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The Last Guardian – Test / Review

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Veröffentlicht 27. Februar 2017 | 13:28 Uhr von Sandra

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The Last Guardian lässt sich als Odyssee beschreiben, denn es hat eine Art „unendliche Geschichte“ durchlebt, die jedoch nicht nur stellenweise weit weg davon war fantasievoll und vielversprechend zu sein. 2007 wurden die Entwicklungsarbeiten zu The Last Guardian aufgenommen, 2009 folgte die Ankündigung, dass das als spiritueller Nachfolger von Ico und Shadow of the Colossus gehandelte Adventure 2011 für Playstation 3 erscheinen solle. Mitnichten und Pustekuchen, denn Fans und Spieler wurden einmal mehr vertröstet und das Ganze in Kombination mit immer lauter werdenden Stimmen, dass The Last Guardian wohl nie fertig und infolge auch niemals veröffentlicht werde. Selbst die Ankündigung 2015 während der E3 sowie der PSX ließ die Mehrheit, trotz erbrachtem Lebenszeichen in Form von neuen Videos, mehr zweifeln als glauben… bis, ja bis Dezember 2016, als The Last Guardian tatsächlich, endlich und wahrhaftig für Playstation 4 effektiv verfügbar wurde. Und ja, die lange Zeit spiegelt sich in gewisser Form auf vielfältige Art und Weise im The Last Guardian Gameplay wieder – und das meinen wir nicht negativ…

Vorneweg, SIE Japan, Team Ico, Sony und GenDesign ist mit The Last Guardian eine wundervolle und auch einnehmende Geschichte geglückt, die allerdings hier und da etwas ungeschickt erzählt und präsentiert wird. Aber worum geht es eigentlich? Nun, um einen namenlosen Jungen und seinen sehr großen Freund Trico, der eine, zugegeben sehr niedliche, Mischung aus Vogel, Hund und Ratte zu sein scheint – sozusagen die sprichwörtliche virtuell lebendig gewordene tierische Orgie. Ihr in der Rolle des Jungen wacht zusammen mit Trico in einer Höhle auf ohne zu wissen, wie ihr dort gelandet seid. Trico ist natürlich nicht zu übersehen und zumindest mal für den Anfang erweist sich das hybride Geschöpf als nicht unbedingt freundlich.

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Bei genauerem Hinsehen wird auch klar, warum der gefiedert-fellige Gigant schlechte Laune hat. Angekettet zu sein und Pfeile im Körper stecken zu haben ist nicht unbedingt als angenehm zu beschreiben. Aber ihr als der Junge ohne Namen werdet schnell drauf kommen, wie man Trico helfen kann. Futter in Form von leuchtenden und überall zu findenden Fässern, dazu das Entfernen der Pfeile als auch das Lösen der Ketten legen den Grundstein für eure gemeinsame Reise.

Damit offenbart sich auch das generell Gameplay von The Last Guardian, welches seine Verwandtschaft zu Ico und Shadow of the Colossus nicht leugnen kann. Ihr könnt mit dem Jungen jederzeit auf Trico klettern, aufsteigen, auch auf ihm reiten und ihn natürlich streicheln womit Shadow of the Colossus Tribut gezollt wird. Ico manifestiert sich hingegen im geforderten Teamplay sowie der nonverbalen Kommunikation. Sobald Trico frei ist, müsst ihr mit dem Jungen nach begehbaren Wegen suchen. Dazu gehört, dass ihr euch umschaut, klettert, kriecht, springt, Schalter findet und betätigt, um beispielsweise Türen zu öffnen. Zwischendrin füttert ihr Trico immer wieder die leuchtenden Fässer, die ihr manches Mal auch dafür verwenden könnt Trico zu überzeugen auch unliebsame Schritte zu tun, wie beispielsweise Bekanntschaft mit dem nassen Element zu machen.

