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Lamplight City – Test / Review

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Veröffentlicht 21. Mai 2019 | 17:38 Uhr von Luca

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Es ist zwar schon eine Weile her, dass Lamplight City von Grundislav Games und Application Systems Heidelberg für PC erschienen ist – um genau zu sein, haben die Entwickler bereits vor einer Weile angekündigt, dass sie an einem Nachfolger für das Point and Click-Detektiv-Adventure arbeiten. Und während der Nachfolger «Rosewater» im Wilden Westen spielt, entführt uns Lamplight City aktuell noch in viktorianisches Setting, welches in New Bretagne an der Ostküste von Vespuccia spielt – einem fiktiven Amerika. Die Welt ist wegen der Entdeckung von «Ätherizität» im Aufruhr, doch wir, Detektiv Miles Fordham und unser Kollege und Sprücheklopfer Bill haben ganz andere Sorgen – den Blumenladendieb. Klingt harmlos? Das dachten Miles und Bill zunächst auch…

Nach einer aufwühlenden Einstiegsmission finden wir uns in unserer Wohnung wieder. Von hier aus besteht unsere Aufgabe darin, Fälle anzunehmen und zu lösen, was uns schrittweise unserem Hauptziel, dem «Flower Shop Burglar» näher bringt. Meist werden wir von unserer Auftraggeberin Upton benachrichtigt und treffen uns mit ihr für ein Briefing.

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Nachdem wir einen Fall angenommen haben, tauchen auf unserer Karte Schauplätze auf, die wir untersuchen können. Bezüglich des anfänglichen Vorgehens ist es sinnvoll, wenn wir uns an unserem Casebook orientieren. Hier sind sämtliche Anhaltspunkte vermerkt, welche wir erhalten haben, ebenso die daraus resultierenden Missionsziele. Im Verlaufe unserer Investigation füllt sich unser Casebook mit weiteren Anhaltspunkten, sowie wichtigen Dokumenten und Zeugenaussagen, Hinweisen und, sofern wir hinreichende Evidenz haben, einer Liste der verdächtigen Personen. Je nachdem lassen sich die Einträge anklicken, wodurch wir zusätzliche Informationen erhalten. Abgeschlossene Ziele verschwinden aus dem Casebook.

Die Schauplätze sind meist eher klein (und bestehen gegebenenfalls aus einigen miteinander verbundenen Frames). Trotzdem gibt es sehr viel zu entdecken, zahlreiche Objekte zu untersuchen – und freilich auch viele Details zu übersehen. Insgesamt sind die Orte, an die es Miles und Bill verschlägt, recht abwechslungsreich und stimmig gestaltet. Die Untersuchungen führen uns von düsteren Straßenecken über lebhafte Kneipen zu pompös eingerichteten Räumlichkeiten in Villen der «Grand Dames» aus New Bretagne. Dort schnüffeln wir nicht nur in Schubladen, Schreibtischen und Tagebüchern herum, sondern auch das Befragen von mehr oder weniger gesprächigen Personen gehört zu unserer Arbeit. So finden wir etwa heraus, mit wem Opfer und Verdächtige so verkehrten – doch aufgepasst! Je nachdem, wie wir mit diesen Personen umgehen, was wir in deren Wohnung machen, und welche Taten wir ihnen unterstellen, können wir uns auch ganz schnell unsere Wege verbauen. Diese Tatsache sollten wir immer im Hinterkopf behalten, denn sie zeigt die Charakteristik von Lamplight City sehr gut auf:

Es ist sehr viel eigenes Nachdenken und Schlussfolgern erforderlich. Oft ist es nicht die erstbeste, offensichtlich oder logisch erscheinende Lösung, welche uns zum Ziel bringt. Zudem gibt uns das Spiel viele Freiheiten in der Wahl unserer Verfahren. Dies bedeutet, dass es nicht förderlich ist (wie man es vielleicht aus anderen Point and Click-Adventures kennen mag), schnell mal sämtliche Objekte und Dialogoptionen anzuklicken. Wir sollten uns stets fragen, ob wir bestimmte Sachen verschweigen, bestimmte Fragen wirklich stellen, oder bestimmte Orte durchsuchen wollen, je nach Stand unserer laufenden Untersuchung. Dies soll am Beispiel der folgenden Situation veranschaulicht werden: Wir erhalten einen Anhaltspunkt, einen Ort, an dem sich eine Person, welche uns mehr Informationen liefern kann, aufhält. Jedoch wird uns der Zugang verweigert. Hier ist es sinnvoll, sich zu überlegen, ein anderes Mal wiederzukommen – vielleicht eröffnen sich ja andere Wege. Ansonsten können wir auch auf gut Glück den Dialog suchen, oder uns mit anderen Mitteln heimlich Zugang verschaffen (was oftmals nicht ohne spätere Konsequenzen bleibt).

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So kann es passieren, dass wir in einer Sackgasse landen – wir haben vermeintlich alle Orte durchsucht oder es eröffnen sich keine Dialogoptionen mehr, um an weitere Informationen zu kommen. In diesem Fall bieten sich uns einige Möglichkeiten: Zunächst schauen wir im Casebook nach, welche Missionsziele wir noch offen haben. Dies gibt uns Aufschluss darüber, wo wir eventuell noch Dinge übersehen haben, oder wo vorher noch etwas passieren muss, bis wir weitermachen können (z.B. brauchen wir ein bestimmtes Objekt, weitere Evidenz bis wir jemanden als Hauptverdächtigen vermerken können, oder müssen jemanden ablenken). Hilfreich können außerdem Bills und Miles’ Kommentare sein, wenn wir mit Objekten in der Welt interagieren. Es bietet sich ferner die Möglichkeit, unsere Auftraggeberin Upton aufzusuchen, um mit ihr den Fall zu besprechen. Entweder fällt uns dabei selbst auf, was wir übersehen haben, oder aber Upton hat eine Idee bzw. bietet uns an, mit den Informationen die wir haben, eine Meldung zu erstatten oder die Archive zu durchsuchen. Bevor wir jedoch die entsprechenden Dialogoptionen erhalten, müssen wir Details zum Fall gesammelt haben. Es ist nicht möglich, durch Raten die richtigen Informationen anzugeben. Im Gespräch mit Upton können wir außerdem unsere Hauptverdächtigen melden oder den Fall abschließen, indem wir uns auf einen Verdächtigen festlegen (wobei wir auch falsche Entscheidungen treffen können). Sollten wir uns den Weg wirklich verbaut haben, bleibt uns nur noch das Erklären des Falles als unlösbar übrig.

