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Mario Tennis: Ultra Smash – Test / Review

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Veröffentlicht 5. Januar 2016 | 16:27 Uhr von Andreas Keser

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Mario hat schon so einige Sportarten ausprobiert. Ob er nun im Kart über die Strecken düst, den Golfplatz unsicher macht oder über den Fußballplatz sprintet – meist ist der pummelige Klempner ein Garant für jede Menge Spielspaß, ganz besonders im Mehrspielermodus. Dieses Jahr kommt zwar keine neue Sportart hinzu, aber dass er auch auf der Wii U den Tennisschläger schwingt und damit eine hierzulande besonders beliebte Sportart wiederaufleben lässt, dürfte so manchen Fan sicherlich freuen. Auf den Spuren von Federer und Wawrinka geht es also erneut auf den Court. Doch schlägt er damit ein Ass oder eher ins Aus?

Arcade-Feeling pur

Das Konzept von Mario Tennis hat schon damals auf dem N64 und Gamecube bestens funktioniert. Während es auch Ableger für die Handhelds gab, die auf RPG-Elemente zurückgriffen und bei denen man seinen Charakter mit der Zeit immer mehr weiterentwickeln konnte, setzten die Konsolenversionen stets auf pures Arcade-Feeling. Mit Realismus und Simulation hat man es nie versucht und so sprangen die Bälle immer auf spektakulärste Weise in alle Richtungen. Ein Effekt jagte den nächsten und jeder Charakter durfte mit schillerndem Specialmove über den Platz fegen. Auch auf der Wii U ist dieses Arcade-Feeling ebenfalls gegeben, aber man hat die Effekte ein wenig eingedämmt und heruntergeschraubt. Es gibt nun keine charakterspezifischen Angriffe mehr, die von einer speziellen Animation begleitet werden, sondern nur noch besondere Schmetterbälle, verblüffende Bananenflugkurven oder sonstige „normale“ Tennismanöver, die lediglich ein wenig übertrieben daherkommen. Natürlich sieht man hier und da schon noch das ein oder andere Sternchen oder sprühende Fünkchen, aber verglichen mit der Gamecube-Version (bzw. Wii-Version) hält man sich dieses Mal deutlich zurück.

Dafür wurde einem Aspekt besonders viel Beachtung geschenkt: Dem Riesenpilz. Wenn man ein normales Match im „Mega-Wettkampf“ spielt, dann werfen euch und eurem Gegner immer wieder mal zwei Toads einen dieser übergroßen Powerpilze auf den Platz. Sammelt man ihn ein, wird man für eine Weile grösser. Dadurch kann man härter schlagen und kommt leichter an die Bälle ran. Der Riesenpilz ist allerdings das einzige Power-Up und es gibt auch keinen Modus, in dem beispielsweise Bananenschalen oder Panzer auftauchen.

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Lob, Ass und Schmetterball – es geht auch klassisch

Die Steuerung trägt einen großen Teil zum Arcade-Feeling bei. Sie ist leicht erlernbar und man braucht nicht lange, um ins Spiel zu finden. So kommt bereits nach wenigen Minuten Spaß auf. Wenn man nun aber ein wenig trickreicher spielen möchte, so lässt das die Steuerung ebenfalls zu und man kann ganz gezielt auf die verschiedenen Schlagtechniken setzen. Wie im realen Tennis, gibt es natürlich auch sämtliche Möglichkeiten – vom Topspin bis über den Stopp- oder Schmetterball. Wenn man seinen Gegner gut analysiert und ihn mit einem kurzen Ball ans Netz lockt, um ihn anschließend mit einem hohen Lob so richtig ins Schwitzen zu bringen, dann hat man einen sicheren Punkt in der Tasche und ihn gekonnt ausgespielt. Es geht also auch ganz klassisch, ohne Spezialeffekte oder Power-Ups.

Will man den Bällen allerdings noch mehr Kraft verleihen, dann wartet man auf sogenannte Glücksschläge. Die Möglichkeit dazu, taucht beispielsweise dann auf, wenn der Gegner einen Ball nur noch knapp erwischt hat. Es erscheint ein Kreis, der anzeigt wo der Ball aufschlagen wird. Er hat eine bestimmte Farbe und ein bekanntes Symbol (Feuerblume, Bob-omb, Fisch…), welche für die Balltechnik steht, die in dieser Situation besonders geschickt wäre. Ist er beispielsweise gelb und zeigt einen Fisch, so besteht die Möglichkeit zu einem außerordentlich kräftigen Lob. Dazu muss man möglichst genau in den Kreis stehen und kurz hintereinander die A- und sogleich die B-Taste drücken. Der Gegenspieler wird es nun schwer haben, diesen Spezialball zu erwischen.

Im „klassischen Modus“ (Standard) gibt es zwar solche Glücksbälle und auch Bälle aus dem Sprung heraus, aber es werden keine Pilze auf das Spielfeld geworfen. Will man es jedoch noch klassischer, dann entscheidet man sich für den Unterpunkt „einfach“. Hier gibt es weder Pilze, noch Glücksschläge und auch keine Bälle aus dem Sprung. Von einer Simulation ist es natürlich immer noch meilenweit entfernt, aber hier kann man sein Können mit Sicherheit am besten zeigen und muss sich weniger auf irgendwelche äußeren Umstände konzentrieren, sondern mehr auf das reine Spiel.

