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Late Shift – Test / Review

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Veröffentlicht 29. Juni 2017 | 16:40 Uhr von Alexander Winkel

Lateshift_Artwork-logo

Wenig Spiel, stattdessen viel Spontanität bei Entscheidungen: Interaktive Geschichten haben spätestens seit Telltales The Walking Dead wieder Hochkonjunktur. Dies ebnet auch den Weg für interaktive Filme wie sie einst zur Einführung der Compact Disk beliebt waren. Heute natürlich alles um einiges besser und vor allem in perfekter TV-Qualität. So zumindest der ungewöhnliche Titel Late Shift des Schweizer Studios CtrlMovie. Ein interaktiver Krimi-Thriller, der durchaus mit guten TV-Produktionen gekonnt mithalten kann. 

Das Studentenleben beschert nicht nur Campus-Partys und viel Spaß, manch einer muss sich Semester für Semester hart durcharbeiten und schauen, wie er die nötigen Moneten für all die Gebühren und den Lebensunterhalt herbekommt. Ähnlich geht es auch Matt, der des Nachts als Parkhauswächter das nötige Kleingeld dazu verdient. Kein besonders spannender Job, sieht man von den teuren Schlitten der Snobs aus der Londoner High Society mal ab, doch auf diese Spätschicht hätte Matt sicherlich verzichten können. Ein skrupelloser Autodieb zwingt Matt dazu, einen i8 zu klauen. Kaum im Versteck angekommen, wird er weiter in die Machenschaften der Ganoven verwickelt, die einen großen Coup planen.

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Eine alte Schüssel aus der Ming-Dynastie wird versteigert und diese wollen die Kerle unbemerkt stibitzen. Dazu die Fluchtautos und, weil es der Zufall so will, Matt als Unterstützung. Schaut ihr euch den Film öfters an, kommt schnell raus, dass diese Schlüsselszenen auch kaum durch die möglichen und meist sehr konträren Entscheidungen beeinflusst werden kann, denn Late Shift hangelt sich zumindest anfänglich noch an einem roten Faden entlang und lässt eine persönliche Bindung zu Hauptcharakteren etwas missen. Nach und nach haben eure persönlichen Entscheidungen, die ähnlich der Telltale Spiele innerhalb von Sekunden gefällt werden müssen, jedoch immer mehr Einfluss darauf, wie sich der Krimi entwickelt und wie Matt zu dem ganzen Raub steht. Skeptisch und zurückhaltend? Eher offensiv und sabotierend? Ihr könnt durchaus einige Varianten ausprobieren.

Das hinterlässt Spuren und tatsächlich könnt ihr den interaktiven Film derart beeinflussen, dass teilweise Szenen gar nicht vorkommen und sich das Finale entsprechend aufbaut. Das führt zu einer sehr variablen Filmlänge von 60-80 Minuten an Laufzeit. Dabei gibt es bis zu sieben verschiedene Enden zu entdecken. Leider ist es jedoch nicht möglich, einen extra Spielstand anzulegen, um diverse Entscheidungen ausprobieren zu können. Sobald ein Checkpoint mit automatischer Speicherung erreicht ist, gibt es definitiv kein Zurück mehr. Wollt ihr also tatsächlich ein wenig experimentieren und alle Szenen zu Gesicht bekommen, müsst ihr theoretisch Late Shift öfters starten und entsprechend andere Pfade wählen.

lateshift_screenshot_gameplay_02

CtrlMovie zeigt mit Late Shift, wohin die Reise interaktiver Filme in Zukunft gehen kann. Immerhin wurde der Film auch in Schweizer Kinos ausprobiert. Die Produktion hat auch durchaus das Niveau sehr guter TV Produktionen und bietet recht gut gemachtes Material in perfekter Qualität, dass obwohl das Budget nicht mehr als 1,5 Millionen Franken Betrug. Zwar verzichtet der Film weitestgehend auf aufwendige Special-Effects, jedoch wissen die Macher, wie man eine derartige Geschichte ansprechend präsentiert. Joe Sowerbutts alias Matt hat es als Schauspieler sicherlich auch nicht leicht gehabt. Die zahlreichen Entscheidungen des Zuschauers spiegeln sich durchaus in seiner Mimik wieder. Ob egoistischer Ansatz oder Zurückhaltung, er liefert gute Arbeit ab.

Jedoch kränkelt das Format spätestens bei beständig konträren Entscheidungen. Die Glaubwürdigkeit der Charaktere nimmt ab und auch die Persönlichkeit des Protagonisten kommt durch den ständigen schauspielerischen Wechsel ein wenig ins Schwanken. So einige Übergänge wirken daher doch etwas holprig. Dies ist vielleicht auch der Grund der insgesamt recht einfach gehaltenen Story, die zum Schluss hin auch manches Mal eine viel zu simple Auflösung parat hat. Da hätte man durchaus mehr Raffinesse erwartet. So dürfte das eine oder andere Ende von Late Shift etwas enttäuschend sein. Jedoch ist dies vielleicht der Ansporn, den Verlauf mit den Entscheidungen doch noch anders zu beeinflussen. Anderweitig lockt der Film dann doch eher weniger nochmals vor den TV.

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Getestete Version: Xbox One

Unser Fazit

75 %

Die Schweizer zeigen mit Late Shift, wie die Zukunft interaktiver Filme aussehen kann. Zwar wird dieser Film keinen Oskar gewinnen, jedoch wird ganz gute Unterhaltung auf solidem Niveau geboten. Durch die Entscheidungen führt uns das Werk auch durch unterschiedliche Story-Abschnitte und somit ist ein weiterer Start durchaus interessant, um Matt in eine andere Richtung zu leiten. Wirklich spannend gibt sich Late Shift beim wiederholten Genuss jedoch leider nicht mehr und auch die Auflösung des Thrillers lässt hier und da letztendlich zu Wünschen übrig. Nichts desto trotz ist Late Shift ein interessanter interaktiver Film, den man sich mal durchaus mal anschauen kann.

Pro

  • + Recht gelungener Ganoven-Krimi und gehobenen Niveau von TV Produktionen
  • + Meist gute schauspielerische Leistungen, vor allem des Protagonisten, der mehrere Rollen je nach Zuschauerentscheidung einnehmen muss
  • + Variable Geschichte mit bis zu sieben Enden

Kontra

  • - Sprachausgabe leider nur in Englisch mit deutschen Untertiteln
  • - Auflösung der Story teilweise zu banal
  • - Spätestens nach dem zweite Durchgang ist die Luft raus

Unsere Bewertung

Grafik
 
00 %
Sound
 
75 %
Steuerung
 
00 %
Gameplay
 
00 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
75 %

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Aufgewachsen mit der ersten Nintendo-Konsole, fühlt sich Alexander Winkel eigentlich auf allen Plattformen heimisch. Trotz seiner offensichtlichen Hingabe zur Xbox – die vielen Gamerscore Punkte erspielen sich nicht von selbst – lässt er seine Schreibwut an allen Videospielen aus, unabhängig vom System.

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