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MachiaVillain – Test / Review

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Veröffentlicht 22. Mai 2018 | 19:52 Uhr von Luca

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Im Management- und Strategiespiel MachiaVillain vom Zwei-Mann-Studio Wild Factor sind wir Herr über ein Team von Minions und lassen diese unser eigenes, böses Spuk-Anwesen errichten, in welches wir unsere ahnungslosen Opfer hineinlocken, damit wir sie brutal ermorden können, mit dem Ziel, zum bösesten Bösewicht zu werden, den die Liga der machiavellistischen Schurken jemals gesehen hat.

Doch zunächst sind auch wir nur ein unbedeutender Diener (Minion) in der Villa eines bösen Schurken. Ein Leben mit täglichem Gemetzel und Morden – klingt doch gut, nicht? Doch dummerweise ist unser Boss ein aufgeblasener Trottel. Wir sind es satt, ständig von ihm herumkommandiert zu werden und bewerben uns daher bei der “Liga der machiavellistischen Schurken”. Bald schon erhalten wir die Antwort: Unser Gesuch wurde bewilligt und wir sollen uns beim Amt für böse Gebiete melden. Dort erhalten wir unser böses Gebiet und dürfen uns drei Diener als Starthilfe auswählen. Diese Diener gehören verschiedenen Klassen wie Zombies, Vampiren oder Mumien an und unterscheiden sich stark voneinander. Zombies etwa bewegen sich zwar langsam, brauchen dafür nur wenig Nahrung (sie essen natürlich Gehirne). Jede Klasse hat außerdem mehrere spezielle Eigenschaften, wie etwa eine Eignung für bestimmte Aufgabengebiete, Resistenzen oder Spezialfähigkeiten für den Kampf. Sie unterscheiden sich zudem in der Anzahl der ihnen maximal zuweisbaren Aufgaben.

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Haben wir unser böses Team zusammengestellt, betreten wir unsere Spielwelt. Diese wird offenbar generiert und besteht aus einer Straße und Ressourcen, die wir abbauen können, also Bäumen, Gestein und anderen Rohstoffen. Bevor wir unsere Minions die Welt erkunden lassen, liegt ein Großteil der Welt im Schatten. Zunächst müssen wir Holz abbauen. Dazu markieren wir die Bäume, die unsere Minions fällen sollen. Damit dies aber auch geschieht, müssen wir einem oder mehreren Minions die Aufgabe “Holz fällen” zuweisen, wobei wir die individuelle Eignung für bestimmte Aufgaben, angegeben mit einem bis fünf Sternen, beachten. Jetzt öffnen wir den Bauplaner und errichten das erste Zimmer unserer zukünftigen Villa, indem wir Türen, Wände und Boden platzieren und den Minions die Aufgabe “Bauen” zuweisen. Ist das Zimmer fertig, können wir es ausstatten und ihm damit eine Funktion (damit ein Zimmer funktioniert, muss es genau eine Funktion haben) zuweisen. Welche Zimmer wir als erstes bauen sollen, erfahren wir entweder im “Erste-Schritte-Leitfaden” oder im mit einer Schaltfläche verlinkten “Wiki”. So errichten wir eine Küche, ein Schlafzimmer und ein Heimbüro. Solange Ressourcen markiert und Aufgaben zugewiesen sind, werden diese der Reihe nach abgearbeitet. Prioritäten können wir setzen, indem wir auf ein Objekt rechtsklicken und im Dialog “Zuerst das bauen” auswählen. Es dauert zwar eine Weile, bis diese drei Zimmer errichtet sind, doch sie bilden die Grundlage für unseren autarken Schurkenhaushalt. Effizientes Arbeiten ist zu Beginn wichtig, da unser Essen nur für eine bestimmte Zeit reicht. Wir müssen also morden. Dazu weisen wir einem Minion die Aufgabe “Briefe schreiben” zu (daher das Heimbüro). Wir können verschiedene Werbekampagnen führen. Haben wir genug Briefe geschrieben, bis die Post abgeholt wird, können wir damit unsere Opfer anlocken. Sind diese im Anmarsch, warnt uns das Spiel und wir können per Knopfdruck alle Aufgaben unterbrechen und uns verstecken. Sind die Opfer in unserer Villa, bringen wir sie um und achten darauf, niemanden entkommen zu lassen, denn sonst steigt der “Misstrauen”-Wert. Ist dieser zu hoch, werden wir von Dorfbewohnern angegriffen. Idealerweise beachten wir beim Morden die fünf Regeln, etwa: “Bringe sie um, wenn sie allein sind”, und verdienen dafür die Währung “Bösinium”, die wir etwa brauchen, um Dinge von Händlern zu kaufen oder Stellenanzeigen aufzugeben, um unser Team zu vergrößern, nachdem bei einem Levelaufstieg weitere Slots freiwerden. Ist das Gemetzel vorbei, geht es darum, aufzuräumen, damit alles sauber ist, wenn die nächsten Opfer ankommen.

