Features fehlen
  • - Interface wirkt wie Platzhalter
  • - Mangelhafte Inszenierung
  • - Miese Performance
  • - Häufige Abstürze
  • - Null Interaktion vorhanden
  • - Kein JA2-Feeling
  • - Keine Persönlichkeiten
  • - Besch***enes Deckungssystem

Unsere Bewertung

Grafik
 
51 %
Sound
 
60 %
Steuerung
 
55 %
Gameplay
 
50 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
45 %

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Kommentare

  • Insider sagt:

    wirklich eine Frechheit dieses Spiel, was für mich einen großen Teil der Faszination an den Originalen ausgemacht hat war auch die Vertonung, das haben die ja nun auch noch vergeigt.

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