So verfahren wir, bis wir die Story nach fünf Fällen abgeschlossen haben. Dies mag zwar zunächst nach einer eintönigen Prozedur klingen, jedoch sind die Fälle sehr abwechslungsreich, was angesichts einer Spielzeit von über zehn Stunden bemerkenswert ist (wobei angemerkt werden soll, dass je nach Spielstil die Spieldauer stark variieren dürfte. 15 Stunden dürften die Obergrenze darstellen, sieben bis acht Stunden wird das Spiel wohl beim ersten Durchlauf mindestens hergeben). Diese Dauer ist glücklicherweise nicht durch unnötige Minispiel-Puzzles bedingt, denn Lamplight City kommt über weite Strecken ohne diese aus – wenn es welche gibt, dann sind diese sinnvoll und mit Informationen aus dem Spiel lösbar, etwa das Herausfinden einer Zahlenkombination mithilfe von Tagebucheinträgen oder das Durchführen chemischer Untersuchungen. Auch wenn einige Dialoge teils etwas lange dauern, ist es die Komplexität und Vielschichtigkeit der Fälle, welche das Spiel entschleunigen, was für Genre-Liebhaber erfreulich ist. Auch wenn die Konsequenzen für die Story nicht allzu dramatisch sein dürften, gibt es oft mehrere Wege, wie wir zum Ziel kommen, schon nur aufgrund der Reihenfolge, mit der wir verfahren – denn mit unseren Aktionen verändert sich gegebenenfalls auch die Situation an anderen Schauplätzen. Diese Komplexität birgt zwei Nachteile. Zunächst berichten viele Spieler von Bugs oder Unreinheiten in der Logik (etwa die zeitliche Kohärenz betreffend, oder dass bestimmte Personen Dinge ansprechen, die wir gar nicht getan haben, aber auch zu diesem Ziel geführt hätten), sowie dass bestimmte Ereignisse zu früh ausgelöst werden. Auch uns sind ein-, zwei solche Brüche aufgefallen. Zweitens dauert es ein wenig, bis man nach einer Pause wieder ins Spiel rein gekommen ist. Es werden zwar nur die aktuellen Schauplätze auf der Karte angezeigt, jedoch ist von hier aus nicht ersichtlich, wo sich neue Dialogoptionen bieten. So wandern wir teilweise von Ort zu Ort, nur damit Bill dann beim Anblick unserer Ansprechpartner feststellt, dass zuerst anderswo weitersuchen sollten, da die Person uns wohl alle Informationen gegeben hat bzw. beschäftigt ist. Ferner wäre eine Art Logbuch mit den bereits abgeschlossenen Schritten (im Casebook verschwinden diese) wünschenswert, damit wir uns einen Überblick über den Stand der Dinge verschaffen können. Es gibt kein Inventar, in welchem wir die aufgesammelten Objekte einsehen können. Die wichtigsten davon werden zwar im Casebook vermerkt oder eröffnen spezielle Dialogoptionen, doch auch hier fehlt uns besonders nach einer Pause der Überblick. Diesem Umstand wird jedoch dadurch entgegengewirkt, dass Objekte wie Schlüssel beim Interagieren mit dem richtigen Ziel automatisch verwendet werden.

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Die Steuerung mit der Maus ist genauso simpel gehalten. Sie besteht lediglich aus Rechts- und Linksklick und funktioniert problemlos. Die Karte lässt sich durch ein Klicken auf die Seite des Bildschirms oder über das Menü öffnen. Letzteres erscheint, wenn wir die Maus an den oberen Bildschirmrand bewegen. Über das Menü lässt sich außerdem das Casebook öffnen (alternativ zum Rechtsklick). Gamepads werden nicht unterstützt.

Es gibt zwar keine Option, Objekte hervorzuheben, mit denen wir interagieren können, jedoch verändert sich der Mauszeiger, wenn wir über sie hinwegfahren. Hierbei ist zu beachten, dass dies nur für größere Einheiten von Objekten gilt. Will heißen: Angenommen, wir untersuchen eine Bibliothek und fahren über einen Bücherstapel, welcher aus recht generisch aussehenden Büchern besteht. Dadurch verändert sich der Mauszeiger und beim Klick erhalten wir einen «Nee, hilft uns nicht weiter»-Kommentar. Nun kann es jedoch vorkommen, dass (obwohl der ganze Stapel hervorgehoben wird) die Interaktion sich auf die einzelnen Bücher bezieht. In diesem Fall erhalten wir für neun von zehn Büchern den gleichen Kommentar, während ein Klick auf ein bestimmtes Buch uns weiterbringen würde.

Dies sei aufgrund der schlichten Grafik gesagt. Während einige Objekte einem ins Auge stechen, sind es oftmals auch generisch (oder gar «recycelt») aussehende und nicht farblich hervorgehobene Objekte, welche Hinweise enthalten. Es ist also Sorgfalt geboten, ansonsten übersehen wir viele Hinweise. Davon abgesehen ist die Grafik stimmig und die Welt detailreich ausgeschmückt. Aufgrund der groben Pixelgrafik sind Dinge teilweise etwas schwer zu identifizieren, der Spielablauf wird jedoch meist nicht behindert. Anders als im Spiel selbst sind Gesichter in Dialogen detaillierter dargestellt. Somit können wir bei Befragungen auch auf die (unübersehbar deutlich gestaltete) Mimik des Gegenübers achten. Ein Kritikpunkt stellt die Schrift dar. In Dialogen ist diese zwar klar zu erkennen, nicht jedoch auf Dokumenten. Es hilft, wenn wir uns einen Meter weiter vom Bildschirm entfernen.

