insidegames

King’s Quest – Episode 1 “Der seinen Ritter stand” Test / Review

Direkt zum Fazit springen

Veröffentlicht 21. August 2015 | 21:39 Uhr von Alexander Winkel

Kings-Quest-Episode-1

Eine geschichtsträchtige, erfolgreiche Serie kehrt nach vielen, vielen Jahren der Abwesenheit tatsächlich zurück auf die Showbühne der Videospiele und lässt zugleich das bekannte Lable Sierra Games wieder neu aufleben. Dem kleinen Entwicklerstudio The Odd Gentlemen ist ein Reboot der King’s Quest Serie aus den 80er und 90er Jahren durchaus gelungen und liefert uns damit ein feines Fantasy-Bilderbuch mit tollen Geschichten und natürlich einer ordentlichen Portion Adventure!

Es war einmal ein Königreich, da lebte ein junger Ritter. Dieser sollte dem König helfen, drei mystische Artefakte wieder zu bekommen, um dem Elend im Reich ein Ende zu bereiten. Kenner der originalen Spiele werden sich an diese Kurzform mit Sicherheit erinnern, welche als Ausgangspunkt für die kommenden fünf Episoden herhalten muss. Sehr lange ist es nun aber her, dass wir das fantastische Königreich Daventry nach Abenteuern erkundet haben. So wie die Spieler, die einst grob-pixelige Fantasy-Welten bewandert haben, ist auch Sir Ritter Graham, seines Zeichens Held der Originalspiele und später König des Reiches etwas gealtert. Im hohen Alter verbringt der munter fröhliche Großvater seine Zeit mit Medikamenten im Bett, kann aber nur kaum die Klappe halten. Allzu gerne erzählt dieser jedem, der ihm auch nur ein Ohr schenkt, von längst vergangenen Abenteuern.

kings-quest-e3-2015-screenshot-01

 

Zurück nach Daventry

Dies ist der Ausgangspunkt für die Episoden, die uns The Odd Gentlemen in den kommenden Monaten servieren möchte. Seid beruhigt, bereits die erste Folge, in der Großvater Graham seinen Werdegang zum Ritter wie auch ein halsbrecherisches Abenteuer in der Drachenhöhle erzählt, wird euch gut und gerne 6-8 Spielstunden beschäftigen und dabei gekonnt unterhalten. Dies liegt vor allem an der Art der Präsentation. Während man selber durch das weitläufige Königreich mit dunklen Höhlen, einem beschaulichen Dörfchen, einer Turnierarena sowie felsige Ratssitzungsplätze wandert, plappert der gute alte Herr kontinuierlich über sein Abenteuer. Aktionen und Wege, die wir einschlagen, spiegeln sich sogleich in der Erzählung wieder, vor allem wenn etwas schief geht. Großvater, bist du wirklich in eine dunkle Höhle voller Wölfe spaziert und hast dich nicht vorher umgeschaut? Nun ja, mein Kind, das passiert halt mal! Oder auch nicht und wir beginnen am letzten Checkpoint wieder mit der weiteren Erkundung von Daventry.

Allein dadurch kommen schon witzige Dialoge auf, vor allem weil Enkelin Gwendolyn nicht immer alles glaubt, was der alte Herr auftischt und auch nichts mit den mehr oder weniger guten Wortspielen anzufangen weiß. Nun, wer weiß, vielleicht kann sie dem doch mehr abgewinnen als sie wirklich zugibt. Aber auch die Helden und Charaktere aus den Erzählungen, die in bester Comic-Buch-Manier gezeichnet und animiert wurden, liefern immer wieder gewiefte Dialoge und gegen auf unsere Entscheidung und Entwicklung im Abenteuer ein. Die Figuren wirken zwar anfänglich skurril, doch den einen oder anderen wird man trotz (oder gerade wegen) seiner Marotten ins Herz schließen. Der junge Graham trägt einen Löwenanteil dazu bei. Stets tollpatschig, was superb und zum Lachen in Szene gesetzt wird, liefert er sich das eine oder andere Wortgefecht und unterstreicht mit Mimik und Gestik seine Meinung. Die Ritter wiederum, deren Gesichter aufgrund des Visiers der Rüstung verdeckt sind, sorgen mit gelungenen Gestiken für Lacher und Charme. Die deutsche Vertonung ist wirklich gelungen und wartet auch mit bekannten Stimmen auf, nur leider ist diese alles andere als Lippensynchron. Wer des Englisch mächtig ist, kann das Abenteuer auch auf dieser Sprache genießen.

