insidegames

Madden NFL 18 – Test / Review

Direkt zum Fazit springen

Veröffentlicht 1. Oktober 2017 | 19:13 Uhr von Thomas Pfnür

Madden-NFL-18-Brady

Ja, ist denn schon wieder Herbst? Wie die Zeit vergeht. Das Wetter wird schlechter, die Blätter fallen von den Bäumen und schon steht Madden NFL 18 in den Verkaufsregalen. Was hat sich geändert? Hat sich überhaupt etwas geändert? Wurde gehalten was versprochen wurde? Altbekannte Fragen kreisen im Raum, als wir das Spiel in die Konsole einlegen und gespannt auf den Ladebildschirm blicken… 

Madden NFL und das unveränderte Spiel

Es mag kaum verwundern, dass bei einer Franchise, wie Madden NFL, die uns im jährlichen Rhythmus mit neuen Spielen versorgt, irgendwann der Zeitpunkt gekommen ist, wo wir uns über den Sinn des aktuellsten Ablegers Gedanken machen, ja sogar Gedanken machen müssen. Gerade auch dann, wenn der Vorgänger enorme spielerische Qualitäten aufwies und das Weiterentwicklungspotential schon damals nahezu ausgeschöpft schien. Mit Madden NFL 18 haben wir also nun diesen Zeitpunkt erreicht und müssen uns tatsächlich diese Sinnfrage stellen. Mit negativen Ausgang, denn leider wird relativ schnell klar, im aktuellen Ableger der Football-Franchise gibt es nur wenig neues, dafür aber viel zu viel bekanntes Spielgefühl. Zwar will uns Electronic Arts durch ihre Pressemitteilungen über die nach Publisher-Meinung unzähligen Gameplayneuerungen vom Gegenteil überzeugen, doch gelingen mag das eigentlich zu keinem Zeitpunkt. Im Endeffekt bleibt es dabei, will man überhaupt die feinen Unterschiede zum Vorgänger finden, muss man schon sehr lange, vor allem aber sehr genau suchen.

madden-nfl-18-marshan-lynch-screen

Dann findet man etwa das neue Feature Spielvariante, welches euch die Möglichkeit gibt, beim Einstieg zwischen Arcade, Simulation oder Kompetitiv zu wählen. Was im Endeffekt nur bedeutet, dass ihr damit die groben Eckpunkte eures Schwierigkeitsgrades festlegt. Wollt ihr ein action-lastiges Spielvergnügen ohne große Strafen für vergnüglichen Spielspaß? Oder doch lieber ein komplett authentisches Gameplay nach Originalregeln der NFL für den Tiefgang?

Schon mehr will da das neue freie Passen anbieten. Und tut es auch. Da man sich nicht mehr nur auf einen Passempfänger festlegen muss, sondern durch die Wahl eines Passbereiches mehr Mitspieler anspricht bzw. aktiviert, werden einem neue Möglichkeiten in den Angriffsformationen geboten. Möglichkeiten, die einem bei manch brenzliger Spielsituationen, etwa wenn die Laufwege zugestellt sind, auch weiterhelfen können.

Weiterhelfen soll euch auch die neue Deckungszuweisung, mit dem Ergebnis, dass sie letztendlich vor allem etwas mehr Variantenreichtum innerhalb der Defensive bringt.

Insgesamt bleibt es bei all den positiven Aspekten auch dabei, dass es sich bei diesen spielerischen Neuerungen nur im marginale Eingriffe ins Gameplay handelt, die weder das Spiel ändern, noch besonders großen Einfluss aufs bekannte Spielgefühl nehmen.

Da kommen wir natürlich zwangsläufig zur entscheidenden Frage: Ist das genug um den Besitzer des Vorgängers wirklich so zu begeistern, dass er Geld für den Nachfolger auf den Verkaufstresen legt? Wir sind der Meinung: Nein. Dieses Wie-im-Vorgänger-Gefühl ist so stark und begleitet einem so intensiv von der ersten Minute an, dass man viel zu schnell vergisst, dass gerade der aktuelle Ableger der Madden NFL Reihe in der Konsole rotiert. Allerdings ist das ein nicht gerade neues Phänomen. Den Entwicklern scheint es Jahr für Jahr immer schwerer zu fallen, wirklich auffällige Gameplay-Neuerungen zu finden und letztendlich dann auch zu implementieren – und uns fällt es somit Jahr für Jahr schwerer spielerische Gründe zu finden.

