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Mass Effect: Andromeda – Test / Review

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Veröffentlicht 6. Juli 2017 | 20:27 Uhr von Marc Wunder

Mass-Effect-Andromeda-Screen

Ganz weit weg

Aufbruch ins Unbekannte. Mutige Pioniere machten sich auf eine 600 Jahre währende Reise in eine neue Galaxie. Benutzt werden dabei riesige Kolonieschiffe – sogenannte Archen – in denen die Besatzung im Kryoschlaf verweilt. Doch kurz vor dem Zielplanet wird die Arche der Menschen unsanft von einer Weltraumanomalien namens „die Geißel“ gestoppt. Als sich der Zielplanet auch noch als unbewohnbar heraus stellt und der menschliche Hauptcharakter Alec Ryder stirbt, müsst ihr als Sohn / Tochter seine Aufgaben übernehmen. Wäre das nicht schon schlimm genug, hat es auch eine feindliche Alienrasse – die Kett – auf euch abgesehen. Ist die Kolonisierung von Andromeda schon vom Start weg gescheitert? Oder schaffen es die Völker aus der Milchstraße, alle Widrigkeiten zu überwinden? Dies hat der Spieler in der Haut von Ryder Junior im Laufe der Handlung in der Hand.

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Altes und Neues

Spielerisch orientiert sich Mass Effect Andromeda sehr stark am dritten Teil. Vom Prinzip her handelt es sich um einen Third-Person-Shooter mit vielen RPG-Anleihen. So gibt es ein umfangreiches Level- und Fähigkeitensystem, Crafting und einen Charaktereditor. Im Gegensatz zu den Vorgängern, kann die Spezialisierung jederzeit verändert werden. Wenn man mit der Klasse des Frontkämpfers an einer Stelle mal nicht weiter kommt, so switcht man einfach auf z.B. den Biotiker. Dies lässt bei der Charaktergestaltung maximale Freiheiten. Das Fähigkeitensystem unterteilt sich in Kampf, Tech und Biotik. Fähigkeiten lassen sich beliebig miteinander kombinieren. Damit lassen sich auch Combos erzeugen, die den Schaden am Gegner maximieren. Zum Beispiel kann man einen Feind in Brand setzen, um dann mit einer weiteren Fähigkeit eine Explosion auszulösen, die mehrere Gegner trifft. Sehr praktisch! Der Shooter-Part spielt sich ähnlich wie in den Vorgängern. Nur ist Dank des Jetpacks die Flexibilität stark gestiegen. Damit könnt ihr euch in die Luft katapultieren, kurze Zeit schweben oder einen flinken Ausweichsprung durchführen. Hinter hüfthohen Hindernissen geht Ryder automatisch in Deckung. Auch diesmal werdet ihr fast permanent von zwei KI-gesteuerten Charakteren begleitet, denen ihr rudimentäre Befehle geben könnt.

Das Craftingsystem ist Komplex aber durchaus logisch gestaltet. Überall in der Welt findet ihr Materialien, die ihr sammeln könnt. Zudem lassen sich durch bestimmt Aktionen wie scannen von Pflanzen und Objekten Forschungspunkte sammeln. Damit kann man neue Waffen und Objekte erforschen und anschließen entwickeln.

Jedes Objekt ist in mehreren Stufen steigerbar. Die Schießeisen sind weitestgehend Genrestandard. Pistolen, Sturmgewehre, Schrotflinten, Scharfschützengewehre. Alle unterscheiden sich in Punkten wie Schaden, Reichweite, Feuergeschwindigkeit und so weiter. Zudem lassen sie sich auch modifizieren, z.B. mit einem besseren Griff für mehr Präzision oder einem Zielfernrohr. Später im Spiel lassen sich dann auch mächtige Reliktwaffen erschaffen, deren Energieschüsse euch praktisch unabhängig von Munition machen.

Natürlich lassen sich Waffen aber auch in gut versteckten Lootkisten finden.

