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Life is Strange: Before the Storm – Episode 1 Test / Review

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Veröffentlicht 11. September 2017 | 15:50 Uhr von Alexander Winkel

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Geradezu aus dem Nichts tauchte „Life is Strange“ vom französischen Entwickler Dontnot seinerzeit auf und begeisterte Million von Spieler. Das emotionale Teenie-Drama schuf eine selten da gewesene Atmosphäre und gehört bis heute zu den beeindruckendsten, bewegendsten Geschichten, die wir in einem Videospiel erleben durften. Mit der ersten Episode von „Before the Storm“ kommt der neue Entwickler Deck Nine tatsächlich bereits an das Meisterwerk heran und macht doch ein wenig was anders.

Mit „Before the Storm“ reisen wir zwei Jahre zurück in die Vergangenheit und begleiten Chloe Price kurz nachdem ihre beste und einzige Freundin Max Caulfield aus Arcadia Bay wegziehen musste und einige Zeit nachdem Chloe’s Vater in einem tragischen Autounfall ums Leben gekommen ist. Innerlich zerrissen durch die Verluste in ihrem Leben und völlig einsam aufgrund fehlendem sozialen Umfeld erleben wir die bereits aufkeimende rebellische Art des 16 jährige Teenagers noch bevor sie sich einigen anderen Problemen hingibt, die wir bereits aus dem Auftakt des ursprünglichen „Life is Strange“ kennen.

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Chloe geht noch auf die Blackwell Akademie, sofern sie nicht den Unterricht schwänzt und dadurch kommt bereits dasselbe lässige Gefühl wie einst mit Max Caulfield auf. Morgens wirft die Mutter einem aus dem Bett, nervige Tiraden über sich ergehen lassend begibt man sich mit Muttis neuem Lebensgefährten zur Schule und fügt sich alsdann kurzzeitig auch in den Alltag der anderen Teenager ein. Begleitend von warmen Farben der aufgehenden Sonne und eine herrlichen Idylle von Arcadia Bay tauchten wir auch mit Chloe tief in das Drama ein und genießen zusammen mit ihr die tolle Atmosphäre. „Before the Storm“ gelingt es, ein nahezu identisches, heimisches Spielgefühl zu offerieren, was sicherlich auch der ebenso häufig eingestreuten chilligen Momenten und der passenden Musik zu verdanken ist. Wie einst Max genießt die rebellische Protagonisten auch hier gerne mal ein paar Klänge über Kopfhörer.

Chloe ist jedoch eine Einzelkämpferin und kümmert sich nicht allzu sehr um die Belange der anderen Mitschüler, auch wenn unter anderem ein Tabletop-Spiel durchaus vergnügliche Minuten im Park bescheren. „Before the Storm“ dreht sich mehr um die zerrissenen Gefühle der Protagonistin als um das gesellschaftliche Umfeld, so dass Positings im Internet und derartige Gerüchte doch eher in den Hintergrund treten und kaum Details zu den Mitschülern aufzudecken sind. Jedoch tritt mit Rachel Amber eine weitere Person ins Rampenlicht, welche bereits im Original für viel Zündstoff gesorgt hat. Die beliebteste, beste Schülerin der Blackwell Akademie scheint hinter ihrer ach so tollen Fassade doch so einige Dinge zu verbergen und freundet sich mehr oder weniger mit der Rebellin Chloe an.

Was „Before the Storm“ einmal mehr auszeichnet ist die unglaubliche Dramaturgie, die sich vor allem gegen Ende der ersten Episode regelrecht zuspitzt. Zu Beginn fehlt ein wenig der Schwung, es kommt daher noch wenig Spannung auf. Aufgrund zurückgedrängter spielerischer Möglichkeiten – weder steht uns das Zeitfeature von Max zur Verfügung, noch liefert Deck Nine kleinere Denkaufgaben, die es zu lösen gilt – wirkt das Prequel in der ersten Zeit ein wenig aufgesetzt. Vielleicht liegt es auch an der Vertrautheit der Umgebung von Arcadia Bay und der wieder unglaublich gelungenen Präsentation, dass Chloe’s Einstieg uns nichts überraschendes, bzw. neues liefert. Auch liegt nichts bedrohliches in diesem Abenteuer, nichts mystisches, was unterschwellig ein ungutes Gefühl liefert. Der drohende Sturm, den Max seinerzeit bereits erahnen konnte, sorgte für eine gewisse Erwartungshaltung.

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Deck Nine konzentriert sich voll auf die emotional gebeutelte Rebellin, welche mürrisch ihrer Mutter gegenübertritt und am liebsten nur wüste Beschimpfungen gegenüber Paul zur Sprache kommen lässt, der neue Freund ihrer Mutter. Solche, und andere Situationen erschweren jedoch die Dialoge und Möglichkeiten, diese zu steuern, denn das Wissen aus „Life is Strange“ macht uns nicht unbefangen. Wir wissen, was einige der Schüler noch so alles anstellen und wie sich manche Charaktere gegenüber Max Caulfield verhalten haben. Können wir daher völlig frei entscheiden, wie sich Chloe nun zu verhalten hat?