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Bloß ein simples Smartphone-Game?

Neben diesem „klassischen Modus“, gibt es noch den „Mega-Wettkampf“, der sich lediglich darin unterscheidet, dass es die Powerpilze gibt. Dann hätten wir da noch den „Mega-Ballwechsel“, in dem man einen langsamen Wasserball hin und her spielt und versuchen muss, möglichst viele Ballwechsel zu erzielen. Sobald also einer der beiden Spieler einen Punkt macht, ist das Spiel vorbei. Und das war auch schon der ganze Modus (gähn!). Die „K.O.-Herausforderung“ ist auch nicht wesentlich abwechslungsreicher. Man tritt gegen einen Computergegner an und mit jedem Sieg, kommt ein stärkerer Gegner und es gibt mehr Preisgeld. Nun gilt es möglichst viele Gegner zu bezwingen. Einfallsreichtum sieht anders aus…

Jetzt bleibt nur noch der „Online-Mode“. Leider hat es Nintendo wieder einmal geschafft, in der heutigen Zeit einen Online-Modus auf die Beine zu stellen, der von vorgestern ist. Man darf alleine oder im Doppel spielen, kann darüber entscheiden ob Powerpilze, Glücksschläge oder nichts davon im Spiel vorkommen und wie lange eine Partie dauern soll. Zudem gibt es die Option „zum Spaß“ und andererseits darf man aber auch um einen Rang kämpfen. Gestartet wird mit 2000 Punkten und bei jedem Sieg gibt es Punkte dazu, bei einer Niederlage verliert man wieder welche. That’s it! Das war alles! Ziemlich mager…

Das Spiel fühlt sich leider so an, wie eines dieser Smartphone- Games, bei dem man bei der kostenlosen Version nur eingeschränkte Möglichkeiten hat und erst, wenn man sich die kostenpflichtige Version zulegt, werden alle Modi verfügbar. Oder wie ein Spiel, das zu Beginn noch nicht mit allen Inhalten ausgeliefert wurde und man muss nach und nach Downloadcontent hinzukaufen. Wo sind bloß all die Innovationen hin? Warum gibt es keinen Storymode? Keine Turniere oder irgendwelche lustigen Partymodi? Wieso lässt man Dinge weg, die in Vorgängern integriert waren und Spaß machten? Für einen Vollpreistitel fühlt es sich so an, als wäre es nur halb fertig geworden. Klar, kann man argumentieren, dass die Geschichte im Storymode ja sowieso immer an den Haaren herbeigezogen gewesen ist, aber dass es diesen dann einfach gar nicht mehr gibt, kann auch nicht die Lösung sein. Wenn man sich einen Tag lang intensiv mit Mario Tennis auseinandersetzt, hat man eigentlich schon bald alles gesehen. Natürlich setzt es auf den Mehrspielermodus und die Gelegenheitsmatches mit Freunden, aber die Tatsache, alles außen rum einfach wegzulassen, dürfte Einzelspielern mehr als nur sauer aufstoßen. Das ist wirklich sehr enttäuschend und einer der größten Kritikpunkte des Spiels!

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Goodies und Extras?

Anhand der mageren Modiauswahl, hat man als Einzelspieler also wenig Langzeitmotivation. Immerhin gibt es aber noch Münzen, die man nach jedem Match verdient (bei Siegen natürlich deutlich mehr als bei Niederlagen). Diese lassen sich beispielsweise einsetzen, um neue Charaktere freizuschalten. Allerdings fährt man auch hier den vollen Sparkurs. Zu Beginn stehen euch 12 der beliebtesten Helden aus dem Nintendouniversum zur Verfügung (Mario, Peach, Toad, Bowser, Yoshi…). Manche sind vielseitig begabt, andere besonders schnell, präzise in den Schlägen, kraftvoll oder trickreich. Mehr als vier weitere Charaktere gibt es aber nicht mehr. Wer etwa auf Birdy oder Shy-guy gehofft hat, der hofft vergebens! Viele Figuren wurden einfach gestrichen. Dafür darf man ein Doppel mit der Unterstützung seiner amiibo-Figur spielen, die sich mit der Zeit auch aufbessern lässt. Besonders spannend ist das aber nicht gerade.

Ein kleiner Trost sind die verschiedenen Tenniscourts. Neben Klassikern wie dem Hartplatz, Sandplatz oder Rasenplatz gibt es auch einen Eisplatz, Wüstenplatz oder Teppichplatz. Diese unterscheiden sich teils erheblich in Sachen Ballgeschwindigkeit und Abprall. Auf dem Pilzplatz fliegt jeder Ball, nachdem er einmal aufgekommen ist, meterhoch in die Luft. Beim Wüstenplatz ist genau das Gegenteil der Fall. Besonders speziell ist aber der Morphplatz, der nach jedem erfolgreich geschlagenen Glücksball auf einer der beiden Seiten die Beschaffenheit ändert. Es ist daher möglich, dass man selbst gerade auf einem Rasenplatz steht, während der Gegner über den Eisplatz schlittert. Das kann bisweilen sehr unterhaltsam sein.