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Auf den Spuren von Kolumbus

Ausgangspunkt für die Abenteuer des Teams ist die Nexus, eine riesige Raumstation im Stil der Citadel. Als Fortbewegungsmittel zwischen den Planeten dient die Tempest, das modernste Schiff der Flotte. Hier könnt ihr euch mit euren Crew-Mitgliedern unterhalten, Forschungen voran treiben oder auf einer Sternenkarte das nächste Ziel auswählen. Obwohl es unzählige Planeten gibt, ist nur ein Bruchteil davon betretbar. Der Rest kann nur gescannt werden und gibt Boni wie Forschungspunkte oder Mineralien. Die fünf betretbare Planeten (und ein zusätzlicher, halbzerstörter Mond) sind jedoch riesig und sehr abwechslungsreich gestaltet. Dschungel, Wüste, Schnee und Eis – auf jeder Welt warten andere Klimabedingungen auf euch. Anders als in den Vorgängern, die hauptsächlich aus Levelschläuchen bestanden, könnt ihr euch hier nun völlig frei bewegen und die Landschaft erkunden. Zur Fortbewegung nutzt ihr den Nomad – ein Buggy ähnlich des aus Teil 1 bekannten Mako. Auch dieser kann per Upgrades schrittweise verbessert werden. Zudem schützt er euch vor Umwelteinflüssen wie Kälte und Hitze. Denn bevor ihr einen Planeten kolonisieren könnt, müsst ihr bestimmte Quest bewältigen. Unter anderem die Aktivierung von sogenannten Gewölben. Das sind alte, außerirdische Strukturen die von merkwürdigen Maschinenwesen – Relikte – bewacht werden und eine Art Terraformer darstellen. Aber auch die Kett sind auf der Jagd nach der Relikttechnologie! Um diese Alien und ihren Anführer den Archon dreht sich dann auch größtenteils die Hauptstory des Spiels. Diese ist auch der größte Kritikpunkt. Die Geschichte plätscherte langsam und unaufgeregt vor sich hin, es fehlen großartige Highlights. Zudem sind viele der Nebenaufgaben wesentlich spannender und aufregender inszeniert, seien es die Such nach den anderen Archen oder auch die (ebenfalls wieder vorhandenen) Loyalitätsmissionen der Crewmitglieder. Insgesamt stimmt die Balance zwischen Haupt- und Nebenquests einfach nicht. Es gibt so viel zu tun und zu erleben, dass man irgendwann den roten Faden aus den Augen verliert. Bioware selbst bezeichnet Andromeda vom Inhalt her als ihr gewaltigstes Spiel (3x so groß wie Dragon Age Inquisition!). Zu den vielen teils mehr, teils weniger interessanten Nebenmissionen gesellen sich dann noch hunderte Miniaufgaben, die euch größtenteils nur mit Erfahrungspunkten belohnen. Wer wirklich alles erleben will, der muss auf jeden Fall einen dreistelligen Stundenbetrag investieren. Was auch negativ auffällt: auf jedem Planeten scheint die gleiche Flora und Fauna zu existieren – nur mit anderen Texturen. Zudem sind euch Tiere grundsätzlich feindlich gesinnt. Friedliche Wildtiere wie in The Witcher 3 sucht man vergebens.

Der aus Mass Effect 3 bekannte Multiplayermodus feiert ebenfalls ein Revival. Zu viert bekämpft man darin Wellen von Gegnern und erfüllt wechselnde Aufgaben. Dieser Modus hat diesmal aber keine direkten Auswirkungen auf die Story. Allerdings lassen sich hier Lootboxen und Geld erkämpfen, die Vorteile für den Einzelspielermodus bringen. Wer darauf keine Lust hat, kann aber auch KI-Teams auf diese Missionen schicken, ähnlich wie in Assassins Creed Brotherhood.

Die Grafik basiert auf der Frostbite 3-Engine und zaubert schöne Licht- und Partikeleffekte auf den Bildschirm. Die Optik befindet sich auf hohem Niveau. Nur die Animationen und Gesichter der Charaktere wirken sehr holzpuppenhaft, auch wenn das per Patch schon etwas verbessert wurde. Die orchestrale Musik ist stimmig und nie aufdringlich. Die deutsche Vertonung dagegen hätte mehr Qualität vertragen können. Während sich die deutsche Synchronisation von z.B. Drack sehr gut anhört, so ist der Sprecher des männlichen Ryders eher schlecht gewählt. Sehr schade, gerade an der Masse von Text.

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Getestete Version: Playstation 4

Unser Fazit

80 %

Höher schneller weiter. Mass Effect Andromeda ist gewaltig und bietet massig neue Features und Inhalte. Leider stellt es sich damit selbst ein Bein. Denn gerade die Hauptmissionen gehen in dem Wust an Nebenmissionen, Sammelaufgaben und Erkundungen einfach unter. Viel zu oft verliert man sich in Belanglosigkeiten. Zudem hätte gerade einer der Hauptparts des Serie etwas mehr Überarbeitung nötig gehabt, als nur ein neues Jetpack: der Shooterpart. Er spielt sich flott und zweckmäßig, Intensität und Nervenkitzel lassen die Deckungsgefechte aber oft vermissen. Dies alles ergibt letztendlich ein Spiel, welches zwar durchaus Spaß macht, dessen Gerüst jedoch an der Last der eigenen Ambitionen zusammen bricht.

Pro

  • + Riesige Spielwelt
  • + Hunderte Missionen
  • + Motivierendes Level- und Craftingsystem
  • + Schicke Optik
  • + Viel zu Entdecken
  • + Spannende Nebenmissionen

Kontra

  • - Hauptstory uninteressant
  • - Animationen und Mimik hölzern
  • - Gegnerrecycling auf den Planeten
  • - Deutsche Synchro hätte besser sein können

Unsere Bewertung

Grafik
 
85 %
Sound
 
79 %
Steuerung
 
74 %
Gameplay
 
82 %
Multiplayer
 
74 %
Spielspaß
 
85 %

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