Einfluss dürfte das Wissen um die Zukunft durchaus haben, jedoch wird jeder Spieler seinen Gedanken nachgehen und entweder aus Sympathie zu den Gesprächspartnern stehen oder einfach rebellisch Worte raushauen. Fetzige verbale Auseinandersetzungen sind der Ersatz für die fehlende Zeitmanipulation. Chloe hat gelegentlich die Möglichkeit, die Dialoge schwerwiegend zu beeinflussen, indem sie in Streitgesprächen unter Zeitdruck die richtigen Antworten gibt. Dabei müsst ihr genau auf das hören, was euer Gegenüber gesagt hat, um passend zu reagieren. So kommt sie am Türsteher vorbei, kann sich jedoch auch gegen den drohenden „Stiefvater“ behaupten. Letztendlich könnt ihr Gesagtes nicht mehr beeinflussen oder gar ungeschehen machen – etwas, was „Life is Strange“ seinerzeit einzigartig machte – was durchaus den Druck bezüglich richtiger Entscheidungen erhöht.

Schlussendlich gelingt es den Entwicklern trotz fehlender Elemente ein dramatisches und herzzerreißendes Abenteuer zu entfachen, welches spätestens zum Ende der Episode regelrecht unter die Haut geht. Samt dem Cliffhanger sitzt man doch recht schockiert vor dem Flimmerkasten und manch einer wird doch zitternde Hände haben und kaum den weiteren Werdegang abwarten können. Sämtliche Charaktere, allen voran Chloe Price werden unfassbar glaubwürdig präsentiert, was den Dialogen und den Synchronsprechern zu verdanken ist. Die Probleme und Ängste wirken greifbar real. Die Emotionen reißen mit und jede Gefühlsregung wirkt lebensecht. Ein Drama, wie es Dontnot nicht besser hätte präsentieren können.

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Getestete Version: Xbox One

Unser Fazit

83 %

Die Skepsis war bei mir durchaus hoch, nach dem Entwicklerwechsel und der Entscheidung, einen Prequel zu präsentieren. Letztendlich ist es Deck Nine aber gelungen, die einzigartige Atmosphäre von „Life is Strange“ wieder auf den Bildschirm zu zaubern. Wir tauchen tief ein in eine Welt rund um Chloe Price, die den Tod ihres Vaters noch lange nicht überwunden und gleichzeitig mit der Einsamkeit zu kämpfen hat, da ihre beste Freundin Max Caulfield die Stadt verlassen musste. Es sind die zerrütteten Empfindungen der Protagonistin, die letztendlich auch „Before the Storm“ zu einem grandiosen Drama machen. Spielerisch zieht sich das Prequel zurück, die Zeitmanipulation ist natürlich nicht möglich und Rätsel sucht man vergebens, jedoch schafft die mitreißende Geschichte es zum Ende der Episode hin zu überzeugen. Grund liegt in den ausgefeilten Dialogen die einmal mehr superb von den Synchronsprechern vertont werden. Jeder Charakter wirkt glaubhaft, jede Gefühlsregung wird abgenommen und der Spieler schlussendlich mit dem Drama betört. So muss ein Ableger von „Life is Strange“ daher kommen. Bleibt Deck Nine der Dramaturgie der letzten Szenen treu, so stehen uns noch zwei spannende weitere Episoden bevor. Ich kann es kaum erwarten …

Pro

  • + Die grandiose „Life is Strange“ Atmosphäre blieb erhalten
  • + Charaktere wurden glaubhaft in Szene gesetzt dank grandioser Dialoge und nachvollziehbarer Empfindungen
  • + Wieder einmal gelungener Soundtrack, der zum Entspannen einlädt
  • + Spannendes, dramaturgisches Finale von Episode 1 lässt auf einen tollen Verlauf der kommenden Episoden hoffen

Kontra

  • - Keinerlei Rätseleinlagen mehr vorhanden, verschuldet auch der fehlenden Zeitmanipulation
  • - Alles konzentriert sich auf Chloe und Rachel, andere Charaktere werden (noch nicht) derart ins Geschehen mit einbezogen, wie eins von Max Caulfield
  • - Der Anfang wirkt blass, sicherlich aufgrund der Analogien zum Vorgänger. Man kennt Arcadia Bay und die Blackwell Akademie halt schon und ist nicht mehr so überrascht.

Unsere Bewertung

Grafik
 
80 %
Sound
 
95 %
Steuerung
 
90 %
Gameplay
 
70 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
80 %

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Aufgewachsen mit der ersten Nintendo-Konsole, fühlt sich Alexander Winkel eigentlich auf allen Plattformen heimisch. Trotz seiner offensichtlichen Hingabe zur Xbox – die vielen Gamerscore Punkte erspielen sich nicht von selbst – lässt er seine Schreibwut an allen Videospielen aus, unabhängig vom System.

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