kings-quest-e3-2015-screenshot-02

 

Leichte Rätselkost, gute Unterhaltung

Die Welt von Daventry ist durchaus groß geworden und liefert viele nette Orte, die man nach und nach erkunden kann. Ein uriges Dörfchen mit kleinen Marktplatz. Schaurige Wälder in denen uns überall Augen beobachten. Dunkle, düstere Höhlen, in denen Gefahren lauern und ein Drache, der  Graham mehrfach jagen wird. Klassisch erkundet man die Gegend, untersucht diverse interaktive Objekte, sammelt Gegenstände ein und erkundigt sich bei den Bewohnern bezüglich wichtiger Informationen. Dadurch entstehen Tauschgeschäfte, kleinere Rätsel, in denen das Inventar kombiniert werden muss oder aber auch Gespräche, bei denen es extrem auf die Antworten ankommt, um im Spiel weiter zu kommen. Mitunter bleibt in vielen Situationen nicht aus, dass man immer wieder dieselben Orte aufsucht. Kleinere, aber auch leider immer wieder größere Laufwege durch das Labyrinth der Welt von Daventry sind daher vorprogrammiert. Aufgelockert wird das klassische Adventure mit modernen Action-Sequenzen. Klettereinlagen, die unsere Reaktionsfähigkeit testen, Quick-Time-Events zum Tanzen oder gar kleine Rennen. All dies sorgt für Abwechslung im Alltag des vorritterlichen Helden.

Gerätselt wird und Knobelaufgaben gelöst, so wirklich trickreich sind diese meist aber nicht. Oftmals müssen nur die richtigen Gegenstände gefunden, getauscht oder irgendwo eingesetzt werden. Um die Ecke denken und dadurch kombinieren ist eher weniger gefragt. Sehr schön anzusehen aber, wie sich kaum merklich verschiedene Lösungswege auftun, ohne dass es der Spieler wirklich merkt. Ganz nebenbei erledigt Graham zusätzliche Dinge, welche mitunter den Spielverlauf beeinflussen. So kann man zum Beispiel das Geld horten oder ausgeben, und egal für was sich der Spieler entscheidet, das Spiel wird einen Weg finden um Graham ans Ziel zu bringen. Fehlt eine Münze, so muss man sich diese halt irgendwie wieder erarbeiten. Abseits des Laufweg, einem Cape als magischen Rucksack, in dem auch der größte Gegenstand spurlos verschwindet,  sorgen die Action-Einlagen für Abwechslung. Wie auch die Rätsel, so sind auch diese eher von seichter Natur. Somit ist das Reboot von King’s Quest nicht nur von der Präsentation her eher auf eine jüngere Spielgemeinde zugeschnitten, sondern auch vom Gameplay.

Daran gewöhnt man sich recht schnell und ertappt sich auch dabei, dass man mit den Erzählungen und den witzigen Situationen schlichtweg seinen Spaß hat und allzu gerne den Weg zum Ritter von  Daventry beschreitet. Durch die Präsentation entsteht eine wundervolle Gute-Nacht Geschichte, die einige Anekdoten zum Original aufweist und somit auch Fan-Service bietet. Fantastische Literatur die mit dem Spiel nun als Comic-Animation neu auflebt und begeistert. Sicherlich, die Technik ist nicht immer sauber. Aktionen werden nicht immer wie gewollt ausgeführt und auch optisch gibt es immer wieder den einen oder anderen Patzer. Im Ganzen, vor allem untermauert mit der seichten, aber auch aufbrausenden Hintergrundmusik ergibt sich ein stimmungsvollen Panorama. Außerdem, und das dürfte einer der wichtigsten Faktoren sein, haben die Entwickler durchaus ein wenig das Flair des Originals zustande gebracht.