madden-nfl-18-cowboys-screenshot

Madden NFL und der Story-Modus

Die inhaltliche Neuerung, die Neuerung von Madden NFL 18 überhaupt, ist der neue Story-Modus. Irgendwie war eigentlich schon vor einem Jahr klar, dass nach dem guten Start in der FIFA Reihe wohl jede Franchise aus dem Hause EA Sports mit einer spielbaren Sportlergeschichte ausgestattet wird. 2017 ist nun Madden NFL daran und bietet uns mit Longshot eben jene. Die Sportart ist natürlich Football und der Protagonist, um welchen sich alles dreht, heißt jetzt Daven Wade, aber sonst hat man als Kenner des Fußballablegers schon viele Déjà-vus. Man sieht wieder diesen steinigen Aufstieg eines hoffnungsvollen Talents, man sieht wieder zerbröckelnde Freundschaften und ominöse Manager und man sieht vor allem viel Klischee. Wohin man blickt, FIFAs Journey ist irgendwie ständig präsent. Und trotzdem, es gibt auch Unterschiede. Die Geschichte wird cineastischer erzählt, mehr Musik ist zu hören, alles ist viel stimmungsvoller inszeniert – im Gegenzug fehlt es lange an spielerischen Elementen und eure Aktionen beschränken sich meist auf öde Quick-Time-Events oder simple Antwortentscheidungen, deren Auswirkung selten wirklich spürbar sind. Bis ihr euch wirklich mal richtig auf einem Football-Feld austoben dürft, ist die Story zur Hälfte vorbei. Überhaupt, wenn man etwas ganz extrem kritisieren kann, ist es die Länge des Ganzen. Kaum hat man sich mit Wade identifiziert, schon läuft der Abspann über den Bildschirm. Ebenfalls nicht unwichtig: Da Madden NFL 18 nicht lokalisiert ist, somit in Deutschland komplett in englischer Sprache erscheint, muss man selbiger schon einigermaßen mächtig sein, will man mit dem „Spiel-Film“ auch nur ein wenig Spaß haben. Und tatsächlich, irgendwie macht das Ganze Spaß. Man muss sich halt damit zufriedengeben, dass mehr Zuschauen, als Mitspielen geboten wird.

Und sonst? Negativ, der restliche Umfang ist praktisch identisch zum Vorjahr. Positiv, es wurde auch nichts gestrichen, so dass ihr weiterhin auf die bekannten Inhalte, wie die Modi Ultimate Team, Draft Champions und Franchise, zurückgreifen könnt und analog wie vor 12 Monaten damit auch wieder viele Stunden verbringen könnt. Ein nettes Gimmick gibt es übrigens doch noch. Madden NFL 18 gibt euch erstmals die Möglichkeit in der Spielvariante Play Now Live Matches der aktuellen Saisonwoche mit jeweils originaler Aufstellung und basierend auf den neuesten Statistiken nachzuspielen – übrigens mit ganz speziellen Kommentaren, die ebenfalls immer aktualisiert werden. Nett, für ein Spielchen zwischendurch, an eine Tiefe etwa der Karrieremodi kommt das Ganze natürlich nicht heran. Apropos Karriere. Hier habt ihr nach wie vor die Möglichkeit als Spieler, Trainer oder Besitzer das jeweils gewählte Team an die Spitze der NFL zu führen – mit teilweise komplett unterschiedlichen Aufgaben. Ist tiefgängig, macht Spaß und kosten viel Zeit, sehr viel Zeit.