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Modernes Kachelmenü und ordentliche Technik

Die geringe Anzahl an Modi wurde immerhin hübsch verpackt. Nach dem Einschalten gelangt man zügig ins Hauptmenü, das einem Windowsphone gleicht, da es ebenfalls in verschiedene Kacheln aufgebaut ist. Das kommt modern und strukturiert daher und macht einen guten Eindruck. Ebenso ist es auch mit der Spielgrafik. Von der Wii U sind bekanntermaßen keine Grafikwunder zu erwarten und Mariospiele setzten sowieso schon immer auf Charme und nicht auf die neuste Technik. Auch bei Mario Tennis Ultra Smash ist das nicht anders. Die Nintendohelden sind allesamt zuckersüß, flüssig animiert und man muss sie einfach gernhaben. Der Stil ist wie immer Geschmacksache, doch Nintendo hat auch hier wieder viel Liebe fürs Detail gezeigt. Seien das nun die Toads am Platzrand, die fröhlich ihre Fähnchen schwenken, die Animationen, wenn sich ein Spieler über die Niederlage ärgert bzw. über den Sieg freut oder die angestrengten Gesichter, während eines Schmetterballs. Das gesamte Spiel läuft zudem sehr flüssig und rund. Neben ein paar hübschen Effekten, den belebten Stadien oder schönen Spiegelungen auf dem Eisplatz, gibt es in einem Tennisspiel ja generell nur begrenzt Möglichkeiten, dass einen die Grafik ins Staunen bringen könnte. Der Sound fügt sich gut ins Gesamtbild ein und unterstützt das kunterbunte Nintendoflair. Ausrufe, Seufzer oder Freudenschreie der Charakter gehören ebenso ins Repertoire wie die turbulente und fröhliche Musikuntermalung.

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Unser Fazit

77 %

Fans von Mario Tennis gehen mit hohen Erwartungen an das Spiel heran. Diese dürfen zunächst erleichtert aufatmen, denn der Multiplayerspaß ist noch fast genauso vorhanden, wie man es von der Serie gewohnt ist. Man setzt sich mit Freunden vor den TV, schaltet ein und hat es sofort lustig miteinander. Hier liegt auch ganz klar die Stärke des Spiels. Was allerdings auf ganzer Linie enttäuscht ist das „Drumherum“. Man hat an allen Ecken und Enden Einsparungen vorgenommen. Es gibt keinen Storymode, keine Turniere, weniger Charaktere, keine charakterspezifischen Spezialattacken, keine ausgefallenen Funmodi (das mit dem Wasserball ist extrem langweilig!), einen minimalistischen Online-Mode und kaum Motivation für den Einzelspieler. Das könnte man nun damit entschuldigen, dass es ja sowieso nur auf die gelegentlichen Matches im Mehrspielermodus ausgelegt ist. Generell stimmt das ja auch, aber man hat es sich dieses Mal wirklich zu einfach gemacht. Wenn man so viele Dinge streicht, dann wird natürlich auch bei der Gesamtbewertung gestrichen. Es macht wenig Sinn, dass man tolle Modi abserviert, die es in den Vorgängern noch gab. Da hat man sich selbst ein Ei gelegt und einer tollen Spieleserie leider einen nicht ganz so glorreichen Nachfolger spendiert. Schade, denn im Kern ist Mario Tennis Ultra Smash eigentlich ein richtig gutes Partygame. Fans können natürlich dennoch zuschlagen und werden mit Sicherheit auch so manch lustiges Match bestreiten. Top-Hit ist es jedoch keiner!

Pro

  • + tolles Arcade-Feeling
  • + man findet leicht Zugang zum Spiel
  • + die Steuerung geht gut von der Hand
  • + Profis können ebenso gefordert sein
  • + sehr spaßige und kurzweilige Mehrspielermatches
  • + hübsche Präsentation (Menüs, Animationen, Sounds)
  • + Abwechslung durch unterschiedliche Courts (Sand, Teppich, Eis...)

Kontra

  • - Sparmaßnahmen der übelsten Sorte: weniger Modi, Charaktere, Boni
  • - fühlt sich daher fast wie eine Demoversion/unfertiges Spiel an
  • - Online-Mode enttäuscht, da er wenige Möglichkeiten bietet
  • - neue Modi sind allesamt gähnend langweilig (Wasserball, K.O.)
  • - Einzelspieler werden nicht lange bei der Stange gehalten

Unsere Bewertung

Grafik
 
85 %
Sound
 
80 %
Steuerung
 
90 %
Gameplay
 
80 %
Multiplayer
 
85 %
Spielspaß
 
75 %

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Aufgewachsen mit der ersten Nintendo-Konsole, fühlt sich Andreas Keser eigentlich auf allen Plattformen heimisch.

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