Was sich wie ein unspektakulärer virtueller Spaziergang anhört, erweist sich in der Praxis als mitunter ausgefuchste Geschichte. Vor allem das Band zwischen euch und Trico muss gefestigt werden, da der sympathische Gigant gerne mal seinen eigenen Kopf hat und eben nicht auf euch reagiert und scheinbar seiner eigenen Wege gehen mag. Partiell ist dieses Verhalten gewollt, partiell aber auch nicht und das erweist sich dann als technische Unzulänglichkeit. Vor allem die Kommunikation, wobei der Junge und Trico in einer nicht gängigen bzw. bekannten Sprache sowie Gestik miteinander reden, kann sich zum Stolperstein mausern. Nicht oft, das wollen wir an dieser Stelle festhalten, aber es kann eben passieren. Egal wo es lang geht, ihr müsst Trico immer „sagen“ was er zu tun hat: Lauf, komm‘ hier her, spring, schieb. Alles Kommandos, die essentiell für euer Vorankommen sind – hin und wieder scheitert es aber genau daran. Es bleibt unter Umständen nicht aus, dass ihr Trico gefühlt zig Mal einen Befehl erteilen müsst und seine Antwort darauf konsequentes Ignorieren ist oder er macht scheinbar das was ihr ihm aufgetragen habt, nur um just im letzten Moment einen neugierigen Blick aufzusetzen, sich umzuschauen und final wieder in eine andere Richtung als die vorgegebene von dannen zu traben.

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Auf der einen Seite macht Tricos Verhalten natürlich Sinn, vor allem zu Beginn des Spiels, wenn ihr noch dabei seid eure Bande festigen zu wollen. Andererseits hat The Last Guardian – leider – seine Macken und die werden vor allem dann offensichtlich, wenn Trico eurer Aufforderung nicht folgt. Ja, es kann auch mal frustrierend sein, insbesondere dann, wenn ihr die Lösung für eines der Rätsel wisst – und glaubt uns, davon gibt es reichlich – das Spiel aber das Erledigen scheinbar nicht zulässt. Ihr habt beispielsweise einen Weg freigeräumt und Trico muss nur noch dem Pfad durch eine Tür folgen. Ihr ruft, er kommt und es wirkt als würde Trico wie vor einer unsichtbaren Wand stehen bleiben. Schwupps dreht er sich wieder rum und rennt davon.

Die Steuerung macht das Ganze natürlich nicht einfacher, wobei die grundlegenden Eingabeaufforderungen simpler nicht sein könnten. Den Jungen zu dirigieren als auch Trico zu befehligen oder auf ihn drauf zu klettern, ihn streicheln ist kinderleicht. Es ist auch hier die Umsetzung, die das gerne mal unnötig verkompliziert. Der Junge neigt mitunter zu auffälligem „stop’n go“-Verhalten oder lässt dann und wann ein Stück weit Genauigkeit vermissen. Schnelle, insbesondere aber unvorhergesehene Kameraschwenks machen euch das Leben nicht leichter. Gleiches gilt auch, wenn ihr euch umschauen wollt. Je nach gewählter Position kann es passieren, dass ihr beim Versuch des Rundumblicks erst einen schwarzen Bildschirm serviert bekommt, bevor ihr die neue Szenerie in Augenschein nehmen könnt.

Ja, zugegeben, dass kann sich durchaus als harsche Kritik lesen und ja zum Zweiten, es ist ein Stück weit auch Kritik an der Technik, die ob der langen Entwicklungszeit hätte irgendwie besser ausfallen können… nein, müssen. Auf der anderen Seite ist die Technik jedoch alles andere als schlecht, alles andere als frustrierend, denn irgendwie funktioniert es dann doch, dass ihr mit dem Jungen und Trico euren Weg gehen könnt. Stellt ihr euch darauf ein, dass die beiden hier und da etwas bockig sein können, ist es unterm Strich gar nicht mehr so schlimm. Vor allem gibt es den Blick auf das Wesentliche frei: Die zauberhafte Geschichte über eine Freundschaft, die ihr vom ersten Knospenschlag bis zur vollen Blüte nicht nur verfolgen, sondern vollumfänglich erleben könnt – sofern ihr euch reinziehen und davon Gefangennehmen lasst. Und dazu gehört auch die kleineren und manches Mal ein bisschen größeren technischen Unzulänglichkeiten schlicht beiseitezuschieben.