kings-quest-e3-2015-screenshot-05

 

Unser Fazit

82 %

Dem kleinen Entwicklerstudio The Odd Gentlemen ist das Reboot von King's Quest wirklich gelungen. Fans werden durchaus den Charme der Neuauflage unterlegen sein. Dabei kann man sich nicht einmal über das Episodenformat aufregen. Denn die erste Folge kann ganz für sich alleine stehen und liefert dabei bereits einen unglaublich guten Spielumfang von 6-8 Stunden ab. Was dieses Spiel aber auszeichnet, ist die Mischung aus toller Erzählung durch Großvater Graham, den witzigen Kommentaren seiner Enkelin und dazu die urigen Dialoge mit den Bewohnern. Das alles ist liebevoll verpackt und wirkt ein bisschen wie ein Animationsfilm. Ein Comic, das zu Leben erweckt wurde. Die Welt mag mit der Lupe betrachtet keinen Schönheitspreis gewinnen, das Fantasy-Reich mit wundersamen Fabelwesen wurde dennoch mit viel Liebe zum Detail gezeichnet. Doch nicht nur die Optik erinnert an eine Gute-Nacht Geschichte für die Kids, auch spielerisch hat man sich eher auf ein jüngeres Publikum eingestellt und die typischen Knobelaufgaben auf einem relativ einfachen Niveau gehalten. Dennoch kann der charmante Held Sir Graham auf seine ganz eigene Art unterhalten, und begeisterte mich!

Pro

  • + Die Heldengeschichten werden sehr lebhaft, charmant und unterhaltsam vom Geschichtenerzähler präsentiert
  • + Präsentation liefert ein märchenhaftes Panorama, ein Bilderbuch, das wie ein Comic zu Leben erweckt wurde
  • + Charmanter, alberner Humor und nette, bissige und witzige Dialoge
  • + Die in Deutsch recht gut und in Englisch grandios eingesprochen sind
  • + Damit schließt man den einen oder anderen Charakter doch recht schnell ins Herz
  • + Die Aufgaben sind logisch, durchdacht und immer recht gut zu meistern. Querverrenkungen sind nicht gegeben
  • + Mit einer Spielzeit von 6-8 Stunden ist viel geboten für ein Episoden-Spiel

Kontra

  • - Sowohl die Knobelaufgaben als auch Action-Einlagen sind nicht sonderlich schwer. Bei den typischen Adventure-Aufgaben muss oft nur der richtige Gegenstand gefunden und benutzt werden
  • - Die durchaus gelungene Vertonung ist ziemlich schlecht auf die Lippenbewegung angepasst
  • - Auch wenn die Welt hübsch aussieht, fallen im Detail kleine Probleme und matschige Texturen auf

Unsere Bewertung

Grafik
 
75 %
Sound
 
80 %
Steuerung
 
80 %
Gameplay
 
78 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
80 %

- ANZEIGE -


Tags:

Weitere News und Spiele zum Thema

Aufgewachsen mit der ersten Nintendo-Konsole, fühlt sich Alexander Winkel eigentlich auf allen Plattformen heimisch. Trotz seiner offensichtlichen Hingabe zur Xbox – die vielen Gamerscore Punkte erspielen sich nicht von selbst – lässt er seine Schreibwut an allen Videospielen aus, unabhängig vom System.

Kommentare

Hinterlasse eine Antwort

Erfolge Trophy Leitfaden Keyword-Wolke:


  • königreich deventry Playstation 4

  • kings quest episode 1 test


- ANZEIGE -


*