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In MachiaVillain gibt es immer etwas zu tun. Damit unsere Nahrung nicht verfault, brauchen wir etwa einen Smoker. Dafür müssen wir die zugehörige Technologie erforschen. Dafür brauchen wir einen Labortisch. Dafür brauchen wir Ressourcen, die wir je nachdem an einem Werktisch verarbeiten müssen. Während das Farmen schnell geht, braucht die Forschung ziemlich lange, weil auch diese eine Aufgabe ist, die wir einem Minion zuweisen, und dieser Minion fehlt dann bei den anderen Aufgaben. Wichtig sind daher gutes Planen und ein effizienter Aufbau unserer Villa. Das Lager sollte gut erreichbar sein, da die Minions immer nur die Ressourcen für den Bau eines Objekts (etwa ein Stück Wand) mit sich schleppen und immer hin- und herwandern.

Damit wir die fünf Regeln am einfachsten befolgen können, bauen wir ganze Räume für unsere Opfer, damit diese keinen Verdacht schöpfen. Neben einer Lichtquelle in jedem Raum gehören dazu Fallen und Ablenkungen, damit die Opfer nicht merken, wenn jemand in die Falle tappt. Außerdem lohnt es sich, Bauteile zu erforschen und zu verbessern, denn eine schicke Tür sorgt für mehr Prestige und daher für weniger Misstrauen seitens der Opfer.

Doch auch auf die Zufriedenheit unserer Minions müssen wir achten. Idealerweise haben alle ein eigenes Schlafzimmer, die Möglichkeit, sich zu heilen, Tisch und Stuhl, um zu essen, Freunde, etc. Werden wir den Anforderungen nicht gerecht, werden die Minions wütend, hören nicht mehr auf uns und machen die Villa kaputt.

Für weitere Spieltiefe sorgt die Tatsache, dass wir Minions aufleveln lassen können, wodurch sie bestimmte Aufgaben schneller erledigen. Außerdem besitzen alle eine Reihe von Kampffertigkeiten, die wir mit Fähigkeitspunkten verbessern können. Jeder Minion hat Slots für Ausrüstung. Doch bis wir uns um diese Sachen kümmern können, dauert es, vor allem, weil wir uns immer wieder auf die Ankunft der Opfer vorbereiten oder einen Spinnenangriff abwehren müssen.

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In MachiaVillain den Überblick zu behalten, ist schwierig, vor allem für Anfänger. Nach einer Weile haben wir dann jedoch den Dreh raus – während uns die Steuerung immer noch Probleme bereitet. Eigentlich ist diese einfach gehalten. Mit WASD bewegen wir die Kamera, den Rest erledigen wir mit der Maus. Doch nur um ein Objekt aufzuheben, müssen wir auf einen Minion linksklicken, auf ein Objekt rechtsklicken, (was schwierig ist, wenn mehrere Objekte übereinander liegen) und im geöffneten Dialog auf die auszuführende Aktion linksklicken. Noch schwieriger wird es, wenn wir ein sich bewegendes Opfer auswählen und angreifen wollen, was alternativ durch Markieren unserer Minions, dem Klicken auf die Schaltfläche “Angriff”, welche auftaucht, wenn wir in den Kampfmodus wechseln, und dem rechtsklicken auf ein Opfer funktioniert. Auch beim Bauen und Farmen klicken wir uns durch mehrere Menübäume. Die unübersichtlichen Menüs mit der kleinen Schrift helfen uns bei unserem Schurkendasein auch nicht weiter.