Am Sound ist grundsätzlich nichts auszusetzen. Die stimmige Musik trägt ihren Teil zur Atmosphäre bei. Etwas eintönig wird es, wenn ein Titel in Dauerschleife spielt, dies kommt allerdings meist nur dann vor, wenn wir über längere Zeit an einem Ort verbleiben. Sehr selten laggt das eine oder andere Geräusch ein wenig hinterher. Letzteres sei aber nur der Vollständigkeit halber gesagt, denn die Sounds sind ansonsten sauber implementiert und realistisch. Auch Voice-Acting ist in den allermeisten Fällen stark, authentisch und oft auch ziemlich witzig. Das Spiel wurde auf Englisch vertont, Untertitel gibt es auch auf Deutsch.

 

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Bild 1 von 17

 

Getestete Version: PC / Steam

 

Unser Fazit

80 %

Lamplight City ist ein Point and Click-Adventure, in welchem wir in die Haut von Detektiv Miles Fordham schlüpfen und zusammen mit unserem sprücheklopfenden Begleiter Bill insgesamt fünf Fälle lösen. Dabei ist positiv zu werten, dass der Spieler über weite Strecken selber nachdenken muss, ebenso gefällt die Tatsache, dass in Lamplight City auch falsche Hinweise und Stolpersteine lauern, die dazu führen können, dass falsche Personen verdächtigt oder Fälle unlösbar werden. Die fünf Fälle, welche bis zu 15 Stunden in Anspruch nehmen können, sind nicht zuletzt wegen Bills trockenem und sarkastischem Humor grundsätzlich immer sehr witzig und unterhaltsam. Zudem sind sie abwechslungsreich und können auf unterschiedlichen Wegen gelöst werden. Die daraus resultierende Komplexität und Vielschichtigkeit des Spielverlaufs macht sich zwar teilweise in unlogischen Zeitsprüngen oder Dialogen bemerkbar, doch trotz einigen kleinen Mängeln technischer Art überzeugt Lamplight City mit einer spannenden und sich laufend zuspitzenden Story. Aus unseren Augen ein Muss für Genreliebhaber und virtuelle Privatdetektive!

Pro

  • + Komplexität der Fälle
  • + Ordentlicher Schwierigkeitsgrad
  • + Nachdenken und Schlussfolgern des Spielers gefragt
  • + Überzeugende Story
  • + Stimmiges Setting und Atmosphäre
  • + Gutes Voice Acting und saubere Vertonung
  • + Über 50 Leute, die wir befragen können
  • + keine unnötigen Rätsel
  • + Einfache Steuerung
  • + Witzige Dialoge
  • + Verschiedene Wege, zum Ziel zu gelangen
  • + Fehlerfreie Übersetzung (Untertitel)
  • + Bloopers und Concept Arts als Bonusmaterial
  • + Macht auch Spass, wenn man es zu zweit spielt

Kontra

  • - Einige Aspekte der Grafik nicht optimal
  • - Casebook hat mehr Potential
  • - Beim Wiedereinstieg nach einer Pause fehlt der Überblick
  • - Alternative Routen und Situationen stehen teils miteinander im Konflikt
  • - Unlogische Zeitsprünge
  • - Hervorhebung neuer Dialogoptionen auf der Karte wäre wünschenswert
  • - Gamepad nicht unterstützt
  • - Dialoge teils etwas sehr lang
  • - Miles geht im Schneckentempo

Unsere Bewertung

Grafik
 
75 %
Sound
 
78 %
Steuerung
 
75 %
Gameplay
 
80 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
90 %

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