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Es macht Spaß und es ist eine Freude zu beobachten wie der Junge und Trico zarte Freundschaftsbande knüpfen und Vertrauen zueinander fassen, natürlich mit der nötigen Zeit, eben ganz so wie im wahren Leben das auch der Fall ist. Und so ganz langsam, mit jedem Schritt mehr, mit jedem gelösten Rätsel fühlt ihr euch insbesondere dem großen tierischen Riesen verbunden. Achtet ihr anfänglich nur darauf, dass ihr Trico von A nach B bugsieren könnt, werdet ihr im weiteren Verlauf des Abenteuers hörbar erleichtert ausschnauben, wenn ihr beispielsweise einen beinahe Absturz von Trico verhindern konntet.  Und immer dann, wenn ihr eine gefährliche Situation überstanden und Trico heil aus der Sache raus gekommen ist, werdet ihr den sanften Giganten mit den liebevollen Augen streicheln. Es hat am Ende keinen Nutzen, so viel sei an dieser Stelle verraten. Es gibt nicht einmal eine Trophäe dafür, aber ihr werdet nicht anders können, denn The Last Guardian schafft es, dass ihr euch schlichtweg um Trico sorgt und alles tut, damit es ihm gut geht.

Und so wie ihr euch während des Spielens entwickelt, vollzieht sich auch mit Trico eine Wandlung. Anfänglich werdet ihr häufiger erleben, dass seine Augen sehr harsch und scheinbar bösartig aussehen. Doch je länger ihr euch um ihn kümmert, auf ihm rum klettert, ihn streichelt, ihn durch die verschiedenen Areale führt und ihn vor allem füttert, desto mehr werdet ihr feststellen, dass Tricos Augen auf verschiedene Weisen gucken können. Vielleicht entdeckt ihr dann auch, dass das vermeintliche große Ungetüm eine sehr verletzliche Seele hat und überaus dankbar dafür ist, dass ihr an seiner Seite seid…

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Unser Fazit

85 %

The Last Guardian erzählt eine einfache, dafür aber überaus wundervolle Geschichte. Es geht um Freundschaft, um Vertrauen, um das Füreinander da sein, um das sich gegenseitig helfen ohne zu urteilen, ohne in Schubladen zu stecken oder Forderungen zu stellen. Trico und der Junge hinterlassen ein gutes Gefühl, erinnern ein Stück weit daran, was wirklich wichtig ist und wie einfach es sein kann, wenn wir es nur zulassen. Dass hier und da die Kamera etwas bockt oder die Steuerung nicht einwandfrei funktioniert, sei zwar erwähnt, trübt aber im Ganzen das Gefühl, dass The Last Guardian in einem erzeugt, in keiner Weise. Vielmehr ist es ein Leichtes genau diese Aspekte zur Seite zu schieben und sich einfach nur auf Trico einzulassen. Das „ich weiß nicht was soll es bedeuten“-Lorelei-Wesen, diese bunte Mischung aus Verletzlichkeit und scheinbarem Monster, dass man irgendwann einfach nur noch lieb haben und beschützen möchte. The Last Guardian ist ein Kleinod, eine fantastisch verträumte Reise, die ihr auf jeden Fall unternehmen solltet.

Pro

  • + Trico
  • + einfache, aber einnehmende Geschichte
  • + gelungene nonverbale Kommunikation
  • + simple Kommandostruktur
  • + solide Rätselkost
  • + überwiegend stimmungsvolle Umgebungen
  • + Trico mit überzeugenden Regungen

Kontra

  • - Kamera und Steuerung manches Mal etwas bockig
  • - der Junge bewegt sich nicht immer flüssig

Unsere Bewertung

Grafik
 
85 %
Sound
 
80 %
Steuerung
 
80 %
Gameplay
 
88 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
90 %

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