Sonst gibt es an MachiaVillain in Punkto Grafik nichts auszusetzen. Es handelt sich zwar „nur“ um eine 2D-Spielewelt, außer den hübschen Schatten im Lampenschein gibt es keine wirklichen Grafikeffekte, die Figuren sind flach wie aus Papier – doch alles sieht toll aus, der Artstyle ist einfach fantastisch, vom Intro über das Spiel selbst bis zu den Icons am Bildschirmrand. Die Bewegungen der Figuren sind schlicht gehalten, doch liebevoll, wie unsere kleinen Mörder animiert sind, wenn sie den Besen schwingen oder mit dem Messer auf dem Metzgertisch tote Körperteile kleinschnippeln und dabei fröhlich über den Bildschirm hüpfen, ist es einfach eine Freude, zuzusehen. Wer herzlose Monster beim Sezieren ihrer brutal ermordeten Opfer so niedlich und dennoch authentisch aussehen lassen kann, verdient in diesem Punkt doch einfach die Höchstwertung.

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Authentisch ist außerdem der Soundtrack. Die Musik könnte direkt aus einem Gruselcartoon stammen und ist wie der Rest von MachiaVillain volle Kanne auf Klischee getrimmt. So macht das Spielen noch viel mehr Spaß und wir fühlen uns wirklich wie ein böser, böser Schurke – Muahahahaha. Wenn die Opfer im Anmarsch sind, verändert sich auch die Musik passend. Die Effektgeräusche, also Schritte oder Baulärm, sind klar und scharf und passen zeitlich haargenau zur Animation.

Leider haben die Spieler seit dem Release mit vielen und teils schwerwiegenden Bugs zu kämpfen. Man beklagt sich über fehlende Objekte, unsichtbare Wände, sich ständig wiederholende zufällige Ereignisse, nicht funktionierende Spielmechaniken (z.B. der Misstrauenswert), sowie darüber, dass sich Savegames nach einer gewissen Zeit vollständig zerschießen, was offenbar mit dem Verwenden der dreifachen Vorspulfunktion zusammenhängt. Wir sind von diesen Problemen zwar größtenteils verschont geblieben, doch auch bei uns wurden mehrmals manuell erstellte Spielstände nicht gespeichert. Beim jetzigen Stand der Dinge scheint bei einem längeren Spiel das Treffen auf einen Bug, der das Laden eines früheren Savegames erfordert (sofern dieses nicht auch zerschossen wurde), früher oder später unvermeidlich.

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Unser Fazit

74 %

MachiaVillain ist ein spaßiges Spiel. Während die einzelnen Spielmechaniken wie Forschung oder die Kampffähigkeiten der Minions zwar nicht allzu viel Tiefe bieten, haben wir durch deren schiere Anzahl immer etwas zu tun. Dafür aber dauert es umso länger, bis wir uns eingespielt haben und noch einmal länger, bis wir sämtliche Spielmechaniken ausprobiert und verstanden haben. Allgemein ist MachiaVillain gameplaytechnisch noch nicht richtig ausbalanciert. Durch den fabelhaften Artstyle, den ironischen Klischee-Gruselhumor und den gelungenen Soundtrack wird das Management- und Strategiespiel sehr authentisch präsentiert. Kurz nach dem Release sind es die vielen Bugs, die verhindern, dass das große Potential von MachiaVillain ausgeschöpft werden kann. Doch das Zwei-Mann-Studio arbeitet eng mit der Community zusammen an einem Patch und hat sich einen weiteren Programmierer zur Hilfe geholt. Wenn die schlimmsten Bugs behoben sind, können wir MachiaVillain auch in Punkto Spielspaß und Gameplay die Wertung geben, die es verdient.

Pro

  • + Fantastischer Artstyle
  • + Witzige Animationen
  • + Lustiger, böser, böser Soundtrack
  • + Spaßiges Gameplay
  • + Viele Spielmechaniken
  • + Mehrere Minion-Klassen
  • + Wiki und Leitfaden
  • + Viel Potential
  • + Interessantes Konzept

Kontra

  • - Unübersichtliches Interface
  • - Verwirrende Steuerung
  • - Spielmechaniken zu wenig erklärt
  • - Nicht ausbalanciert
  • - Bugs
  • - Speicherprobleme
  • - Beim jetzigen Stand zerschießen sich die Savegames früher oder später
  • - Dafür, dass einige Aktionen sehr lange dauern, vergeht die Zeit zu schnell
  • - Opfer angreifen ist äußerst fummelig

Unsere Bewertung

Grafik
 
100 %
Sound
 
86 %
Steuerung
 
55 %
Gameplay
 
66 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
65 %

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