madden-nfl-18-brady-throwing-screenshot

Madden NFL und die neue Engine

Madden NFL 18 setzt im neuen Jahr auf die Frostbite Engine. Grundsätzlich sicher keine schlechte Entscheidung, hat sich dieser Spielmotor im letzten Jahren als durchaus gut weiterentwickelt und in vielen Bereichen auch sehr authentisch integriert erwiesen. Die Spielerbewegungen, die vielen optischen Details und auch die meist flüssige Performance geben eigentlich nur sehr selten wirklich Anlass zur Kritik. Logisch also, dass man auch im aktuellen Ableger aufgrund der grafischen Darstellung des Spielgeschehens durchaus begeistert ist. Die Präsentation mit all den Feinheiten, wie etwa den Werbeeinblendungen und dem Leben abseits des Spielgeschehens, zieht einen sofort ins Geschehen. Und auch die passend inszenierten Zwischensequenzen, vor allem aber die grandios integrierten Wiederholungen sorgen für den einen oder anderen Wow-Effekt. Getoppt wird das Ganze durch die grandios umgesetzten Wettereffekte. Man spürt praktisch den eiskalten Wind, wenn man mit den Green Bay Packers im verschneiten Lambeau Field um jedes Yard kämpfen muss. Man fühlt sich ins warme Florida versetzt, wenn man ein Abendspiel bei den Buccaneers bestreitet und im Hintergrund das Piratenschiff im gleißenden Sonnenuntergang erstrahlt. Und man ist einfach nur begeistert, wenn man die komplett anderen Lichteffekte im überdachten Ford Fields der Detroit Lions zu Gesicht bekommt. Ihr merkt schon, wir kommen aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Etwas ins Stocken kommt die Begeisterung allerdings dann, wenn wir uns über die Ladezeiten ärgern. Die sind schon sehr lang, unserer Meinung nach eindeutig zu lang.

Dafür kann die Akustik auf ganzer Linie überzeugen. Frenetisch anfeuernde Fans, authentische Spielfeldgeräusche und informative Kommentare des englischsprachigen Reporterteams gehören hierbei genauso zum Repertoire, wie ein Soundtrack, der zumindest unseren Geschmack komplett trifft. Zu meckern gibt es hier eigentlich nur wenig.

madden-nfl-18-heinzfield_fireworks-screenshot

 

Getestete Version: Xbox One

Unser Fazit

80 %

Für sich gesehen ist Madden NFL 18 eine wirklich tolle Umsetzung der Sportart Football. Was uns die Mannen von Electronic Arts hier spielerisch, inhaltlich und vor allem auch optisch anbieten, kann eigentlich von den ersten Minuten an richtig überzeugen. Spielzugauswahl, Spielersteuerung und die KI fordern, bieten aber trotzdem auch so viel Zugang, dass man selbst als Neuling aufgrund vorhandener Erfolgserlebnisse schnell Freude mit dem Titel haben kann. Und auch was uns an Spielmodi geboten wird, sollte kaum Langeweile aufkommen lassen. Aber es gibt auch einen gravierenden Kritikpunkt: Die nur sehr bedingt vorhandene Weiterentwicklung, gerade in spielerischer Hinsicht. Der Vorgänger ist in vielen Bereichen viel zu präsent. Und trotzdem, wer den neuen Story-Modus spielen oder besser ansehen will, die aktuellsten Daten unbedingt braucht und wer vor allem noch nie etwas mit der Sportserie zu tun hatte, kann bedenkenlos zugreifen – Enttäuschung ist bei entsprechend eingeschränkter Erwartungshaltung praktisch ausgeschlossen.

Pro

  • + Forderndes, zugängliches Gameplay
  • + spielerische Neuerungen (u. a. freies Passen)
  • + guter Umfang, on-, wie offline
  • + weiterhin tiefgängiger Franchise-Modus
  • + neuer Story-Modus Longshot
  • + funktionierende Frostbite-Engine
  • + schöne Präsentation
  • + passende Licht-/Wettereffekte
  • + mitreißender Sound

Kontra

  • - vieles, vor allem spielerisch, erinnert stark an den Vorgänger
  • - die wenigen Neuerungen sind eher marginaler Natur
  • - Umfang in vielen Bereichen praktisch unverändert
  • - Story-Modus mehr Film als Spiel
  • - trotz neuer Engine bekannte Technikfehler (Clipping-Fehler usw.)
  • - ewig lange Ladezeiten
  • - weiterhin nicht lokalisiert

Unsere Bewertung

Grafik
 
85 %
Sound
 
86 %
Steuerung
 
83 %
Gameplay
 
82 %
Multiplayer
 
81 %
Spielspaß
 
80 %

- ANZEIGE -


Tags:

Weitere News und Spiele zum Thema

Als arbeitender Familienvater hat Thomas natürlich nur wenig Zeit, aber wenn dann halt mal doch, schreibt er mit großer Begeisterung mehr oder weniger Sinnvolles über alles was auch nur annähernd mit Sport zu tun hat.

Kommentare

Hinterlasse eine Antwort

Erfolge Trophy Leitfaden Keyword-Wolke:


Es ist noch kein Keyword vorhanden

- ANZEIGE -


*